Was kostenlos ist, ist häufig umsonst!

Wie sehr willst du diese Essstörung loswerden?

Was ist Dir Deine seelische, psychische und physische Gesundheit wert?

Oder um es konkreter zu machen: Wie viel Geld und Zeit bist Du bereit zu investieren?

Eine Essstörung entwickelt sich nicht von heute auf morgen und daher verschwindet sieleider auch nicht von jetzt auf gleich.

Immer wieder begegnet mir das Phänomen, dass Frauen mit einer Essstörung zwar irgendwie immer das Geld für Ihre Essanfälle auftreiben, aber geradezu geizig werden, wenn es darum geht, dieses Essproblem los zu werden. (Und JA, ich war auch mal so…)

So bekomme ich z. B. häufig Mails mit konkreten Fragen, die schon ins Coaching gehen. Einmal beantworte ich solche Mails gerne, aber wenn gleich darauf die zweite folgt, weise ich darauf hin, dass auch ich von meiner Arbeit leben will.

Oder ich bekam einmal eine Anfrage, ob ich bereit sei, ein Buch (Kaufpreis 8,00 Euro) zu verschicken, damit diejenige es sich kopieren könne.

Es gibt viele Beispiele.

Als ehemalige Bulimikerin weiß ich sehr wohl, was so eine Essstörung kostet. Neben Zeit und Gesundheit eben auch viel Geld.

Aber wenn mir z. B. jemand sagt, dass er die 68,00 bzw. 48,00 Euro für den Workshop nicht aufbringen kann, dann sage ich nicht, “Schade, dass Du Dir das nicht leisten kannst”, sondern “Du bist einfach noch nicht so weit.”

Denn diese Frauen denken: “Wenn ich mal nicht mehr so viel Geld fürs Essen ausgebe, dann mache ich den Workshop.” Der bessere Gedanke ist: “Ich gebe jetzt das Geld für den Workshop aus, damit ich es später nicht mehr für Essen und gegen meine Gesundheit ausgeben muss.”

Nach meinem Klinikaufenthalt suchte ich mir eine Therapeutin. Meine Auswahlkriterien gingen strikt danach, was mir gut tat und nicht, was von der Kasse übernommen wurde. Denn zu diesem Zeitpunkt war es mein größter Wunsch, ohne Essstörung zu leben. Und ich war bereit, zeitlich und monetär zu zahlen, was dafür nötig war.

Ich fand eine tolle Therapeutin, leider war sie nicht von der Kasse zugelassen. Das führte dazu, dass ich ein Jahr lang neben meinem Studium einen Nebenjob bestritt, dessen Einkünfte größtenteils von der Therapie verschlungen wurden.

Und ja, anfangs dachte ich: “Ich Arme, jetzt habe ich schon diese blöde Essstörung und dann muss ich auch noch für’s gesund werden bezahlen.”

Während dieses Jahres jedoch wandelten sich meine Gedanken. Als ich mit der Therapie fertig war, war ich auch die Essstörung endgültig los. Und ich dachte: “Wow. Ich hab’s wirklich geschafft. Und zwar aus eigener Kraft und mit eigenen (finanziellen) Mitteln.”

Mein Opferdasein war endgültig vorbei. Mit mir wurde nicht mehr gemacht. Ich machte plötzlich selbst!

Nicht nur beim Banküberfall lautet die Frage häufig: Geld oder Leben?

Wenn Du zunächst Geld (und Zeit) investierst um Leben zu bekommen, steht Dir irgendwann mehr Geld UND mehr Leben zur Verfügung!

 

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6 Antworten auf Was kostenlos ist, ist häufig umsonst!

  1. Katja sagt:

    Hallo Simone

    Hab gerade diesen Beitrag gelesen und muss nun einfach was dazu schreiben, egal, wer das hier auch immer sonst noch alles liest…
    Ja, aus Erfahrung weiss ich auch wieviel Geld so eine Essstörung kostest und ich muss ehrlich gestehen, dass ich zur Zeit wirklich keinen Rappen übrig habe,weil ich unterdurchschnittlich verdiene, um mir eine Therapie selbst leisten zu können. Allerdings hab ich mir schon mal eine Therapie selbst geleistet und die war wirklich bereichernd, ebenso der Workshop! Zur Zeit mache ich aber wieder eine annerkannte Therapie und die entspricht mir am meisten von allen, die ich bisher gemacht habe. Ich denke aber auch, dass dies mit meiner persönlich Reife und Bereitschaft zu tun hat.
    Nun, gerade warte ich sehnlichst auf den neuen Monat, damit ich wieder zu Geld komme und lese hier deinen Beitrag…das macht mich geradezu halb verrückt. Ich merke, wie krank mein Denken und wie gross der Suchtfaktor ist und gleichzeitig beschäftige ich mich mit dem Gesund werden. hmmm…das geht bei mir irgendwie nicht auf…

    Auf jeden Fall vielen Dank für den’ Stubser’!

    Liebe Grüsse
    Katja

    • Simone Happel sagt:

      Liebe Katja,
      danke, dass Du diesen Beitrag kommentiert hast. Ich habe schon eine Weile überlegt, ob ich ihn so veröffentliche, weil er nicht so leichte Kost ist…
      Du hast Zeit in diverse Aktivitäten gesteckt, Du tust etwas und das ist die Hauptsache. Wenn die bezahlte Therapie Dir hilft ist das doch klasse. Mir geht es nur darum, dass niemand auf ein kostenloses Wunder warten sollte. Denn auch ich kenne dieses Denken, dass Morgen schon irgendwie alles besser wird. Leider kommt dieses Morgen nicht, wenn wir nicht aktiv an der Verbesserung arbeiten. Ich möchte dazu auffordern, aus der Opferhaltung rauszugehen. Und da raus zu gehen kostet nun mal Zeit und manchmal auch Geld. Aber nur dann hat es letztlich auch einen Wert.
      Ich kenne auch, was Du mit dem momentanen Zustand beschreibst, dass Du “es nicht zusammenbekommst”. Du arbeitest dran und bald bekommst Du es zusammen und viele Dinge machen auf einmal Sinn. Wichtig ist doch, dass Du Dir selbst so ehrlich und aufmerksam gegenüber bist. LG

  2. M. Nielsen sagt:

    Hallo Simone,

    ich finde Deinen Artikel klasse, da es genau der richtige Weg und Gedankenanstoß ist! In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht, was ich machen soll. Und am liebsten soll es natürlich sofort losgehen und am besten nichts oder nicht viel kosten, aber das ist genau der falsche Weg. Mir ist klar geworden, dass ich erstmal sogar vielleicht noch mehr investieren muss, als ich zur Zeit schon an Geld und Zeit in die Essanfälle investiere, da eine zeitlang die Dinge bestimmt parallel laufen, aber das ist es auf jeden Fall wert, wenn am Ende die Freiheit als Gewinn lockt? Ist schon echt erstaunlich, da schleppt man die Krankheit jahrelang mit sich herum und lässt sie Kleinwagen verschlingen, aber wenn man aussteigen will, soll es doch bitte gleich und sofort gehen und ohne Mühe. Bloß wenn der Aussstieg dauerhaft sein soll, braucht es halt eben sein bisschen Vorbereitung.

    Danke für den Anstoß!

    Schöne Grüße,
    Maja

    • Simone Happel sagt:

      Liebe Maja,
      es freut mich, dass ich anstoßen konnte ;) Und ja, unsere Denke ist erstaunlich und nicht wirklich logisch, aber sie ist eben ein großer Teil des Problems. Und es ist Dir aufgefallen, dass ist ein ge-wICHtiger Schritt! LG
      P.S.: Deine Formulierung “Kleinwagen verschlingen” gefällt mir sehr, so tragisch wie es ist…

  3. Tanja sagt:

    Ich bin Studentin und weiß einfach, dass ich mir die Therapie nicht leisten kann – gerade weil es bei diesem Bereich in einem kleinem Kaff in Österreich ohnehin keine (guten) Therapeuten gibt. Daher habe ich mich entschlossen, zur kostenlosen psychologischen Studentenberatung zu gehen. Ich sehe darin meine Chance. Also: Was, wenn du Recht behälst, Simone – und das “kostenlos” automatisch “umsonst” bedeutet?

    Ich finde es völlig richtig, dass du das Thema Geld und Honorar ansprichst. Ich hoffe nur, dass dies nicht für mich gilt.

    • Simone Happel sagt:

      Liebe Tanja,
      kostenlos bedeutet nicht automatisch umsonst. Wichtig ist Dein Motiv, die Motivation dahinter. Um wirklich gesund zu werden, musst Du an den Punkt gelangen, an dem dieses Ziel ganz oben auf Deiner Prioritätenliste steht. Vielleicht kannst Du Dir die Therapie nicht leisten, aber wie lange kannst Du Dir die ES leisten? Es gibt sicherlich diverse gute Angebote, die “nur” Zeit kosten, ob dieser Zeitaufwand umsonst ist, entscheidest Du selbst.

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