Was ändert sich, wenn du dein Wunschgewicht erreichst?

„Wenn du Veränderung willst, akzeptiere dich, wie du bist“ habe ich kürzlich auf Facebook gepostet. Obwohl diese Aussage zunächst widersprüchlich erscheint, haben viele von euch zumindest die Ahnung, dass es so funktionieren könnte.

„Aber ich fürchte jedes Kilo mehr, das die Waage mir anzeigen könnte“ höre ich immer wieder. Und das ist ein Gedanke, der mir von früher sehr vertraut ist.

Daher fordere ich dich heute mal zu folgender Überlegung auf:

Was genau würde sich deiner Meinung nach warum und wie in deinem Leben ändern, wenn du tatsächlich dein Wunschgewicht erreichen würdest?

Wäre das Verhältnis zu deinen Eltern besser?

Würdest du deinem Partner mehr vertrauen?

Könntest du dich in deinem Job besser durchsetzen?

Würdest du Kritik selbstbewusster gegenüber stehen?

Wärst du quasi automatisch durch das Erreichen deines Wunschgewichts glücklicher, begehrter und erfolgreicher?

Ich und mein „Wunschgewicht“

Während meiner Magersuchts-Phase hatte ich mein sogenanntes Wunschgewicht, das ich – als ich in die Bulimie kippte – immer wieder anstrebte. Und hätte man mir während meiner Bulimie-Phase diese Fragen gestellt, hätte ich sie überwiegend mit „ja“ beantwortet. Mir wäre gar nicht bewusst gewesen, dass ich – als ich mein „Wunschgewicht“ hatte, mich weder glücklicher noch erfolgreicher oder begehrter gefühlt habe. Zumindest nicht längerfristig. Natürlich hatte ich diesen Zustand, den ich das Magersuchts-High nenne. Dieses gefährliche Gefühl der scheinbaren Macht über meinen Körper gepaart mit einer gewissen Ignoranz und Überheblichkeit den Menschen gegenüber, die „essen müssen.“ Aber auch während meiner Magersuchts-Zeit war ich nicht zufrieden. Ich glaubte damals, noch dünner sein zu müssen. Und während der Bulimie-Zeit hielt ich dann mein Magersuchtsgewicht für mein Wunschgewicht.

Wir sind was wir denkenBeide Phasen waren also – Gewicht hin oder her – unbefriedigend für mich. Und erst als ich begriff, dass ich kein Gewichts- sondern ein Denkproblem hatte, begann sich alles zu ändern.

Mir wurde bewusst, dass ich nie dort glücklich war, wo ich gerade war und wie ich gerade war. Ich verschob mein Leben gedanklich in eine bessere Zukunft, die nie Gegenwart wurde. Und anstatt mich damit auseinander zu setzen, bekam mein Körper, diese „unperfekte Außendarstellung“ von mir,  den schwarzen Peter zugeschoben.

Als ich begriff, dass ich gar nicht die Zahl auf der Waage, sondern die damit verbundenen Gedanken und Gefühle so sehr fürchtete, verlor die Waage ihre Macht als Stimmungsbarometer meines Lebens. Als mir klar wurde, dass sich Erfolg und Beliebtheit auf Äußerlichkeiten beziehen, die einem ständigen Wandel unterliegen, wurde beides unwichtiger für mich.

Als ich verstand, dass mein Gewicht ins Hoheitsgebiet meines Körpers gehört, wurde mein Kopf frei. Als ich begann, meinen Körper als das Wunderwerk der Natur, das er ist, anzunehmen, bekam ich die lang herbei gesehnte Veränderung:

Ich „brauchte“ keine Essstörung mehr. Ich vergaß sämtliche Kalorientabellen und Regeln. Ich begann wieder so zu essen, wie Kinder es tun. Und ich bin seit über 15 Jahren glückliche Nicht-Besitzerin einer Waage bei nahezu gleichbleibendem Gewicht.

Das „Wunschgewichts-Denken“ ist übertragbar

Dieses Gefühl, nie richtig zu sein, noch mehr bzw. weniger zu brauchen, ist auf sämtliche Lebensbereiche übertragbar. Und es taucht auch bei mir immer mal wieder auf. Im Gegensatz zu früher ist mir dieses Mangel-Denken jedoch heute bewusst. Und dadurch muss ich diesem nicht zu stillenden „Hunger-Loch“ nicht mehr nachgeben bzw. glauben.

Hierzu ein Beispiel:

Die Facebook-Seite von lebenshungrig hatte Ende Oktober genau 78 Freunde und ich kümmerte mich nicht allzu viel um sie. Anfang November aber änderte sich das. Facebook machte mir mehr und mehr Spaß. Ich fand Gefallen daran, nahezu täglich ein Zitat etc. zu posten und mit den Freunden zu interagieren.  Ich probierte aus, schaltete sogar ein paar kleine Werbeanzeigen und die Schar der Freunde wuchs. 1.000 Likes zu haben erschien mir damals als ein wünschenswertes aber schwer zu erreichendes Ziel. Nach ungefähr fünf Monaten wurde dieses Wunschziel Realität. Und mein erster Gedanke war „1.000 Freunde sind ja ganz nett, aber die wirklich guten Seiten haben 10.000 oder 100.000.“ Merkst du etwas?!?

Ich jedenfalls habe diesen Gedanken belächelt und ganz für mich alleine die 1.000 gefeiert…

In welche Bereiche deines Lebens überträgst du dein „Wunschgewichts-Denken“?

lebenshungrige Grüße

Simone