Weil du zählst_-6

„Über die Droge Aufmerksamkeit, Herzstillstand und der Phönix aus der Asche“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Wie so die meisten Essstörungen beginnen, wollte auch ich lediglich zwei bis drei Kilo abnehmen. Immerhin sagte meine Mutter dauernd: „ Kind, du bist so wunderhübsch und ein paar Kilo weniger würden dich perfekt machen!“

Perfekt. Ein Wort das den größten Teil meines Lebens geprägt hat. Wenn du etwas machst, mach es perfekt, sonst ist es nichts Wert. Egal ob Noten, Sport oder anderes, alles musste perfekt sein. Irgendwann nahm ich mir das wirklich zu Herzen und da begann die Misere.

Ein glückliches 14-Jähriges Mädchen mit normaler Figur wurde aus ihrer Heimatstadt verscheucht, weil ihr Vater ihr drohte, sie zu töten. Eine Mutter, die die Scheidung einreichte und wegzog mit ihren Töchtern. Weg von Freunden, weg von der Familie. Nichts blieb.

Niemals hatte meine Mutter Zeit. Sie arbeitete 16 Stunden am Tag. Meine Schwester und ich waren alleine.

Ich wollte perfekt sein. Ich schrieb gute Noten, kümmerte mich um meine Schwester, auch um meine Mutter. Doch was hatte ich? Keine Freunde, die mich stützten, keine Zeit mehr, Kind zu sein. Mit 16 bereits einen harten Nebenjob und das Abitur vor der Tür. Gemobbt von den Mitschülern und einsam mit meiner Wut und meiner Traurigkeit.

Nun begann es. „Vielleicht, wenn ich besser aussehe, wäre ich beliebter“, dachte ich. Ich nahm ein Kilo ab, dann wurden es drei. Die Komplimente flogen aus allen Ecken. Die Aufmerksamkeit wurde zur Droge. „Wenn ich nun so mehr Akzeptanz und Aufmerksamkeit finde, vielleicht sollte ich dann noch mehr Abenehmen.“, sagte eine innere Stimme, die überhaupt nicht mit meinem Körper im Einklang war.

Ich nahm mehr ab, wog 40 Kilo, schrieb trotz der Schwächeanfälle und Mangelerscheinungen mein Abitur. Alles bestens. Glücklich war ich trotzdem nicht. Es fehlte was, es fehlte jemand. Jemand der sich kümmerte.

Nun wog ich mit 18 nur noch 30 Kilo. Busfahren war eine Tortur. Meine Knochen rieben an den Sitzen, meine Haut war extrem dünn.

Ihr fragt euch: Wo war ihre Mutter? Warum hat sie das nicht gesehen?

Tja, meine Mutter war arbeiten. Sie hatte keine Kraft, sich neben der ganzen Arbeit auch noch um mich zu kümmern. Obwohl sie dauernd sagte, dass sie sich Sorgen mache…

Sorgen machen. Wunderbar. Helfen? Nein.

Eines Tages, als ich zum Skelett abgemagert in der Sonne lag, merkte ich, wie mein Herz schmerzte. Es war kein Schmerz, der normal schien. Nein, vielmehr einer, der so laut wie ein Signal sagte: Achtung Gefahr!

Übelkeit… Helles Licht… Stille…

Ich dachte, ich wäre tot: „Endlich habe ich mein nicht perfektes Dasein beendet“.

Ich wachte auf und tränenüberströmt lag meine Großmutter neben mir. Sie hatte den Notarzt gerufen.

Ich habe überlebt.

„Willst du wirklich so sein? Dein Leben lang gezwungen sein, jemand zu sein, der du nicht bist? Perfekt zu sein, obwohl du deine Makel magst?“, sagte die gute Stimme in meinem Kopf.

Weinen, denken, weinen, denken… Nein, handeln.

Der Herzstillstand zeigte mir eines: Es ist wirklich nie zu spät, sich für den richtigen Weg zu entscheiden, sich für das Glück zu entscheiden. Am wichtigsten ist, sich für das Leben zu entscheiden.

Es gibt viele Sprüche über das Leben, aber einen habe ich mir eingeprägt:

„Der Mensch ist eine Hülle und das Leben ist nicht schön. Aber füllt man diese Hülle mit allem was diesen Menschen glücklich macht, so wird auch das Leben für ihn schön.“

Da war ich nun, der Phönix aus der Asche.

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„Über das schwarze Schaf der Familie, Pro-Ana-Gruppen und positive Vorfälle“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich bin 20 Jahre alt und eigentlich ziemlich lebensfroh. Ich bin ein geselliger Mensch und schaffe es oft mein Umfeld mit meiner Lebensernergie anzustecken, was motivierend wirkt. Sonst engagiere ich mich viel in sozialen Bereichen (arbeite mit Kindern, die Downsyndrom haben und mache ihnen die Teilhabe in der Gesellschaft möglich und helfe ihnen ihre Ideen umzusetzen). Ich bin sportlich und sehr empathisch, hilfsbereit und einfühlsam. In meiner Freizeit bin ich kreativ unterwegs. Ich zeichne und male viel.

Wie ich magersüchtig wurde, ist eine lange Geschichte, doch ich versuche mich kurz zu halten. Ich habe einen angeborenen Hirntumor gehabt, der epileptische Anfälle auslöste. Bis 2009 war ich medikamentös gut eingestellt und konnte damit gut leben, dann kam ich aber in die Pubertät und mein Hormonhaushalt spielte verrückt, sodass die Anfälle häufiger wurden und die Medikation nicht mehr passte und sich auch gar nicht mehr richtig dosieren ließ.

Somit habe ich mich entschieden den Tumor operativ entfernen zu lassen. Es war der 11.03.2009 der mein Leben veränderte. Bis dahin habe ich immer gerne gegessen und war als Kind immer an der Grenze zum Übergewicht. Ich wog mit 12 Jahren bei einer Größe von 1.63 m schon 64 Kilogramm. Als ich die OP hatte, das ist auch der Grund warum ich so weit aushole, nahm ich 6 Kilo ab, weil ich nur Suppe und leichte Kost essen konnte, weil ich wegen der OP am Kopf den Mund kaum aufbekam, weil die Kieferbewegungen so weh taten, denn mein Kopf wurde rechtsseitig (hinterm Ohr) aufgeschnitten und das tat beim Essen höllisch weh.

Außerdem hab ich auch viel geschlafen und dementsprechend wenig gegessen. Ich fand das total toll, dass ich dann 58 Kilo wog und meine Hose viel zu groß war. Das gefiel mir. Außerdem hatte meine Mutter immer schon an meinem Körper rumgenörgelt und das auch nicht sehr sensibel. Das sah dann etwa so aus: „An deiner Stelle würde ich mal weniger Süßes fressen. Du bist viel zu fett. Ich bekomme kaum Hosen in deiner Größe. Für dein Alter gibt es kaum Hosen, mit so kurzen Beinen, die oben dann so weit sind, wie du es bräuchtest.“ Und meine Mutter war dann natürlich total fasziniert, als ich abnahm und bewunderte das. Somit hoffte ich auf mehr positive Anerkennung von ihr, wenn ich weiter abnehme.

Dazu muss ich sagen, dass meine Mutter eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, wie ich heute weiß und ich immer schon das schwarze Schaf war und mein Bruder, der 1 1/2 Jahre jünger ist als ich, immer das goldene Kind war und heute noch ist. Und er war schon immer ziemlich dürr und ich dachte, dass ich auch mehr Aufmerksamkeit bekomme, wenn ich dünn bin. Ich wollte meiner Mutter doch nur gefallen. Dann rutschte ich nach und nach in die Magersucht. Bis ich einen BMI von 14.9 hatte und ins Krankenhaus kam.

Ich habe mich auf Facebook in pro Ana Gruppen aufnehmen lassen und auch diese Challenges mitgemacht, wo es darum geht, ein bestimmtes Gewicht pro Woche abzunehmen und täglich Fotos vom Gewicht, also von der Waage während man drauf steht, zu schicken. Wer das Gewicht zwei Wochen lang nicht dementsprechend reduzieren konnte und somit zu schwach war, fliegt aus der Gruppe. Wenn jemand Hunger hat, schreibt er es in der Gruppe und alle motivieren dich dann, dass du nicht essen sollst und liefern Argumente, die gegen das Essen sprechen.

Vorwürfe, wie „Willst du fett werden? Davon nimmst du zu, du fettes Schwein.“ werden missbraucht um das Essen ekelig darzustellen und zum Feind werden zu lassen. Der Körper wird nur schlecht geredet und die Weiblichkeit abgelehnt. Je dünner desto besser. Und danach strebte ich mit allen zusammen.

Auch in WhatsApp war ich in solchen Gruppen. Ich habe natürlich in dem Zusammenhang auch nach Abnehm-, und Kotz-Tipps gesucht. Sogar Lieder wie „Debbie Rockt! – Liebe Ana“ hab ich gehört um nicht „schwach“ zu werden. Ich bin nicht mehr zur Schule gegangen um dem Sportwahn nachgehen zu können und und und…

Heute nutze ich soziale Netzwerke um anderen aus der Krankheit zu helfen. Ich selbst habe sie für meine Genesung nicht genutzt. Ich bin mir sicher, dass soziale Netzwerke einem ‚helfen‘ magersüchtig zu werden. Das ist so. Ich habe es am eigenen Leib erfahren. Es ist wie in einer Glaubensgemeinschaft, oder Sekte. Alle streben das gleiche Ziel an. Disziplin ist das A und O. Es entstehen starke Gemeinschaftsgefühle. Essgestörte leben im realen Leben oft isoliert und zurückgezogen. Das virtuelle Netz scheint die neue Familie in der Zeit zu sein. So war es bei mir. Ich habe mich sogar geborgen gefühlt durch die virtuellen Kontakte.

Als ich voll in der Magersucht steckte, war mein Alltag immer gleich. Meine Eltern trennten sich im November 2011 und ich zog mit meinem Vater aus. Da war ich schon magersüchtig konnte diese aber noch besser ausleben, weil mein Vater es nicht richtig gecheckt hat, dass ich essgestört bin. Ich stand morgens auf und hatte meine feste Mahlzeit jeden Morgen auf die Kalorienzahl genau ausgerechnet. Es durften genau 224 Kalorien am Tag sein. Diese bestanden aus dem Frühstück und das waren 4 Scheiben Zwieback und Diät Marmelade von Natreen, die pro Portion nur 24 kcal hatte. Und abends durfte es dann noch 1 Apfel sein. Jeden Abend trank ich eine 1,5 Liter Flasche Cola light. Das sollte den Stoffwechsel anregen (viel trinken) und für Heißhungerattacken auf Süßes vorbeugen. Ab und an kaute ich zuckerfreies Kaugummi, wenn das nicht reichte an süßem Geschmack. dazu gab es jeden Tag eine ganze Kanne Kaffee, der auch den Stoffwechsel ankurbeln sollte. Abends ging ich dann immer eine Stunde joggen.

Und dann in die Badewanne, weil mir immer kalt war als ich ins Untergewicht kam. Ich ging dann früh ins Bett, damit der nächste Tag endlich kam und ich mir wieder mein Frühstück erlauben konnte. An Wochenenden wachte ich immer früh auf und wartete darauf, dass es 8 Uhr morgens wurde, damit ich dann endlich wieder Sport machen konnte. Dann ging ich immer bis 10 Uhr joggen und beschäftigte mich das ganze Wochenende nur mit pro Ana und motivierenden Bildern etc. Wenn mein Vater mal kochte und mich zum essen zwang, dann kotzte ich es aus, denn ich durfte auf keinen Fall über mein Kalorienlimit kommen. Zum Kotzen, die kranke Welt der Essstörungen.

Meine Eltern wissen beide über die Krankheit Bescheid. Meine Mutter hat mich dafür nur terrorisiert. Sie war eifersüchtig, dass ich dünner wurde als sie. Und hat mich nur angemacht, dass ich mich da nicht reinsteigern soll und ich wäre doch gar nicht essgestört usw. Mein Vater war total hilflos und hat mich einfach machen lassen. Er hat es akzeptiert und nichts dagegen getan. Zum Kotzen, die kranke Welt der Essstörungen.

Als ich dann aber die erste stationäre Therapie gemacht habe und anschließend im Normalgewicht war, rutschte ich in die Bulimie, denn alle haben darauf geachtet, dass ich normal esse und ich war körperlich gesund, mein Kopf war noch magersüchtig und ich kotzte dann nach jedem Essen. Anfangs nach normalen Mahlzeiten, denn ich wollte ja weiter abnehmen. Später kamen dann Fressattacken dazu und ich fing das Fressen und Kotzen an. Von Begleiterscheinungen war ich natürlich auch betroffen. Ich bekam starke Depressionen, wobei ich gar nicht sagen kann ob ich erst depressiv wurde und dann magersüchtig, oder umgekehrt.

Meine Regelblutung blieb ein Jahr aus und ich hatte starken Haarverlust und ein ganz schlechtes und blasses Hautbild. Erst nachdem ich die Magersucht besiegt hatte und in die Bulimie rutschte fing ich an solchen Trends wie der Oberschenkellücke nachzueifern. Ich denke, dass eine Essstörung heilbar ist. Doch es gehört ganz viel Mut, Geduld und vor allem Disziplin dazu, die der Betroffene mitbringen sollte um gesund zu werden.

Es wird immer wieder Vorfälle geben. Doch heute ein Vorfall prophezeit morgen nicht den nächsten Vorfall. Und ein Vorfall ist nicht gleich ein Rückfall in die Essstörung zurück. Im Gegenteil. Ich finde Vorfälle gehören zur Heilung dazu. Wir dürfen nur nicht in dem Vorfall resignieren und einen Rückfall daraus werden lassen. Das ist das wichtigste. Es ist kein Rückschritt Vorfälle zu haben!

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„Über tröstendes Essen, Leistungssport und die Sehnsucht nach Schlankheit“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Vielleicht ganz von vorne.

Ich bin als einziges Mädchen mit drei Brüdern aufgewachsen. In einer Familie, in der alle groß, schlank, gutaussehend und aktiv sind. Ich war schon immer dicker als der Rest. Wenn ich mir Kinderbilder ansehe, stelle ich fest, dass ich bis ich 5 war, zwar nicht dick, aber irgendwie kräftiger als meine Brüder war. Mit ca. 6 Jahren fing es an, dass meine Großeltern, Tanten und Onkel mich auf mein Gewicht und mein Essverhalten ansprachen: “wie viele Scheiben Brot hast du schon gegessen?”; “muss das sein, dass du jetzt noch etwas isst?”; “das nächste Mal, wenn wir uns sehen, hast du abgenommen, versprichst du mir das?”

Zu meinen Brüdern immer nur: “Na Jungs, dann lasst es euch mal schmecken”. Hinzu kam, dass meine Brüder bald herausfanden, dass sie mich mit meinem Gewicht wunderbar ärgern konnten. Es fielen üble Schimpfwörter. “Fette Sau” war noch nett.

Meine Eltern haben nichts gesagt oder zumindest nicht genug, um es zu unterbinden. Um meinen Kummer zu vergessen, fing ich an, heimlich zu essen. Jeden Tag habe ich mir Süßigkeiten gekauft. Das Geld dafür habe ich von meinen Eltern geklaut. Sie haben es nicht gemerkt.

Ich wurde immer dicker und mit 14 Jahren wog ich 95 Kilo. Dann änderte sich mein Leben, denn ich begann, Leistungssport zu machen. Ich nahm in drei Monaten über 20 kg ab, denn mit meinem Gewicht hätte ich nicht vorne mitmischen können. Es folgte die übliche Bewunderung. Auf einmal nannte meine Oma mich nicht mehr beim Namen, sondern “mein schlankes Mädchen”. Es war wunderschön, jedenfalls am Anfang. Ich wurde sehr erfolgreich und schaffte es sogar in die Junioren-Nationalmannschaft. Doch selbst mit meinem Gewicht von 75 kg bei 1,78m Körpergröße und jeder Menge Muskeln, war ich immer noch eine der schwersten Sportlerinnen.

Ständig machten andere Trainer Bemerkungen, ich müsse aufpassen. In Trainingslagern mussten wir uns jeden Tag wiegen und so oft es ging, habe ich danach ein falsches Gewicht angegeben. Damals fing es an, dass ich zwischen Hungern und Fressattacken hin und her gerissen war. Ich konnte mir niemals vorstellen, mit dem Leistungssport aufzuhören, denn die 20 Stunden Training in der Woche halfen mir, mein Gewicht zu halten. Ich hatte unheimliche Angst zuzunehmen. Irgendwann war dann aber doch Schluss mit der Karriere. Noch lange habe ich intensiv Sport gemacht, um mein Essverhalten zu kompensieren, aber mittlerweile mache ich nur noch selten Sport. Ich fühle mich zu fett. Es ist mir peinlich, dabei gesehen zu werden.

Heute dreht sich in meinem Leben immer noch alles ums Essen. Ich mache seit zweieinhalb Jahren eine Therapie, aber dort spielt das Essen eigentlich keine große Rolle. Es soll nur um die Dinge gehen, die dahinter liegen. Die Depressionen und die Gründe dafür. Wenn es mir gut geht, merke ich tatsächlich, dass ich weniger ans Essen denke, aber das ist selten und ich fühle mich mit dem Problem allein gelassen.

Ich wünsche mir immer, dass mich jemand an die Hand nimmt und mich da heraus führt, aber bisher kam noch niemand. Zahlreiche Versuche, es allein zu schaffen, sind gescheitert und mein Selbstvertrauen ist, was mein Essverhalten angeht, auf Null geschrumpft. Wenn es ganz schlimm ist mit den Essanfällen, kotze ich hinterher alles wieder aus, aber meistens behalte ich es drin, so als wollte ich mich selbst bestrafen. Denn für mich ist es das Allerschlimmste, dick zu sein.

Ich will nicht schlank sein, ich will dünn sein, richtig dünn. Jede Mahlzeit ist für mich eine Niederlage, die ich jeden Tag und immer wieder aufs Neue durchleben muss. Ich erwische mich manchmal dabei, dass ich mir wünsche, magersüchtig zu sein. Ich weiß, dass es eine schreckliche und lebensbedrohliche Krankheit ist und trotzdem ist der Wunsch, dünn zu sein, in mir so groß, dass mir alles andere egal ist.

Wenn ich richtig dünne Frauen auf der Straße sehe, wünsche ich mir, auch so auszusehen. Obwohl ich insgeheim weiß, dass es mir auch nicht besser gehen würde, wenn ich von heute auf morgen einfach dünn wäre. Die Heilung findet von Innen heraus statt; so viel habe ich schon gelernt. Fehlt “nur noch” die Umsetzung. Ich hoffe, dass ich es irgendwann schaffen werde, meine Essstörung zu besiegen. Vielleicht wird mir der Online-Workshop dabei helfen…

Ich wünsche allen, die das lesen und die vielleicht gerade an einem ähnlichen Punkt stehen, viel Kraft. Lasst es uns anpacken!

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„Über überforderte Mütter, Selbstdisziplin und Angst vor der platzenden Bombe“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich bin momentan fast 20 Jahre alt und meine Geschichte ist nichts Weltbewegendes, Neuartiges, Besonderes…

Immer wieder lese ich von Personen, die es wirklich schlimm hatten/haben und scheinbar jeden Grund haben „dürfen“, eine Essstörung zu bekommen.

Bei mir war das immer anders. Ich bin Einzelkind, hab damals auf dem Dorf mit meinen Eltern, die glücklich verheiratet sind, in einem Haus gewohnt. Mir hat es sozusagen an nichts gemangelt. Meine Eltern waren fürsorglich und immer für mich da.

Trotzdem soll meine Geschichte eine Art Hinweis für alle Angehörigen sein – denn auch wenn es böse klingt, meine Eltern haben mir vieles erschwert, als ich mit Essstörungen in Kontakt kam.

Zunächst einmal war meine Mutter immer übergewichtig und wollte auch immer abnehmen (mit Diätpillen, Fitnessstudio, Friss-die-Hälfte und was nicht alles). Als ich ungefähr 11 war und meinen kindlichen Bauch zu dick fand, habe ich keinen Anstoß daran genommen, auch abnehmen zu wollen und habe dies auch vor meiner Mutter zugegeben, die das Ganze sicher als Spaß oder „Phase“ angesehen hat.

Solche „Tendenzen zum Abnehmen“ hatte ich immer wieder – teils mit Erfolg, dann war es mir wieder egal und so weiter. Ich war dann allerdings schon mit 11 untergewichtig, was irgendwie niemand ernst nahm, weil ich noch so jung war.

Mit Einsetzen der Pubertät wurde alles schwieriger: Mein Körper veränderte sich, ich nahm zu, ich hatte auf einmal ganz andere Weltsichten als meine Eltern und kaum eine Person, die meine Vorstellungen unterstützt hat. Ich wurde immer als naiver Weltverbesserer abgestempelt – die Tochter, die eigentlich gar nicht in die harmonische Familie passte. Ich fing an, immer mehr zu rebellieren, weil ich mich nicht ernstgenommen fühlte. Meine Mutter wurde außerdem sehr anhänglich, wollte meine beste Freundin sein und war immer enttäuscht von mir, wenn ich ihre starken Gefühle nicht erwidert habe.

Das hat irgendwann dazu geführt, dass ich das Gefühl hatte, mich immer nur noch rechtfertigen zu müssen. Meine Mutter bezeichnete mich als kalt, abwesend, ich hätte keinen Sinn für die Familie – und das sind Worte, mit denen man mit 14 Jahren nicht beschrieben werden will.

In der Schule ging es dann los, dass ich die erste war, die Brüste bekommen hat in meinem Freundeskreis. Ich hab angefangen, mich dafür zu schämen und mich ständig zu vergleichen. Und gerade in der Pubertät können sich die Körper der Jugendlichen ja sehr stark unterscheiden – es gab immer jemanden, der dünner war, zierlicher war. Ich fing an, weite Kleidung zu tragen und dachte mir „wenn ich dünner wäre, verschwänden auch die Rundungen“. Schon damals war ich außerdem sehr perfektionistisch und konnte es gar nicht leiden, wenn jemand in irgendeiner Weise besser war als ich.

Und ich nahm tatsächlich ab. Fünf Stunden Sport am Tag waren normal für mich. Je mehr mein Gewicht fiel, umso besorgter wurde meine Mutter. (Ich bin meinem Vater heute noch dankbar, dass er sich rausgehalten hat, denn die Beziehung zu meiner Mutter wurde dadurch bis heute sehr geschwächt und mit Spannung beladen).

Erst fing sie an, sich permanent über mein Gewicht aufzuregen. Sie sagte mir, ich sei nicht mehr schön. Ständig versuchte sie mich direkt und schonungslos zu konfrontieren: „Hast du eine Essstörung? Wir müssen darüber reden!“. Ich war dafür aber noch gar nicht bereit und ihre ständigen Kommentare zu meinem Körper und meinem Verhalten haben mich sehr gekränkt, weswegen ich mich stattdessen lieber von ihr abgewendet habe.

Mit 15/16 hatte ich mein Tiefstgewicht erreicht und meine Mutter machte das denkbar schlimmste (aus meiner Sicht): Sie zwang mich zum Essen. Zunächst stellte sie mir Essen hin, als sie jedoch bemerkte, dass ich dieses im Klo runterspülte und versteckte, setzte sie sich wie ein Aufpasser daneben (eine unaussprechliche Qual, ich übertreibe nicht, gerade weil ich immer alles abgestritten habe und mich deswegen normal verhalten musste).

Damals haben wir uns fast täglich gestritten. Ich sagte ihr, sie solle mir nichts erzählen, da sie übergewichtig sei – sie sagte zu mir, ich müsse unbedingt als primäres Ziel zunehmen. Sie setzte mich unter Druck, wenn ich in einer Woche nicht x kg zunahm, würde sie mir meinen Hometrainer wegnehmen. Ich musste mich vor ihr ausziehen und wiegen. Es ist nicht untertrieben zu sagen, dass ich sie dafür regelrecht gehasst habe und mich eigentlich nur noch schlechter fühlte – das waren eben ihre Methoden, als ich ihr einmaliges Angebot zum Arzt zu gehen, ablehnte und mich gegen den Gedanken einer möglichen Essstörung auflehnte. Ich dachte mir immer mehr Wege aus, sie auszutricksen und der Kontrolle zu entkommen.

Irgendwann wurde sie hilflos und weinte oft, weil ich mich angeblich so schrecklich benahm. Ich bekam krasse Schuldgefühle und wollte mich nur noch verstecken. Scheinbar war es nicht genug, dass mein mir eigens vorgesetzter Tagesablauf schon extrem ermüdend und schwierig war. Ich hatte teilweise sehr depressive Phasen und Selbstmordgedanken.

Den Weg aus der Krankheit musste ich 2 Jahre später schließlich alleine gehen, denn eine Therapie wäre mir damals undenkbar gewesen, da sich meine Mutter so kontraproduktiv verhielt und ich selbst nicht wusste, was mit mir los war. Als mir büschelweise die Haare ausfielen und ich nur noch Magenschmerzen hatte, sah ich einen Grund, wieder zu essen.

Mit viel Selbstdisziplin habe ich ein Normalgewicht erreicht. Trotzdem würde ich nie sagen, dass ich „geheilt bin“.

Ich habe seither starke Gewichtsschwankungen und es gibt Zeiten, da fühle ich mich wieder unwohl, fange an, mich zu vergleichen und zu „groß“ zu fühlen. Das sind Zeiten, in denen ich entweder hungrig auf Pro-Ana Blogs hänge, oder aber (wie jetzt) diese Mail hier schreibe.

Trotz allem habe ich mittlerweile eine eigene Wohnung und bin selbstständig und diszipliniert genug, nicht wieder abzurutschen. Ich würde mein Essverhalten nicht als gesund ansehen, aber vegan zu werden hat mir persönlich geholfen, mich nicht mehr (zB beim Einkaufen) von dem fülligen Angebot an Nahrungsmitteln überfordert zu fühlen. Es gibt sogar Tage, an denen ich gern esse. Ich würde es so beschreiben, dass ich meine Essstörung nur noch an Tagen herauskrame, an dem ich sie brauche und nach Verständnis suche. Fast niemand aus meinem Bekanntenkreis weiß mit Sicherheit, dass ich Probleme hatte und habe – denn ich war immer sehr erfolgreich im Lügen und Abstreiten. Und so richtig wissen wollte es wohl auch keiner, denn das hätte ja im Endeffekt mehr Arbeit erfordert, als mich beim Essen zu beobachten.

Das Schlimmste für mich (mit Normalgewicht) waren erneut die ganzen Kommentare wie: „Jetzt bist du wieder schön“, „Okay, du hast genug zugenommen“ oder „Früher war das ja so schlecht…“.

Diese Geschichte hier soll keine Schuldzuweisung sein. Ich denke, die Ursachen meiner Essstörung liegen und lagen bei mir selbst. Das hier soll nur ein Denkanstoß sein, wie man mit Betroffenen besser nicht umgeht.

Heute jedenfalls sehe ich meine Essstörung fast schon als negative Charaktereigenschaft von mir an und ich denke oft darüber nach, mir nachträglich doch noch Hilfe zu suchen, weil ich Angst habe, dass die Bombe sprichwörtlich platzen könnte. Irgendwie fühle ich mich aber immer noch nicht ganz bereit und ich habe das Bedürfnis, diesen „Teil“ von mir als eine Art Sicherheit zu behalten.

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Ich habe keinen Plan

Hast du dein Leben im Griff? Das Leben planen vs. sich vom Leben leiten lassen

Mein Montagmorgen begann letzte Woche anders als üblich. Normalerweise ist die Nacht von Sonntag auf Montag meine unruhigste und kürzeste. Denn am Wochenende schlafe ich länger und bin demensprechend abends länger wach. Daher fällt mir das Einschlafen Sonntagabend schwer, die Nacht ist meist unruhig und wenn um 6.00 Uhr am Montagmorgen der Wecker klingelt, bin ich müde.

Wenn dann an so einem Montagmorgen Mann und Kinder das Haus verlassen haben, gehe ich es meist ruhig an. Und ehrlich gesagt bin ich montags eher unproduktiv und habe eine sehr lange „Vorlaufzeit“.

Zwei Teilnehmerinnen des Online-Workhops GEWICHTIG-intensiv baten mich letzte Woche um ein Einzel-Telefon-Mentoring. Und eine davon muss abends lange arbeiten und wollte so schnell wie möglich mit mir sprechen. Also haben wir uns auf Montagmorgen 7.30 h geeinigt.

Ungewöhnlich daran ist nicht nur die Uhrzeit, sondern die Sache an sich. Denn während ich bis vor ungefähr zwei Jahren Einzel-Telefon-Termine angeboten habe, entschloss ich mich irgendwann, dies nicht mehr zu tun. Ich wollte gar keine festen Termine mehr haben um mir selbst ein Maximum an Flexibilität zu bieten.

Soweit mein Plan. Doch dann ließ mich Ende letzten Jahres die Idee von GEWICHTIG-intensiv nicht in Ruhe. Denn ein wichtiger Teil meines Genesungsprozesses war der Austausch mit anderen Betroffenen. Doch gerade den wollen viele noch nicht, wenn sie beginnen sich mit ihrer Essstörung auseinander zu setzen. Daher habe ich die „Selbstlern-Variante“ von GEWICHTIG entwickelt. Aber ich wollte auch denen etwas bieten, die bereit sind, mehr Zeit und Geld in sich zu investieren, um intensivere und effektivere Ergebnisse zu bekommen.

GEWICHTIG-intensiv beinhaltet neun neunzigminütige Gruppen-Telefon-Mentorings und eine virtuelle Selbsthilfegruppe (Forum). Für mich bedeutete das, neun Wochen lang jeweils im Wechsel dienstags, mittwochs und donnerstags ab 21.00 h zu telefonieren.

Und während ich mir vorher nicht vorstellen konnte, mich hinterher noch mal zu diesen neun Telefonterminen zu verpflichten, habe ich jetzt genau das getan. Und mehr noch, ich bin außerdem der Bitte nach Einzel-Telefon-Mentorings nachgekommen und habe das erste just letzen Montagmorgen um 7.30 h. gehabt. Mit dem interessanten Ergebnis, dass ich danach deutlich produktiver war als an einem Montag üblich.

Wie planbar ist das (Arbeits)Leben?

Ökonomisch betrachtet könnte ich jetzt sagen: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Ihr möchtet Einzel-Telefon-Mentorings, also bekomm ihr sie auch. Doch obwohl ich Diplom-Ökonomin bin, hat mir eine rein wirtschaftliche Herangehensweise noch nie wirklich zugesagt. Ich muss auch den persönlichen Sinn in den Dingen sehen, die ich tue.

Immer, wenn ich zu sehr den Plänen und Zahlen und Zahlplänen und Planzahlen verfiel, hat mir das Druck gemacht und mich frustriert. Das wiederum hat mich unproduktiv gemacht und mich blockiert. Denn ja, lebenshungrig ist auch ein Business und dieses Business muss sich selbst und mich finanzieren, damit ich es weiterentwickeln kann.

Doch ich bin sehr froh, dass lebenshungrig nicht als eine Business-Idee, sondern aus dem Wunsch heraus helfen zu wollen geboren wurde. Ich habe damals nicht nach etwas gesucht, womit ich im Internet Geld verdienen kann. Mir ging es nicht darum, passives Einkommen zu erzielen, ich wollte unterstützen und mich mitteilen.

Bis mich die Idee „lebenshungrig“ gefunden hat, hatte ich immer das diffuse Gefühl, nicht vollständig zu sein. Und dann war es mein Job, sie entsprechend umzusetzen und weiter zu entwickeln. Natürlich gehört ein gewisses Maß an Planung und das Aneignen gewisser Kenntnisse dazu. Doch wenn ich eins in all den Jahren gelernt habe, dann ist es das: Das Leben und das Business sind wenig planbar!

Wichtiger als Planung ist meiner Meinung nach Vertrauen (in sich selbst und somit in das Leben), Intuition und Leidenschaft. Anders gesagt: Das Entscheidende findest du in dir und nicht außerhalb von dir.

Dein Plan ist, für’s Alter sehr gut abgesichert zu sein und deshalb sparst du wie wild? Aber wer garantiert dir, dass du dieses Alter auch tatsächlich erleben wirst?

Dein Businessplan ist total durchdacht und von Experten abgesegnet, doch wer garantiert dir, dass sich deine potentiellen Kunden genau so verhalten wie es der Plan vorhersagt? „Es ist leichter, das Ergebnis eines Fußballspiels vorher zu sagen, als ein Business zu planen, denn das Fußballspiel hat weniger Unbekannte“ sagt der bekannte Ökonom und erfolgreiche Online-Unternehmer Günter Faltin (Kopf schlägt Kapital: Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein) Und hat das Leben nicht noch viel mehr Unbekannte?

Sollst du jetzt also mit dem Sparen aufhören und nichts mehr planen? Nein, natürlich nicht. Doch du kannst vielleicht weniger planen und dafür mehr leben, denn genau das könnte dir ungeahnte Möglichkeiten bescheren. Zu viele Menschen verschieben das Leben auf später, das Wochenende, den Urlaub, die Rente.

Wenn wir zu sehr planen, sind wir einerseits ständig mit der Zukunft beschäftigt und können somit weniger gegenwärtig sein. Und andererseits sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Denn was ist, wenn das Leben andere Pläne hat als du? Und vielleicht ist der Plan des Lebens ja deutlich besser als dein eigener?

Als ich noch essgestört war, hatte ich nahezu jeden Abend „den Plan“, dass sich am nächsten Tag alles zum Besseren ändern wird. Und zwar für die Ewigkeit. Konkret lautete dieser Gedanke in etwa: „Ab morgen werde ich perfekt essen und dann wird alles gut.“ Heute weiß ich, dass da die Krankheit gesprochen hat…

Denn gesund geworden bin ich erst, als ich sämtliche (Ernährungs)Pläne aus meinem Leben gestrichen habe und meinem Körper – und somit dem Leben – vertraut habe.

Der „große“ Lebensplan

Je weniger ich Dinge konkret plane, umso erfüllter ist mein Leben. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viel entscheidender ist, wie ich auf das reagiere, was das Leben mir schenkt und manchmal auch vor die Füße wirft.

Dadurch erfüllt sich mein „großer“ Lebensplan, der da lautet, dass ich glücklich, dankbar und zufrieden sein möchte, dass ich einer sinnvollen Arbeit nachgehen möchte, die anderen hilft, dass ich Zeit mit Familie und Freunden verbringen und dass ich unabhängig sein kann, paradoxer Weise viel eher.

Gefühlt ist es so, dass ich eher auf meinen inneren Kompass als auf ein äußeres Navigationssystem setze. Das ist eine Erfahrung, die ich in verschiedenen Bereichen häufig mache. Ich halte immer wieder Rücksprache mit mir selbst und irgendwann kommt die Antwort. Wann? Keine Ahnung, denn das ist nicht planbar.

Über das Essen und das Leben

Der fatale Irrglaube vieler Essgestörter ist ja, dass sie einen Ernährungsplan brauchen oder zumindest kontrolliert essen müssen, um dünn zu bleiben oder zu werden. Doch anstatt sich die Zeit zu nehmen, diesen Glauben zu hinterfragen, hinterfragen sich Essgestörte permanent selbst.

Auch hierzu eine schöne Erfahrung aus der ersten Runde GEWICHTIG-intensiv: Eine Teilnehmerin war vormittags tagtäglich damit beschäftigt zu entscheiden, ob sie mit den Kollegen Essen gehen sollte oder nicht. Außerdem hing sie an dem Glaubenssatz, dass abends essen grundsätzlich dick macht. Sie selbst sagte, dass es so viel Kraft koste, jeden Tag diese Entscheidung über das Mittagessen zu treffen. Ich schlug ihr vor, sich für eine Woche festzulegen. Sie entschied also, eine Woche lang mit den Kollegen Mittagessen zu gehen. Und das hat sie mir nach dem Workshop geschrieben:

Liebe Simone,
ich wollte mich noch einmal ganz herzlich bei Dir bedanken. Ich hätte nie gedacht, dass ich in so kurzer Zeit so große Fortschritte mache. Am Anfang war ich wirklich sehr skeptisch, aber im Laufe des Workshops ist es mir wirklich gelungen, dass ich besser zu mir selbst bin und weniger das Gefühl/ den Druck habe, dass ich mich schlecht fühlen muss.
Mittlerweile gehe ich jeden Tag Mittagessen. Egal ob alleine oder mit Kollegen. Es steht für mich einfach fest und diese stundenlange Grübbelei, ob ich Essen gehen soll oder nicht ist einfach weg. Dafür bin ich enorm dankbar. Auch ist es eine riesengroße Freiheit, dass ich eigentlich alles essen darf und kann was ich will. Gestern Abend ist mir das noch einmal richtig bewusst geworden. Ich bin zum Supermarkt gelaufen und es war nicht dieses -„Iss besser nichts, es ist abends“ und ich verzichte drauf oder „Kauf den Supermarkt leer und stopfe alles in dich rein“. Nein, ich wollte was gesundes, weil ich Hunger hatte und habe einfach Joghurt mit Früchten und Smoothie gekauft. Oder Druck –> ich will eigentlich Süßes und darf nicht, oder eigentlich sollte ich besser nichts essen. Am Samstag war ich auf einem Geburtstag eingeladen und es gab Eis und Schokokuchen zum Nachtisch. Und ich habe es genoßen. Nach der Häfte des Kuchens habe ich mir überlegt ob ich es ganz esse oder nicht – und habe dann selbst beschlossen, dass ich es genießen will und die zwei Gabeln mehr mich nicht dick machen. Früher habe ich immer konsequent „Nein“ zu jedem Nachtisch gesagt. Und seit dem mein Umgang entspannter geworden ist, ist mein Gewicht auch eigentlich gleich geblieben. Diese Angst enorm zuzunehmen ist eigentlich ausgeblieben. Und immer mehr kommt die Akzeptanz, dass ich mein gesundes Gewicht nur mit einem gesunden Lebensstil haben kann und dass es diese extrem dünne Gewicht einfach nicht mehr geben wird. Und auch wenn ich immer dachte, dass das ganz „Dünne“ mich glücklich machen würde, merke ich, dass es eine viel großere Befreiuung ist, einfach zu essen und mit seinem Umfeld im Einklang zu leben als ständig diesen Druck zu verspüren und allen Essensverabredungen abzusagen. Was definitiv steigt ist die Lebensqualität und ich denke auch die Form meiner Beziehungen. Den entgegen meines Glaubenssatz, nur wenn du super dünn bist, mögen Dich die Leute, mögen die Leute einen viel mehr, wenn man auch mal mit isst, gemeinsam schlemmt und sich wohl fühlt.

In welchen Bereichen deines Lebens bist du permanent unzufrieden?

Ist es vielleicht an der Zeit, weniger zu planen und mehr zu leben oder deine vorhandenen Pläne und Glaubenssätze zu überdenken?


Für mehr Leben und weniger Plan: Der Online-Workshop GEWICHTIG

 

Weil du zählst_-6

„Über Abführmittel, bedrückende Tage und einen hilfreichen Klinikaufenthalt“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich bin weiblich 23 Jahre jung, seit erst sechs Monaten kämpfe ich mit meinem Gewicht. Früher fand ich mich schon etwas mobbelig, aber ich habe es einfach so hin genommen.

Nun zum meinem Alltagsleben:

Der Wecker klingelt, ich werde wach und der erste Gedanke der mir in den Sinn kommt ist: „Habe ich wieder abgenommen oder bin ich wieder fetter geworden?“ Ich stehe auf und gehe erst mal aufs WC, denn so bin ich ja wieder ein paar Gramm leichter. Nun muss ich auf die Waage, um mein Gewicht zu kontrollieren: „Puh, Glück gehabt, wieder paar Gramm weniger.“ Jetzt kommt das Abführmittel ins Spiel. Ich kann nicht mehr ohne, zwei Mal täglich nehme ich es ein.

Da ich im Moment arbeitslos bin, ist mein Tag relativ langweilig und bedrückend. Ich habe vor kurzem meine Ausbildung beendet und erfolgreich bestanden. Immer um die selbe Zeit gehe ich dann ins Studio und verbrenne dort meine Kalorien. Dass Essen ist für mich schon komplett zum Feind geworden. Ich esse ab und zu gerade mal 21 Kalorien. Die Angst ist zu groß, dass die Waage wieder mehr anzeigt. 1,5 h bis 2 h verbringe ich fast täglich im Studio und verbrenne über 500 Kalorien. Ich verbrauche also mehr, als ich zu mir nehme, das kann auf Dauer nicht gesund sein.

Aber was macht man nicht alles, um immer dünner zu werden…

Danach fahre ich wieder nach Hause und stelle mich auf die Waage: „Super, noch habe ich das Gewicht von heute Morgen gehalten. Heute Abend werde ich bestimmt weniger haben, und morgen Früh noch weniger.“ Ich kann es kaum erwarten, wieder abgenommen zu haben. Irgendwann wirkt dann das Abführmittel und entleert mich:  „Juhu, ich verliere noch mehr Gewicht.“

Mein Leben besteht eigentlich nur noch aus dem Wiegen, dem Fitness-Studio und dem Hungern. Ich bin ganz alleine damit. Ich schotte mich komplett von allen anderen ab, und denke nur noch  „hungern“ und „wiegen“.

Am Abend vor dem Schlafengehen wiege ich mich nochmal. Dann nehme ich zum zweiten Mal das Abführmittel ein und hoffe, das ich morgen Früh noch leichter bin. Und siehe da, am nächsten Morgen bin ich wieder etwas leichter. Leider geht das momentan jeden Tag so. Leider habe ich davon auch Haarausfall, meine Leber löst sich auf und meine Blutkörperchen können sich kaum noch entwickeln. Es ist kein schönes Leben damit. Ich bin nun auch in einer Klinik die mir sehr hilft und ich hoffe, dass ich bald wieder glücklich sein kann.

Jeder sollte den Schritt gehen und sich Hilfe suchen!  Denn es geht nicht nur um körperliche Schäden, dass, was man nicht sieht, ist der Kopf…

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Schicke mir die Geschichte deiner Essstörung an info@lebenshungrig.de und ich veröffentliche sie hier anonym.

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„Übers Drillen, das Schlachtfeld der Gefühle und einen Platz in der VIP-Lounge“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Seit ich denken kann war in unserer Familie eines wichtig:

Perfektion, Stärke, Bodenständigkeit und Disziplin!

In einer Familie groß zu werden, die einen ständig „drillt“ gut auszusehen, eine gute Figur zu haben und immer zu strahlen – im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen!

Meine „Herkunftsfamilie“ war ein Schauspielerfamilie. NIE habe ich mich in so was wohl gefühlt.

Das Schlimmste war immer dieser „Kampf“ um Liebe, Geborgenheit und Anerkennung. Machte ich Sport – bekam ich Liebe. Erledigte ich meine Choreografiearbeit – bekam ich Geborgenheit. Doch ich bekam nie die Anerkennung, die ich mir wünschte.

Den ganzen Terz mit Körperarbeit, Tanzen, Schule und Selbstpräsentation ging mir irgendwann am Allerwertesten vorbei. Ich „kündigte“ die Beziehung zu meiner Familie als ich 18 wurde.

Die Essprobleme fingen an – als ich mit 8 Jahren – in einem Casting für eine Filmrolle einen Blackout hatte. Zuvor hatte ich heimlich ein Tomaten-Mozarella-Baguette gegessen. Dabei merkte ich, dass ich nicht mehr in das Kostüm passte. Scheinbar hatte mich der Mozzarella im Magen zum Tango aufgefordert. Ich übergab mich in einer versteckten Toilette. Dort war ich nicht alleine, denn ein Mâdchen war auch dort. Diese gab mir eine Tablettenpackung. Sie sagte mir, dass diese Tabletten gegen Lampenfieber helfen würden.  In Wirklichkeit – erst Jahrzehnte später – erfuhr ich durch meine Ausbildung in der Pflege, dass es Apetittzügler waren.

Durch die ganzen Erlebnisse, Erfahrungen und traumatischen Worte brach ich damals zusammen. Die Rolle bekam ich nicht. Stattdessen spielten von da an die Wut und der Hass eine Hauptrolle in meinem Leben. Ich selber und mein Körper waren seitdem „das Schlachtfeld der Gefühle“: Selbstzerstörung, Prostitution, Selbsthass  und Suizidversuche bis ins junge Erwachsenenalter.

Seit ein paar Jahren arbeite ich an der Aggressionsbewältigung. Ich will mir und anderen nicht mehr wehtun. Mein Ziel ist es, einen Sonnenplatz in der VIP-Lounge des Lebens zu bekommen.

NATÜRLICH mit ganz viel Tomaten- Mozzarella-Baguette, Schoki und gemütlichen “ Chilla-Klamotten“.

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„Über ein nimmersattes Kind, das 5 kg Problem, und den Wunsch nach Normalität“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Begonnen haben erste Essstörungen schon in der Kindheit, ich war pummelig, nimmersatt, meine Mutter musste mir oftmals das Essen wegnehmen, so wie sie erzählt. Ich hätte immer Hunger gehabt und sei unersättlich gewesen. Das hat sie mir auch oft und gerne später immer wieder erzählt und sich quasi als „Retterin“ hochgehoben, denn sie hatte ja verhindert, dass ich dick geworden wäre…

Ich wuchs und entwickelte mich und war dann ein normalgewichtiger Teenager, immer so an der Grenze zu pummlig, was mich extrem stresste und unglücklich machte. Weitere Kommentare meiner Mutter betreffend meinem Gewicht haben mich immer sehr tief verletzt. Ich hatte einfach oft großen Hunger, ständig Gelüste und mich nicht wirklich gut im Griff. Mit 16 nahm ich erstmals ab, begann zu laufen, aß sehr wenig, wurde kurzzeitig dünner, um dann wieder zuzunehmen. So ging das jahrelang. Mal war ich happy, weil ich es schaffte, etwas weniger zu essen, mal nahm ich wieder zu.

Mittlerweile habe ich zwei Kinder und zwei Stiefkinder und bin glücklich verheiratet, aber nicht glücklich in meiner Haut.

Mein Gewichtsproblem – es sind einfach immer fünf Kilo zuviel – begleitete mich ständig.

Ich begann als Erwachsene, jegliche Ernährungstrends zu testen, immer mit dem einzigen Ziel, abzunehmen. Ich ernährte mich sechs Monate strikte vegan, nahm zuerst ab, dann wieder zu, dann wechselte ich zu low carb, dann zu Paleo und schlussendlich beschloss ich, wieder einfach normal zu essen. Momentan ist meine oberste Priorität, einfach normal zu essen und wieder zu spüren, wann ich Hunger habe und wieviel Nahrung ich benötige.

Ich habe momentan wieder vier kg zugenommen. Ich kann zur Zeit keinen Sport machen, da ich Knieprobleme habe. Oft habe ich Essen mit Sport kompensiert. Das geht momentan eben nicht, aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht, da ich mal gezwungen bin, einfach auf meinen Körper zu hören.

Nun ja, mit Hypnosetherapie und viel neuem Wissen über emotionale Ernährung versuche ich mich zu heilen, aber es gelingt mir (noch?) nicht. Ich überesse mich täglich, schon morgens früh stopfe ich mich voll mit Müsli, vormittags gehts dann weiter. Mittags esse ich gesund, normal, dann aber während dem Küche aufräumen esse ich weiter, Brot mit Butter und Honig, völlig irr, stopfe ich mich voll.

Abends möchte ich weniger essen, aber mal begonnen kann ich mich schlecht bremsen. So habe ich momentan täglich einen riesen Frust, fühle mich unwohl und spüre förmlich, wie ich auseinandergehe. Viele meiner Jeans passen nicht mehr und obwohl ich das realisiere, kann ich mich nicht bremsen. Ich bin oft müde, abgespannt, habe einen stressigen Patchwork Tag. Aber trotz allem Wissen schaffe ich es nicht, das Essen zu lassen. Es ist wirklich schlimm momentan. Ich denke, ich muss noch durchhalten, es ist lange her, dass ich einfach normales Essen zu mir genommen habe, es war immer entweder vegan, zuckerlos, etc etc. Momentan koche ich völlig normal. Nun gerät alles aus den Fugen. Aber ich weiß, dass dies der richtige Weg ist, normal Kochen, mit Freude und Sorgfalt, normal Essen. Keine Gesetze mehr, keine Verbote mehr, keine Schuldgefühle mehr.

Aber es ist so schwierig…

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Mein aktueller Gedankensalat der Woche: Es geht um den Reiz des Trash-TV und um normale Portionsgrößen…

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„Über emotionslose Eltern, Alkoholprobleme und Therapieversuche“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich wurde als Kind immer für meine Figur gelobt. Die Figur hatte ich von meinem Vater (schmal), meine Mutter hatte immer etwas mehr. Sie versuchte viele Diäten. Als ich 13 war hatte sie mal wieder eine gestartet und ich dachte, komm, jetzt hilfst du ihr, indem du mitmachst.

Meine Mutter gab nach einem Tag auf und ich zog es durch, führte Buch. Ab zwölf Uhr gab´s nichts mehr und bis dahin max. 1000 Kalorien. Ich nahm ab bis auf 42 Kg. Bei einer Größe von 1,66 m.

Meiner Mutter fiel es gar nicht auf. Erst als ich an einem Sommertag in kurzen Hosen und ärmellosen Top dastand und sie sagte: „Um Himmels Willen, wie siehst denn du aus?“ Ich sagte nur: „Aber Mama, so sehe ich doch schon lange aus!“

Sie schickte mich zum Arzt, der meinte, „das ist doch nicht schön“ und meine Mutter machte mir jeden Abend ein Butterbrot mit Essiggurke, da bekommt man wieder Appetit. Also aß ich wieder normal. Dann als ich wieder auf dem Weg zu meinem normalen Gewicht war, sagte meine Mutter: „Du mußt aber aufpassen, dass du nicht dick wirst!“

Mit 16 Jahren sah ich im Fernsehen einen Film über eine Bulimiekranke. Ich stand im Türrahmen und hab ihn angeschaut und dachte: So geht das auch?

Bevor ich mit dem Kotzen anfing habe ich erst (das weiß ich auch noch ganz genau) einen Johannisbeerkuchen mit auf die Toilette genommen, abgebissen, gekaut und ausgespuckt (ohne schlucken).

Dann ging es los.

Ich habe 10 Jahre mit dem Vater meiner Tochter zusammengelebt. Er hat nichts bemerkt, er hat sich gefreut, dass ich so essen kann.

Mit 30 Jahren habe ich mich geoutet und war bei Psychologen. Einer schlief ein, die andere meinte nur, „aber jede Woche nehmen wir 2 Kg zu“ ( was für ein Rat), der nächste: „Warum ich überhaupt was ändern will?“

Eine Kur/Reha wurde abgelehnt: Das Problem hat sich verselbständigt. Somit habe ich gedacht: OK, dann ist es eben so und muss wohl so bleiben.

Wir sind eine große Familie mit fünf Kindern gewesen. Meine Eltern waren viel beim Arbeiten und wir haben unsere Aufgaben gehabt. Meine Aufgabe war kochen, meine Schwester war für´s Putzen zuständig. Die Jungs wurden immer schon anders behandelt. Ich will nicht sagen, dass wir nicht geliebt wurden, nur eben anders.

Ich habe meine Eltern kein einziges Mal gesehen, dass sie sich geküsst haben. Habe sie auch nie nackt gesehen.

Mein Vater starb vor 23 Jahren mit 62 an Krebs. Als er krank wurde habe ich nicht mehr zu Hause gewohnt. Ich bin aber jeden Tag nach Hause gefahren und habe es nur geschafft: „Hallo“ und „Tschüss“ zu sagen, weil ich sonst vor ihm geheult hätte. Als er dann starb habe ich mir Vorwürfe gemacht, dass ich zu wenig getan habe.

2008 versuchte mein Bruder sich das Leben zu nehmen. Auch da habe ich mir Vorwürfe gemacht zu wenig gemacht zu haben.

Ich begann dann neben meiner Bulimie Sekt zu trinken. Erstmal abends um besser schlafen zu können und dann auch tagsüber. Immer nur Sekt (davon kannman auch zuviel trinken). Ich war nie betrunken habe aber meinen Pegel gehalten.

Dann wollte ich endlich eine Reha. Wegen meiner Essstörung. Aber nein, es hieß: erst muss der Alkohol weg auch da habe ich mich geoutet, (was ich niemals mehr tun würde, ich habe keine Entgiftung gebraucht und nichts) In der Klinik wurde gesagt, sie werden mir bei der Essstörung helfen. Es war eine Drogen- Sucht-Klinik. Dort habe ich quasi Fressen und Kotzen können wie ein Weltmeister…

Ich weiß nicht, ob ich mich mit der Bulimie abgefunden habe. Es wäre schön, wenn sie einfach gehen würde.

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Mein Gedankensalat der vergangenen Woche: Es geht um Magersuchtsgerüchte, Schwangerschaftsstreifen und um die Frage, warum viele Frauen sich ungern für Frauen einsetzen…

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„Über emotionale Tiefs, die Gefahren des Internets und kleine Fortschritte“

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich meine Geschichte veröffentlichen möchte, aber nun bin ich mir sicher.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich anfangen soll. Ich bin in einer wundervollen Familie aufgewachsen. Meine Eltern und Geschwister verrstanden sich untereinander bestens und auch ich kam mit allen klar. Ich habe mir bis zu meinem zwölften Lebensjahr keine Gedanken über mein Gewicht, meine Figur, oder über meine Ernährung gemacht.

In der siebten Klasse hatte ich dann ein emotionales Tief. Ich wurde schlechter in der Schule und war mehrere Male kurz davor, mir das Leben zu nehmen. Meine Eltern bekamen das Ganze jedoch nicht mit. In den Sommerferien auf die achte Klasse ging es mir immer noch schrecklich, ich aß total ungesund und viel. Dick war ich aber nicht, ich bekam nur ein paar Rundungen hier und da. Doch diese Rundungen brachten mein ohnehin schon sehr niedrriges Selbstwertgefühl auf den absoluten Nullpunkt.

Ich hasste mich selbst und meinen Körper, Diäten und Sport zog ich jedoch nur kurz durch. Im Februar/März 2015 entdeckte ich dann schließlich einige Seiten auf Instagram und im Internet für mich. Ich glaubte alles, was ich las. Ich fing an täglich Sport zu machen und mich gesünder zu ernähren, ich erlaubte mir aber noch Ungesundes. Die Seiten hatten mir viel Schrott eingeredet, also fing ich an, nur noch drei Mahlzeiten täglich zu essen. Ich nahm gesund, aber langsam ein paar Kilos ab. Dick fühlte ich mich jedoch immer noch, da ich mich mit jedem Menschen verglich und mein Bruder, der sehr dünn war und aß, was er wollte, mich als fett beschimpfte.

Meine Portionen wurden immer kleiner. In den Sommerferien hörte ich dann komplett auf, ungesunde Lebensmittel zu essen, zu denen ich fast alles zählte. Zusätzlich machte ich täglich mehrere Stunden Extremsport. Ich nahm weiterhin ab, aß jedeoch immer noch drei Mahlzeiten. Nach den Sommerferien ging es auf Klassenfahrt. Ich nutzte diese zum Abnehmen, aß höchstens  zwei mal täglich und aß nichts von dem ganzen Süßkram, den es in Unmengen gab.

Als ich wieder nach Hause kam, behielt ich dieses Essverhalten, wendete jedoch Tricks an, damit meine Eltern es nicht merkten. Ich wurde immer dünner und das Gewicht immer weniger. Schließlich kamen die Herbstferien, in denen ich mit meiner Familie und meiner besten Freundin wandern ging.

Mein Zustand verschlimmerte sich, mithilfe von Tricks schaffte ich es ein bis zwei mal am Tag etwas zu essen, außerdem machte ich fast dauerhaft Sport und konnte ncht mehr zur Ruhe kommen.

Ich ernährte mich vegan, jedoch nur als Ausrede um auf Lebensmittel zu verzichten können.

In der Zeit hatte ich meinen 14. Geburtstag, an dem ich mir nichts gönnte. Meinen Eltern fiel es dann doch auf und sie schickten mich zur Kontrolle zum Kinderarzt. Dieser diagnoszizierte Magersucht. Meine Mutter war total fertig und weinte nur noch. Wir beschlossen, es zu Hause ohne Klinik zu versuchen. Jede Woche musste ich zum Wiegen. Ich aß fast nichts, nur das, zu dem mich meine Mutter zwang und machte weiterhin Sport.

Der Arzt drohte mir jede Woche mit der Klinik. Ich nahm jedoch weiterhin ab, sodass er mich in eine Klinik einwies. Mit einem BMI von 13,8 kam ich ein paar Tage später in einer Klink an. In der Klinik bin ich nun seit zehn Wochen. Ich werde und wurde per Magensonde ernährt, da ich nicht in der Lage war, etwas zu essen. Ich sehe dank der Therapien und den Mitpatientinnen bereits, wenn auch sehr kleine, Fortschritte, und habe wieder angefangen, ein bisschen etwas zu essen.

Es ist noch ein sehr langer Weg, aber ich und ihr alle könnt es schaffen. Viel Glück und Kraft!

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?

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Schicke mir die Geschichte deiner Essstörung an info@lebenshungrig.de und ich veröffentliche sie hier anonym.

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