FFS #1: Wie erzähle ich meinem Partner von der Essstörung?

Wie bereits im Forum angekündigt, gibt es in diesem Jahr mal wieder etwas Neues auf lebenshungrig.de: Jeden letzen Freitag im Monat werde ich ein Video veröffentlichen, in dem ich eine Frage rund um das Thema Essstörung beantworten werde, die Ihr mir gestellt habt.

Wenn Ihr eine Frage an mich habt, die Ihr gerne in der FreitagsFrageStunde (FFS) beantwortet hättet, dann sendet mir bitte eine Mail mit dem Betreff: FFS an info@lebenshungrig.de. So könnt Ihr mich wissen lassen, was Euch in Bezug auf Eure Essstörung unter den Nägeln brennt. Ich werde die jeweilige Mail im Video vorlesen und den Namen dabei aus Anonymitätsgründen immer ändern.

Wie sage ich es meinem Partner?

Für die heutige Premiere der FFS habe ich mir die Mail von Tina rausgesucht. Tina ist Teilnehmerin des Online-Workshops. Dadurch beschäftigt sie sich seit einiger Zeit mit dem Thema Beziehungen. Ein Thema, das zwangsläufig auftaucht, wenn wir uns mit der Essstörung auseinandersetzen. Denn wie Ihr ja bereits wisst, bin ich davon überzeugt, dass jedes Essproblem letztlich immer auch ein Beziehungsproblem ist.

Die Essstörung lebt von Heimlichkeiten. Deshalb glaube ich, dass die Menschen in Eurer engeren Umgebung über kurz oder lang davon erfahren sollten. Denn wenn ihr den Menschen die Ihr liebt, wie zum Beispiel euer Partner, eure Probleme vorenthaltet, haltet Ihr auch ein Stück von Euch selbst vor.

Wenn Frauen beginnen, sie aktiv auseinanderzusetzen, taucht nach einiger Zeit bei den meisten der Wunsch auf, andere an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben zu lassen und von ihrem Verhältnis zu Essen zu erzählen.

Parallel dazu taucht die Angst auf, wie das Umfeld – zum Beispiel der Partner – auf diese „Beichte“ reagieren wird. Wird der Partner wütend sein, wird er enttäuscht sein? Und wie wird er zukünftig damit umgehen?

lebenshungrige Grüße

Simone

6 Antworten
  1. Vroni says:

    Ich finde es sehr komisch, das man jemandem, dem Partner/Ehemann, 12 Jahre eine Bulemie verheimlichen kann. Entweder man lebt sehr isoliert voneinander, du kannst dich wirklich gut verstecken, oder er kann wirklich gut weg schauen. Aber das ist ja nicht das Thema, beschäftigt mich aber trotzdem. Ich hatte das Glück/Pech, das mein erster Partner über einen Freund von meiner ES wusste, trotzdem hat er mich „genommen“ sogar geheiratet. Hat aber dann nicht funktioniert, aus mehreren Gründen. Glaube aber auch, weil ich eine Bindungsstörung hab. Mein zweiter Partner, kannte mich noch aus der zeit wo ich tief in der ES drin war, wusste also auch bescheid, auch er hat mich „genommen“. Ist Am Jahresende auch gescheitert. Ich meine für mich herausgefunden zu haben, das ich meine Partner nicht gewählt habe, um mit Ihnen meine Zukunft zu teilen, sondern, weil ich eine neue/eigene/bessere Familie gründen wollte. Aber mitlerweile habe ich festgestellt, das es manchmal echt Sinn macht und auch günstiger ist, kaputte Dinge zu reparieren,bevor man sich was neues „anschafft“. Jetzt bin ich allein, mit einem Kind. Auch ich habe Angst, eine neue Bindung einzugehen. Möchte jetzt auch erstmal alleine sein, meine Basis „reparieren“, den Workshop durchziehen und dann sehen was kommt. Ich weis ja nicht, wie ich dann drauf bin. Prinzipiell möchte ich soweit kommen, das ich jedem sagen kann: „Ich bin trockene Bulemikerin“. Ich glaube es gehört zur Gesundung dazu, zu seiner Vergangenheit zu stehen, zu sich zu stehen. Wie ein Alkoholiker auch. So wie der Alkoholiker den Alk meiden muss, werde ich in bestimmten Situationen besser auf mich schauen müssen oder manche vielleicht sogar meiden. Es gibt auch Lebensmittel, die ich zur Zeit als „Suchtauslöser“ deklariere und besser nicht zu mir nehme. Ich denke, wenn du von dir aus soweit bist, es deinem mann sagen zu wollen, dann ist es auch der richtige Zeitpunkt. Allerdings wird dir niemand sagen könne wie er reagiert.12 Jahre Heimlichkeit sind schon ne lange Zeit.

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  2. TIna says:

    Liebe Simone,

    ich bin dir sehr sehr dankbar für deine hilfreichen Antworten. Nun ist es raus! Mein Mann weiß Bescheid und mir ist ein riesen Brocken vom Herzen genommen worden. Er hat wunderbar reagiert. Verständnisvoll, fragend und voller Offenheit und Liebe. Ich bin unglaublich dankbar und froh, dass ich diesen Schritt, der mich sehr viel Überwindung und Mut gekostet hat gegangen bin und ich kann mit Sicherheit sagen, dass deine umfassende Auseinandersetzung mit meinem Thema und deine hilfreichen Impulse maßgeblich dazu beigetragen haben. DANKE

    nun ist es raus! und ich bin damit einen weiteren wesentlichen Schritt gegangen – in die richtige Richtung – hinzur Authentizität, hin Eins, Ganz zu werden und meine, von mir so wahnsinnig abgelehnte Schattenseite mehr und mehr integrieren zu können.

    Klar, irgentwie fühle ich mich auch verunsichert. Aber diese Unsicherheit fühlt sich anders an, sie ist oberflächlicher, als die die ich bisher kannte. Die tiefsitzende Unsicherheit ist weg. An ihre Stelle ist nun eine Sicherheit, eine Ruhe getreten, die ich bisher nicht kannte.

    Und nun steht es für mich fest: ich will weitergehen in genau diese Richtung und voll und ganz ICH werden!!

    Und für alle, die noch vollkommen alleine mit dieser Krankheit sind, gebe ich den Rat, vertraut euch euren Liebsten an! Es hilft. (o:# #:-) Tina.

    Antworten
    • Simone Happel says:

      Wow, liebe Tina,

      das freut mich wirklich sehr 🙂

      Sei stolz auf diesen wirklich mutigen und sehr wichtigen Schritt und gönne Dir (und vielleicht auch Deinem Mann?) eine richtig schöne Belohnung!

      LG Simone

      Antworten
  3. Julia says:

    Ich kenne das Problem auch. Ich habe lange gebraucht einzusehen, dass ich krank bin und dann hat es nochmal eine ganze Weile gedauert bis ich es meinen Eltern gesagt habe. Die waren zunächst etwas erstaunt und vor allem meine Mutter auch betroffen und traurig. Doch ich war sehr erleichtert diesen Schritt getan zu haben. Direkt zwei Tage später habe ich diverse Therapeuten angerufen, da ich endlich etwas gegen meine Essstörungen/Essproblematik unternehmen will. Ich habe keine der klassischen drei Essstörungen, aber trotzdem denke ich permanent an das Gewicht (auch wenn ich mich nicht mehr traue mich zu wiegen) , Aussehen, Figur und Kleidergröße ( ich kriegen richtig Angst und den blanken Horror, wenn ich anstatt Größe 34 ein Kleidungsstück in 36 tragen muss). Ich habe eingesehn, dass ich so nicht weiterleben will. Ich hoffe ich bekomme nächsten Monat einen Platz, eine Therapeutin hat mir einen in Aussicht gestellt. Außerdem befinde ich mich in Woche 2 des Workshops.

    Ich kann wirklich nur jedem raten sich jemanden anzuvetrauen, wenn er ein Problem mit dem Essen, Gewicht, Aussehen und Kleidergröße (bei mir ein unglaublich großes Thema) hat. Ich weiß, dass es viel Überwindung kostet, doch wenn dieser Schritt getan ist, dann ist es schon ein wichtiger und richtiger Schritt in Richtung Heilung.

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    • Simone Happel says:

      Liebe Julia,

      ja, so sehe ich das auch. Es ist ein sehr wichtiger Schritt, aus dieser Heimlichkeit und der Scham auszusteigen. Und gleichzeitig müssen wir auch begreifen, dass wir nicht verantwortlich dafür sind, wie sich unsere Eltern, Freunde, etc. damit fühlen und wie sie damit umgehen.

      LG Simone

      Antworten
  4. Daniela says:

    ich stehe Grade auch vor dieser Frage. Mein Ex- mann wusste es nicht, ich hatte auch nie das Bedürfnis mich zu offenbaren.
    Nach einiger Zeit alleine habe ich einen wunderbaren Menschen kennengelernt. Unsere Kinder verstehen sich, wir haben eine gute Zeit und der Gedanke Zukunft schleicht sich in mein Denken.
    Und ich setze mich das erste mal wirklich mit der Bulimie auseinander. ich bin 35 und seit dem ich 16 bin, leide ich darunter.
    Wie sag ich es ihm ?soll ich es? was passiert danach. So viele Fragen und ich habe Angst.

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