Ist es dir schon einmal passiert, dass eine Freundin dich um einen Gefallen gebeten hat und du hast „ja“ gesagt, obwohl du eigentlich „nein“ sagen wolltest?

Und hast du schon mal in eine Restaurant etwas gegessen und „ja“ geantwortet, als die Bedienung gefragt hat, ob es geschmeckt hat, obwohl „nein“ sagen ehrlicher gewesen wäre?

Oder hast du schon mal „Ja klar“ geantwortet, wenn dein Chef gefragt hat, ob du länger arbeiten kannst, obwohl du eigentlich „nein“ sagen wolltest?

Je häufiger wir JA sagen und viel lieber NEIN sagen wollen, desto schlechter können wir uns anderen gegenüber abgrenzen. Das sinnvolle Setzen von Grenzen ist keine einfache Sache und erfordert ein gesundes Maß an Selbstwertgefühl. Vermitteln wir Grenzenlosigkeit, rauben wir uns damit Zeit und Energie für Dinge, die uns wichtig sind. Außerdem beginnen wir – sofern uns bewusst ist, dass wir eigentlich NEIN sagen wollen – uns über uns selbst zu ärgern.

Die Vorteile der permanenten Ja-Sagerin

Wir stehlen uns Zeit, Energie und wir ärgern uns. Und wenn das Maß voll ist, kompensieren wir durch Essen/Hungern/Kotzen. Warum also verhalten wir uns so? Ganz einfach: Weil diese Vorgehensweise durchaus Vorteile haben kann. Denn wir Menschen machen nichts völlig grundlos. Nur verstehen wir unsere eigenes Verhalten manchmal nicht. Doch sogar Essstörungen haben Vorteile!

Wenn wir JA sagen und eigentlich NEIN sagen wollen, dann tun wir das, weil uns die Meinung unseres Gegenübers über uns wichtiger ist, als unsere eigene. Wir sind sogenannte People Pleaser.

Wir glauben, dass wir die Bestätigung von anderen Menschen brauchen, sie scheint häufig überlebenswichtig für uns. Denn was passiert, wenn die Freundin beleidigt ist, weil wir NEIN sagen? Und wie fühlen wir uns, wenn die Bedienung peinlich berührt ist, weil wir NEIN sagen? Und was denken wir, wenn der Chef uns schief anschaut, weil wir NEIN sagen?

Wenn wir NEIN sagen, glauben wir, dass die anderen uns für egoistisch, überkritisch und faul halten. Wir erwarten Verurteilung und Ablehnung. Und das halten wir schon gedanklich nicht aus. Warum? Weil wir uns selbst permanent verurteilen und ablehnen, weil Verurteilung und Ablehnung Teil der „programmierten Geschichte“ sind, die wir uns unbewusst und immer wieder über uns selbst und über das Leben erzählen. Also sagen wir zähneknirschend ja. Und bezahlen den Preis der beispielsweise Rückfall in die Essstörung oder in andere alte Überlebensstrategien bedeuten kann.

Das Nein sagen langsam lernen

NEIN sagen wenn wir NEIN meinen ist dementsprechend bedrohlich für und doch können uns sollten wir es lernen.

Denn jedes ehrliche NEIN zu einer anderen Person ist ein gesundes JA zu uns selbst!

Wie kann es also funktionieren?

Antworte nicht sofort, sondern mache dir bewusst, dass du die Wahl hast.

Was wäre das Schlimmste, dass passieren könnte?

NEIN sagen zu deiner Freundin könnte bedeuten, dass sie sauer auf dich ist und dich für egoistisch hält. Aber ist es nicht ebenfalls egoistisch von ihr, dich zu fragen? Und ist es wirklich besser, wenn du sauer auf dich bist? Vielleicht respektiert sich dich sogar noch mehr, wenn du mal NEIN zu ihr sagst? Oder du machst ihr ein Gegenangebot und sagst: „Ja, ich tue dir den Gefallen, wenn du dafür… .“

NEIN sagen zu der Bedienung könnte bedeutet, dass sie peinlich berührt ist und nicht so recht weiß, wie sie sich verhalten soll. Aber hilfst du mit deinem NEIN sagen nicht eigentlich dem Restaurant? Wie sollen die Restaurantbetreiber wissen, dass etwas nicht gut ist, wenn es keiner sagt? Und vielleicht kannst du dein NEIN sagen relativieren in dem du sagst: „Das Fleisch war leider zäh und kalt, aber das Gemüse war sehr gut.“

NEIN sagen zu deinem Chef könnte bedeuten, dass er ärgerlich ist und dich für faul hält. Aber vielleicht respektiert er dich für das NEIN sagen auch mehr als zuvor und wird nicht mehr versuchen, dir ständig noch mehr Arbeit aufzudrücken. Vielleicht akzeptiert er deine Grenze auch einfach, weil er glaubt, dass es sicher einen triftigen Grund für dein NEIN sagen gibt. Und es ist auch möglich, durch ein Zeitlimit Grenzen zu setzen in dem du antwortest: „Ja, ich habe noch 30 Minuten Zeit.“

Traue dich, das NEIN sagen in kleinen Schritten zu lernen und deiner Essstörung dadurch Nahrung zu entziehen!

Und erlaube dir die Erfahrung zu machen, dass du viel weniger Ablehnung und Verurteilung erfahren wirst, als du glaubst!

lebenshungrige Grüße

Simone