Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Um ehrlich zu sein fällt es mir ziemlich schwer, alles was ich erlebt habe auf zu schreiben. Ich habe sowas noch nie gemacht. Aber die Geschichten von Betroffenen zu lesen stärkt ungemein. Man fühlt sich miteinander verbunden und vor allem verstanden.

Ich habe den Umgang mit Essen eigentlich nie richtig gelernt. Meine Eltern trennten sich als ich 4 Jahre alt war. Meine Mutter hat mich alleine groß gezogen und musste natürlich arbeiten gehen. So war ich auf mich alleine gestellt. Vor der Schule und nach der Schule.

Ich habe mich geschämt vor anderen zu essen, deswegen aß ich mein Schulbrot erst, als ich von der Schule zu Hause war. Das zog sich über Jahre hinweg. Meine Mutter kam immer nachmittags von der Arbeit und so hatte ich Abends eine richtige Mahlzeit. Manchmal schmiss ich mein Schulbrot auch einfach weg.

Dieses „Alleine Essen “ war nichts für mich und ist meiner Meinung nach überhaupt nichts für Kinder. Das soll jetzt kein Vorwurf an meine Mutter sein. Sie musste arbeiten gehen um uns zu versorgen und ich musste eben funktionieren. Meine Mutter musste sich schließlich auf mich verlassen können.

Zu diesem Zeitpunkt war ich 8 Jahre alt und bis zu meinen 18. Lebensjahr hat sich kaum etwas verändert. Ich aß vor anderen und wenn ich alleine war, hat nichts geklappt. An eine Essstörung habe ich nie gedacht.

Durch Schicksalsschläge (die im Leben immer wieder mal passieren) fing ich an zu hungern. Dadurch merkte ich, wie gut ich meine Gefühle und mich unter Kontrolle hatte. Der Teufelkreis hatte begonnen und ich fühlte mich super.

Dann lernte ich meinen damaligen Freund kennen und ich dachte, dass es nicht besser laufen könnte. Leider war das -beziehungsweise er – mein Untergang.

Meine Mutter hatte zwanghaft versucht, mich von ihm fern zuhalten. Sie Moche ihn von Anfang an nicht, aber wer hört mit 18 noch auf seine Mutter ?

Jetzt wünsche ich mir, dass ich auf sie gehört hätte. Denn das hätte mir vieles erspart und vielleicht hätte ich die Kurve nochmal bekommen.

Nach vier Wochen betrog er mich mit meiner Freundin und ich war so verliebt, dass ich ihm das verziehen habe. Unglaublich aber wahr. Je mehr Leute auf mich einredeten, desto mehr stand ich hinter ihm. Ich habe allen den Rücken zugekehrt und gesagt, man nimmt mich mit ihm oder gar nicht. Ich bin nicht mehr zu Familienfesten gegangen,weil ich alleine eingeladen wurde.

Dann wurde ich ungeplant schwanger.

Wegen Zwischenblutungen bin ich zum Arzt und der sagte mir, dass wir eine Woche warten müssen um zu gucken, ob das Herz schlägt, aber es sah nicht gut aus. Ich war naiv und habe an das Gute geglaubt.

Meine Mutter war die erste, die es damals erfuhr und sagte mir spontan: „wir kriegen das schon hin.“ Mein Freund sah das allerdings ganz anders und hatte nur Vorwürfe parat und am Ende meinte er zu mir: ,,Du weißt, was du zu machen hast, natürlich abtreiben!“

Ich war am Boden zerstört. So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Ich wollte immer eine heile Familie haben. Mutter, Vater, Kind,  all das, was ich nicht hatte. Der Zeitpunkt war wirklich nicht der richtige, aber ich denke, wenn man was will , dann schafft man das auch.

Aber es sollte nicht so sein und weil mein Körper “ ES “ nicht abgestoßen hat, musste eine Ausschabung gemacht werden. Meine Mutter sagte dann einfach nur, dass es Schicksal sei. Genau das, was man in diesem Augenblick nicht hören möchte und dafür hasste ich sie.

Mein Freund hat natürlich positiv reagiert und gemeint: „Problem gelöst!“

Ich bat ihn, sich frei zu nehmen, damit ich da nicht alleine durch muss. Aber ihm war es wichtiger zu arbeiten und so schickte er mir seinen besten Freund ins Krankenhaus um mich abzuholen. Der kam wie üblich mit Frau und KIND (6 Monate alt).

Sehr gemacklos und rücksichtslos. Mir fehlen dazu heute noch die Worte. Aber selbst da war ich blind vor Liebe . Ich blieb bei ihm.

Dann fing er an, mich auf die Waage zu stellen und mir zu sagen, dass ich pummelig wäre und pikste ständig an mir herum. Ich mochte das überhaupt nicht und das habe ich ihm auch gesagt, aber er hat mich nicht ernst genommen. Genau wie all die anderen.

Ich begann, im Nachtdienst zu arbeiten. Tolle Arbeitszeiten, eine Woche Nacht und eine Woche frei. Immer im Wechsel und das über 1 Jahr lang. Ich fand es super und meine Essstörung zu diesem Zeitpunkt auch. Sie hatte genug Zeit sich weiter auszubreiten, ohne das es jemand bemerkte.

Ich zog mit meinen Freund zusammen und eines morgens als ich aus dem Nachtdienst kam, überkam ihn wohl sein Trieb. Ich wollte nur schlafen,weil ich Feierabend und eine anstrengende Nacht hinter mir hatte. Ich arbeitete im Altenheim.

Er hatte Wochenende und wollte unbedingt Sex. Mein mehrfaches „nein“ hat ihn allerdings nicht gestört und so vollzog er den Geschlechtsverkehr. Ich habe es einfach über mich ergehen lassen und war froh als alles vorbei war.

Irgendwann bin ich übermüdet eingeschlafen und als ich aufwachte, habe ich erst realisiert was passiert ist. Als ich ihn darauf angesprochen habe, war seine Antwort: „Es gibt Paare die stehen darauf.“ Ich war überfordert und völlig verzweifelt.

Ich habe mich von den Mann meiner damaligen besten Freundin aus der Wohnung holen lassen und die letzten Stunden bevor ich wieder arbeiten musste, geweint. Mein Ex bat mich zurück zukommen und hat geweint und gemeint alles zu bereuen, aber ich blieb stark. Ich schlief die Nächte,wo ich noch arbeiten musste, bei meiner Freundin und zog dann wieder zu meiner Mutter.

Meine Freunde rieten mir, ihn anzuzeigen, aber ich habe mir das alles irgendwie schön geredet. Ich selbst hatte Angst, dass ich wieder zurück zu ihm gehe. Ich war ihm irgendwie hörig.

Also stürzte ich mich in einen neue Beziehung und habe es so wirklich geschafft, von ihm weg zu kommen. Nicht der vernünftigste Weg,aber in dem Moment schien ich das Richtige zu tun.

Aber ich hatte ein Händchen für A***** . Ich wurde immer misstrauischer und hörte auf, an das Gute im Menschen zu glauben.

Ich aß zu dem Zeitpunkt sehr wenig. Zwei Tage mal gar nicht und dann wieder mal ein bisschen. Dann habe ich herausgefunden, das mein neuer Freund mich auch betrogen hatte. Mit seiner besten Freundin.

Wenn man im Nachtdienst arbeitet, dann bekommt man nicht mehr viel mit und der Partner weiß genau,wann man nach Hause kommt. Ich trennte mich und zog erstmal zu einer guten Freundin.

Das einzige was ich jetzt noch unter Kontrolle hatte, war mein Essverhalten. Meine ganze Aufmerksamkeit galt alleine dem Essen bzw. nicht essen um zu sehen, dass ich abnahm und immer besser aussah.

Ich nahm Tabletten zum Abnehmen um den Vorgang zu beschleunigen und weil mir das nicht schnell genug ging, hörte ich mit dem Essen ganz auf. Ich entfernte mich von meinen Freunden und meiner Familie. Ich aß nur noch, wenn ich durch Zufall irgendwo war, wo es Essen gab. Das sah man mir natürlich bald an und so wurde ich auch darauf angesprochen.

Die Menschen, die mir rieten zum Arzt zu gehen,weil ich krank sei, ignorierte ich.

Meine Arbeit konnte ich irgendwann auch nicht mehr ordentlich ausführen und als ich Blut spuckte, war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich es selbst einsah. Ich bat meinen besten Freund um Hilfe. Er sollte mit mir zum Arzt gehen und das tat er auch. Er hat meine Familie angerufen und ihnen – auf meinen Wunsch hin – alles erzählt.

Das war vor ungefähr 6 Jahren.

Ich bekam damals sofort eine Überweisung ins Krankenhaus und nach ungefähr zwei Wochen hatte ich einen Therapieplatz. Drei Monate lang stationär, ich dachte, ich schaffe das nicht. Ich wollte nach Hause zu meinen Freunden,aber ich musste da durch.

Ich habe einen guten Weg eingeschlagen und jede Hilfe angenommen. Die Angst war trotzdem da: „Was passiert, wenn ich wieder draußen bin?“ dachte ich. Sobald ich auf mich alleine gestellt war, wurde ich fahrlässig und ich sehnte mich nach Nähe. Doch die konnte ich irgendwie nicht zulassen.

Also hörte ich auf damit und versuchte, meine Aufmerksamkeit auf meine Essstörung zu lenken. Als ich aus der Klink kam, bin ich von drei Mahlzeiten pro Tag gleich wieder auf eine geruscht. Das war überhaupt nicht gut, aber ich versuchte, es im Griff zu bekommen. Ich wollte nicht nochmal in die Klinik.

Es vergingen fast zwei Monate und dann habe ich einen Mann kennengelernt. Ganz ohne zu suchen. Wir hatten einen gemeinsamen Freund. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wir sahen uns an und es hatte bei uns beiden gefunkt.

Bis dato glaubte ich an sowas nicht und ich wollte nicht schon wieder verletzt werden. Zumal es sehr kompliziert war mit mir, weil ich jetzt schon so weit war und wusste, dass ich krank bin. Ich sah es endlich ein, aber sowas kann man eigentlich niemanden zumuten und ich wusste, dass ich ja nicht richtig stabil bin.

Dieser Mann versuchte meine Handy Nummer raus zu bekommen und das war, wenn man einen gemeinsamen Freund hat, ja auch nicht schwer. Mit meiner Zustimmung bekam er meine Nummer und er meldete sich tatsächlich. Wir trafen uns an einem neutralen Ort. Wir redeten viel und ich hatte das Gefühl, als würden wir uns schon ewig kennen.

Als die Frage dann auftauchte was ich so mache und ob ich arbeite, wurde ich etwas zurückhaltender. Er wusste von meiner Krankheit , aber er wollte schauen, ob ich es ihm selbst auch sagen würde. Und ich nahm wirklich meinen ganzen Mut zusammen und offenbarte ihm meine Essstörung. Ich hatte ja nichts mehr zu verlieren.

Er hat es gut aufgefasst und so verbrachten wir den restlichen Abend zusammen und gingen anschließend noch tanzen. Er hatte nur Augen für mich. Er sah nicht mal eine andere an. Ich war hin und weg. So jemanden hatte ich noch nie kennengelernt.

Als die Nacht zu Ende ging, versuchte er mich zu küssen und ich erwiderte den Kuss. Danach brachte er mich nach Hause und verabschiedete sich wie ein Gentleman. Ab diesen Zeitpunkt sahen wir uns jeden Tag. Wir waren unzertrennlich und ich war noch nie in meinem Leben so verliebt wie in diesem Mann.

Wir lernten uns lieben und er zeigte viel Verständnis. Er unterstützte mich beim Essen, aber auch da fingen „die „kranken Gedanken“ wieder an, die Macht zu übernehmen. Mein Freund stellte seinen Standpunkt ziemlich schnell klar und sagte, dass er das nicht kann. Wir müssten uns trennen,wenn ich das nicht im Griff bekomme.

Eine schreckliche Vorstellung für mich und weil dieser Mann es schaffte ,mir wichtiger zu werden als dieses „dünn sein“, warf ich alle Zweifel über Bord und begann wieder zu essen.

Ich wusste, dieser Mann ist es Wert, gegen die Krankheit zu kämpfen.. ER war der Richtige. Der Eine mit dem ich mir ein Leben vorstellen kann. Mit dem ich Kinder kriegen möchte und den ich irgendwann heiraten will. Wie im Bilderbuch, bis das der Tod uns scheidet. So stellte ich mir das vor.

Ich zog bei ihm ein und begann, der Magersucht den Kampf anzusagen.

Das schaffte ich ca. drei Monate und dann beschlossen mein Freund und ich, dass wir das alleine nicht mehr schaffen, also ging ich zum Arzt und bat um Hilfe. Ich wurde wieder stationär aufgenommen und das hielt ich keine Woche durch. Ich hatte Heimweh und wollte unbedingt zu meinen Freund.

Ich brach die Therapie ab und es klappte tatsächlich, ich schaffte es, regelmäßig zu Essen. Es schien alles so unglaublich und als ich sechs Monate später erfuhr, das ich schwanger war, war ich völlig von der Rolle.

Ich war sehr im Untergewicht und keiner hatte damit gerechnet,dass ich überhaupt schwanger werden konnte. Umso größer war die Angst, auch dieses Kind zu verlieren.

Ich kam bei meinem Arzt raus, schmiss die Zigaretten weg und begann, richtig gut zu essen. Ich war nicht mehr für mich alleine verantwortlich. Da war was, worauf nur ICH Einfluss hatte. Ich wollte immer Mama werden und den richtigen Partner hatte ich dazu auch noch.

Er hat übrigens ganz toll reagiert und sich gefreut und meinte ganz cool, ich brauche mir keine Sorgen zu machen ,seine Kinder die er zeugt,verliert man (Frau) nicht. Er brachte mich immer zum lachen. Selbst in Momenten, wo ich tierische Angst hatte. Es schien perfekt. Ich habe in der Schwangerschaft ca. 30 kg zugenommen (was nicht immer einfach war) und ein kerngesundes Mädchen zur Welt gebracht.

Wir zogen in eine größere Wohnung und zu Silvester machte ich meinen Freund einen Heiratsantrag. Er nahm an und ich war überglücklich. Aber ich hatte Probleme mit meiner Gebärmutter, die zu groß war und sich nur sehr langsam zubildete.

Es kamen blöde Äußerungen zu meiner Figur und ich fing wieder an, in den Teufelskreis zu gelangen. Ich war wieder für mich alleine zuständig. Klar hatte ich mein Kind und darüber war ich überglücklich, aber es war nicht mehr mit mir verbunden und so begann ich, wieder Tabletten zum Abnehmen zu nehmen.

Ich wollte nur ein bisschen dünner werden. Nicht wieder in die Essstörung rutschen, aber der Schuss ging nach hinten los. Die Streitigkeiten mit meinen Mann häuften sich und er bekam mit, dass ich ihn immer wieder anlog.
Ich flüchtete mich zu meiner Freundin und da lernte ich schon bald einen Mann kennen, der mir zuhörte, der mich verstand und vor allem, der es nicht schlimm fand, das ich diese Tabletten nahm.

Ich musste sie nicht mehr heimlich nehmen und konnte alles offen in meiner Tasche liegen lassen. Das war so ein schönes Gefühl. Ich traf eigentlich einen Mann, der voll und ganz die Magersucht unterstützte
und das war in dem Moment genau das, was ich brauchte.

Für meine Tochter war ich nach wie vor ein gutes Vorbild. Ich habe mich um sie gekümmert, aber je mehr dieser andere Mann an mich heran kam, desto mehr entfernte ich mich von meinen Mann und es dauerte gar nicht lange, da war ich der Meinung, meinen Mann nicht mehr zu lieben und mich scheiden zu lassen.

Unfassbar, ich war der Meinung, den anderen Mann wirklich zu lieben und ich wollte alles für ihn aufgeben. Alles wofür ich so hart gekämpft habe. Meine heile Familie, dass, was ich immer wollte.

Doch in dem Moment sah ich das alles nicht mehr. Ich war wieder im Teufelskreis der Essstörung gefangen. Ich nahm immer mehr und mehr ab und musste anschließend wieder eine Therapie machen. Wieder stationär drei Monate lang. Es war grauenvoll ohne mein Kind, doch heute sage ich, es war die beste Entscheidung in meinem Leben.

Nach einer Woche Klinikaufenthalt durfte ich für eine Nacht nach Hause und als mein „noch Ehemann“ mich mit unserer Tochter abholte, kamen all meine Gefühle wieder hoch. Ich sah meinen Mann und erinnerte mich an unser erstes Treffen. Ich hatte weiche Knie, weil ich überhaupt nicht wusste, was mit mir passierte. Ich verliebte mich tatsächlich in meinen eigenen Ehemann und das zum zweiten Mal..

Für viele hört sich das jetzt vielleicht wie ein Film an, aber es passierte wirklich.

Diesmal wollte ich aber alles besser machen und spielte gleich mit offenen Karten. Ich meldete mich bei dem anderen Mann und bat um Bedenkzeit. Ich erklärte ihm wirklich alles und es tat mir auch ehrlich leid, aber er hat mich unter Druck gesetzt und wollte gleich eine Entscheidung von mir.

Also beendete ich diese Geschichte und sagte meinen „noch Ehemann“ auch die Wahrheit. Ich teilte ihm mit, wie ich mich fühlte und was in mir vorging. Ich wusste nicht, was nun passiert, aber ich wollte es jetzt richtig machen und ehrlich sein.

Ich habe schlimme Dinge getan. Ich habe meinen Mann zutiefst verletzt, ihn betrogen, ihn gedemütigt, ihn beleidigt und das ein oder andere mal ist es sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen. Ich schäme mich sehr dafür und dafür gibt es auch überhaupt keine Entschuldigung.

Ich konzentrierte mich nur auf meine Therapie. Mein Mann und ich fingen uns wieder an näher zu kommen und ich machte super Fortschritte. Meine besten Freunde wandten sich von mir ab, weil sie mehr Verständnis für diesen anderen Mann hatte. Danach haben sie sich sogar gegen mich verschworen.

Aber auch das hat mich nicht zurück geworfen. Ich wollte mein Leben und meine Familie wieder haben und das um jeden Preis. Nach drei Monaten Klinikaufenthalt wurde ich glücklich und normalgewichtig entlassen. Mein Mann hat mir nochmal eine Chance gegeben und mir wurde langsam klar, was ich eigentlich auf´s Spiel gesetzt habe.

Meine ambulante Therapie geht nach wie vor weiter, damit ein Rückfall nicht wieder passieren kann. Zumindestens nicht in diesem Ausmaße. Mir geht es jetzt sehr gut und ich fange an, mich in meinen Körper wohl zu fühlen, mich zu akzeptieren und vor allem mich zu lieben.

Ich bin mit meinen Mann und meiner Tochter (die nun schon 3 Jahre alt ist) in ein Haus gezogen. Jetzt ist sie in dem Alter, wo sie alles mitbekommt und ich muss ein Vorbild sein. In jeder Hinsicht und das heißt auch beim Essen (!)

Mag sein, dass sich das ziemlich einfach liest, aber ich habe einen harten Weg hinter mir und auch noch einen weiteren vor mir. Man darf nur nicht aufgeben. Meine Therapeutin sagt, jeder Tag ist ein neuer Anfang und dieser Satz ist bei der Essstörung sehr wichtig.

Ich habe heute noch manchmal Tage , wo ich mein Essen am liebsten vom Balkon schmeißen würde, aber dann denke ich mir: „Es sind Gedanken, sie ziehen auch wieder weiter.“

Ich habe eine super Unterstützung und ich glaube was mein ganzen Denken nach und nach verändert hat,war das Erlebnis, das ich zum ersten mal einen Menschen verletzt habe und man mir meinen Fehler verziehen hat. Sonst war es immer umgekehrt.

Aber jetzt hat man MIR verziehen. Dieser Mann ist das beste, was mir hätte je passieren können.
Ein toller Ehemann und ein wundervoller Vater.

Wenn er diesen Text hier jemals lesen sollte: „Schatz, ich liebe dich und durch dich bin ich noch am Leben! Ich werde dich nie wieder so verletzten. Danke für alles!“

Ich hoffe, dass es das Ende von meiner Krankheitsgeschichte ist. Ich bin jetzt 28 Jahre alt und seit über einem Jahr nicht mehr stationär behandelt worden. Seitdem halte ich mein Gewicht permanent.

Danke, das ich meine Geschichte und Gedanken aufschreiben durfte. Es tut mir sehr gut und ich fühle mich ziemlich erleichtert!

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

1 Antwort
  1. Marianne says:

    Liebe Simone, darf ich dich bitten, diese Nachricht an die Autorin dieser Geschichte zu senden, lieben Dank.
    Liebe Erzählerin, danke für diese Geschichte. Mir fällt es jetzt wie Schuppen von den Augen: was du erzählst von ‚die heile Welt herstellen wollen‘ mit all ihren Auswüchsen, hatte mich auch betroffen. Danke, du hast mich jetzt auf etwas sehr Wesentliches gebracht, was zum Verständnis meiner eigenen Geschichte massgeblich beiträgt betr. private Beziehungen und Arbeitsstellen. Vor lauter ‚heile Welt‘ haben wollen, war ich auch blind gewissen Situationen gegenüber und habe mich schlecht behandeln lassen ohne es zu bemerken bzw. wahrhaben zu wollen.
    Nochmal herzlichen Dank, mit deiner Geschichte hast du nicht nur mir geholfen, sondern auch ganz viel anderen und auch dir selbst.
    Liebe Grüsse

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