Welche Labels trägst du auf dem Laufsteg des Lebens und warum?

Models laufen auf Modenschauen für bestimmte Labels und bekommen Geld dafür. Aber auch wir Normalos laufen für oder unter bestimmten Labels. Allerdings werden wir weder dafür bezahlt noch sind wir uns dessen immer bewusst.

Die äußeren Labels

Und dabei geht es natürlich nicht nur um Mode-Labels. Aber diese Labels sind ein ganz guter Einstieg. Nehmen wir doch mal einen Klassiker, die Louis Vuitton Tasche. Eine oder gar mehrere davon zu besitzen ist ein Wunschtraum vieler Mädchen und Frauen. Aber warum eigentlich? Weil wir insgeheim glauben, dass uns diese Tasche zu etwas Besonderem oder etwas Besserem macht. Für viele ist diese Tasche eigentlich eine Art Statement das aussagt:

Schaut her, ich habe Stil und ich kann mir was leisten! Ich gehöre dazu!

Wenn das so ist, wunderst du dich vielleicht, dass dich deine Tasche nur eine Woche lang glücklich gemacht hat. Und dann war es wieder irgendwie normal sie zu besitzen, das Hochgefühl war verpufft. Daraus hast du vielleicht geschlussfolgert, dass du noch eine Birkin Bag von Hèrmes brauchst?

Natürlich ist es völlig okay, sich bestimmte Dinge zu wünschen, sie sich zu kaufen oder dafür zu sparen. Aber wir sollten uns immer der Tatsache bewusst sein, dass uns Dinge dauerhaft weder zu wertvolleren noch glücklicheren Menschen machen. Denn es sind und bleiben leblose Gegenstände.

Wenn du das nächste mal unbedingt etwas haben möchtest, frage dich zunächst WARUM?

Geht es dabei tatsächlich um dich, macht es dich glücklich und tut es dir gut?

Oder möchtest du damit eigentlich andere beeindrucken, dich von einer bestimmten Gruppe abgrenzen bzw. zu einer bestimmten Gruppe dazu gehören?

Und wenn das der Fall ist, versuche herauszufinden, WARUM das so wichtig für dich scheint.

Die inneren Labels

Doch es gibt auch noch eine andere Art von Labels und die nenne ich innere Labels. Innere Labels, welche ich in der letzten Zeit ziemlich oft höre, sind zum Beispiel „vielbegabte Scannerpersönlichkeit“, „introvertiert“ und „hochsensibel“.

Auch wenn jemand sagt „Ich bin essgestört!“ ist das eine Art Label. Und daran ist natürlich zunächst nichts falsch. Im Gegenteil: Zu erkennen, dass wir essgestört sind beziehungsweise dass es einen Namen für unser Problem gibt, ist eine große Erleichterung.

Denn dadurch können wir etwas bisher Diffuses endlich benennen, uns einordnen, uns nicht mehr total alleine und freakig fühlen. Und genau so geht es Menschen, die sich unter den Labels „introvertiert“, „hochsensibel“ – oder was auch immer – wieder finden.

Aber auch diese inneren Labels können hinderlich werden für uns. Und zwar dann, wenn wir in ihnen gefangen sind und/oder sie als Entschuldigung vorschieben. Dann äußern wir zum Beispiel Sätze wie:

Ich bin schon so lange essgestört, ich werde nie wieder normal essen können! Sicher werde ich für den Rest meines Lebens drei Mal pro Woche meine Selbsthilfegruppe und zwei Mal pro Woche meine Therapeutin aufsuchen müssen um irgendwie über die Runde zu kommen…

Ich habe es als große Erleichterung empfunden, eine Zeit lang unter dem Label „essgestört“ zu laufen. Es tat gut, dem Problem einen Namen zu geben und Gleichgesinnte zu finden.

Aber mir war immer klar, dass dies kein Dauerzustand sein kann, weil die Essstörung – und auch die Auseinandersetzung damit – mein Leben so sehr beherrscht hat.

Sowohl die Selbsthilfegruppe als auch mein Klinikaufenthalt und die Therapie waren für mich Mittel zum Zweck und kein Dauerzustand. Ich habe all diese Dinge so lange in Anspruch genommen, wie ich sie brauchte und ich bin sehr dankbar für die Hilfe die ich bekommen und für die Erfahrungen die ich sammeln durfte. Doch irgendwann brauchte ich das Label „essgestört“ nicht mehr und dann habe ich es auch abgelegt.

Es erfordert durchaus Mut, ein Label abzulegen, denn es kann bedeuten, auf einmal in einer Gruppe aufzufallen, in der man sich so lange Zuhause gefühlt hat. Beispielsweise schrieb mir kürzlich eine Teilnehmerin des Online-Workshops GEWICHTIG, dass sie sich gar nicht traue in ihrer Selbsthilfegruppe darüber zu reden, wie gut es ihr mittlerweile ginge:

Alle anderen jammern noch immer genau so, wie sie schon vor Monaten gejammert haben. Und bisher habe ich immer mit gejammert. Das ist ja auch völlig okay. Doch seit einigen Wochen ist so vieles anders. Und ich traue mich nicht, den anderen mitzuteilen, dass es mir gut geht. Ich habe Angst, dass sie mich irgendwie aus der Gruppe ausschließen. Und die möchte ich momentan noch nicht verlassen…

Doch genau an diesem Punkt wirst du die Qualität der Beziehungen in der Gruppe und somit die Qualität der Gruppe erkennen: Wenn du beispielsweise mitteilst, dass du Fortschritte machst und die anderen sich mit dir freuen und interessiert nachfragen, spricht das für die Gruppe. Und du wirst erkennen, dass du so lange Teil der Gruppe sein darfst, wie du magst.

Sind deine Zweifel jedoch berechtigt und dir schlägt Neid entgegen und alle versuchen irgendwie, dich wieder zurück in das „gemütliche Elend“ zu ziehen, spricht das gegen die Gruppe. Und du bekommst durch diese Erkenntnis die Möglichkeit, dir eine andere Gruppe zu suchen.

Mit den inneren Labels verhält es sich ähnlich wie mit den äußeren.

Die entscheidende Frage lautet hier:

Bringt mir die Zugehörigkeit zu einem gewissen Label – beispielsweise zu einer gewissen Gruppe – noch immer mehr als sie mich kostet?

In welchen Bereichen deines Lebens helfen dir (innere) Labels und in welchen nicht?

lebenshungrige Grüße

Simone

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