Sorgt die Essstörung dafür,
dass Feiertage für dich kein
Grund zum Feiern sind?

Das ist doch normal.

Dieser Satz ist einer der Sätze, die für jeden etwas anderes bedeuten.

Denn was die eine als normal bezeichnet, ist genau das für die anderen eben nicht.

Gerade liegt Ostern hinter uns. Und ich bin mir sicher, dass diese Feiertage für viele von euch kein wirklicher Grund zum Feiern waren. Denn essgestörte Frauen haben während dieser Tage das Gefühl, über ein Feld voller Tretmienen gehen zu müssen. Zum einen gibt es häufig Begegnungen mit der (Ursprungs)Familie und zum anderen gibt es – mindestens genau so häufig – Begegnungen mit „besonderem“ Essen. Und diese Mischung ist explosiv.

Das Essen ist nicht das Problem von Essgestörten, sondern die Essstörung ist ihre „Überlebensstrategie“. Und diese Strategie – die Möglichkeit  Gefühle zu kompensieren – ist vor allem in der Ursprungs-Familie entstanden. Daher ist es nur logisch, dass wir – wenn wir mit dieser Familie konfrontiert werden – quasi automatisch auf diese ungesunde aber bewährte Strategie zurückgreifen. Und zwar so lange, bis wir eine gesündere Strategie gefunden haben.

Erschwerend kommen die besonderen Feiertagsmahlzeiten dazu. Deshalb habe ich dazu schon mal einen „Feiertags-Survival-Guide“ geschrieben.

Feiertage? Da essen doch alle mehr, oder?

Doch auch Menschen, die sich selbst nicht als essgestört bezeichnen und die es meistens wahrscheinlich auch nicht sind, halten es oft für normal, dass man an Feiertagen mehr isst, als gewöhnlich. Und das verwundert mich. Oder auch nicht. Denn es zeigt eigentlich nur, dass auch „Normalos“ so ihre Glaubenssätze in Bezug auf das Essen haben und auch in gewisser Weise mit Essen kompensieren. Vielleicht „lassen sie die Zügel locker“ weil Feiertage für sie besondere Tage sind, an denen sie sich außergewöhnliche Dinge erlauben. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass die Zügel ansonsten angezogen sind. Auf Deutsch: Es gibt im Alltag (manchmal) Ge- oder Verbote in Bezug auf das Essen.

Der Kopf bestimmt, was der Körper bekommt…

Jeder Tag kein (d)ein Feiertag sein!

Für mich ist es nicht normal, an einem Feiertag mehr zu essen als sonst.

Warum?

Ich stelle eine Gegenfrage:

Warum soll mein Körper an einem Feiertag mehr Hunger haben als an einem anderen Tag?

Anders gesagt:

Nur weil vielleicht mehr Essen zur Verfügung steht, esse ich nicht mehr.

Denn ich habe nicht mehr Hunger.

Der Körper bestimmt, was der Körper bekommt…

Warum ist das so?

Weil für mich quasi jeder Tag ein Feiertag ist. Ich darf immer essen was ich will und wie viel ich will. Und da ich die Gewissheit in mir habe, dass immer genug da ist, habe ich Sicherheit. Warum soll ich mich heute mit irgendetwas vollstopfen, wenn das Selbe – oder etwas Vergleichbares – morgen auch noch/wieder da ist?

Ja aber Mamas Lammbraten gibt es nur an Ostern!

willst du jetzt vielleicht einwenden. Doch wenn dieser Lammbraten so wichtig für dich ist, geht es eigentlich nicht um dieses bestimmte Gericht. Denn es ist letztlich nur etwas Essbares. Sondern es geht um das, wofür diese Mahlzeit bei dir steht:

Was willst du eigentlich von Mama? Aufmerksamkeit? Verständnis? Anerkennung?

Stell dir vor, es wäre immer von allem genug da

Im Online-Workshop GEWICHTIG lade ich die Teilnehmerinnen ein, die Augen zu schließen und sich folgende Situation vorzustellen:

Du stehst vor einer riesigen Schatzkammer und das Tor wird geöffnet. Und in dieser Kammer gibt es alles an Lebensmitteln, was du dir nur vorstellen kannst. Der Wächter dieser Schatzkammer gibt dir den Schlüssel und sagt: „Das ist alles nur für dich. Du kannst jederzeit hier hin kommen und dir holen, was du willst. So viel du willst und so oft du willst. Ich werde dafür sorgen, dass immer alles da sein wird. Und im Gegenzug bekomme ich den Schlüssel zu deiner Schatzkammer, zu deinem Körper. Ich verspreche dir, dass ich mich nicht nur um dein Essen sondern auch um dein Gewicht kümmere. Ich kann das besser regeln als du und du musst dich nicht mehr sorgen.“

Versuche, dich in diese Situation hinein zu fühlen.

Wie würde es sich anfühlen, wenn du wirklich IMMER ALLES haben dürftest?

Ich kann dir sagen, wie es sich anfühlt, denn es ist meine Realität. Es ist meine Definition von normal.

Ich bin – in Bezug auf Essen und auf mein Gewicht – völlig (angst)frei.

Von total essgestört zu total normal ist möglich!

lebenshungrige Grüße

Simone

1 Antwort
  1. Patrick says:

    Super Beitrag! Der „Reiz des Verbotenen“ hält die Essstörung am Leben. In unserer Überflussgesellschaft fällt es nicht immer ganz leicht, intuitiv zu essen. Andererseits bietet sie uns die Möglichkeit, schnell an das zu kommen, worauf wir wirklich Lust haben und was uns wirklich guttut. Ich will auch lernen, wieder mit meinem Körper zu arbeiten und nicht gegen ihn. Wegen meiner Unverträglichkeiten ist es für mich allerdings schwer, Lebensmittel nicht in irgendeiner Form zu bewerten.

    Antworten

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