Der „Ur-Glaubenssatz“ von essgestörten Frauen lautet meiner Erfahrung nach: Ich bin nicht gut (genug)!

Er zeigt sich in seinen Spielarten:

Ich bin nicht dünn genug!

Ich bin nicht schlau genug!

Ich bin nicht hübsch genug!

Ich bin nicht sexy genug!

Ich bin nicht (erfolg)reich genug!

Ich bin nicht beliebt genug!

Die „Ur-Gefühle“ dazu sind Scham und Angst.

Die Scham, weil wir glauben, nicht gut genug zu sein und die Angst davor, dass andere Menschen genau das herausfinden könnten.

Beide Gefühle sind dafür verantwortlich, dass Frauen mit Essstörungen sich so schwer damit tun, Hilfe in Anspruch nehmen.

Denn alle glauben, dass nur sie alleine so willensschwach sind, so komische Gedanken und intensive Gefühle haben.

Und sie glauben, dass sie irgendwie selbst daran Schuld seien und deshalb auch alleine mit der Essstörung klar kommen sollten.

 

Sowohl beim Retreat „SELBST? SICHER!“ als auch während des MindDetox Days „Verzeihen & Befreien“ haben die Teilnehmerinnen ihr Inneres nach Außen gekehrt, in dem sie ihre Gedanken und Gefühle zu verschiedenen Themen/Situationen zunächst aufgeschrieben und dann den anderen vorgelesen haben.

Weder ich noch die anderen Frauen haben das kommentiert, wir haben einfach nur zugehört.

Wir haben uns selbst wieder erkannt in den Worten der anderen und die Vorlesende hat sich dadurch in uns wieder gefunden.

Sie hat verständnisvolle und mitfühlende Blicke erhalten und so manche heilende Träne ist geflossen.

Das scheinbar Unansprechliche wurde gesagt und die erwartete Verurteilung erfolgte nicht. Im Gegenteil.

Es gab Annahme auf der einen und Erleichterung auf der anderen Seite.

 

All das Negative ist „nur“ in deinem Kopf.

Und es ist wichtig, es dort einmal raus zu holen.

Schreibe doch heute mal auf, wofür und warum du dich schämst und welche Ängste damit verbunden sind.

Und dann setze dich vor einen Spiegel und lies dir all das langsam vor und gib dir Zeit, es zu verdauen.

Frage dich jedes Mal: Wie würde ich reagieren, wenn das eine gute Freundin betreffen würde?

Hätte ich Mitgefühl und Verständnis für sie, oder würde ich sie verurteilen und verdammen?

Wenn du magst, verbrenne dein Geschriebenes danach.

Und belohne dich danach – mit einem Schaumbad, einem Spaziergang oder einem guten Buch etc. – für deinen Mut und deine Ehrlichkeit dir selbst gegenüber!

 

Lebenhungrige Grüße

Simone