Guter Vorsatz für 2018:
Darf’s ein wenig leichter sein?

Wenn ich nicht wüsste, dass Januar ist, wüsste ich es spätestens dann, wenn ich die Werbung im Fernsehen sehe. Denn aktuell werden dort vor allem Fitness- und Diätprogramme oder -produkte angepriesen. Und das hat natürlich mit dem beliebten „guten Vorsatz“ zu tun, im neuen Jahr endlich mehr Sport zu treiben und abzunehmen.

Ein Vorsatz, der dazu beitragen kann, dass eine Essstörung entsteht…

Doch auch Essgestörte haben gute Vorsätze: Sie möchten beispielsweise in diesem Jahr endlich ihre Essstörung „in den Griff“ bekommen. Natürlich ist es erst mal nichts Negatives, sich verändern zu wollen. Und selbstverständlich ist der Wunsch gesund werden zu wollen ganz entscheidend dafür, dass du wieder gesund werden kannst.

Doch bringt ein guter Vorsatz alleine nicht unbedingt gute Ergebnisse.

Und wenn du gerade feststellst, dass du den ein oder anderen guten Vorsatz mal wieder nicht länger als drei Tage umsetzen konntest, dann liegt es wahrscheinlich gar nicht an dir, sondern am Vorsatz bzw. an deiner Art der Umsetzung:

Ist die Zeit wirklich reif für diesen Vorsatz?

Warum soll ausgerechnet ab dem 01.01.2018 etwas (besser) funktionieren, was beispielsweise ab dem 26.05.2017 nicht funktioniert hat?

Mit anderen Worten: Der Jahreswechsel ist nüchtern betrachtet ein Wechsel von einem Tag zum nächsten – genau wie jeder andere. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass Veränderung „nur“ auf Grund eines neuen Jahres einfacher in der Umsetzung sein wird. Außerdem mache ich häufig die Erfahrung, dass sich Essgestörte großen Druck machen, gegen Jahresende die besten Vorsätze zu finden und Entscheidungen zu erzwingen.

So gab es beispielsweise während eines Telefon-Mentorings eine Lebenshungrige die glaubte unbedingt noch im Dezember wissen zu müssen, wie sie sich im nächsten Jahr beruflich verändern wird. Damit sie die Weichen stellen und pünktlich am 01.01. mit der Umsetzung beginnen kann.

Während des Gespräches wurde ihr bewusst, dass sie einfach noch nicht so weit ist. Sie weiß, dass sie sich beruflich verändern möchte, aber sie weiß eben noch nicht, wie konkret diese Veränderung aussehen soll. Und sie hat erkannt, dass es weder möglich noch nötig ist plötzlich zu entscheiden, welchen Job sie künftig gerne machen will. Ihr momentaner Job ist okay und das Wissen, dass Veränderung ansteht, ist aktuell alles, was sie hat und braucht. Den Rest bringt das weitere Sammeln von Erfahrungen, das Auseinandersetzen mit sich selbst. Irgendwann wird die Zeit reif sein und sie wird ins Handeln kommen – weil sie wissen wird, was konkret sie will.

Ist der gute Vorsatz tatsächlich deiner?

Bist es wirklich du, die diese Veränderung möchte?

Essgestörte machen oft einen guten Vorsatz aus etwas, dass ihnen selbst gar nicht wichtig bzw. dass nicht das passende für sie selbst ist. Meist sind es die Erwartungen anderer, der Eltern, des Partners, der Gesellschaft, die über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse gestellt werden. Und ganz oft sind es es gar nicht deren Erwartungen, sonder das, was wir für deren Erwartungen halten.

So erzählte beispielsweise kürzlich eine Lebenshungrige während eines Telefon-Mentorings, dass sie in der Endphase ihres Studiums – entgegen ihres Vorsatzes – ihren Nebenjob gekündigt habe. Sie hatte diesen Nebenjob weil sie dachte, ihre Eltern erwarteten, dass sie sich selbst finanzieren würde. Doch als sie sich traute, die Veränderung umzusetzen, die sie wirklich brauchte – nämlich die Kündigung – bekam sie problemlos (finanziellen) Rückhalt von ihrer Familie.

Du hast bisher noch immer nicht mit Yoga angefangen und willst es in diesem Jahr unbedingt tun?

Dann beantworte eine ganz entscheidende Frage: Warum?

Weil du glaubst, dass du nur durch Yoga entspannen kannst?

Weil alle deine Freundinnen Yoga machen?

Weil Yoga gerade „in“ ist?

Und wenn du festgestellt hast, dass es tatsächlich dein Vorsatz ist, dann frage dich:

Warum hast du noch nicht angefangen bzw. warum machst du nicht weiter?

Weil du denkst, immer ganz bei der Sache und vollständig relaxed sein zu müssen?

Weil du glaubst, wirklich immer hingehen zu müssen?

Weil du meinst, dass die anderen alle besser/weiter sind als du?

In diesem Fall steht dir dein Perfektionismus im Weg!

Wenn du zu dieser Erkenntnis gelangt bist, stelle dir in Bezug auf deinen Vorsatz eine weitere entscheidende Frage:

Was würde ich tun, wenn ich es nicht perfekt machen müsste?

Um auf das Beispiel zurückzukommen:

Es ist okay, auch mal abgelenkt und wenig relaxed zu sein.

Es ist in Ordnung, mal keine Lust zu haben und nicht hinzugehen.

Ich muss nicht die Beste sein und außerdem entspricht meine Wahrnehmung nicht immer der Realität.

Wozu sagst du stattdessen nein?

Ist dir bewusst, das dein Tag auch im neuen Jahr „nur“ 24 Stunden hat?

Die meisten guten Vorsätze gehen mit einem zusätzlichen Zeitaufwand einher. Du möchtest regelmäßig Klavierspielen oder wirklich Französisch lernen?

Egal wie sinnvoll dein Vorsatz ist, die Umsetzung braucht Zeit. Und vielleicht hast du gar keine zusätzliche Zeit, weil Teile deines Alltags so vollgepackt sind mit unwichtigen Aktivitäten und perfektionistischen Ansprüchen.

Bevor du dir also immer mehr aufhalst, frage dich stattdessen: Was kann ich weglassen? Was möchte ich nicht mehr tun? Von welchem ewigen Vorsatz verabschiede ich mich? Wozu sage ich jetzt NEIN?

Vor einiger Zeit berichtete eine Lebenshungrige während eines Telefon-Mentorings, dass sie im neuen Jahr endlich die Zeit finden möchte, regelmäßige Dates mit sich selbst zu haben. Gleich darauf berichtete sie, noch mehr dies und jedes machen zu wollen, hierin besser zu werden und dieses regelmäßiger tun zu wollen. Während sie sprach, wurde sie immer schneller, hektischer und atemloser bis sie plötzlich inne hielt und feststellte: So kann das doch gar nicht gehen!

Daraufhin begannen wir gemeinsam zu schauen, was sie alles weglassen, wozu sie ab sofort NEIN sagen wird. Dabei wurde sie immer ruhiger und zuversichtlicher und ihre Erleichterung war deutlich spürbar. Denn: Jedes ehrliche NEIN zu einer anderen Person oder einer Aktivität etc. ist ein gesundes JA zu dir selbst.

Welche Art der Anerkennung gibt es?

Womit machst du dir die Umsetzung schmackhaft?

Einen guten Vorsatz umzusetzen braucht nicht nur Zeit, es braucht auch Kraft. Denn es geht dabei darum, Gewohnheiten und Automatismen Stück für Stück zu ändern. Stell dir doch mal vor, du stehst mitten im Urwald und hast eine Machete dabei. Gehst du nach rechts, brauchst du die Machete nicht. Der Weg ist frei, denn du bist ihn schon häufig gegangen. Gehst du aber nach links, musst du die Machete einsetzen um dir den Weg frei zu machen, denn du bist ihn noch nie gegangen. Wie groß ist also die Wahrscheinlichkeit, dass du nach links gehst und den Weg wählst, der mühsam und unbekannt ist? Auch wenn du ahnst, dass das Ziel schöner ist als am Ende von Weg rechts, ist sie eher gering, oder?

Doch was wäre wenn du wüsstest, dass am Ende des linken Weges zusätzlich etwas auf dich wartet, worauf du dich wirklich freust? Und hier meine ich etwas, das unabhängig von dem Wert des guten Vorsatzes  – bzw. des Ergebnisses der Umsetzung – an sich ist.

Vor einigen Monaten tauchte in mir der Gedanke auf, den Online-Workshop GEWICHTIG zu verändern. Auf Grund der Erfahrungen mit den Intensiv-Varianten, zu denen neben den Materialen und dem Forum die Telefon-Mentorings gehörten, kam immer wieder der Wunsch hoch, nur noch eine intensive Variante anzubieten. Und dann kam das Bedürfnis auf, den Namen zu ändern, und, und, und. Einerseits wusste ich dass das der richtige Weg ist, die logische Konsequenz meiner Erfahrungen, andererseits tauchte auch der folgende Gedanke auf: Warum sollte ich das tun, warum schon wieder Zeit und Geld investieren, warum sogar den Namen ändern, du kannst es doch auch einfach so weiter laufen lassen wie bisher. Mit anderen Worten: Warum freiwillig die Machete bemühen und mich ins Ungewisse stürzen?

Doch um weiterhin authentisch zu sein, musste ich es tun. Also versprach ich mir eine zusätzliche Belohnung für meine Mühe: einen neuen Computer.

Und dann habe ich die Machete in die Hand genommen und losgelegt…

Diese Zeilen schreibe ich übrigens an meinem brandneuen iMac!

Wer kann dich bei der Umsetzung wie unterstützen?

Ist dir bewusst, dass du nicht alles alleine machen musst?

Egal welchen guten Vorsatz du gefasst hast, du musst ihn nicht unbedingt alleine umsetzen. Manchmal ist es uns gar nicht bewusst, dass wir uns Hilfe holen können und dürfen. Doch das ist nicht nur völlig okay – sofern du es dir erlaubst – sondern es führt meist auch leichter und schneller ans Ziel.

Oder, um beim Beispiel gerade zu bleiben: Warum nicht weitere „Machetenschwinger“ dazu holen damit ich nicht so alleine bin und es außerdem schneller geht?

Auch ich habe mir bei der Umwandlung des Online-Workshops GEWICHTIG in das Selbsthilfeprogramm LEICHTER Hilfe geholt, in dem ich mir drei nicht ganz billige Coachings gebucht habe. Denn es gab einige Entscheidungen zu treffen, die mir nicht ganz so leicht gefallen sind. Ich wusste zwar relativ genau was ich wollte, doch  auch ich habe alte Glaubenssätze, die sich in solchen Situationen gerne (mal wieder) zeigen. Allerdings möchte ich mich so wenig wie möglich von ihnen beeinflussen lassen bzw. neue und positivere Glaubenssätze erschaffen. Und mit der richtigen Hilfe lässt sich dieser Prozess beschleunigen.

Außerdem habe ich ja seit vielen Jahren eine Art Co-Mentorin, mit der ich regelmäßig telefoniere. Und während dieser Zeit war es eben noch etwas regelmäßiger.

Ich hatte also zwei „Hilfs-Machetenschwinger“ dabei und deshalb ging es leichter und schneller.

Mein Fazit zum Thema „guter Vorsatz“

Für Veränderung ist kein Jahreswechsel nötig!

Du darfst dich jeden Tag neu entscheiden!

Wenn du festgestellt hast, das ein Vorsatz wirklich deiner ist, darfst du es dir leichter machen in dem du

a) dir erlaubst, nicht perfekt sein zu müssen;

b) zu etwas anderem NEIN sagst;

c) dir (unabhängig vom Ergebnis) eine Anerkennung versprichst und dich an dieses Versprechen hältst;

d) dich bei Bedarf unterstützen lässt!

 

Ob mit oder ohne Vorsatz: Ich wünsche dir ein – in jeglicher Hinsicht – leichtes 2018!

 

lebenshungrige Grüße

Simone