Schon als kleines Kind lernte ich, meinem Körper und meiner Wahrnehmung zu misstrauen.

Mein Körper signalisierte mir: „satt!“

Doch der sorgenvolle Blick meiner Mutter gepaart mit den Worten: „Iß doch wenigstens noch ein kleines Bisschen!“ signalisierten mir, dass ich scheinbar nicht genug gegessen hatte.

Schließlich war sie meine Mutter, die Erwachsene von der ich abhängig war, deren Urteil ich traute. Sie wusste es sicher besser als ich, oder?

Selbstverständlich hielt auch sie sich auf Grund ihrer (Lebens)Erfahrung für die größere Expertin von uns beiden.

Sie glaubte zu wissen, was gut für mich sei. Auch jenseits des Essens.

Im Grunde wollte sie mich immer schützen und das führte dazu, dass ich Schutz vor ihr gebraucht hätte.

Es dauerte Jahre, bis ich meinem Körper und meiner Wahrnehmung wieder voll und ganz vertraute.

Und dabei machte ich eine faszinierende Erfahrung:

Auf beide ist zu 100% Verlass!

Kein anderer Mensch kann wissen, was das Beste für dich ist, denn nur du steckst in dir drin!

Während meiner Auseinandersetzung mit der Essstörung entwickelte ich eine eher unkonventionelle „Erfolgsstrategie“ für mich.

Mein Motto lautete:

Wenn es für mich funktioniert, ist es Therapie und ich nutze es, so lange ich es brauche!

Ich „nutzte“ inspirierende Romane und Spielfilme genau so, wie unkonventionelle Therapien, Yoga, einen Klinikaufenthalt, Tanzen gehen, Gespräche mit andere Betroffenen und mit Zufallsbegegnungen.

Es gibt keine allgemein gültige Regel, wie genau der Genesungsweg auszusehen hat.

So „funktioniert“ beispielsweise nicht jede Therapie von jeder Therapeutin für jede Betroffene.

Vor einiger Zeit telefonierte ich mit einer Essgestörten und am Ende des Gesprächs sagte sie:

„Dieses eine Telefonat hat mich jetzt weiter gebracht, als die letzten zwei Jahre Therapie!“

„Du machst seit zwei Jahren eine Therapie, die dir nichts bringt?“ fragte ich sie ungläubig „warum?“

„Naja, wahrscheinlich, weil mir geraten wurde, diese Therapie zu machen und weil die Kasse sie bezahlt.“

Genau so, wie ich als Kind in meiner Mutter die Expertin sah, sah sie in der Therapeutin die Expertin.

Und auch wenn diese Therapeutin sicher professionell war und ihr Bestes gegeben hat, passte sie und/oder ihre Methode nicht zu der Patientin. Das eigentliche Drama bestand darin, dass die Betroffene ihrer Wahrnehmung nicht traute. Denn hätte sie das getan, hätte sie die Therapie nach einigen Sitzungen abgebrochen und sich eine Alternative gesucht.

Es ist nicht der Job irgendeines anderen Menschen, dich gesund zu machen, es ist dein Job, du bist die Expertin.

Andere Menschen können dich dabei unterstützen und du kannst dafür verschiedene Werkzeuge nutzen.

Deine Wahrnehmung, „sagt“ dir, was und wer dir gut tut.

Entscheidend ist, dass du diesem „inneren Feedback-System“ traust, dir vertraust, und darauf hörst.

Für mein Leben bin ich die Expertin, für dein Leben bist du es!

Natürlich kann man sagen, dass ich in Bezug auf Essstörungen eine Expertin bin.

Schließlich hatte ich selbst eine und ich bin wieder ganz gesund geworden.

Und so viele finden sich in meinen Erfahrungen und Erkenntnissen wieder und schöpfen daraus Hoffnung.

Genau das war und ist für mich das Motiv  und die Motivation für lebenshungrig.

Und ich habe schon sehr viel Zuspruch, Dank und Bestätigung bekommen.

Doch ich bitte dich nicht darum, mir irgendetwas zu glauben.

Ich fordere dich auf, Verantwortung für dich zu übernehmen und (meine) Empfehlungen auszuprobieren, dich inspirieren zu lassen.

Und dann wirst du fühlen, ob es dir gut tut. Vertraue deiner Wahrnehmung!

Es ist entscheidend, zu handeln, in kleinen Schritten von der Theorie in die Praxis zu kommen.

Nur dann kannst du rausfinden, was für dich wie funktioniert.

Sei die Expertin deines Lebens!

lebenshungrige Grüße

Simone