Früher war es so, dass die Worte und Verhaltensweisen anderer Menschen große Macht über mich hatten. Vor allem wenn es sich dabei um Menschen handelte, die mir wichtig waren, denen ich gefallen wollte und von denen ich Bestätigung brauchte. Besonders Kommentare von Männern über meinen Körper beziehungsweise über mein Gewicht waren unglaublich mächtig. Sie brannten sich bei mir ein und wenn sie negativ waren, fühlte sich das so an, als hätte man mir ein Messer ins Herz gestoßen.

Zwar waren damals die meisten Kommentare in Bezug auf mein Aussehen sogenannte Komplimente, doch das Negative war es, was hängen blieb.

Mehrmals dachte ich:

Wie kann man(n) nur so etwas Verletzendes so achtlos daher sagen?

Wenn es dich trifft, betrifft es dich

Heute passiert mir das nicht mehr. Denn ich habe begriffen, dass es alleine an mir liegt, ob mich Kommentare von anderen treffen, oder nicht.

Ich brauche heute niemandem mehr gefallen und ich benötige auch keine Bestätigung mehr von anderen Menschen.

Heute mag ich mich selbst und ich mag den Weg, den ich gehe. An Beides habe ich keine perfektionistischen Ansprüche mehr.

Der äußere Schein ist nicht mehr entscheidend, weil mein inneres Sein genügend Raum einnehmen darf.

Dementsprechend definiere ich mich nicht mehr über eine Zahl auf der Waage. Ich mache meinen Wert nicht mehr abhängig von meinem Aussehen.

Und ich bin nicht mehr unzufrieden mit meinem Körper. Er i(s)st, wie er i(s)st!

Außerdem habe ich verstanden, dass die Worte anderer mich nur dann treffen können, wenn sie mir spiegeln, was ich im Grunde selbst über mich denke. Und wenn dadurch alte, unverarbeitete, negative Gefühle getriggert werden.

Denn die Worte über mein Aussehen, die mich früher trafen, trafen kindliche Anteile in mir. Alte Ungerechtigkeiten und Verletzungen, Scham, Hilflosigkeit, Wut und Trauer nährten diesen Herz-Schmerz.

Heilt die Zeit alle Wunden?

Es hat Jahre gedauert, all die alten Gefühle zu erkennen, ihnen Raum zu geben und sie zu verarbeiten.

Und es hat Jahre gedauert, bis ich diesen einen Satz tatsächlich so verinnerlicht hatte, dass ich ihn heute aus tiefster Überzeugung aussprechen kann:

Was du über mich denkst (und sagst), sagt viel mehr über dich aus, als über mich!

Ich glaube nicht, dass Zeit alleine emotionale Wunden heilt. Zeit hilft, aber nur wenn wir bereit sind, uns unsere Wunden anzuschauen. Um heilen zu können, müssen auch emotionale Wunden gründlich und regelmäßig versorgt werden. Sie müssen gesehen werden!

Ansonsten ist die Gefahr groß, dass sie sich entzünden, eitern und uns mit der Zeit regelrecht emotional vergiften.

Heute weiß ich, dass früher durch gewisse Worte anderer alte Verletzungen in mir aufgebrochen sind.

Doch alles was jetzt davon übrig ist, sind ganz feine, gut verheilte Narben auf meiner Seele.

Und das ist in Ordnung, die gehören zu jedem Leben dazu.

Es ist unverschämt, mit dem Leid anderer Geld zu verdienen!

Als ich in 2006 lebenshungrig gründete, war ich zwar schon einige Jahre nicht mehr essgestört. Doch eine gewisse (alte) Unsicherheit trat spätestens zu dem Zeitpunkt auf, als ich in 2009 langsam begann, Geld über bzw. mit der Website zu verdienen. Das Feedback in Bezug auf meine Arbeit war zu 99% positiv. Sehr viele Frauen waren sehr dankbar.

Doch dann kam dieser eine Kommentar:

Wie kannst du nur versuchen, mit dem Leid anderer Menschen Geld zu verdienen? Das ist doch total unverschämt!

Und da war er wieder, der gefühlte Versuch, mir ein Messer ins Herz zu rammen!

Doch nach der ersten, „alten“ Reaktion setzten sofort die „neuen“ gesunden Gedanken ein und „sagten“ mir:

  1. Nur du alleine weißt, wie viel Geld und Mut es dich gekostet hat, diese Website ins Leben zu rufen. Und dass du damit jemals Geld verdienen würdest, wusstest du anfangs gar nicht.

  2. Du versuchst nicht, mit dem Leid anderer Geld zu verdienen. Das Leid ist schon da. Du bietest einen Ausweg und die anderen können frei entscheiden, ob sie dieses Angebot annehmen. Außerdem gibt es unzählige kostenlose Informationen auf deiner Seite.

  3. Dieser Kommentar ist von einer Frau, die weder dich noch deine Arbeit kennt. Sie weiß weder wen noch was sie da gerade verurteilt. Und ihre Unverschämtheit trifft dich nur deshalb, weil ein alter Teil von dir auch noch glaubt, dass es unverschämt von dir ist, zu tun, was du tust.

Und im gleichen Moment wurde mir bewusst, dass ich mir kein Messer mehr ins Herz stechen lasse.

Ich trage einen gesunden Schutzpanzer. Und an dem prallen solche Bewertungen heute ab.

 

Es trifft dich? Dann gibt es etwas zu lernen!

Das nächste Mal, wenn dich die Worte (oder Taten) eines anderen Menschen ganz stark treffen, nutze deine Chance:

  1. Versuche (schriftlich) heraus zu finden, an welche alte (Kinheits)Situation dich das gerade emotional erinnert!

  2. Finde ebenfalls (schriftlich) heraus, welche Worte dieser Person deine alten, noch vorhandenen Glaubenssätze spiegeln!

  3. Und dann stelle dir (schriftlich) vor, wie du reagieren würdest, wenn du diese Glaubenssätze nicht mehr hättest!

Schenke deinen emotionalen Wunden Aufmerksamkeit, damit sie heilen können!

lebenshungrige Grüße

Simone