Das Leben ist sehr gerecht.

Jeder von uns stehen jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung und wir entscheiden, wie wir diese Zeit verbringen.

„Ja aber ich muss doch arbeiten/studieren, mich um die Kinder/Eltern kümmern, meinen ehrenamtlichen Verpflichtungen nachkommen und…“ höre ich dich protestieren.

Nein. Das musst du nicht.

Du entscheidest dich, es zu tun. Denn es kann Konsequenzen haben, wenn du gewisse Dinge nicht (mehr) tust. Die wichtige Frage lautet doch:

Bist du weiterhin bereit den Preis zu zahlen, den diese Entscheidungen dir abverlangen?

Kostet dich das womit du deine Zeit verbringst mehr, als es dir einbringt?

Und ich rede hier nicht (nur) von Geld…

Denn wenn das dauerhaft der Fall ist, bist du dabei, seelisch zu verhungern.

Deine innere Waage ist nicht mehr im Gleichgewicht. Und darauf weisen dich deine (Ess)Probleme hin. Solange irgendjemand oder -etwas in deinem Leben wichtiger ist als dein wahres Selbst, so lange bleibt diese Unausgeglichenheit.

Nur wenn du innerlich satt bist, kannst du effizient studieren oder arbeiten und gleichzeitig ein lebenswertes Leben haben. Und was noch viel Wichtiger ist: Nur dann wirst du tatsächlich auch diesen Tätigkeiten nachgehen, die dir wirklich entsprechen und nicht das tun, was beispielsweise deine Eltern von dir erwarten. Nur dann wirst du dieser Gesellschaft sinnvoll dienen können.

Nur wenn du innerlich satt bist, kannst du dich gut um andere Menschen kümmern. Denn nur dann hast du tatsächlich auch etwas zu geben. Wenn du es nicht mehr tust, um dein schlechtes Gewissen zu beruhigen oder damit andere dir Bestätigung geben, dann bist du wirklich frei. Nur dann bist du ein gesundes Vorbild.

Wenn meine Lebensumstände mal anders sind, dann…

„Ja aber Simone, ich kann  morgens nicht meditieren, ich muss zur Arbeit!“ oder „Ich stehe kurz vor der Prüfung und kann mir jetzt nicht die Zeit nehmen und auch noch Gedankensalate schreiben!“ oder auch: „Meine Kinder sind zu klein, ich kann mir keine Dates mit mir selbst erlauben!“

Und ich sage dir: Du kannst es dir nicht leisten, diese Dinge nicht zu tun.

Oder du wirst weiterhin den Preis zahlen, dass dir deine (Ess)Probleme erhalten bleiben.

Ich weiß das, weil es es selbst jahrelang ausprobiert habe…

Immer waren es angeblich die Umstände, die mich davon abhielten, mich mit mir auseinander zu setzten, mir den Raum für die Genesung zu ermöglichen. Ich quälte mich durch die Prüfungsphasen im Studium weil ich glaubte, permanent lernen zu müssen. Ich glaubte, dass ich mich nach den Prüfungen besser fühlen und mir Zeit für mich nehmen würde. Und ich zahlte mit unzähligen Rückfällen in die Bulimie, mit schlaflosen Nächten,  Prüfungsängsten, einem geschundenen Körper, Selbsthass, Verzweiflung und einem leeren Geldbeutel.

Bis ich nicht mehr bereit war, diesen Preis zu zahlen.

Mit anderen Worten: Ich konnte einfach nicht mehr!

Ich war das Leiden so leid.

Und ich begann zu ahnen, dass ich mich mit dem stets gleichbleibenden Denken und Verhalten immer Tiefer in meine Probleme frass.

Ich ermöglichte mir einen Klinikaufenhalt und nutzte ihn. Danach suchte ich mir einen Job neben dem Studium und zahlte mit dem Geld eine Therapie. Ich zahlte auch damit, dass ich dadurch ein halbes Jahr länger studierte. Und während ich mich anfangs noch bedauerte, dass die Krankenkasse diese Therapie nicht bezahlte und ich jetzt auch noch dafür aufkommen musste und länger studierte, wendete sich das Blatt mit der Zeit.

Ich realisierte, dass ich endlich einmal wirklich etwas IN MICH investierte!

Ich war es mir Wert!

Und durch den Klinkaufenthalt und mit Hilfe meiner Therapeutin und der Selbsthilfegruppe dich ich besuchte, begann ich, Abstand zu mir und meiner Situation zu bekommen. Und dadurch erkannte ich Schritt für Schritt, was ich selbst immer wieder (unbewusst) tat, um mich in meinem gemütlichen Elend zu halten.

Durch das langsamere Studieren ermöglichte ich es mir, ein Thema für meine Diplomarbeit zu finden, das mich wirklich interessierte. Und ich begann, wieder kreativ zu sein und Spaß zu haben.

Ich schaffte Raum und Zeit für mein wahres Selbst.

Das war der Anfang vom Ende meiner (Ess)Probleme.

Heute ist es mein „normal“ mich auf diese Art an die erste Stelle zu setzen.

Denn ich weiß, dass dann automatisch alles an seinen Platz fällt.

Ich kann nicht für andere da sein, wenn ich nicht bei mir bin!

Deine Lebensumstände sind vielleicht für 10% deines Glücks und deiner Gesundheit zuständig.

Die anderen 90% hängen davon ab, wie du mit deinen Lebensumständen umgehst!

Wenn du damit beginnst, Verantwortung für diese 90% zu übernehmen,
werden die richtigen Antworten kommen!

lebenshungrige Grüße

Simone