Liebe Lebenshungrige,

wie geht es dir gerade?

 

Nein, bitte nicht einfach weiter lesen.

Gib dir diesen Moment, er ist wichtiger als all das, was ich hier schreibe:

Wie geht es dir?

Spüre in deinen Körper hinein, vertiefe deine Atmung, nimm wahr was da ist, ohne es zu bewerten.

Gut!

 

Mir ist heute danach, zu schreiben.

Ich habe schon längere Zeit nichts mehr im Blog veröffentlicht, das Bedürfnis war einfach nicht da.

Und auch wenn es diese mahnende Stimme in meinem Kopf noch manchmal gibt, die sagt: „Eigentlich musst du regelmäßig etwas posten!“, höre ich nicht auf sie, sonder auf mich selbst.

Diese kritisierende Stimme nenne ich mein inneres Fräulein Rottenmeier (aus „Heidi“) und ich habe dabei die Variante der japanischen Zeichentrickserie vor Augen, die ich als Kind geschaut habe.

„Disziplin!“ höre ich die bedauernswerte Hausdame immer mal wieder ausrufen, denn die Heidi in mir ist viel stärker.

Heute weiß ich, dieses Fräulein Rottenmeier ist nicht meine Stimme, es ist eine „alte Stimme“ die aus dem System stammt, in dem ich aufgewachsen bin.

All diese DO’s and DON’Ts, was man zu tun und was zu lassen hat, was die Leute darüber denken werden und überhaupt…

Das Entscheidende daran ist, dass wir alle uns selbst unsere eigene Rottenmeier-Variante erschaffen haben.

Das Problem ist jedoch nicht, dass sie da ist.

Sondern Probleme entstehen, wenn diese Stimme so mächtig ist, dass du ständig auf sie hörst.

Denn du glaubst, keine Wahl zu haben, oder dir ist gar nicht bewusst, wessen Anweisungen du gerade befolgst.

Unterdrückung erzeugt Druck

Während der letzten beiden Gruppen-Telefon-Mentorings ist mir mal wieder verstärkt aufgefallen, welche Auswirkungen diese innere Kontrolleurin hat und wie sie die (Ess)Probleme füttert.

Denn oftmals sind es die vielen Kleinigkeiten im Laufe des Tages, die das Fass füllen, sodass es abends einfach überlaufen muss.

Anders gesagt: Du tust im Laufe des Tages zu viele Dinge, die du gar nicht tun willst.

Permanent überschreitest du deine Grenzen und lässt sie überschreiten.

Du unterdrückst dich selbst und diese Unterdrückung erzeugt Druck.

Und dieser Druck wird durch Rückfälle in ungesunde Verhaltensweisen – beispielsweise Fressanfälle – kurzfristig kompensiert, verstärkt ihn jedoch langfristig.

Eigentlich muss ich…

Sehr häufig höre ich Sätze wie: „Eigentlich war der Tag ganz gut, trotzdem hatte ich abends einen Rückfall!“

Das entscheidende Wort in dieser Aussage ist „eigentlich“ denn es steht für die vielen kleinen Rottenmeier-Momente.

Und hier nenne ich dir einige, die mir aus den letzten beiden Telefonaten im Gedächtnis geblieben sind:

„Eigentlich hatte ich große Lust Fahrrad zu fahren, doch die Fenster mussten geputzt werden!“

„Eigentlich wollte ich gerne eine Doku anschauen, doch bei schönem Wetter muss man raus gehen!“

„Eigentlich brauchte ich eine Pause nach der Arbeit, doch der Rasen musste noch gemäht werden!“

Was in diesen Situationen häufig passiert ist Folgendes: Die Fenster werden geputzt und danach „passiert“ ein Rückfall.

Oder vielleicht auch: Anstelle der bewussten Pause nach der Arbeit „passiert“ der Rückfall und später wird schuldbewusst der Rasen gemäht.

Und Variante Nummer drei: Du gehst weder nach Draußen, noch schaust du die Doku, denn es „passiert“ ein Rückfall.

Doch ein Rückfall passiert nie einfach nur so…

In all den Aussagen taucht außerdem das Wort MUSS auf. Und dieses Wort lässt dir scheinbar keine Wahl.

Doch die Fenster müssen nicht geputzt werden.

Was befürchtest du passiert, wenn du es nicht tust?

Werden die Leute reden? Was wird/würde deine Mutter sagen?

Bist du es wirklich selbst, die jetzt unbedingt geputzte Fenster haben will?

Das sind die wichtigen Fragen!

Und ist dir eigentlich bewusst, dass es zwischen schwarz und weiß unendlich viele Grautöne gibt?

Du kannst die Fenster morgen oder nächste Woche putzen!

Du kannst nur ein Fenster putzen!

Dein Partner kann dir helfen (oder alle Fenster putzen)!

Du kannst einen Fensterputzer bestellen!

Wie hoch ist der Preis den du immer wieder zahlst, weil du glaubst, auf die Rottenmeier hören zu müssen?

Heidi muss nicht, Heidi will!

Da mein armes Fräulein Rottenmeier kaum noch Gehör findet, würde ich mich durchaus als disziplinlos beschreiben.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – (er)schaffe ich Vieles.

Denn ich habe etwas Entscheidendes verinnerlicht: Ich musst NICHTS!

Es hat Konsequenzen, wenn ich gewisse Dinge nicht mache, das ist klar. Doch müssen muss ich nicht.

Dadurch kann ich den Dingen, die ich will und die ich brauche Vorrang geben.

Das wiederum führt dazu, dass die – sagen wir mal – unangenehmeren Dinge – wie Haushaltstätigkeiten, weniger Gewicht bekommen und so leichter von der Hand gehen.

Konkret bedeutet das:

Wenn ich Lust habe, Fahrrad zu fahren, dann fahre ich Fahrrad. Danach kann es sein, dass ich mal eben noch ein Fenster putze.

Wenn ich gerne eine Doku schauen möchte, dann schaue ich sie. Danach ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich gerne raus gehen möchte und es auch tue.

Wenn ich eine Pause brauche, dann gebe ich sie mir. Danach kann es sein, dass ich Spaß daran habe, den Rasen zu mähen. (Also, theoretisch, wir haben einen Rasenroboter, auch einer dieser Grau-Töne ;)

 

Und um auf meine eigene, aktuelle Situation zurück zu kommen:

Wenn ich keinen Blogbeitrag schreiben mag, dann schreibe ich halt keinen.

Denn ich weiß, irgendwann werde ich es wieder tun.

Und ich weiß auch, dass erzwungene Blogbeiträge nicht wirklich hilfreich sein können.

Nicht für dich und auch nicht für mich.

Und doch war ich kreativ und produktiv: Denn weil ich mir erlaubt habe, nicht zu bloggen, konnten andere Projekte, wie beispielsweise die kostenlose MindDetox Meditation „Mein Fels in der Brandung“ und die 33 AppetitHäppchen entstehen. Außerdem sind weitere Ideen in der Umsetzung, doch dazu vielleicht später mehr…

Finde heraus, wem diese Rottenmeier-Stimme in dir eigentlich gehört und wodurch sie Druck in dir erzeugt.

Und dann entmachte sie und ermächtige dich selbst. 

Dadurch entziehst du deinen (Ess)Problemen die Nahrung!

Lass dir dein Leben schmecken!

Simone @lebenshungrig