Ist dir bewusst, dass es auf dem Genesungsweg nicht darum geht, „besser“ zu werden? Sondern es geht darum, ganz du selbst zu sein und zu erkennen, dass du gut bist – genau so – wie du bist.
Selbstheilung bedeutet, mehr und mehr zu verstehen, dass du einen inneren Hunger – der die Ursache deiner (Ess)Problematik ist – nicht mit Äußerlichkeiten stillen kannst. Egal wie „perfekt“ du aussiehst und leistest, es wird nie gut genug sein.
🌀 Wenn du immer im Außen – durch Leistung, durch Aussehen, durch Bestätigung von anderen Menschen – versuchst, dieses innere Loch zu stopfen, wird es größer. Denn du musst dich immer mehr anstrengen, baust immer mehr Druck auf und wirst immer abhängiger und verzweifelter. Und das füttert deine (Ess)Probleme immer weiter.
Egal wie sehr du versuchst zu optimieren, zu planen und zu kontrollieren, das Leben spielt nicht nach deinen Regeln.
💎 Selbstheilung bedeutet, diese Grenze zu akzeptieren und zu erkennen, dass deine Einstellung entscheidend für deinen Umgang und deine Erfahrung mit Menschen und Situationen ist. Und Selbstheilung bedeutet, dich selbst immer besser zu verstehen, dich selbst immer mehr zu mögen, dir selbst immer mehr zu vertrauen und zuzutrauen. Wenn du innerlich satt bist, wird das Außen immer unwichtiger. Und dadurch kannst du das Leben gelassen auf dich zukommen lassen anstatt verbissen zu versuchen, alles und jeden zu kontrollieren.
💎 Selbstheilung bedeutet, innerlich frei zu sein – frei von alten, ungesunden Mustern, Glaubenssätzen und Emotionen – und diese Freiheit dann auch im Außen leben zu können.
💎 Der Genesungsweg ist ein Weg der vielen kleinen Schritte. Gehe sie bewusst und würdige sie, dann kommst du auch an.
Ist dir bewusst, dass es nicht egoistisch sondern gesund ist, dein psychischen und physischen Bedürfnisse ernst zu nehmen?
Wenn du (Ess)Probleme hast, hast du gelernt, Bedürfnisse mit deinem Mind zu unterdrücken.

Warum?

Weil du in deiner Kindheit Erfahrungen gemacht hast, durch die Glaubenssätze entstanden sind, die du für wahr hältst. Sätze wie: „Ich kann meinem Körper nicht vertrauen!“ oder „Ich muss immer perfekt leisten!“ … Du folgst diesen Glaubenssätzen in der Hoffnung, dass andere dir die Bestätigung von Außen geben, die in dir nicht vorhanden ist. Manchmal geht das so weit, dass du deine Bedürfnisse gar nicht mehr wahrnehmen kannst und deine Grenzen permanent überschreitest.
Doch dieses Unterdrücken deiner Bedürfnisse, deiner Emotionen, deines Selbst erzeugt Druck in deinem Körper. Und deine (Ess)Probleme sind der verzweifelte Versucht deines Systems, diesen Druck abzubauen und auszugleichen.
Den Genesungsweg zu gehen bedeutet einerseits zu lernen, den Druck gesünder auszugleichen.
Doch vor allem bedeutet es, immer weniger Druck entstehen zu lassen, damit immer weniger Ausgleich nötig ist.

Wie?

In dem du dir Zeit und Raum gibst, deine Bedürfnisse (wieder) wahr zu nehmen und deine psychischen und physischen Grenzen zu achten. Denn so entziehst du den (Ess)Problemen häppchenweise die Nahrung.

Ist dir bewusst, dass du von einem Rückfall lernen kannst und ihn dadurch zu einem Fortschritt machst?

Wenn du versuchst, einen Rückfall um jeden Preis zu vermeiden, gibst du ihm sehr viel Macht. Du hast Angst, versuchst dein Essverhalten noch mehr zu kontrollieren und erhöhst dadurch die Wahrscheinlichkeit auf einen Rückfall.

Hast du schon mal versucht, einen Rückfall neutral zu analysieren?

Schreibe einen neutralen Bericht in der dritten Person über deinen Tag: „sie hat“ und nicht „ich habe“. Das verschafft dir automatisch mehr Objektivität. Und dann markiere die Situationen, die deinen Rückfall abgefüttert haben: Wann hast du „ja“ gesagt obwohl du „nein“ meintest? Wann hast du dich geärgert und diesen Ärger in dich reingefressen? Wann hat die „perfektionistische Sklaventreiberin“ in dir das Unmögliche verlangt? Wann warst du ängstlich, unsicher, traurig und warum? Wann hast du dir keine Pause gegönnt? …

Du wirst feststellen, was im Laufe des Tages Druck und Frust in deinem ganzen System aufbaut.

Und du wirst erkennen, dass du häufig die Situationen nicht ändern kannst, sondern deinen Umgang mit bestimmten Situationen. Ein Rückfall ist immer ein Hinweis darauf, dass du deine Grenzen überschreitest und überschreiten lässt. Er hat nichts mit einem Mangel an Disziplin oder Willenskraft zu tun, sondern mit einem Mangel an Selbstwertgefühl: Das ist der GEFÜHLTE WERT, den du SELBST hast!
Ist dir bewusst wie wichtig es ist, dir selbst zuzuhören?

Was ist los in deinem Kopf, wie redest du mit dir?

Wie lautet die Geschichte, die du dir immer wieder über dich und über dein Leben erzählst und die deine (Ess)Probleme füttert?
Kannst du erkennen, dass deine Wahrheit oft fernab der Realität ist?
💎 Bist du wirklich so „schlecht“ wie dein Selbstbild?
💎 Ist es überhaupt möglich, so „perfekt“ zu sein wie dein Wunschbild?
🌀 Einen Großteil der Gedanken du du heute hast, hattest du auch schon gestern, letzte Woche und letztes Jahr. Und wenn du immer wieder das Gleiche denkst, fühlst du dich gleich, handelst gleich und machst die gleichen Erfahrungen.
💎 Doch all das beginnt in deinem Kopf, in deinem Mind!

Für mich gibt es zwei Wege, mir meiner Glaubenssätze, Gedanken oder Geschichten bewusst zu werden um sie hinterfragen zu können:

Die äußere Stille: Ich gehe alleine in die Natur.
Die innere Stille: Ich meditiere.
In der Stille nehme ich mich als die Denkerin meiner Gedanken wahr und kann „meine Geschichte“ hinterfragen: Was ist tatsächlich passiert (neutrale Beobachtung) und was macht mein Mind daraus (persönliche Geschichte)? Wenn unser Mind ein Drama kreiert, hat das meist wenig mit der aktuellen Situation und viel mit schmerzhaften Erlebnissen in der Vergangenheit zu tun. Und wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, erleben wir den alten Schmerz wieder und wieder. Wir fühlen uns unsicher, schwach und hilflos und diese Emotionen füttern die (Ess)Probleme.
💎 Gib dir jeden Tag Zeit, in die Stille zu gehen um Kontakt zu dir selbst aufzunehmen. So lernst du dich besser kennen, verstehst dich besser und kannst dich leichter akzeptieren. All das hungert die (Ess)Probleme aus.

Ist dir bewusst, wie häufig du „angstgesteuert“ bist?

🌀 Du hast Angst, dass andere dich nicht mögen/bewundern/akzeptieren und willst deshalb deinen Körper optimieren. Weil du Angst hast, deinem Körper zu vertrauen, glaubst du, ihn kontrollieren und manipulieren zu müssen. Du bekommst (Ess)Probleme und dadurch bekommt die Angst noch mehr Nahrung.
🌀 Du hast Angst, deinen Partner zu verlieren und bist deshalb sehr bequem für ihn und machst was er will und/oder du kontrollierst ihn und bist sehr eifersüchtig. Mit dem Ergebnis, dass er dich irgendwann langweilig und/oder anstrengend und übergriffig empfindet und dich verlässt. Und beim nächsten Partner strengst du dich noch mehr an und/oder kontrolliert und manipulierst noch mehr. Auch dieser angstgesteuerte Kreislauf füttert sich selbst.

In der Hoffnung, dass dir die Angst über eine Äußerlichkeit wie den „perfekten“ Körper, Bestätigung und Anerkennung genommen wird, drehst du dich immer wieder in „Angstspiralen“ hinein.

Doch willst du wirklich, dass andere dich „nur“ wegen deines Körpers mögen/beachten/beneiden?
Und willst du dich wirklich ständig nach einem Partner richten, und/oder ihn kontrollieren und manipulieren?

Die Abhängigkeit von deinem Körper, vom Essen und von anderen Menschen ist Preis, den du dafür zahlst.

💎 Der Ur-Glaubenssatz „Ich bin nicht (gut) genug“ ist das ursprüngliche Futter deiner Angst. Und um ihn zu widerlegen ist es entscheidend, nach Innen zu schauen:
SELBSTERKENNTNIS: Wohin hat mich mein bisheriges Handeln gebracht?
SELBSTVERSTÄNDNIS: Warum habe ich so gehandelt?
SELBSTANNAHME: Mir ist jetzt bewusst, wie ich bisher gehandelt habe, warum ich das gemacht habe und wohin es mich geführt hat. Und ich erkenne, dass es so nicht funktioniert.
Jetzt kann ich es Schritt für Schritt anders machen!
Ist dir bewusst, dass es im Grunde nicht um die Kontrolle deines Körpers, sondern um die Kontrolle deines Lebens geht?

Möglicherweise kannst oder konntest du deinen Körper eine Zeit lang kontrollieren, aber wie hoch ist der Preis, den du dafür zahlst?

(Unbewusst) gesteuert durch den Ur-Glaubensatz „Ich bin nicht (gut) genug“ versuchst du, deinen Körper zu perfektionieren und glaubst, dass das dein Leben besser machen wird. Du erhoffst dir Anerkennung und glaubst, dass dich das glücklicher und selbstsicherer macht. Deine Basis ist Angst, Mangel und Misstrauen und durch deine Erlebnisse – du hast (Ess)Probleme bekommen, die mit der Zeit größer werden und weitere Probleme mitbringen – füttert dieses System sich selbst.
💎 Was wäre, wenn deine Basis Liebe, Fülle und Vertrauen wäre? Was wäre, wenn dein Glaubenssatz „Ich bin (gut) genug!“ lauten würde? Was wäre, wenn du deinen Körper den Job machen lassen würdest, den er perfekt ausüben kann (Denn du bist mit einem natürlichen Hunger- und Sättigungsgefühl auf die Welt gekommen und dein Körper ist auch nicht darin interessiert, stark über- oder untergewichtig zu sein!)?

Was wäre, wenn du das Leben auf dich zukommen lassen könntest?

💎 Was würde passieren, wenn du dir eingestehst, dass du weder deinen Körper noch das Leben kontrollieren kannst und dass das auch gar nicht nötig ist?
Wie viel Energie würde das freisetzen für die Dinge, die du tatsächlich beeinflussen kannst?
Gib dir doch heute mal Zeit, diese entscheidenden Fragen schriftlich zu beantworten und entziehe deinen (Ess)Problemen dadurch Nahrung!
Ist dir bewusst, dass es eine Menge alter Emotionen und Erfahrungen in deinem System gibt, die du nie richtig verarbeiten konntest?
Und kannst du erkennen, dass du – ausgelöst durch irgendetwas im hier und jetzt – emotional häufig überreagierst, diese Gefühle nicht aushalten kannst und dein Mind dich dafür regelrecht ausschimpft?
In diesen Situationen kommt alte Angst, Wut, Hilflosigkeit, Trauer,… etc. hoch und mit Hilfe deines Minds unterdrückst du sie und fängst an, das Thema in einer Endlosschleife in deinem Kopf zu wälzen.

Das führt dazu, dass du immer mehr mit dem Problem verschmilzt und gar nicht mehr objektiv sein kannst.

💎 In dieser Situation kann dir nur noch dein Körper helfen: Gib dir ca. 10 Minuten Zeit, finde ein ruhiges Plätzchen für dich, setze oder stelle dich aufrecht hin und schließe die Augen. Richte deine Aufmerksamkeit dann auf deine Atmung. Zähle beispielsweise einatmend bis drei und im selben Rhythmus ausatmend bis fünf. Das beruhigt dein ganzes System und beschäftig gleichzeitig deinen Mind.
Wenn du spürst, dass du innerlich ruhiger wirst, kannst du die Situation objektiver – mit mehr Abstand – betrachten, bist emotional nicht mehr so verhaftet und kannst sie deshalb realistischer betrachten. Und wenn du noch einen Schritt weiter gehen willst: Reise innerlich in die Vergangenheit und schaue, ob du eine Situation in deiner Kindheit finden kannst, zu der diese starken Gefühle eigentlich gehören, in der sie entstanden sind.
💎 Dadurch entwickelst du immer mehr Selbstverständnis für dich und kannst dir gleichzeitig in der akuten Situation helfen.
Beides entzieht deinen (Ess)Problemen die Nahrung.
Ist dir bewusst, dass du die Denkerin deiner Gedanken und somit die (unbewusste) Erschaffern deiner Erfahrungen bist?
Hör doch mal dieser inneren Stimme zu, die ständig am plappern ist, dich nie in Ruhe lässt und die ständig Probleme findet.
Kannst du sie hören?

Und ist dir bewusst, dass es die Stimme gibt die redet und dass du es bist, die zuhört?

Kannst du erkennen, dass ihr quasi zu zweit seid in deinem Kopf?
Anders gesagt: Du führst permanent negative Selbstgespräche!
Ich bekam früher beispielsweise Folgendes zu hören:
„Du musst abnehmen damit du die perfekte Figur hast. Dann wirst du Komplimente und Bestätigung bekommen und dadurch wirst du selbstbewusster und glücklicher sein.“
„Lass das weg, zu fettig, beherrsche dich gefälligst!“
„Du hast 500 g abgenommen? Prima, alle werden das sehen!“ … „Mist, niemand hat etwas gesagt, du musst noch mehr abnehmen!“
„Warum konntest du dich heute nicht beherrschen, du hast viel zu viel gegessen, du wirst fett werden! Los, geh auf die Waage! Siehst du, du Versagerin, du hast 300 g zugenommen!“
„Morgen hungerst du den ganzen Tag und ganz viel Sport wirst du auch machen!“
„Du Versagerin hattest schon wieder einen Rückfall, hast du denn gar keine Willenskraft? Und bewegt hast du dich auch nicht, den halben Tag lagst du faul herum und hast nichts geleistet. Alle anderen bekommen das doch auch hin, nur du nicht. Du musst dich unbedingt mehr anstrengen. Vor allem das mit dem Essen musst du wieder in den Griff bekommen! Morgen!“ …

Kommt dir das bekannt vor?

Und jetzt stell dir mal vor, diese Stimme wäre eine „echte“ Person, die dich den ganzen Tag begleiten und dabei zutexten und anmeckern würde.
Würdest du diese Person als hilfreich und unterstützend empfinden?
Würdest du sie um Rat fragen?
Wahrscheinlich eher nicht…
Doch genau das tust du, wenn du immer wieder versuchst, deine (Ess)Probleme alleine und über Äußerlichkeiten zu lösen.
💎 Mach dir immer wieder bewusst, dass du die Zuhörerin bist und lerne, anders mit dir zu reden und erlaube dir, dich unterstützen zu lassen!
Ist dir bewusst, dass du deine (Ess)Probleme nicht dauerhaft lösen kannst, wenn du dich immer wieder auf dein Gewicht, Lebensmittel und/oder dein Essverhalten fokussierst?
Denn das ist genau so, als würdest du immer wieder versuchen, einen tropfenden Wasserhahn abzustellen, in dem du ihn zustopfst anstatt ihn abzudrehen. Er hört kurzfristig auf zu tropfen, das Wasser staut sich und wenn der Druck zu stark wird, drängt das Wasser wieder aus dem Hahn hinaus.

Dadurch verstärkt sich das Problem!

🌀 Mit den (Ess)Problemen ist es genau so. Je mehr du dich auf sie fokussierst, je mehr du versuchst, sie zu kontrollieren, desto stärker machst du sie und umso schwächer wirst du.
💎 Die Ursache deiner (Ess)Probleme liegt in deinem ungesunden Selbstbild, in deinem Mangel an und deinem Hunger nach Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit, nach dir SELBST!
Die Ursache liegt darin, dass du glaubst, nicht gut genug zu sein, aber perfekt sein zu müssen.
💎 Warum glaubst du das?

Und kannst du erkennen, dass in diesem Glauben (Selbstbild) dein einziges „Problem“ liegt?

Eine der großen Herausforderungen auf dem Genesungsweg ist es, uns immer wieder bewusst zu machen, dass Glück und Gesundheit jederzeit möglich sind. Denn sobald wir erkennen, dass wir eine (Ess)Problematik haben und uns damit auseinandersetzen, entsteht meist folgender Glaubenssatz:

Wenn meine (Ess)Probleme komplett weg sind, dann werde ich gesund und glücklich sein.

Diese Annahme ersetzt oft den vorangegangenen Glaubenssatz: „Wenn ich dünner und schöner bin, dann werde ich gesund und glücklich sein.“ Obwohl du durch die Anerkennung deiner (Ess)Problematik einen großen Schritt weiter bist machst du es dir erneut schwer, in dem du dich auf die Zukunft fixierst.

Denn dadurch geht dir der einzige Moment, den du tatsächlich beeinflussen kannst, verloren: Das hier und jetzt!

Mit diesem neuen Glaubenssatz springt dein altes System, dein ungesundes Denken, Fühlen und Handeln – welches dich im Unglück hält – an. Denn dadurch verhältst dich einer Herausforderung gegenüber so, wie du es gewohnt bist: machtlos! Und das ist durchaus verständlich, denn durch deinen bisherigen Umgang mit der (Ess)Problematik hast du dir deine Machtlosigkeit ja permanent bewiesen und bist immer unglücklicher und kranker geworden. Diese Machtlosigkeit ist schmerzhaft, doch sie ist dir vertraut, denn sie entspricht deinem bisherigen Selbstbild, nicht diszipliniert und/oder willensstark, nicht gut genug,  zu sein. Scham- und Schuldgefühle werden dadurch immer größer und füttern die (Ess)Probleme.

„Reiß dich gefälligst zusammen!“, „Du musst…“ und „Stell dich nicht so an!“ sind die Sätze, die die Teilnehmerinnen des Selbsthilfeprogramms LEICHTER immer wieder in ihren Selbstgesprächen entdecken. Und diese Entdeckungen, die so wichtig sind – weil aus einem unbewussten Verhalten eine bewusste Erkenntnis geworden ist – werden dann oft wieder im Sinne des alten Machtlos-Systems verwendet:

Das habe ich jetzt erkannt und verstanden, warum kann ich es nicht sofort und dauerhaft anders machen?

Oder auch:

Ich habe es einmal anders gemacht, warum geht es mir nicht sofort total gut damit?

Gesünderes Handeln und glücklichere Sichtweise

Das Erkennen und Einhalten der eigen physischen und psychischen Grenzen ist meiner Erfahrung nach eine Grundvoraussetzung für die dauerhafte Genesung. Lass uns hierzu mal zwei Szenarien durchspielen:

Szenario 1:

Was passiert beispielsweise, wenn du dich mit einer Freundin verabredet hast, obwohl du eigentlich lieber zu Hause bleiben und etwas anderes machen würdest. Wenn du wahrnimmst, dass du lieber zu Hause bleiben magst, ist das eine wichtige Erkenntnis, eine Grenze im Sinne von: Meine „Kontaktgrenze“ zu anderen Menschen ist erreicht, ich brauche Zeit für mich! Aus der Angst heraus, dass deine Freundin kein Verständnis für dich hat, beleidigt ist oder dich dann nicht mehr mag, gehst du trotzdem zu dem Treffen. Und wahrscheinlich endet das Treffen irgendwie unbefriedigend und möglicherweise hast du danach einen Rückfall und schimpfst mit dir: „Warum bist du blöde Kuh nicht zu Hause geblieben?“ 

Ja, warum? Weil es dir wichtiger war, es ihr recht zu machen, als es dir selbst recht zu machen. Denn deine Unsicherheit war größer als deine Selbstsicherheit. Weil du Angst davor hast, fallen gelassen zu werden wenn du dich nicht so verhältst, wie andere es von dir erwarten. Deshalb hast du dich selbst fallen gelassen. Weil du von anderen Menschen gemocht werden willst und Bestätigung von ihnen zu brauchen glaubst, da du dich selbst nicht magst und dir keine Selbstbestätigung geben kannst,…

Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Auch wenn du die Grenze wahrgenommen und überschritten hast und danach sogar noch einen Rückfall baust, hast du trotzdem die Wahl zwischen dem unbewussten Versinken in die Machtlosigkeit „Jetzt ist es eh zu spät, wäre ich doch nur zu Hause geblieben, der Tag ist im Eimer, morgen muss es einfach besser laufen!…“ oder dem bewussten Eintauchen in die Realität. Denn durch genau so eine Situation kannst du sehr viel über dich lernen und dadurch dafür sorgen, dass du beim nächsten,  übernächsten oder vielleicht auch erst über…übernächsten Mal deine Grenze einhalten wirst.

Wenn du dir beispielsweise die Frage nach dem „Warum“ neutral und ohne Vorwurf stellst und schriftlich Antworten findest, verhältst du dich deutlich gesünder und bist weniger machtlos. Und deine Antworten helfen dir, dich selbst viel besser zu verstehen. Je besser du dich verstehst, desto positiver wird dein Selbstbild. Denn wenn du dich besser verstehst, verurteilst du dich weniger. Weil dein Verhalten für dich selbst besser nachvollziehbar ist. Und je positiver dein Selbstbild wird, desto mehr Nahrung entziehst du deinen (Ess)Problemen.

Alles was du brauchst, ist ein Blatt Papier und ein Stift. Bevor du schreibst, schließe für einen Moment die Augen und richte deine Aufmerksamkeit auf deine Atmung. Zähle beispielsweise Einatmend bis drei und ausatmend im selben Rhythmus bis fünf. Dadurch beruhigst du deinen Körper und gibst deinem Mind etwas zu tun. Wenn du nach einigem Minuten spürst, dass du innerlich ruhiger wirst, und dadurch die Situation realistischer betrachten kannst, beginne deine Fragen und Antworten aufzuschreiben.

Szenario 2:

Nehmen wir jetzt einmal an, du bist einen Schritt weiter und verschiebst das Treffen mit deiner Freundin. Jetzt gibt es zwei „extreme“ Varianten und diverse Kombinationen von beidem. Das eine Extrem ist, dass es dir sehr gut damit geht und du tatsächlich die Zeit mit dir selbst genießen kannst. Das ist ganz wunderbar, denn damit zeigst du dir selbst, wie gut es sich anfühlt und wie wichtig es ist, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu wahren. Das, was bisher Theorie war, wird erlebte Praxis. Und es wird dadurch beim nächsten Mal leichter, sich erneut für das Einhalten deiner Grenzen zu entscheiden. Irgendwann tust du es sogar unbewusst, dann ist es dein neues „Normal“ geworden.

Generell ist es so, dass alles was dir Spaß macht und gut tut, dich entspannt und innerlich nährt, heilsam ist. Deshalb ist es während des Genesungsprozesses besonders wichtig, dir bewusst Entspannung, positive Zerstreuung und Kreativzeit zu gönnen und auch diese hilfreichen und heilenden Erlebnisse nicht in die Zukunft zu legen. Denn allzuoft höre ich Sätze wie: „Ja, DAS kann ich machen, wenn ich gesund bin!“ Doch die Realität ist, dass du durch diese Dinge schneller gesund wirst, weil es dir dadurch immer häufiger besser geht.

Das andere Extrem ist, dass es dir sehr schlecht mit dem abgesagten Treffen geht und du die Zeit mir dir gar nicht genießen kannst. Das ist ebenfalls sehr hilfreich, auch wenn es sich natürlich erst mal nicht so anfühlt. Doch wieder kannst du entweder in der unbewussten Machtlosigkeit versinken: „Egal was ich mache, es funktioniert einfach nicht und jetzt habe ich womöglich auch noch eine Freundschaft zerstört!“ Oder du tauchst in die Realität ein und fragst dich, warum du die Zeit mit dir nicht so recht genießen kannst. 

Vielleicht hältst du dich selbst nicht aus, weil du mit dir noch nicht in bester Gesellschaft bist? Welche Emotionen tauchen auf, wenn du mit dir alleine bist? Oder langweilst dich total, weil du gar nichts mit dir anzufangen weißt? Was für eine Art Freundschaft ist das eigentlich, die durch eine einzige Absage zu zerbrechen droht? Oder findet diese Bedrohung nur in deinem Mind, in deinen Gedanken, statt?

Und hältst du dich möglicherweise für sehr egoistisch? Doch was ist am Wichtigsten: Ob du dich magst, oder ob andere Menschen dich mögen? Ist es nicht viel leichter und machbarer, nur einen Menschen – nämlich dich selbst – zufrieden zu stellen? Und kann es nicht sein, dass andere Menschen dich genau deshalb mögen werden, dich als Vorbild und Inspiration sehen könnten?

Und wie viel kostet es dich an Lebensqualität und Energie, ständig so viel auf andere Personen zu achten? Und achtest du nicht im Grunde nur auf sie, weil du Bestätigung und Anerkennung von ihnen willst? Geht es also eigentlich sowieso um dich, allerdings auf eine verdrehte Weise? Und warum ist das so, von wem hättest du in deiner Kindheit mehr Anerkennung und Sicherheit gebraucht? Wonach hungerst du tatsächlich so sehr, welches innere Loch gilt es zu stopfen?

Und was kannst du jetzt vielleicht machen, um dir das, was du gerne von anderen Menschen hättest, selbst zu geben? Denn egal wie viel du von Außen bekommst, es wird nie ausreichen und hält dich immer in der Abhängigkeit. Hast du dir genau das nicht schon häufig bewiesen? Denn wie viele Komplimente anderer Personen brauchst du noch, damit es genug ist? Und was passiert, wenn sich mal jemand negativ äußert? Wie viel Macht gibst du anderen Menschen dadurch und wie ohnmächtig machst du dich?…

Wieder können dir die Antworten auf ein neutrales und ehrliches „warum“ tatsächlich weiter helfen. Und sobald du das realisierst, bist du nicht mehr in der Machtlosigkeit. Du verhältst dich anders, gesünder, und je mehr dieses Verhalten, dieser andere Umgang mit dir dein neues Normal wird, desto mehr entziehst du den (Ess)Problemen die Nahrung.

Jeder einzelne Moment bietet dir die Chance, gesünder zu handeln, dich selbst und deine Situation anders zu betrachten und glücklicher zu sein. 

Und die Summe dieser Momente wird dafür sorgen, dass du in Zukunft immer glücklicher und gesünder sein wirst.

Denn im Grunde ist der Weg nie zu Ende. Ich gehe meinen noch immer, entwickele mich weiter, auch wenn ich schon seit über 20 Jahren keine Essstörung mehr habe. Bei Genesenden ist es so, dass sie den Fokus immer mehr von Essen und Gewicht nehmen, weil sie immer häufiger die Erfahrung machen, dass es darum gar nicht geht. Und je unwichtiger diese Äußerlichkeiten werden, desto weniger Macht haben sie über dich.

Dadurch verhungern die (Ess)Probleme irgendwann auf dem Weg zu mehr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, zu einem gesünderen Selbstbild, das dich immer gesünder und glücklicher werden lässt. Nicht weil die Umstände, das Leben, sich geändert haben – obwohl sie das natürlich können – sonder weil du anders mit dir und mit dem Leben umzugehen gelernt hast.

Genau JETZT ist der perfekte Moment!

Lass dir dein Leben schmecken!

Simone @lebenshungrig