Sorgt die Essstörung dafür,
dass Feiertage für dich kein
Grund zum Feiern sind?

Das ist doch normal.

Dieser Satz ist einer der Sätze, die für jeden etwas anderes bedeuten.

Denn was die eine als normal bezeichnet, ist genau das für die anderen eben nicht.

Gerade liegt Ostern hinter uns. Und ich bin mir sicher, dass diese Feiertage für viele von euch kein wirklicher Grund zum Feiern waren. Denn essgestörte Frauen haben während dieser Tage das Gefühl, über ein Feld voller Tretmienen gehen zu müssen. Zum einen gibt es häufig Begegnungen mit der (Ursprungs)Familie und zum anderen gibt es – mindestens genau so häufig – Begegnungen mit „besonderem“ Essen. Und diese Mischung ist explosiv.

Das Essen ist nicht das Problem von Essgestörten, sondern die Essstörung ist ihre „Überlebensstrategie“. Und diese Strategie – die Möglichkeit  Gefühle zu kompensieren – ist vor allem in der Ursprungs-Familie entstanden. Daher ist es nur logisch, dass wir – wenn wir mit dieser Familie konfrontiert werden – quasi automatisch auf diese ungesunde aber bewährte Strategie zurückgreifen. Und zwar so lange, bis wir eine gesündere Strategie gefunden haben.

Erschwerend kommen die besonderen Feiertagsmahlzeiten dazu. Deshalb habe ich dazu schon mal einen „Feiertags-Survival-Guide“ geschrieben.

Feiertage? Da essen doch alle mehr, oder?

Doch auch Menschen, die sich selbst nicht als essgestört bezeichnen und die es meistens wahrscheinlich auch nicht sind, halten es oft für normal, dass man an Feiertagen mehr isst, als gewöhnlich. Und das verwundert mich. Oder auch nicht. Denn es zeigt eigentlich nur, dass auch „Normalos“ so ihre Glaubenssätze in Bezug auf das Essen haben und auch in gewisser Weise mit Essen kompensieren. Vielleicht „lassen sie die Zügel locker“ weil Feiertage für sie besondere Tage sind, an denen sie sich außergewöhnliche Dinge erlauben. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass die Zügel ansonsten angezogen sind. Auf Deutsch: Es gibt im Alltag (manchmal) Ge- oder Verbote in Bezug auf das Essen.

Der Kopf bestimmt, was der Körper bekommt…

Jeder Tag kein (d)ein Feiertag sein!

Für mich ist es nicht normal, an einem Feiertag mehr zu essen als sonst.

Warum?

Ich stelle eine Gegenfrage:

Warum soll mein Körper an einem Feiertag mehr Hunger haben als an einem anderen Tag?

Anders gesagt:

Nur weil vielleicht mehr Essen zur Verfügung steht, esse ich nicht mehr.

Denn ich habe nicht mehr Hunger.

Der Körper bestimmt, was der Körper bekommt…

Warum ist das so?

Weil für mich quasi jeder Tag ein Feiertag ist. Ich darf immer essen was ich will und wie viel ich will. Und da ich die Gewissheit in mir habe, dass immer genug da ist, habe ich Sicherheit. Warum soll ich mich heute mit irgendetwas vollstopfen, wenn das Selbe – oder etwas Vergleichbares – morgen auch noch/wieder da ist?

Ja aber Mamas Lammbraten gibt es nur an Ostern!

willst du jetzt vielleicht einwenden. Doch wenn dieser Lammbraten so wichtig für dich ist, geht es eigentlich nicht um dieses bestimmte Gericht. Denn es ist letztlich nur etwas Essbares. Sondern es geht um das, wofür diese Mahlzeit bei dir steht:

Was willst du eigentlich von Mama? Aufmerksamkeit? Verständnis? Anerkennung?

Stell dir vor, es wäre immer von allem genug da

Im Online-Workshop GEWICHTIG lade ich die Teilnehmerinnen ein, die Augen zu schließen und sich folgende Situation vorzustellen:

Du stehst vor einer riesigen Schatzkammer und das Tor wird geöffnet. Und in dieser Kammer gibt es alles an Lebensmitteln, was du dir nur vorstellen kannst. Der Wächter dieser Schatzkammer gibt dir den Schlüssel und sagt: „Das ist alles nur für dich. Du kannst jederzeit hier hin kommen und dir holen, was du willst. So viel du willst und so oft du willst. Ich werde dafür sorgen, dass immer alles da sein wird. Und im Gegenzug bekomme ich den Schlüssel zu deiner Schatzkammer, zu deinem Körper. Ich verspreche dir, dass ich mich nicht nur um dein Essen sondern auch um dein Gewicht kümmere. Ich kann das besser regeln als du und du musst dich nicht mehr sorgen.“

Versuche, dich in diese Situation hinein zu fühlen.

Wie würde es sich anfühlen, wenn du wirklich IMMER ALLES haben dürftest?

Ich kann dir sagen, wie es sich anfühlt, denn es ist meine Realität. Es ist meine Definition von normal.

Ich bin – in Bezug auf Essen und auf mein Gewicht – völlig (angst)frei.

Von total essgestört zu total normal ist möglich!

lebenshungrige Grüße

Simone

Wirst du bereuen, dass du dein Leben auf Grund deines Aussehens aufgeschoben hast?

Manchmal liegt die Wahrscheinlichkeit bei 100%.

Alle Essgestörten, die ich bisher kennen gelernt habe, waren die Gefangenen ihrer eigenen Gedanken. Mich selbst eingeschlossen. Permanent war ich damit beschäftigt, was andere wohl über mich denken könnten, was sie von mir erwarten und wie ich diesen Erwartungen gerecht werden kann.

Und dann habe ich auch noch über all die Dinge nachgedacht, die eventuell passieren könnten und was ich tun kann, damit sie passieren. Oder, damit sie nicht passieren. Häufig waren das Dinge, die ich kaum oder gar nicht beeinflussen konnte.

Mein Denken hat mich oft so sehr angestrengt und blockiert, dass ich selten ins Handeln gekommen bin.

Und das hat meine Essstörung gefüttert.

Erst, als ich mich mit der Essstörung auseinander gesetzt habe, sind mir meine eigenen Gedankengänge und ihre Auswirkungen Stück für Stück bewusst geworden.

Die absolute Gewissheit

Gestern habe ich sehr viel Zeit lesend und schreibend im Bett verbracht. Und am späten Nachmittag hatte ich das Verlangen nach frischer Luft und Bewegung. Also bin ich spazieren gegangen. Und mein Weg führte mich über den Friedhof. Ab und an habe ich das Bedürfnis, diesen stillen Ort aufzusuchen.

Nicht nur, weil ich viele Menschen gekannt habe, die dort ihre finale Ruhestätte gefunden haben. Sondern auch, weil mich dieser besondere Ort an meine eigene Endlichkeit erinnert. An die einzige Gewissheit, die ich – die wir alle – habe(n): Dieses Leben in dieser Form ist zeitlich begrenzt.

Wir wissen nicht wann, doch wir wissen, dass…

Was am Ende entscheidend ist, ist auch jetzt das Wichtigste

Wenn ich mich mit der Endlichkeit konfrontiere, denke ich immer an das Buch von Bronnie Ware: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden. Bronnie Ware hat über 8 Jahre lang Sterbende begleitet und eine Art Reue-Muster rausgefunden:

Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.

Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.

Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.

Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.

Wenn ich eins durch die Essstörung gelernt habe, dann das:

Das einzige was zählt ist, was ICH über MICH denke!

Die anderen denken, was sie denken. Und deren Gedanken habe letztlich viel mehr mit ihnen selbst zu tun, als mit mir. Und deshalb habe ich heute den Mut, mein eigenes Leben zu leben, meine eigene Nummer eins zu sein. Meistens zumindest 😉

Der Weg dahin war ein längerer Prozess in dessen Verlauf die Essstörung verhungert ist.

Und vielleicht nutzt du die Feier-Tage, um damit anzufangen, dich und dein Leben zu feiern, in dem du dir ehrlich und in Ruhe die folgenden Fragen schriftlich beantwortest:

Wessen Erwartungen erfülle ich mit dem Leben, das ich gerade lebe?

Definiere ich meinen eigenen Wert über die Leistung die ich erbringe?

Welches Gefühl erlaube ich mir nicht auszudrücken? Wut? Scham? Einsamkeit?

Welchen meiner Freunde habe ich schon zu lange nicht mehr gesehen und warum?

Darf ich überhaupt glücklich sein?

Dich mit diesen Fragen zu konfrontieren ist schwere Kost.

Aber wenn die Antworten verdaut sind, wird’s leichter.

Du wirst deiner Essstörung die Nahrung entziehen und später weniger bereuen…

lebenshungrige Grüße

Simone

Buchempfehlung „HOW TO BE A BAWSE“ von Lilly Singh AKA SUPERWOMAN

Atmen. Lesen. Bawse?

Vielleicht ist es ein kleines bisschen übertrieben, aber Lesen ist für mich fast so natürlich wie Atmen. Ich lese täglich. Und oftmals mehrere Bücher parallel. Als kleines Kind habe ich es geliebt, dass mir meine Mutter jeden Abend im Bett etwas vorgelesen hat. Und sobald ich selbst lesen konnte, habe ich das auch leidenschaftlich getan. Und nie wieder damit aufgehört. Ich bin eine Bücher-Fresserin! 😉

Im Laufe meines Weges „Raus aus der Essstörung, rein ins Leben“ habe ich selbstverständlich eine Menge Selbsthilfebücher verschlungen. Damals gab es noch nicht so viele, die sich konkret mit dem Thema Essstörungen beschäftigt haben, wie heute.

Doch es waren und sind sowieso immer eine andere Art von Büchern, die mich am meisten inspiriert und motiviert haben: Die Bücher, oftmals (Auto)Biografien, von starken Frauen.

Unzählige Male habe ich mir selbst gesagt:

Wenn diese Frau mit XY klar gekommen ist, dann kommst du auch mit dieser Essstörung klar!

Diese Bücher haben mir den Glauben an mich selbst zurückgegeben, den ich mehr als einmal verloren hatte. Während sie mir gleichzeitig eine nötige Erholungspause von meiner eigenen Welt verschafft haben, in dem ich kurzzeitig in eine andere Welt eintauchen konnte.

WTF ist a Bawse?

Heute ist Karfreitag, ich liege mit meinem Latte Macchiato im Bett und lese „How to be a Bawse“ von Lilly Singh. Und falls du Lilly nicht kennst: Sie ist ein echter YouTube Star, ihr Kanal SUPERWOMAN hat über 11.000.000 Abonnenten. Und falls du das Wort Bawse nicht kennst: Kein Wunder, es ist eine Eigenkreation von Lilly.

Für eine Frau, die ihren Kanal SUPERWOMAN nennt, ist es nur konsequent, für ihren Buchtitel ein eigenes Wort zu erschaffen.

Während ein BOSS der Chef eines Unternehmens ist, ist eine BAWSE die Chefin ihres Lebens.

So in etwa würde ich Lilly Singhs Interpretation einer Bawse übersetzen. „How to be a Bawse“ ist für mich eine gelungene Mischung aus Autobiografie, (Lebens)Ratgeber und Unterhaltung. Kurz: Es ist ein gutes Buch!

Und Lilly Singh ist eine tolle Frau! Warum?

Sie ist authentisch und nutzt ihre Einzigartigkeit. Ihre Videos sind überwiegend Comedy-Videos. Beispielsweise gibt es regelmäßig Episoden mit ihren Eltern, die von Lilly selbst dargestellt werden. Lilly ist Kanadierin mit indischen Wurzeln und die sich dadurch ergebenden „Ost-West-Konflikte“ bieten eine Menge Material…

Lilly ist eine Frauen-Unterstützerin. Sie setzt sich als erfolgreiche Frau für Mädchen und Frauen ein und animiert ihre Zuschauerinnen (und Zuschauer) dazu, es ihr gleich zu tun.

In „How to be a Bawse“ schreibt Lilly, dass sie häufig gefragt wird, wofür in ihrem Leben sie am Dankbarsten ist. Ihre Antwort:

Für meine Depression.

Denn die Depression hat ihr gezeigt, dass ihr Leben in eine falsche Richtig geht und sie hat mit YouTube angefangen, um andere zum Lachen zu bringen. In der Hoffnung, dass sie sich langfristig dadurch auch selbst zum Lachen bringen könnte. „Everything I have today – every video, success an opportunity – is the direct result of taking that pain and turning it into something positive: Comedy.“

Und diesen letzten Punkt kann ich so sehr gut nachvollziehen. Auch ich bin heute sehr dankbar dafür, eine Essstörung gehabt zu haben. Und deshalb lautet eines meiner Matras für euch:

Entdecke die Chance hinter deiner Essstörung!

 

Fazit: Die BAWSE ist absolut lesenswert!

Solltest du also des Englischen mächtig und auf der Suche nach Inspiration, Unterhaltung und Information sein, dann besorge dir How to Be a Bawse: A Guide to Conquering Life!

Und falls du überlegst, ob es das Ebook oder die Hardcover-Variante sein soll: In diesem Fall empfehle ich das Hardcover!

Warum? Weil „How to be a Bawse“ ein Buch ist, das optisch sehr ansprechend gestaltet ist: Es gibt viele tolle Fotos und inspirierende Zitate, es gibt viel Farbe.

Generell halte ich es wie folgt: Sachbücher kaufe ich als Hardcover, damit ich darin rumblättern und reinschreiben kann. Belletristik lese ich nur noch auf dem Kindle Paperwhite.

Superwoman in Action

Und falls du keine Lust auf das Buch hast, kannst du trotzdem eine Bawse sein 😉

Außerdem kannst du dich via YouTube von Superwoman inspirieren und unterhalten lassen.

Denn: Alles, was Spaß macht, ist Therapie…

lebenshungrige Grüße und Frohe Ostern

Simone

Warum dein Gewicht nichts
über deinen Wert aussagt

20.000 ist eine beeindruckende Zahl, oder?

Naja, 20.000 Sandkörner sind nur ein kleines Häufchen Sand, doch 20.000 Felsbrocken können eine unüberwindbare Hürde sein. Es ist also auch eine Frage der Relation, wie sehr uns etwas beeindruckt oder beeinträchtigt.

Und sind 20.000 Facebook-Fans jetzt viel oder wenig?

Auch das ist eine Frage der Relation. Für einen Mega-Star ist das nur ein kleines Häufchen, für einen Newcomer ist es eine unüberwindbare Hürde.

20.000 Lebenshungrige

Diese Zahl beschäftigt mich heute, weil die Facebook-Seite von lebenshungrig mit großer Wahrscheinlichkeit im Laufe des Tages mehr als 20.000 – sogenannte – Fans haben wird.

Und sie beschäftigt mich, weil sie mir zwei Dinge zeigt, die auch für dich interessant sein können:

1: Richte deine Aufmerksamkeit auf das, was funktioniert!

2: Äußerliche Bewertungen verändern deinen inneren Wert nicht!

Aufmerksamkeit und Funktion

Schon mehr als einmal habe ich festgestellt, dass ich den Weg, den ich durch die Essstörung gegangen bin, durch lebenshungrig wiederhole. Aber auf einer ganz anderen Ebene. Und schon in der Klinik bin ich – mit Hilfe eines inneren Bildes – auf diesen Prozess aufmerksam gemacht worden: Unser Weg ist wie eine Spirale, wir kommen immer wieder an der selben Stelle vorbei, jedoch jedes Mal eine Ebene höher. Noch heute hilft mir dieses Bild sehr.

Denn ich habe verstanden, dass ich eben nicht – wie so oft gedacht – im Kreis laufe und mich auf der Stelle drehe, sondern trotz diverser Wiederholungen weiter komme. Und ich habe auch verstanden, dass der Weg so gut wie nie eine Gerade, also die kürzeste Verbindung von A nach B, ist…

Im Laufe meines Weges raus aus der Essstörung habe ich begonnen, meine Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was für mich funktioniert. So habe ich mir beispielsweise bei meinen Besuchen der Selbsthilfegruppe OA – über deren 12 Schritte ich übrigens eine Video-Serie für euch plane – nur die Dinge rausgesucht, die mir wirklich geholfen haben. Den Rest habe ich einfach ignoriert.

Und als ich in Bezug auf die Sozialen Medien gemerkt habe, dass Facebook – warum auch immer – für lebenshungrig scheinbar „besser“ funktioniert als Twitter, habe ich meine Aufmerksamkeit auf Facebook gelenkt. Als ich bewusst damit begonnen habe, hatte die Seite gerade mal 78 „Fans“.

Bewertung und Wert

Wenn ich erst mal weniger als 50 kg wiege, dann habe ich mein Ziel erreicht und alles wird gut!

Diesen – oder einen ähnlichen Gedanken – habe ich zu Beginn meiner Essstörung permanent gehabt. Ich habe geglaubt, dass das Erreichen einer Zahl automatisch eine geradezu magische Wirkung auf mein Leben haben wird. Ich habe das geglaubt, weil ich meinen persönlichen Wert und die Qualität meines Lebens von meinem Gewicht abhängig gemacht habe.

Dumm war nur, dass sich – nach einem kurzen Hochgefühl – nichts geändert hat, als ich die „magische“ Grenze von 50 kg tatsächlich unterschritten hatte. Doch anstatt meinen Glaubenssatz zu hinterfragen, habe ich meine magische Grenze nach unten korrigiert…

Wenn ich erst mal 1.000 Facebook-Fans habe, dann habe ich mein Ziel erreicht und alles wird gut!

Diesen – oder einen ähnlichen Gedanken – habe ich zu Beginn meiner Social-Media-Tätigkeit häufig gehabt. Ich habe geglaubt, dass das Erreichen einer Zahl automatisch eine geradezu magische Wirkung auf mein Arbeits-Leben haben wird. Ich habe das geglaubt, weil ich den Wert und die Qualität meiner Arbeit von Likes abhängig gemacht habe.

Dumm war nur, dass sich – nach einem kurzen Hochgefühl – nichts geändert hat, als ich die „magische“ Grenze von 1.000 Likes tatsächlich überschritten hatte. Doch anstatt meinen Glaubenssatz zu hinterfragen, habe ich meine magische Grenze nach oben korrigiert…

Bis ich die Parallelen erkannt habe.

Es geht nie um die Zahlen. Es geht immer um unser SELBST-WERT-GEFÜHL!

Was Zahlen aussagen

Keine Zahl der Welt wird den gefühlten Wert meines Selbst dauerhaft verändern.

Und versteht mich bitte nicht falsch:

Mir ist bewusst, dass die kontinuierlich ansteigende Zahl der Facebook-Fans in direktem Zusammenhang mit der Qualität und Quantität meiner Arbeit steht.

Und ich freue mich sehr über dieses Wachstum und den damit verbundenen Einfluss. Ich bin dankbar, dass mir solche Medien wie Facebook zur Verfügung stehen.

Doch auch als die Seite nur 78 Fans hatte, war ich nicht WERT-LOSER als heute.

Und als ich 47 kg hatte, habe ich mich genau so WERT-LOS gefühlt, wie mit 57 kg.

lebenshungrige Grüße

Simone

Wer ist eigentlich der wichtigste Mensch in deinem Leben?

Das Universum hat Humor.

Vor einigen Wochen habe ich ein Video für euch gemacht, in dem es um die Frage:

Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben und warum?

geht. Und dann ist etwas passiert, was ich schon häufiger erlebt habe. Das Video ist fertig, ich möchte es veröffentlichen und einen Blogbeitrag dazu schreiben. Doch das gelingt mir nicht. Denn eigentlich habe ich im Video schon gesagt, was es zu sagen gibt. Was also noch schreiben? Soll ich also das Video einfach so veröffentlichen? Auch das habe ich schon getan.

Diese Überlegungen machen mich dann unzufrieden. Ich möchte klare „Regeln“, die ich mir zu allem Überfluss auch noch selbst schaffen müsste. Mit anderen Worten: An diesen Punkten lugt ganz gerne mal der perfektionistische Größenwahn der Bulimikerin hervor:

Man könnte auch sagen: Ich stehe mir selbst im Weg.

Das sind meine Grundmuster, die auch noch über 19 absolut rückfallfreien Jahren ab und an durchscheinen. Allerdings sind mir diese Muster heute bewusst und ich gehe besser damit um, handele anders. Auch wenn das in der Vergangenheit häufig bedeutet hat, dass ich gar nicht gehandelt habe. Und deshalb ist schon so manche (Video)-Idee den Perfektionistinnentod gestorben. So what?

Das besagte Video wartete also geduldig bei YouTube auf seine Veröffentlichung. Und mein Plan war, dass es dort eben so lange unveröffentlicht ausharren sollte, bis mich die Muse küsste und ich etwas dazu zu schreiben hätte.

Achtung: Unverhofft kommt tatsächlich oft

Genau das ist gestern passiert. Allerdings war dieser Kuss der Muse ein ganz anderer als erwartet. Denn ich bin in die fieseste aller Fallen getappt: Man hat mich um einen Gefallen gebeten! Und ohne großartig über die Konsequenzen nachzudenken, habe ich „Ja, klar“ gesagt…

Was dazu führte, dass mein Nachmittag anders als geplant verlief. Ich fuhr einige Orte weiter um einen Kinder-Fahrradanhänger zu kaufen und zu verschicken. Und während der Kauf kein großes Thema war, stellte mich der Versand – auf Grund der Größe – vor ungeahnte Herausforderungen.

Ich fand mich also abends – nachdem ich Stunden mit der erfolglosen Suche nach einem Karton verbracht hatte – in unserem Carport wieder und wickelte ein unförmiges Monstrum mit Massen an Packetband ein.

Und ich war genervt. Denn das alles hatte viel mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet. Und das bedeutete wiederum, das ich das, was ich eigentlich vor hatte – nämlich arbeiten – nicht machen konnte.

Dann passierte es: Ich stellte mir vor, wie lustig es wohl aussehen muss, dass ich hier schimpfend versuche, das Monster mit Hilfe des Klebebandes zu bändigen.

Und schon musste ich grinsen: Da war sie, meine Geschichte zum Video.

Der Umgang mit mir selbst

Früher hätte ich mich dafür mit einem Rückfall bestraft, mittlerweile kann ich darüber lachen und daraus lernen. Ich gehe viel geduldiger und verständnivoller mit mir um. Und ich nehme mich ernst. Deshalb hat heute die Arbeit oberste Priorität.

Denn eine solche Erfahrung ist lustig und lehrreich, mehrere machen unzufrieden.

Die Menge macht das Gift…

Und das tue ich mir nicht mehr an.

Es ist 8.45 Uhr und dieser Blogbeitrag ist fertig. Läuft 😉

Und jetzt gehe im zum Yoga, das habe ich mir verdient!

Ach ja, zu besagtem Video bitte hier lang:

lebenshungrige Grüße

Simone

Der Weg raus aus der Essstörung ist ein Marathon –
das Schreiben eines Buchs auch!

Ich schreibe ein Buch.

 

Und während ich diesen Satz schreibe, wird er mir in all seiner Ungeheuerlichkeit bewusst.

„Bist du verrückt, du kannst das doch nicht öffentlich sagen!“ tönt es in mir.

„Pah, blamier dich nur, das schaffst du doch eh nicht“ geht es höhnisch weiter.

„Mach das nicht bekannt, damit machst du dir viel zu viel Druck“ jammert es.

Die andere Stimme

Doch es gibt da auch eine andere Stimme in mir.

Eine ruhige, wohlwollende und vertrauenserweckende. Und die sagt:

„Du darfst das tun. Du darfst laut sagen, was du gerne machen möchtest und warum. Du darfst es versuchen. Du darfst zweifeln. Und du darfst scheitern, auch öffentlich. Und es darf auch funktionieren und dir selbst und anderen gut tun.“

Diese zweite Stimme ist die lautere. Sie ist diejenige, der ich vertraue. Warum? Weil sie mich noch nie enttäuscht hat. Sie ist meine innere Stimme, meine Intuition, mein Wesenskern, mein Selbst, whatever.

Sie ist ich und ich bin sie.

Jahrelang waren die anderen Stimmen lauter und haben das kleine Stimmchen übertönt. Das waren die Jahre meiner Essstörung. Doch egal wie laut die anderen waren – und auch heute in einigen Bereichen noch manchmal sind – das kleine Stimmchen ist eine große, allesübertönende innere Gewissheit geworden. Denn die anderen Stimmen werden nicht mehr so sehr von Außen gefüttert wie früher und das hungert sie aus…

Und das, ihr Lieben, hat meine ganze Welt verändert.

Denn der Weg „Raus aus der Essstörung und rein ins Leben“ ist vor allem ein innerer Weg. Wer diesen Weg geht, wird immer wieder feststellen, dass er sich auf einen Marathon eingelassen hat. Es ist kein Sprint, keine kurze, schnelle Anstrengung, die zum Erfolg führt. Sondern eine Langstrecke, auf der sich die Kräfte eingeteilt werden müssen und auf der es mal besser und mal schlechter läuft.

Doch am Ende wartet das lang herbeigesehnte und absolut lohnenswerte Ziel.

Und während ich seit Tagen darüber nachdenke, ob ich meine Buch-Idee tatsächlich hier veröffentlichen werde, habe ich mich genau deshalb dafür entschieden. Denn auch das Schreiben eines Buchs ist ein Marathon und kein Sprint. Und gemeinsam laufen sich solche Strecken leichter, lassen sich Durststrecken besser überwinden.

Das Buch

Eigentlich habe ich ja schon mal so eine Art Buch geschrieben, den Online-Workshop.

Aber der ist ja eher so eine Art Selbshilfe-Sachbuch-Autobiografie und beginnt – auch wenn alles zusammenhängt – in jedem Gang mit einem neuen Haup-Thema.

Und ja, ich bin schon häufig darauf angesprochen worden, ob ich nicht meine eigene Geschichte ausführlicher als hier aufschreiben und zu einem Buch verarbeiten möchte. Ehrlich gesagt habe ich schon zwei bis drei Anläufe hinter mir, genau das zu tun. Doch ich habe immer wieder aufgehört damit.

Warum? Weil ich – um meine Geschichte authentisch und detailliert aufzuschreiben – über zu viele andere Menschen zu intensiv schreiben müsste. Und das möchte ich nicht. Denn ich finde, dass ich nicht das Recht dazu habe. Würde ich aber gewisse Details weglassen, wäre meine Geschichte nicht mehr ehrlich und schlüssig.

Außerdem finde ich, dass es schon viele autobiografische Bücher von Essgestörten gibt und das ist auch gut so.

Doch meine Idee ist eine andere.

Ich möchte eine Geschichte schreiben, einen Roman. Und in dieser Geschichte werden selbstverständlich Erfahrungen von mir auftauchen, doch es wird nicht erkennbar sein, welche. Das ermöglicht es mir, so ehrlich wie nötig und so kreativ wie möglich zu sein.

In meiner Geschichte möchte ich die äußere und die innere Welt meiner Protagonistin darstellen, in dem ich auch – wie oben – ihre inneren Dialoge aufs Papier bringe. Ich möchte zeigen, wie sich ihre innere Welt auf die äußere auswirkt und umgekehrt. Und ich möchte darstellen, wie wirkungsvoll Hilfe zur Selbsthilfe sein kann. Deshalb beginnt die Geschichte auch in einer Selbsthilfegruppe. Denn der erste Gang dorthin war auch eine wichtige Station auf meinem eigenen Weg.

Ein weiteres Anliegen ist mir das gegenseitige Unterstützen von Frauen untereinander. Denn darin liegt ein großes Potenzial verborgen. Stellt euch doch nur mal kurz vor, all Frauen würden ab sofort keine Frauenzeitschriften mehr kaufen.

Wir haben gemeinsam große Macht und doch fühlen wir so oft nur unsere einsame Ohnmacht…

Mein Setting

Um mir den Buch-Marathon in einzelne Etappen einzuteilen habe ich mir Folgendes überlegt:

Mein Ziel ist es, erst mal 200 Seiten zu schreiben.

Ich möchte circa zwei Seiten pro Tag schreiben.

Das macht insgesamt ungefähr 100 Schreib-Tage.

Dafür habe ich Zeit bis Ende Oktober.

Es geht erst mal nicht darum, ob das Buch gut ist oder ob ich es dann tatsächlich veröffentlichen werde, es geht nur darum, es zu schreiben. Für mich.

Ich möchte den Weg des Buches bloggend begleiten.

Ich wünsche mir, euch dadurch zu inspirieren und möchte mich von euch inspirieren lassen.

Die Fakten

Bisher habe ich die ersten zwei Seiten geschrieben.

Das ist – gemessen an meinem Setting – genau das erste Prozent.

Ich bin losgelaufen!

lebenshungrige Grüße

Simone

Heute ist es ein mutiger Mann, der seine Geschichte mit uns teilt:

Ich leide seit nunmehr gut zehn Jahren an einer Essstörung.

Ein begünstigender Umstand für meine Essstörung war meine Zugehörigkeit im System Leistungssport. Schon mit 8 Jahren bin ich zu einer Fußballbundesligamannschaft gewechselt. Ich habe mich dadurch immer sehr stark über den Sport, über meine Leistungsfähigkeit, definiert. Trotz des vielen Trainings war ich bis zum zwölften Lebensjahr eher moppelig. Ich habe einfach immer gerne gegessen.

Als ich 13 war, wurde ich von meinem Trainer dezent darauf hingewiesen, dass ich ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hätte. Fortan aß ich bewusster, was zunächst ja erstmal nichts Schlechtes ist. Je älter ich wurde, destor größer wurde der Druck beim Sport. Es wurde immer stärker selektiert und ausgesiebt. Auch wenn ich unumstrittener Stammspieler war und einen Rauswurf nicht fürchten musste, setzte ich mich auch selbst immer mehr unter Druck. Ich wollte es undbedingt an die Spitze schaffen und Profi werden.

Auch in der Schule wollte ich zu den Besten gehören, was mir bis zur Oberstufe auch gelang. In dieser Zeit fehlte mir ein Korrektiv im alltäglichen Leben. Meine Gedanken kreisten nur noch um den Fußball. Der Sport wurde mehr und mehr zu einer Art Werkzeug, mit der ich meine Verletztlichkeit und Minderwertigkeitskomplexe, die ich trotz der sportlichen und schulischen Erfolge hatte, zu überspielen versuchte.

Als ich dann 17 war, wurde ich von einem auf den anderen Tag auf die Bank gesetzt. Ich spielte in den Überlegungen des Trainers eigentlich keine Rolle mehr. Ich entwickelte einen krankhaften Ehrgeiz und wollte um jeden Preis zurück in die Stammformation. Dabei verlor ich mich selbst. Einer meiner Trainer merkte an, dass ich super Anlagen hätte, aber zu schmächtig sei und mir die nötige Ausstrahlung fehle.

Also meldete ich mich im Fitnessstudio an. Meine Tagen sahen zu der Zeit meist so aus: Schule, Essen, mit dem Rad zum Fitnessstudio, zurück nach Hause, Tasche packen, ab zum Fußballtraining, am Abend dann noch irgendwie Hausaufgaben. Anfangs machte ich sehr schnelle Fortschritte. Die damit verbundene Anerkennung meiner Teamkameraden tat mir gut. Ich glaubte fest daran, bald wieder in die Startelf zu rücken, wenn ich nur weiter hart trainieren würde.

Ein Trugschluss. Auf einem Turnier, bei dem ich Spielpraxis erhielt, wurde ich zum besten Spieler ausgezeichnet. Mein Trainer begegnete mir mit Sarkasmus: Wir können uns den Luxus leisten, unseren „besten Spieler“ auf der Bank zu lassen. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie mit mir damals umgegangen wurde. Aber ich muss mir auch an die eigene Nase fassen. Ich war einfach zu sensibel für diese Spielchen und ließ mich auch immer mal wieder hängen, weil ich nicht damit umgehen konnte, meine eigenen hohen Ansprüche zu erfüllen.

In der Schule ließ ich nach der Degradierung beim Fußball ebenfalls nach. Mit den Mädchen lief es ebenfalls nicht. So trainierte ich weiter verbissen. „Euch werde ich es allen noch zeigen“, dachte ich damals oft. Letztendlich wurde ich immer verbitterter. Ich begann, mich mit sportlergerechter Ernährung auseinanderzuseiten. Wieder wollte ich meine empfundenen Unzulänglichkeiten mit sportlicher Leistungsfähigkeit kompensieren. Muskelberge sollten Schutzschild für mein innerliches Zerbrechen sein. Ich steigerte mich immer mehr in das Thema Fitness und Ernährung rein.

Irgendwann entwickelte ich eine Russisch-Roulette-Mentalität. Wie beim Roulette gab es nur noch zwei Farben in meinem Leben. Alles oder nichts. Ich durchschritt Phasen, in denen ich mich knallhart an auferlegte Ernährungspläne hielt und wie ein Besessener trainierte. Diese disziplinierten Phasen wechselten sich – vor allem nachdem ich den Sprung aus der A-Jugend zu den Amateuren nicht gepackt hatte und das Fußballspielen erst einmal aufgegeben hatte – mit Phasen ab, in denen ich mich selbst aufgab.

Ich stopfte mich aus Frust voll, empfand Selbstekel und schämte mich. Ich entwickelte eine Essstörung, die ich nicht genau definieren kann. Ich denke, es ist eine Mischform aus einer Binge-Eating-Disorder und Orthorexie. Irgendwann riss ich mich dann erneut zusammen und ging wieder trainieren. Ich wurde immer perfektionistischer. Die Ausführung der Übungen musste perfekt sein, die Ernährung sowieso. Lief es einmal nicht wie gewünscht oder leistete ich mir Fehltritte bei der Ernährung mündete das Ganze oft in Fressanfällen.

Damit verbunden war das Auslöschenwollen alles bisher Gewesenen. Ich brach in dieser Zeit auch mein Studium ab, ich las Bücher nicht an der letzten Stelle weiter, sondern fing sie immer wieder neu an usw. Kurzum: ich ließ keine Entwicklung mehr zu. Mein Gewicht schwankte zunächst sehr stark. Bei einem Comebackversuch beim Fußball zog ich mir eine Knieverletzung zu und ließ mich in der Folge komplett hängen. ich nahm 10 Kilo zu. Mittlerweile wiege ich 20 Kilo weniger.

Ich habe die Quittung für meinen Lebensstil bekommen und leide am Reizdarmsyndrom. Selbst wenn ich viel esse, nehme ich nur sehr schwer zu, weil ich alles wieder ausscheide. Durch die Diagnose vor 3 Jahren hat sich mein Ernährungswahn noch einmal verschlimmert. Ich ernährte mich Paleo, Low-Fodmap usw. Nichts hielt ich länger als vier Wochen durch. Natürlich verurteile ich mich für meine Disziplinlosigkeit. Meine inneren Dialoge sehen dann in etwa so aus: „Meine besten Jahre sind fast vorbei und ich war zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd die Person, die ich hätte sein können. In meinem Alter sollte man voll im Saft stehen, stattdessen fühle ich mich schwach und krank.“

Wen wundert’s? Die ganzen Fressanfälle und der Dauerstress gehen eben nicht spurlos an einem vorbei. Wenn ich doch nur einmal in meinem Leben drangeblieben wäre und nicht gleich bei jedem (kleinsten) Rückschlag die weiße Fahne gehisst hätte. Vermutlich sähe mein Leben dann anders aus. Ich hasse mich für diese „Russisch-Roulette-Mentalität“ (das Denken in Schwarz und Weiß). Aber wenn ich vorankommen will, muss da einfach mehr kommen. Ich habe die ganzen Ausreden und Halbherzigkeiten satt. Ich habe mich selbst in diese missliche Lage gebracht und werde nur aus ihr herauskommen, wenn ich die Dinge zu 100 % durchziehe.

Es geht und ging mir gar nicht immer um perfekte Resultate (von der Ernährungsumstellung verspreche ich mir natürlich die Wiederherstellung meiner Gesundheit), viel wichtiger ist mir, dass ich mich wirklich bemühe. Dass ich den Spiegel schauen und sagen kann: „Ja, ich habe alles gegeben!“ Wenn es dann nicht reicht, dann ist das eben so. Aber ich gebe im Moment nicht alles und habe die Motivation bisher kein einziges Mal über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können. Ich war bisher einfach immer willensschwach und faul.

Wenn ich mich selbst nicht ertragen kann, esse ich. Wenn ich mich vor unangenehmen Aufgaben drücken will, esse ich. Wenn ich mit meinen Gefühlen nicht umgehen kann, esse ich. Und bei Stress und emotionaler Schieflage sind es meist die Dinge, die ich nicht vertrage. Ich verstehe mich einfach nicht. Ich brauche einen radikalen Wandel. Ich muss lernen, mit Stress besser umzugehen, ich muss mir die Zeit besser einteilen, darf nicht immer so viel träumen und grübeln. Ich brauche dringend eine Lebensstilmodifikation, sonst mache ich nicht mehr lange. Ich muss mich anders ernähren, bis ich meine Beschwerden los bin.

Aber auch darüber hinaus. Ich will nicht mehr so viel Scheiße fressen, ich will meinem Körper Gutes zuführen. Ich esse einfach auch viel zu viel. Ich muss lernen, auf die Signale meines Körpers zu hören. Habe ich wirklich Hunger? Oder will ich wieder vor mir selbst und meinen Gefühlen flüchten? Mir wird richtiggehend schlecht, wenn ich an all die Fressattacken aus der Vergangenheit denke, an die Überforderung, die Fehlplanung. Ich muss mir einen festen Ernährungsplan erstellen und Einkaufslisten erstellen. Ich habe schon so viel weggeschmissen oder mich überfressen, weil ich nichts wegwerfen wollte. Dann gab es auch Tage, an denen ich schlichtweg zu faul war, obwohl ich mir vorgenommen hatte zu kochen. So kann es nicht weitergehen.

Den letzten Essanfall hatte ich vor drei Wochen. Seitdem ernähre ich mich mal „gut“, mal „schlecht“. Ich habe eine Therapie begonnen und hoffe, dass ich keinen wirklichen Rückfall mehr erleide. In den letzten drei Wochen gab es Minirückfälle: Mir fällt es manchmal schwer, nicht über mein Sättigungsgefühl hinaus und wirklich achtsam (mit Genuss) zu essen. Ich führe auch nach wie vor ein Trainings- und Ernährungstagebuch.

Leider habe ich neben den Verdauungsbeschwerden auch orthopädische Baustellen. Mir fällt es sehr schwer, diese Einschränkungen hinzunehmen, weil ich mich nach wie vor sehr stark über den Sport definiere. Ich hoffe, dass ich es schaffe, gesunde Verhaltensweisen langfristig zu etablieren und dabei fünfe auch mal gerade sein lassen kann. Es ist ein sehr langer Weg …

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Stell dir vor du sitzt in einem Zug in dem Essen und Trinken strengstens verboten ist. Du hast aber unheimlichen Hunger und Durst und die Fahrt wird noch sehr lange dauern. Sicher könntest du dich in der Toilette verstecken und heimlich etwas essen und trinken, doch du weißt nie, ob nicht der Schaffner vorbeikommt.

Wenn der Schaffner dich erwischt, wird er dich rauswerfen und du musst zu Fuß weitergehen. Doch das kannst du nicht, denn du weißt nicht wie du alleine den Weg bewältigen sollst.

Irgendwann wird dein Hunger aber immer größer und größer und du willst nur noch essen. Der Schaffner kommt und gibt dir eine Scheibe Brot und ein Glas Wasser. Natürlich könntest du jetzt alles so schnell es geht aufessen. Doch du weißt nicht, wann du wieder etwas bekommst. Also isst du ganz langsam und teilst dir das Wenige was du hast, gut ein.

Danach geht es dir besser, doch du bist noch hungrig und weißt nicht was du tun sollst. Du beginnst den Zug zu putzen um dich abzulenken. Mit steigendem Hunger wirst du immer aktiver und putzt und putzt bis alles glänzt. Erschöpft setzt du dich wieder in deinen Sitz und spürst, wie müde du geworden bist.

Der Schaffner bringt dir nun jeden Tag weniger zu essen und du musst dir das wenige einteilen, denn du weißt schließlich nicht, wann es wieder etwas gibt. Du hast dich daran gewöhnt nur Wasser und Brot zu bekommen und es geht dir „gut“.

Nach vielen Wochen, Monaten, oder doch Jahren(?), hält der Zug an einem Bahnhof und du darfst aussteigen, wenn du willst. Doch du KANNST nicht! Woher sollst du etwas zu essen bekommen? Wie sollst du mit den vielen Menschen klar kommen die da draußen auf dich warten? Du hast Angst und klammerst dich an den Schaffner, denn ohne ihn kannst du nicht leben! Doch die Menschen am Bahnhof ziehen dich aus dem Zug. Sie schauen besorgt und du hast Angst. Zum ersten Mal seit langem hast du Angst. Du fühlst etwas.

Die Menschen wollen dir helfen und geben dir einen Teller voller Nudeln. Nudeln? Das sollst du essen? Aber dein Magen ist doch so an Brot gewöhnt! Und außerdem darfst du das doch gar nicht! Der Schaffner wusste was gut für dich ist und das war Brot! Alles andere ist gefährlich! Also sitzt du da und weinst und weißt nicht, wieso. Du willst zurück in deinen Zug! Du willst zurück zu deinem Schaffner, der dich so lange begleitet hat!

Doch du weißt nicht, dass der Schaffner deine Magersucht war. Sie hat dir gesagt was du tun sollst, sie hat dir erlaubt ein wenig zu essen. Sie hat dir verboten zu essen wenn sie es nicht wollte. Und doch kannst du ohne sie nun nicht leben. Wer begleitet dich nun auf deinem Weg und gibt dir Sicherheit? An wen kannst du dich jetzt klammern?

Jetzt nach so langer Zeit sollst du selber entscheiden was gut für dich ist, doch du kannst es nicht, weil du zu viel Angst hast!

Wärst du direkt am aller ersten Bahnhof ausgestiegen oder hättest die Notbremse gezogen, wo wärst du dann heute?

Du weißt es nicht, weil du es dir nicht vorstellen kannst.

So ist es, magersüchtig zu sein.

Man fährt alleine in einem Zug und nur der Schaffner ist dein „Freund“.

Er entscheidet für dich und das gibt dir Sicherheit.

Und irgendwann musst du aus deinem sicheren Zug aussteigen und den weiten Weg alleine gehen…

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

Umfrage
„Diäten und Essstörungen“

Diäten sind für mich die „Einstiegsdrogen“ in die Essstörungen und daher nicht so harmlos, wie gemeinhin angenommen. Doch warum wird so gut wie nie darauf hingewiesen? Wir werden vor Zigaretten, Glücksspiel und Drogen gewarnt – zu Recht natürlich.

Doch warum warnt kaum jemand vor dem Konsum von Diäten?

Um die potentielle Gefahr – die von Diäten ausgeht – deutlich zu machen, habe ich im letzten Jahr eine Umfrage mit acht Fragen gestartet. An dieser Umfrage haben über 700 von euch teilgenommen!  Danke dafür 🙂

Heute stelle ich euch die Ergebnisse der Umfrage vor und lasse euch wissen, was ich bisher damit gemacht habe:

 

 

Und hier noch der Brief, den ich mit den Umfrage-Ergebnissen erst an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dann an das Ministerium für Gesundheit geschickt habe:

Sehr geehrte XXX,

als ehemals Betroffene betreibe ich seit über 10 Jahren die Website lebenshungrig.de, die Hilfe zur Selbsthilfe für Frauen mit Essstörungen bietet.

Auf Grund meiner eigenen Geschichte beschäftige ich mich jetzt seit über 25 Jahren intensiv mit der Thematik und stehe durch lebenshungrig.de dauerhaft im Austausch mit Betroffenen.

Tagtäglich kontaktieren mich verzweifelte Frauen und Mädchen, die – vereinfacht gesagt – eins gemeinsam haben: Sie glaubten, dass ein perfektes Äußeres all ihre Probleme löst. Sie haben versucht abzunehmen und sind – ohne es zunächst zu realisieren – in eine Essstörung gerutscht.

Doch während die Ursachen von Essstörungen in einer individuellen Kombination aus gesellschaftlichen, familiären und persönlichen Eigenschaften und Erfahrungen liegen, ist die „Einstiegsdroge“ fast immer die gleiche: Eine Diät.

Es ist bekannt, dass Diäten mitverantwortlich für die Entstehung von Essstörungen sind. Auch der Internetauftritt der BZgA weist darauf hin: „Kalorienreduzierte Diäten begünstigen den Einstieg in die Erkrankung“, ist dort zu lesen.

Doch Mädchen und Frauen – und auch vermehrt Jungen und Männer – werden tagtäglich mit unzähligen neuen Ernährungs- und Fitness-Programmen konfrontiert, die Zeitschriften, Bücher, (Internet)Prominente etc. anpreisen und veräußern.

Und sogar so manche Krankenkasse unterstützt oder empfiehlt beispielsweise bestimmte Online-Programme. Und wenn dann jemand durch die Teilnahme an einem dieser Abnehm-Programme in eine Essstörung rutscht, ist es doch letztlich genau unser Gesundheitssystem, das für die Therapiekosten etc. aufkommen muss.

Es ist mir durchaus bekannt und bewusst, dass es viele übergewichtige Menschen in Deutschland gibt und ich gehe davon aus, dass die Krankenkassen dadurch das Adipositas-Problem angehen wollen.

Doch wäre es nicht wichtig, auch auf die mögliche Gefahr hinzuweisen bzw. darauf Aufmerksam zu machen, dass hinter der Adipositas eine Binge Eating Störung liegen kann, die letztlich durch eine Diät verschlimmert werden könnte?

Außerdem ist mittlerweile eigentlich bekannt, dass nach einer Diät der Grundumsatz sinkt. Wer also schnell abgenommen hat, muss mit der Zeit immer weniger essen und sich immer mehr bewegen, um das Gewicht halten zu können. (Bsp.: Studie zu „The Biggest Looser“ Kevin Hall im Fachblatt „Obesity“)

Mit anderen Worten: Die meisten Diäten führen längerfristig bestenfalls zu dem gefürchteten Jojo-Effekt und schlimmstenfalls zu einer Essstörung. Diäten sind demnach längst nicht so harmlos, wie in unserer Gesellschaft gemeinhin angenommen wird und sollte darauf nicht endlich mal deutlich hingewiesen werden?

Zu dem Thema „Diäten und Essstörungen“ habe ich über lebenshungrig.de eine Umfrage gemacht, an der über 700 Essgestörte teilgenommen haben. Über 70% davon machen Diäten mitverantwortlich für das Entstehen ihrer Essstörung. Und über 90% haben angegeben, dass misslungene Diätversuche sich negativ auf ihr Selbstwertgefühl ausgewirkt haben. Und mangelndes Selbstwertgefühl ist eine der Hauptursachen für Essstörungen…

Nun ist meine kleine Umfrage selbstverständlich keine wissenschaftliche Studie, doch sie untermauert meine langjährigen Erfahrungen und eine Tatsache, die eigentlich bekannt ist. (Sie finden alle acht Fragen und die entsprechenden Ergebnisse im Anhang.)

Daher mein konkretes Anliegen:

Mittlerweile muss auf Zigarettenschachteln vor den Folgen des Rauchens gewarnt werden und auch der Hinweis, dass Glücksspiel süchtig machen kann, ist gesetzlich vorgeschrieben.

Warum ist ein Hinweis wie „Diäten können Essstörungen auslösen“ für Diätprogramme und –produkte nicht ebenfalls verpflichtend? Beziehungsweise was müsste passieren, damit es diese gesetzliche Regelung geben kann?

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für mein Anliegen nehmen!

Mit freundlichen Grüßen

 

Und zum Schluss hier noch die Fragen und Ergebnisse der Umfrage, die ihr euch anschauen und/oder runterladen könnt: Ergebnis Umfrage Diäten und ES.

Aktuell denke ich darüber nach, eine Petition beim Deutschen Bundestag bezüglich einer entsprechenden Gesetzesänderung einzureichen.

Was meinst du dazu?

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich kam aus einer Entzugsklinik und war seit 3 Monaten trocken, als ich „lebenshungrig“ entdeckte.

Sich einzugestehen, Alkoholikerin zu sein ist schon schlimm – aber zu wissen, dass man zuvor schon 25 Jahre lang den Kopf ins Klo gesteckt hatte, um ein „scheinbar und offensichtlich erfolgreiches, schönes und einsames“ Leben zu führen – das macht mich auch heute traurig.

Mir ist es zu mühsam, jetzt wieder und wieder mein Leben zu erzählen. Alles was ich hier lese ähnelt sich eh auf so unglaublich gruselige Art und Weise, dass es weh tut.
Mit 17 zum ersten Mal ins Klo gekotzt … einer alkoholkranken Mutter und dem verlassenden Vater die Schuld gegeben … schnell in Therapie … noch schneller zurück in die Strategie.

Try and error … Studium … Umzüge … Städte … Beziehungen …. Job – heimatlos in mir selbst.

Doppelleben in Reinform … die schöne Scheinwelt und ein Beruf in ihr; nach außen genauso sauber, wie der Toilettenrand dreckig. Eine Illusion, die schleichend auch noch „Sprit“ brauchte um genährt zu werden. Irgendwann kippte erst ich um – dann die Fassade. Vielleicht war es auch anders herum. Die Sache mit „Wahrnehmung und Wahrheit“ … da werden ganze Bücher drüber geschrieben…

Mittlerweile bin ich fast 50 Jahre alt.

Viele Therapien vermittelten mir kurzzeitig das Gefühl „etwas zu tun“. Tatsächlich bin ich deshalb Experte all meiner Glaubensätze, all meiner Symptome und Selbstlügen. Habe mich mit Langeweile, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Wut und Trauer unterhalten. Gemalt, geschrien, gesungen und manchmal sogar geweint. Schuld gesucht und verteilt – dabei Lippenstifte gehortet. Gelesen, geschrieben … immer weniger gelacht … in tiefe Depression gefallen – nur mit Medikamenten das Schlimmste verhindert. 40 Einkaufstüten unter der Spüle und Klopapierbedarf für eine Großfamilie. Chronischer Nierenschaden, Haarausfall und künstlicher Ersatz dafür.

Und dann kommt doch Gott, das Schicksal oder so was ins Spiel. Da waren Menschen und Energie in den richtigen Momenten und ich schaffte vor vier Jahren den Schritt weg vom Alkohol. Nüchtern betrachtet tickte mein Selbstwert-Metronom deshalb aber nicht schneller – Essen und Erbrechen blieb strategisch gut positioniert.

Da waren wieder diese Impulse umzuziehen, neu anzufangen und mich wieder mal neu zu erfinden. Bullshit!

Wenn ich etwas gelernt habe, dann dass nichts, niemand und schon gar keine neue Umgebung etwas an dem Loch in mir ändert. Es reist IMMER mit. Egal wen ich vögle, wo ich zum REWE gehe, bei wem ich mir Komplimente fische … es ändert nichts IN mir.

Ganz langsam, mit viel Achtsamkeit, Übung, Geduld und Mitgefühl für mich selbst verändert sich seit 2 Jahren etwas in mir (auch durch „lebenshungrig“).

Die Ambivalenz in meinem Wesen, mein Misstrauen gegenüber Menschen, die Falten in meinem Gesicht samt Hängebusen – ich lerne zu akzeptieren. Was und vor allem wer tut mir gut … und welche Umstände lassen mich in den Kühlschrank knallen? Hinschauen bewahrt mich zwar immer noch nicht gänzlich vor den „wärmenden Essritualen“ – aber es hilft in Alternativen zu denken.

Zum ersten Mal in meinem Leben vertraue ich einem Gefühl, das man belanglos „Liebe“ nennt. [Jedem wünsche ich seinen Seelen – Verwandten J]

Aber auch wenn ich durch einen Partner nun erstmalig das Gefühl von „da gehöre ich hin“ erlebe – ganz klar ist, dass nur ich alleine verantwortlich für mein Glück und Unglück bin.

Ja, all diese Floskeln – plattgetreten in 100tern Lebensberatern.

Tja: Und jetzt die größte aller Plattitüden – die ich gar nicht größer raushauen könnte, weil sie so gnadenlos einfach und wichtig ist:

ICH HABE IMMER DIE WAHL!
DU HAST IMMER EINE WAHL!

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG