Es soll Ärzte und Therapeuten geben, die ihren Patientinnen/Klientinnen vermitteln, dass man von einer Essstörung nicht komplett genesen kann. Mit anderen Worten: In schwierigen Situationen wirst du wie gewohnt mit essen/hungern/kotzen kompensieren oder zumindest den Druck haben, es tun zu wollen.

Ich persönlich teile diese Meinung nicht, denn ich habe eine andere Erfahrung gemacht: Seit über 20 Jahren habe ich nicht mehr kompensiert bzw. das Verlangen danach gehabt. Und ja, selbstverständlich gab es diverse Herausforderungen in meinem Leben während dieser Zeit. Ich habe auch keine Angst mehr vor Buffets, All Inclusive oder All You Can Eat. Es gibt für mich keine Einteilung mehr in „gesund“ oder „ungesund“, „gut“ oder „schlecht“, „kalorienarm“ oder „kalorienreich“ oder was auch immer. Und ich bin die überzeugte Nicht-Besitzerin einer Waage, die kontinuierlich Größe 34/36 trägt.

Doch das Entscheidene ist für mich nach wie vor:

Diese permanent um das Essen und um mein Gewicht kreisenden Gedanken sind nicht mehr da. Ich habe die Verantwortung für das Essen und für mein Gewicht zu 100% an meinen Körper abgegeben und mache seit dem jeden Tag auf’s Neue die Erfahrung, dass er das perfekt kann. So viel besser und gesünder als meine perfektionistischen, kranken Gedanken.

Ich behaupte heute sogar, dass ich ein gesünderes Verhältnis zu Essen und zu meinem Gewicht habe, als die meisten Frauen, die nie eine Essstörung hatten.

Die wichtigeste Erkenntnis die ich hatte war, dass weder das Essen noch mein Gewicht mein ursprüngliches Problem waren. Mein Mangel an Selbstwertgefühl und der daraus enstandene Hunger nach meinem eigenen Leben war mein eigentliches Problem. Deshalb ist einer Essstörung meiner Erfahrung nach nie über Ernährungspläne, Essprotokolle o. ä. beizukommen. Es kann für eine kurze Zeit hilfreich sein, Essprotokolle zu führen um besser zu verstehen, in welchen Situationen Druck entstanden ist und wie/was/wann deshalb kompensiert wurde. Doch als Dauerlösung und zu Kontrollzwecken empfinde ich das als kontraproduktiv.

Das Wichtigste war für mich, meiner Genesung oberste Priorität einzuräumen und die Unterstützung zu finden, die tatsächlich funktioniert hat. Zum einen waren das Profis, zum anderen Betroffene. Mit deren Hilfe habe ich gelernt, mich besser kennen, verstehen und mögen zu lernen. Ich begriff, dass ich auf Grund meiner Geschichte nicht anders werden konnte, als ich geworden bin. Ich verstand, dass ich nicht Schuld war, dass niemand Schuld war.

Und wie sollte ich mich dann noch hassen und verurteilen?

Ich lernte, dass meine Gedanken über mich und das Leben – dieser Film der in meinem Kopf unbewusst immer wieder ablief – sehr negativ und voll von überhöhten Ansprüchen an mich war. Und ich begriff, dass ich diese Ansprüche nie würde erfüllen können. Weil sie unrealistisch waren und ausschließlich dazu dienten, meinen Ur-Glaubenssatz „Ich bin nicht gut (genug)“ zu füttern. Ich lernte, gesunde Grenzen zu setzen, meine Bedürfnisse zu erkennen und zu artikulieren und ich hörte damit auf, „everybodys Darling“ sein zu wollen.

Es war nicht mehr so wichtig, ob andere mich gut fanden, denn plötzlich fand ich mich gut.

Und dann war sie verhungert, meine Essstörung, denn sie bekam keine Nahrung mehr.

Weder ich, noch Ärzte oder Therapeuten, können wissen, ob du wieder ganz gesund wirst. Doch das ist nicht entscheidend.

Wichtig ist, dass du den Wunsch danach und den Glauben daran nicht verlierst!

Auch ich hatte dunkle Stunden und Tage, in denen ich es nicht mehr für möglich hielt.

Doch dann war sie plötzlich wieder da:

Diese kleine, leise, innere Stimme die sagte: Der Tag wird kommen, an dem du wieder so unbeschwert essen wirst, wie ein Kind!

Und dieser Tag ist gekommen. Er kommt jeden Tag wieder. Seit über 20 Jahren.

Gib dir heute (schriftlich) Zeit und Raum, deine innere Stimme zu finden!

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Der „Ur-Glaubenssatz“ von essgestörten Frauen lautet meiner Erfahrung nach: Ich bin nicht gut (genug)!

Er zeigt sich in seinen Spielarten:

Ich bin nicht dünn genug!

Ich bin nicht schlau genug!

Ich bin nicht hübsch genug!

Ich bin nicht sexy genug!

Ich bin nicht (erfolg)reich genug!

Ich bin nicht beliebt genug!

Die „Ur-Gefühle“ dazu sind Scham und Angst.

Die Scham, weil wir glauben, nicht gut genug zu sein und die Angst davor, dass andere Menschen genau das herausfinden könnten.

Beide Gefühle sind dafür verantwortlich, dass Frauen mit Essstörungen sich so schwer damit tun, Hilfe in Anspruch nehmen.

Denn alle glauben, dass nur sie alleine so willensschwach sind, so komische Gedanken und intensive Gefühle haben.

Und sie glauben, dass sie irgendwie selbst daran Schuld seien und deshalb auch alleine mit der Essstörung klar kommen sollten.

 

Sowohl beim Retreat „SELBST? SICHER!“ als auch während des MindDetox Days „Verzeihen & Befreien“ haben die Teilnehmerinnen ihr Inneres nach Außen gekehrt, in dem sie ihre Gedanken und Gefühle zu verschiedenen Themen/Situationen zunächst aufgeschrieben und dann den anderen vorgelesen haben.

Weder ich noch die anderen Frauen haben das kommentiert, wir haben einfach nur zugehört.

Wir haben uns selbst wieder erkannt in den Worten der anderen und die Vorlesende hat sich dadurch in uns wieder gefunden.

Sie hat verständnisvolle und mitfühlende Blicke erhalten und so manche heilende Träne ist geflossen.

Das scheinbar Unansprechliche wurde gesagt und die erwartete Verurteilung erfolgte nicht. Im Gegenteil.

Es gab Annahme auf der einen und Erleichterung auf der anderen Seite.

 

All das Negative ist „nur“ in deinem Kopf.

Und es ist wichtig, es dort einmal raus zu holen.

Schreibe doch heute mal auf, wofür und warum du dich schämst und welche Ängste damit verbunden sind.

Und dann setze dich vor einen Spiegel und lies dir all das langsam vor und gib dir Zeit, es zu verdauen.

Frage dich jedes Mal: Wie würde ich reagieren, wenn das eine gute Freundin betreffen würde?

Hätte ich Mitgefühl und Verständnis für sie, oder würde ich sie verurteilen und verdammen?

Wenn du magst, verbrenne dein Geschriebenes danach.

Und belohne dich danach – mit einem Schaumbad, einem Spaziergang oder einem guten Buch etc. – für deinen Mut und deine Ehrlichkeit dir selbst gegenüber!

 

Lebenhungrige Grüße

Simone

 

Perfektionismus ist der Zwilling der Essstörung.

 

Am Samstag fand der erste MindDetoxDay mit dem Thema „Verzeihen und Befreien“ in Marburg statt.

Und die wunderbaren, mutigen Teilnehmerinnen haben großartige Arbeit geleistet und entscheidende Erkenntnisse gehabt.

Gegen Ende haben alle noch mal aufgeschrieben, wie ihre „innere Perfektionistin“ mit dieser Erfahrung umgeht.

Ich habe sie bewusst aufgefordert, diese Stimme nicht zu verdrängen, sondern ihr Raum zu geben.

Alle Sätze sollten mit „Ich muss…“ anfangen.

Und unter anderen sind diese Sätze dabei herausgekommen:

Ich muss alles sofort umsetzen!

Weil ich mir heute Zeit für mich genommen habe, muss ich mich heute Abend intensiv um Kind, Haushalt, Mann, etc kümmern!

Ich muss mich zurücknehmen, denn es geht anderen noch schlechter als mir!

Diese Aussagen unserer „inneren Perfektionistin“ erzeugen Druck und füttern die Essstörung.

Denn solche extremen Ansprüche sind nicht zu erfüllen und damit bestätigen wir uns den Ur-Glaubenssatz: Ich bin nicht gut genug!

 

Was also tun?

Wir haben uns alle Sätze noch mal angeschaut und so lange damit „gespielt“, bis sie sich leichter angefühlt haben.

Dabei ist es wichtig, auf Wörter wie „müssen“, „immer“, „sofort“ und „alles“ zu achten.

Aus „Ich muss sofort alles umsetzen!“ können beispielsweise folgende Varianten entstehen:

Mit der Zeit kann ich Einiges umsetzen!

Ich muss nicht alles sofort umsetzen!

XY will ich gerne umsetzen!

Ich darf entscheiden, was ich wann und wie umsetzen möchte!

etc.

 

Wenn du dich das nächste mal von deiner „inneren Perfektionistin“ unter Druck gesetzt fühlst, bekämpfe sie nicht, sondern gib ihr eine Stimme.

Schreibe auf, welche Ansprüche sie hat und lies dir die Sätze laut vor.

Vielleicht wird dir dadurch schon leichter ums Herz und du wirst lächeln, weil einige Ansprüche so absurd unmöglich sind.

Und dann „spiele“ mit den Sätzen, ersetze vor allem die genannten Wörter, bis es sich leichter für dich anfühlt.

Lebenshungrige Grüße

Simone

 

Schuld und damit verbundene Scham gehören zum Lieblingsfutter von Essstörungen.

Alte Schuld- und Schamgefühle sind – unter anderem – verantwortlich dafür, dass du eine Essstörung als Überlebensstrategie „gewählt“ hast.

Und gleichzeitig füttert die Machtlosigkeit gegenüber der Essstörung neue Schuld- und Schamgefühle.

Es ist ein Teufelskreis.

Doch der Ausstieg ist möglich.

 

Schreibe dir auf, warum du dich wofür schuldig fühlst.

Und dann schließe die Augen und stell dir vor, du sitzt in einem Kino und siehst deinen „Schuldfilm“.

Bleibe dabei in der Rolle der Zuschauerin und werde nicht zur Schauspielerin auf der Leinwand.

Du wirst erkennen, dass die Schauspielerin – gefangen in ihrem Film – nicht anders handeln konnte, als sie gehandelt hat.

Doch du als Zuschauerin kannst heute anders handeln.

Und dadurch kannst du die Bereitschaft entwickeln, der Schauspielerin zu vergeben.

Weil du gesehen hast, dass sie damals nicht anders konnte.

In einem nächsten Schritt kannst du aufschreiben, was du aus dieser alten Situation gelernt hast.

Ist vielleicht sogar etwas Gutes daraus entstanden?

 

Während der Auseinandersetzung mit der Essstörung habe ich an einem gewissen Punkt verstanden, dass ich früher einfach nicht anders handeln konnte, als ich gehandelt habe.

Und in dem Moment begriff ich, dass ich nicht Schuld war. Und ich schämte mich auch nicht mehr.

Denn ich verstand, dass ich in jedem Moment versucht hatte, mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln, mein Bestes zu geben.

Es war mir dann auch nicht mehr wichtig, ob andere das genau so sahen.

Ich musste niemanden mehr überzeugen oder brauchte Absolution von anderen Menschen.

Mit der Zeit entwickelte ich Verständnis und Mitgefühl für mich und ich schaute mir weitere „alte Filme“ bewusst an.

Ich begriff auch, dass all diese „Fehler“ der Vergangenheit angehörten und durch meine Selbstverurteilung „nur“ meine Essstörung gefüttert wurde, ich die Vergangenheit aber trotzdem nicht ungeschehen machen konnte.

Als ich dadurch mit der Zeit die Bereitschaft entwickelte, mir zu verzeihen, entstand auch ein Gefühl der Dankbarkeit in mir und ich begann, mir und dem Leben mehr zu vertrauen.

Nur durch das Ende von Schuld und Scham und durch das Nähren von Dankbarkeit und Vertrauen konnte lebenshungrig entstehen.

Gibt dir heute die Chance, aus deinem Schuld-Scham-Rückfall-Teufelskreis auszusteigen.

Alles beginnt mit einem ersten kleinen Schritt, mit dem bewussten Anschauen deines „Schuldfilms“.

Du kannst das!

 

Lebenshungrige Grüße

Simone

Wie oft stellst du die Wünsche und Bedürfnisse anderer über deine eigenen?

Und hast du dich schon mal gefragt, warum du das tust?

Ist dir bewusst, dass du das nicht umsonst machst, sondern im Gegenzug etwas von den anderen erwartest?

Die anderen sollen dich deshalb mögen, schätzen, bewundern, lieben.

Sie sollen etwas für dich tun, was du nicht für dich selbst tun kannst.

Sie sollen dir etwas geben, was du dir selbst nicht geben kannst.

Einen Wert, eine Daseinsberechtigung.

Doch was passiert, wenn du es von den anderen nicht bekommst…?

Und was wäre, wenn du es dir selbst geben würdest?

Wenn du wüsstest, dass du wertvoll bist und dass du eine Daseinsberechtigung hast, einfach nur, weil du da bist und nicht, weil du etwas (für andere) machst?

Was wäre, wenn du die Nummer eins in deinem Leben wärst?

Das wäre Egoismus? Wirklich?

Nur wenn du weißt, wer du bist und dass du gut bist, so wie du bist, kannst du anderen etwas geben, ohne etwas von ihnen zu erwarten.

Wie willst du anderen etwas geben, was du selbst nicht hast?

Wie sollen deine Kinder selbstbewusst werden, wenn du es selbst nicht bist?

Wie sollen deine Kollegen dich schätzen, wenn du dich selbst nicht schätzt?

Wie soll dein Partner dir treu bleiben, wenn du dir selbst nicht treu bist?

Du bist der entscheidende und der einzige Mensch, den du verändern kannst.

Und dadurch gibst du oft den anderen die Chance, es auch zu tun.

Kürzlich schrieb mir eine Teilnehmerin des Selbsthilfeprogramms begeistert, dass ihre Mutter durch sie wieder angefangen hätte, regelmäßig zu schreiben und wie gut ihr das täte.

Und das alles „nur“ weil die Tochter ihre eigene Schreibzeit ernst genommen hat und der Mutter davon erzählte.

Vor allem aber, weil die Mutter die positive Veränderung der Tochter erlebte.

Was du dir Gutes tust, tust du – früher oder später – auch anderen Gutes!

Deshalb sei heute gut zu dir!

Achte auf deine Wünsche und Bedürfnisse!

Nimm dich ernst!

Beobachte dich und verurteile dich nicht!

Und schreibe oder male, bastele oder stricke,…

Räume dir bewusst Zeit für die Dinge ein, die dir wichtig sind und die Spaß machen.

Denn damit fütterst du deine Seele!

 

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Es gibt nur einen Menschen, der dafür verantwortlich ist, ob du gesund und glücklich sein wirst, oder nicht.

Dieser Mensch bist du selbst.

Andere können dich unterstützen und dir beistehen, doch „machen“ kann es niemand für dich.

Du kannst es nicht tun, in dem du deinen Fokus weiterhin auf das Essen und auf dein Gewicht richtest.

Und du kannst es nicht tun, in dem du weiter machst wie bisher und hoffst, dass es irgendwie durch irgendwen irgendwann von alleine passiert.

Doch du kannst dir Zeit nehmen und Raum schaffen, damit du dich kennen, verstehen und mögen lernst.

Wenn du dem Selbsthass und den Selbstzweifeln Stück für Stück die Nahrung entziehst, kann die Essstörung verhungern.

Du kannst dir Menschen suchen, die dich auf diesem Weg begleiten und „Werkzeuge“ finden, die dir helfen.

Vor allem kannst du diesem Selbsterfahrungs-Prozess oberste Priorität einräumen in deinem Leben.

Es passt gerade nicht, weil das Studium so stressig ist, die Kinder noch klein sind, du gerade einen neuen Job hast, oder weil…?

Wie lautet deine aktuelle Lieblings-Ausrede?

Jeder Mensch hat jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung.

Und wir bestimmen alle selbst, wie wir diese 24 Stunden verbringen.

Du musst arbeiten? Dich um Familienangehörige kümmern? Lernen? …?

Nein. Das musst du nicht. Sondern du entscheidest dich dafür, es zu tun.

Weil es Konsequenzen haben wird, wenn du es nicht tust.

Und es hat auch Konsequenzen, wenn du vorrangig Zeit in andere Dinge und Menschen investierst und nicht in dich.

Du „bezahlst“ mit noch mehr Krankheit und unglücklich sein.

Du bekommst was du willst, wenn du dir gibst, was du brauchst!

Der Knackpunkt ist, dass es andersherum funktioniert, als wir zunächst glauben:

Wenn du dich gut um dich selbst kümmerst, bist du besser und effektiver in deinem Job oder beim Lernen!

Wenn du dich gut um dich selbst kümmerst, bist du eine bessere und liebevollere Mutter, Partnerin, Tochter,…!

Weil du gesünder und glücklicher sein wirst, wenn du dich gut um dich selbst kümmerst!

Mit anderen Worten:

Gerade dann, wenn du besonders viel um die Ohren hast, ist es besonders wichtig, die Nummer 1 auf deiner Prioritätenliste zu sein!

 

Mach dir doch heute mal (schriftlich) bewusst, welche Ausreden du immer wieder findest und wie du deine Genesung dadurch boykottierst.

Und verurteile dich nicht dafür, erkenne es, verstehe es.

 

lebenshungrige Grüße

Simone

Vor einigen Tagen las ich einen kurzen Dialog zwischen einem „Meister“ und seinem „Schüler“.

Der Schüler fragte seinen „erleuchteten/erwachten“ Meister Folgendes:

„Meister, wie ist es, wenn man erleuchtet/erwacht ist?“

Und der Meister antwortete:

„Wenn ich Hunger habe, esse ich. Und wenn ich müde bin, schlafe ich.“

 

„Wow“, dachte ich, „genau so ist es!“

Ich bin zwar keine erleuchtete/erwachte Meisterin.

Doch in Bezug auf das Essen, bzw. meine Essstörung, ist mir damals durchaus die Leuchte angegangen und ich bin wach geworden.

Signalisierte mir mein Körper früher, dass er Hunger hat, kommentierte mein sogenannter Verstand das beispielsweise so:

 

„Du musst etwas Gesundes essen!“

„Vielleicht kannst du es noch ein wenig herauszögern, es ist noch zu früh!“

„Lass uns auf diese Mahlzeit verzichten, dann wiegst du morgen weniger!“

„Iss dich nur nicht satt, dann nimmst du zu!“

„Du musst erst losziehen, um etwas Fettarmes zu kaufen!“

„Es gibt aber keine Schokolade zum Nachtisch!“

„Vergiss nicht, dass du gerade nach Ernährungsplan XY lebst!“

 

In dem Moment, in dem ich – damals unbewusst –  meinem Kopf immer mehr Kontrolle über meinen Körper gegeben habe, in der Hoffnung, dass mit dem perfekten Körper das perfekte Leben einhergeht, begann meine Essstörung.

 

Heute signalisiert mir mein Körper, dass er Hunger hat. Ich esse etwas. Mein Körper signalisiert mir, dass er satt ist.

Ich höre auf zu essen und denke nicht mehr darüber nach, bis ich wieder Hunger habe.

Wie oft kämpfst du tagtäglich gegen die Signale deines Körpers?

Wie oft schaltet sich dein sogenannter Verstand ein und will es besser wissen?

 

„Wenn ich Hunger habe, esse ich. Wenn ich müde bin, schlafe ich.“

Es ist so schwer, weil es so einfach ist.

Weil es darum geht, die Realität zu akzeptieren und in deinen Alltag zu integrieren.

Achte heute ganz bewusst darauf, wann und wie dein Verstand die Signale deines Körpers boykottiert!

Schreibe über deine Erkenntnisse und verurteile dich nicht dafür.

Es ist, wie es ist. Und nur wenn du das akzeptierst, kann es beginnen, sich zu ändern.

 

lebenshungrige Grüße

Simone

Hat dir als Kind mal jemand entrüstet und vorwurfsvoll diese Frage gestellt?

Oder möglicher Weise auch: Für wen hältst du dich eigentlich?

Und wie hast du reagiert? Stumm und beschämt?

Auch wenn wir vielleicht nicht direkt mit dieser Frage konfrontiert worden sind, wurde vielen von uns die Botschaft dahinter trotzdem vermittelt:

Sei nicht so auffällig, frech oder laut;

du bist eingebildet;

ein wenig mehr Bescheidenheit bitte;

nimm dich nicht so wichtig;

du übertreibst mal wieder;

du willst zu viel, …

Schreibe doch mal auf, wer dir in deiner Kindheit – und vielleicht auch noch später – diese Botschaft wie vermittelt hat.

Und dann beantworte die Frage schriftlich, ohne irgendetwas Negatives oder Vorwurfsvolles in sie hineinzuinterpretieren.

Denn ohne die „alte Botschaft“ dahinter, ist das eine ganz neutrale und äußerst interessante Frage:

Was glaubst du eigentlich, wer du bist?

Wer genau bist du, du deiner Meinung nach?

 

lebenshungrige Grüße

Simone

Liebe Lebenshungrige,

schon länger ist es mir ein Bedürfnis, dir zu schreiben und dich wissen zu lassen, warum es während der letzen Monate hier im Blog so ruhig ist. Mit anderen Worten: Ich habe den Wunsch, dich hinter die Kulissen blicken zu lassen. Und zwar hinter die von lebenshungrig und hinter meine. Denn ein Blick hinter die Kulissen von lebenshungrig ist immer auch ein Einblick in meine Gedanken.

Heute Morgen bin ich wach geworden und mein Kopf fing an zu rattern: Er „erzählte“ mir, was vor unserem Urlaub noch alles zu erledigen sei und dann warf er mir vor, dass ich diesen einen Blogbeitrag, den ich schon seit Monaten plane, noch immer nicht veröffentlicht habe. Und schon entstand der gute alte Druck auf der Brust und die Angst schlich sich heran.

Hallo, „Lieblings-Variante“ des Ur-Glaubenssatzes: Ich bin nicht (gut) genug!

Ich schreibe dir das um zu zeigen, dass das Drama immer hinter den Kulissen – in unserem Kopf beginnt.

Und dass auch ich nicht gänzlich frei davon bin.

Doch im Gegensatz zu früher bin ich mir dieses Kopfkinos heute sehr bewusst und erkenne es als solches. Es sind „nur“ Gedanken, die sich da hinter meinen inneren Kulissen abspielen. Und während mich diese Gedanken und der dadurch entstehende Druck und die Angst früher regelrecht lähmten, kann ich heute ganz anders damit umgehen.

Ich erkenne das Drama und ich benenne es, in dem ich darüber schreibe. Danach habe ich meditiert und schon während dieser beiden simplen Prozesse setzt die Veränderung ein. Die Gedanken werden klarer und realistischer, der Druck und die Angst verschwinden und ich komme in meine Kraft. Selbstvertrauen und Experimentierfreude sind wieder meine Gefühls-Basis. Ich habe meine Seele gefüttert und kann mein Drama wohlwollend belächeln.

Als Bonus sagte mir meine innere Stimme dann: Schreibe darüber. Öffentlich. Und wenn ich während der letzten Jahrzehnte eines gelernt habe, dann ist es das: Diese innere Stimme hat immer Recht. Denn sie ist die Stimme meines Wesenkerns, meines Selbst, dessen, was ich eigentlich bin. Und diese Stimme war immer da, auch während meiner schwierigsten Zeiten, als ich meinen persönlichen Weg „Raus aus der Essstörung, rein ins Leben“ gegangen bin. Die Herausforderung lag darin, dieser Stimme Raum zu geben und auf sie zu hören. Doch je häufiger ich das tat, desto öfter machte ich die Erfahrung, dass mich diese Stimme nicht enttäuscht. Und dadurch wuchs das Vertrauen in sie – in mich.

Selbstvertrauen ist meine Basis für lebenshungrig!

Denn sonst hätte ich mich nicht auf dieses „Experiment“ einlassen können und vor allem hätte ich niemals ehrlich meine Geschichte erzählen können. Und Selbstvertrauen, Selbstverständnis und Selbstliebe sind letztlich die Basis eines glücklichen und gesunden Lebens. Ich kann nur weitergeben, was ich selbst auch habe. Sonst bin ich nicht echt und du würdest das spüren.

Ja, ich habe seit über 20 Jahren keine Essstörung mehr und diese Tatsache macht vielen Besucherinnen dieser Website zu Recht Hoffnung. Doch letztlich geht es in erster Linie darum, dich selbst kennen, verstehen und mögen zu lernen um dadurch dem Essproblem die Nahrung zu entziehen. Das Essen ist nie das Problem und deshalb ist dein eigentliches Problem auch nicht über das Essen zu lösen. Dein Mangel an Selbstwertgefühl ist der entscheidende Knackpunkt. Und das trifft auch auf andere „Überlebensstrategien“ zu. Auf Frauen, die zu viel Sport machen, die zu viel Geld ausgeben, die zu viel lesen, die zu viel Bestätigung von Außen brauchen.

Es geht dabei um Ablenkung, um das Weglaufen vor sich selbst, weil die negativen Gedanken und schmerzhaften Gefühle kaum auszuhalten sind.

Fressen und vergessen, sich betäuben wie mit einer „richtigen“ Droge.

Das Leben zum Kotzen finden und genau das auch zu tun, den Bruchteil einer Sekunde Erleichterung zu spüren, wenn sich der Druck körperlich abbaut.

Hungern und endlich mal etwas – nämlich den eigenen Körper – unter Kontrolle zu glauben.

Die Scham und der Schmerz des Hungers nach dem eigenen Leben!

Auch nach all diesen Jahren kann ich mich noch so gut daran erinnern. Und diese Erinnerung füttert meine Leidenschaft für lebenshungrig. Ich weiß, wie schlimm es ist, doch ich weiß vor allem, welche großen Chancen sich dahinter verbergen. Und mein Ziel ist es, diverse Möglichkeiten zu bieten, diese Chancen zu ergreifen.

Deshalb habe ich Anfang 2018 aus dem Online-Workshop das Selbsthilfeprogramm LEICHTER gemacht und neben den Materialien telefoniere ich ein Jahr lang ungefähr alle zwei Wochen mit den Teilnehmerinnen. Das ist beispielsweise etwas, was hinter den Kulissen von lebenshungrig stattfindet. Der direkte telefonische Austausch mit mir und den anderen Teilnehmerinnen ist neben dem Forum (in dem ich auch aktiv bin) ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor für die Gruppe. Hier geht es zur aktuellen Version von LEICHTER.

Eine weitere Neuerung seit 2018 ist, dass du auch Offline die Möglichkeit hast, mit mir zusammen zu arbeiten. Zum einen habe ich – gemeinsam mit meiner guten Freundin und Yoga-Lehrerin Monica – im Mai den ersten Retreat SELBST? SICHER! angeboten. Dieser Retreat war nicht nur für die Teilnehmerinnen ein großer „Wegbeschleuniger“, er hat auch mich noch mal sehr in meiner Art des Arbeitet bestärkt und dafür bin ich sowohl Monica als auch den wundervollen Teilnehmerinnen sehr, sehr dankbar. Wir sind gebeten und ermutigt worden, weitere Retreats anzubieten und auch daran arbeiten wir. Fest steht jedoch schon, dass SELBST? SICHER! auch im nächsten Jahr wieder stattfinden wird. Solltest du Interesse daran haben, beachte Folgendes: Wenn du dich bis einschließlich 15.03.2019 anmeldest, bekommst du mit dem Rabatt-Code „EARLY“ 20% Frühbucherrabatt!

Und dann gibt es seit 2018 ja auch noch den MIP Tag. Er beinhaltet zwei Einzel-Telefon-Mentorings und fünf intensive Stunden, die du mit mir gemeinsam in Marburg verbringen kannst. Während dieser Zeit arbeiten wir ganz individuell und intuitiv mit viel Menschlichkeit, Mentaltechniken und Meditation an deinen Themen. Für all die mutigen Frauen, die sich dieses Geschenk machen und mich an ihren großartigen „Durchbrüchen“ teilhaben lassen, bin ich dankbar in tiefster Demut.

Außerdem haben mich einige Lebenshungrige gebeten, eintägige Treffen in Marburg für mehrere Personen anzubieten. Und auch daran arbeite ich aktuell. Am Samstag den 08.09. wird der erste MindDetox Day mit dem Schwerpunkt „Verzeihen und Befreien“ stattfinden. Hierzu kannst du dich ab sofort anmelden! Einen weiteren MindDetox Day wird es am Samstag, den 01.12.18 geben. Nähere Infos und die Möglichkeit, dich anzumelden, gibt es demnächst.

Wenn gleichgesinnte Frauen ehrlich aufeinander treffen und ein gemeinsames Ziel haben,
entsteht eine geradezu magische Energie, die zu unglaublichen Ergebnissen führt!

Und zwar on- und offline!

Diese Erfahrung treibt mich gerade an. Und deshalb ist hinter den Kulissen von lebenshungrig aktuell viel mehr los, als die Bühne erahnen lässt.

 

Heute ist es so, dass das, was hinter meinen Kopf-Kulissen abgeht, mich nicht mehr daran hindert, meinen Lebenshunger zu stillen.

Zum einen, weil dort viel weniger Tragödie stattfindet und zum anderen, weil ich die Wahl habe, was ich auf die Bühne bringe.

Doch früher war das ganz anders. Ich empfand das Leben als unglaublich anstrengend.

Doch es war nicht das Leben, meine negativen Glaubenssätze über mich und über das Leben und mein Mangel an Selbstwertgefühl waren es.

Das Drama hinter den Kulissen war verantwortlich für die Anstrengung, nicht die Bühne.

Und deshalb möchte ich dich dazu ermutigen, heute – jetzt und hier – einen ehrlichen Blick hinter deine Kopf-Kulissen zu wagen.

Lauf nicht länger vor dir weg. Bleib stehen, suche deinen Weg bewusst. Finde treue Weggefährtinnen. Dein Ankommen wird unbeschreiblich gut sein!

Im Selbsthilfeprogramm LEICHTER arbeiten wir häufig mit MindDetox Merkblättern.

Heute habe ich ein kostenloses MindDeotx Merkblatt konzipiert, dass du downloaden, ausdrucken und ausfüllen kannst.

Gehe den ersten Schritt und wage einen ehrlichen Blick hinter deine Kulissen: Mein erster Schritt

 

Mach dir dein Leben schmackhaft, Baby!

Lebenshungrige Grüße

Simone

„Morgen wird alles besser.

Denn morgen werde ich endlich anfangen, diszipliniert und nach meinem aktuellen Ernährungsplan zu essen. Dann werde ich mein Wunschgewicht erreichen und alles wird gut!“

Ich weiß nicht, wie häufig ich mir diese Geschichte während meiner Essstörung über mich und mein Leben erzählt habe. Eine Geschichte die impliziert, dass ich es für heute eh versaut habe und es daher egal ist, was aus dem Rest des Tages wird. Natürlich bedeutet „egal“ auch, dass ich ungehemmt Fressen und Kotzen kann, denn ab morgen werde ich das ja nie wieder tun. Weil – warum auch immer – morgen wird es leichter sein und quasi irgendwie automatisch funktionieren.

Mein Märchen hatte allerdings kein Happy End, denn ich bekam nicht den erwünschten Traumkörper, sondern lebte mein Leben gefangen in einem Alptraum.

Vor Kurzem hörte ich eine andere Geschichte, die mein Dilemma sehr gut beschrieb:

„Morgen gibt es hier Freibier“ las der Gast einer Wirtschaft erfreut. Also kam er am nächsten Tag wieder und forderte beim Wirt sein kostenloses Getränk ein. Doch der Wirt antwortete: „Heute kostet das Bier etwas, wenn du Freibier willst, musst du morgen wieder kommen.“ Doch als der Gast am folgenden Tag erneut sein Freigetränk einforderte, bekam er vom Wirt die selbe Antwort wie am Tag zuvor: Heute kostet das Bier etwas, wenn du Freibier willst, musst du morgen wieder kommen.“

Eine never ending story, während das Leben weiter geht

Auch ich wartete sehr lange auf das Morgen, an dem es etwas umsonst geben würde. Ich wollte nicht, dass es mich etwas kostete. Doch genau das tat es. Das gesund werden und schlank bleiben kostete mich nicht nur viel Zeit und Geld, es kostete mich auch eine Menge der Glaubenssätze, aus denen meine Geschichte entstanden war.

So wurde beispielsweise aus:

„Wenn ich mein Wunschgewicht erreicht habe, werde ich selbstbewusster und alles wird gut!“

ein:

„Erst wenn ich selbstbewusster werde, werde ich gesund.“

Und ein:

„Auch wenn ich gesund bin, ist nicht immer alles gut.

Oder ein:

„Wenn ich mein Wunschgewicht habe, bin ich nicht automatisch selbstbewusster.“

Morgen wirst du dir wünschen, dass du heute gehandelt hättest

Falls auch du gerade erkennst, dass du dich in deiner ganz persönlichen „Morgen-wird-alles-besser-Geschichte“ befindest, kannst du jetzt damit anfangen, sie umzuschreiben. Eine wichtige Frage, mit der du dich – am besten schriftlich – auseinandersetzen kannst, lautet:

Was genau steht für mich hinter diesem alles?

Was habe ich tatsächlich für Probleme und Sorgen, welche konkreten Veränderungen wünsche ich mir und was ist schon gut?

Wonach hungere ich wirklich?

Ich persönlich mag es ja, immer wieder kreativ mit den Dingen und Themen umzugehen, deshalb finde ich eine Idee – die eigentlich für Kinder gedacht ist – auch für Frauen, die sich mit ihrem Essproblem auseinander setzen toll: Die Sorgenfresserchen! Das sind „Stoffmonster“, die du mit Zettelchen, auf denen deine Sorgen und Probleme stehen, füttern kannst und deren Mund sich durch einen Reisverschluss verschließen lässt. Mein Favorit ist übrigens – auch auf Grund des Namens – das Sorgenfresserchen, Ernst, 27 cm. Meiner hat auch einen Nachnamen und heißt Ernst Deslebens!

Morgen wirst es leichter sein, wenn du jetzt beginnst!

Du darfst es dir leichter machen und dir all die Unterstützung holen, die du brauchst. Du musst das nicht alleine schaffen. Ich konnte es definitiv nicht. Und es ist mir schwergefallen, mir das einzugestehen…

Hast du eine Therapeutin, einen Therapeuten, mit dem du gut zusammenarbeiten kannst?

Gibt es eine Selbsthilfegruppe, die du regelmäßig besuchst?

Wie redest du mit dir und verbringst du häufig „qualitativ hochwertige“ Zeit mit dir selbst?

lebenshungrige Grüße

Simone