Wir alle kennen unzählige Momente in unserem Leben, in denen der Ur-Glaubenssatz uns in die Quere kommt: Ich bin nicht gut (genug)!

Er äußert sich in diversen „Spielarten“ die da lauten: Ich bin nicht dünn genug, ich bin nicht schön genug, ich bin nicht jung genug, ich bin nicht schlau genug, ich bin nicht (erfolg)reich genug, usw. Dieser Ur-Glaubenssatz, in all seinen unterschiedlichen Ausprägungen, wurde uns quasi in unserer Kindheit durch unterschiedliche Erlebnisse einprogrammiert.

Wir haben Situationen erlebt, in denen wir beschämt wurden, in denen wir alleine waren und Angst hatten. Aus diesen unschönen Erfahrungen haben wir unbewusst geschlossen, dass es an uns liegen muss, dass mit uns etwas nicht stimmt, dass wir nicht gut genug sind.

Denn sonst wäre all das Negative nicht passiert, oder?

Doch viele von uns haben einen weiteren Glaubenssatz verankert, der da lautet: Ich darf nicht zu gut sein! Auch er hat sich durch Erfahrungen in unserer Vergangenheit verfestigt. Wir haben Situationen erlebt, in denen wir aus der Menge hervorgestochen sind, in irgendeiner Form besser waren als andere, aufgefallen sind. Und wieder wurden wir beschämt, waren ängstlich und alleine, fühlten uns irgendwie schuldig.

Wieder einmal lag es an uns, oder?

Innere Zerrissenheit als Folge

Im Grunde ist der Glaubenssatz „Ich darf nicht zu gut sein!“ auch eine Spielart des Ur-Glaubenssatzes.

Denn wenn ich „zu gut“ bin, bin ich auch falsch, also wieder nicht „gut genug“ im Sinne von „richtig“…

Doch wer einerseits Angst hat nicht gut genug zu sein und andererseits Angst hat, zu gut zu sein, fühlt sich innerlich zerrissen.

Einerseits glaubst du, dich stark anstrengen zu müssen, andererseits darf es bloß nicht zu viel sein. Beide Seiten zerren an dir.

Wenn ich nur wollte, wie ich könnte oder wenn ich nur könnte, wie ich will?

Rückblickend sehe ich meine eigene Schulzeit als Paradebeispiel für diesen (inneren) Konflikt.

Das Kind

Ich habe kaum Erinnerungen an meine Grundschulzeit und dafür gibt es sicherlich Gründe…

Denn das was ich noch weiß ist negativ, angst- und schambesetzt.

Das größte Unsicherheitsrisiko war eine bestimmte Lehrerin. Vor ihr mussten wir einzeln vorsingen und sie kritisierte öffentlich. Und machte jemand im Deutschunterricht einen Fehler, verunsicherte sie erst ordentlich, baute Druck auf und „wunderte“ sich dann, dass wir unsere Fehler nicht gleich selbst korrigieren konnten. Und dann ließ sie uns schwitzen und schmoren…

Gefüttert wurde meine eigene Unsicherheit auch noch durch mein Elternhaus. Denn auf Grund einer chronischen Erkrankung wollte mich meine Mutter stets zu sehr schonen und mir zu viel abnehmen. Unbewusst vermittelte sie mir jedoch auch dadurch häufig: Du kannst es nicht (alleine)!

Nach dem Schulwechsel passierte dann im fünften oder sechsten Schuljahr etwas, dass mich die folgenden Jahre ebenfalls stark beeinflussen sollte. Ich schrieb die beste Deutscharbeit und wurde von der Lehrerin öffentlich erwähnt und gelobt. Ungläubig begann ich mich zu freuen. Bis ich die Reaktion einer guten Freundin wahrnahm. Im Gegensatz zu den meisten anderen freute sie sich nicht mit mir. Und das änderte sich auch in den nächsten Tagen nicht. Im Gegenteil, sie zog sich zurück und strafte mich mit Missachtung für meine Leistung.

Ich machte die Erfahrung, dass „zu gut sein“ auch weh tut und gefährlich sein kann…

Der Teenager

Im Teenageralter wurde ich mir zum ersten Mal dieser inneren Zerrissenheit bewusst, ich konnte sie aber nicht so recht greifen, litt unter ihr. Und ich tat das, was viele in diesem Alter tun: Ich lenkte mich ab und konzentrierte mich auf mein Aussehen. In der unbewussten Hoffnung endlich Bestätigung (von Außen) zu bekommen und dadurch (innere) Sicherheit zu haben. Die Geburtsstunde meiner Essstörung…

Was meine schulischen Leistungen betrafen, so war ich einerseits mündlich kaum vorhanden, denn ich hätte ja etwas Falsches sagen können. Andererseits schrieb ich in einigen Fächern sehr gute Arbeiten ohne zu lernen. Hausaufgaben erledigte ich kaum oder vor dem Unterricht. Ich erinnere mich an eine konkrete Situation – wieder im Deutschunterricht. Unser Lehrer las den Aufsatz einer Mitschülerin vor und er war wirklich gut. Und in mir tauchte der Gedanke auf: „Wenn du das hier endlich mal ernst nehmen würdest, könntest du das noch besser!“

Doch im Grunde sorgte meine innere Zerrissenheit dafür, dass ich im Außen in der Masse unter ging und nicht auffiel.

Und war das nicht genau das, was sich mein verletztes und verunsichertes Inneres Kind wünsche?

Die Studentin

Je älter ich wurde, desto mehr erlaubte ich mir gut zu sein. Und umso größer wurden meine Versagensängste. Der höchste Abschluss den ich habe, ist vom Notendurchschnitt her auch der beste. Doch es ist auch der, der mich unglaublich viel gekostet hat.

Denn in dieser Zeit wuchsen auch meine inneren Widerstände. Und wieder fühlte ich mich zerrissen. Einerseits wollte ich endlich zeigen was ich konnte, andererseits hatte ich Angst zu versagen. Und dann gab es noch diesen Anteil, der gegen all das rebellierte, der keinen Sinn in den Inhalten und im Ablauf dieses Studiums sah.

In mir war ein Schlachtfeld und diese inneren Kämpfe wurde mit Hilfe der Essstörung ausgetragen…

Rückblickend kein Wunder, dass diese Zeit die Hochzeit meiner Essstörung war und ich damals auf Grund dieser Heftigkeit intensiv begann, mich mit mir und der Essstörung auseinander zu setzen.

Und es wurde dadurch auch die Zeit, in der meine Essstörung endlich verhungerte.

Die Lebenshungrige

Heute ist mir klar, wie und warum diese Glaubenssätze in mir entstanden sind und warum ich mich ab einem gewissen Zeitpunkt häufig so zerrissen gefühlt habe. Ich weiß, dass es nicht an mir lag.

Es lag an den Verletzungen und der Unsicherheit die ich durch meinen Sozialisationsprozess in mir hatte und die dazu führten, dass ich mich als „nicht richtig“ wahrgenommen habe.

Nur dadurch konnte das Verhalten der Grundschullehrerin und meiner Freundin bei mir auf „fruchtbaren Boden“ fallen.

Es geht hier nicht um Schuld.

Denn beide hatten offensichtlich ebenfalls ihre Themen:

Die Grundschullehrerin hinterließ nach ihrem Tod Schulden und Chaos, sie war kaufsüchtig…

Meine damalige Freundin wurde später magersüchtig…

Und ihr Verhalten hatte im Grunde nichts mit mir zu tun. Es ging um ihre eigenen Themen!

Doch das konnte ich als Kind nicht verstehen.

Und gerade in den Anfangszeiten von lebenshungrig gab es immer mal wieder Momente, in denen die „alte Programmierung“ sich meldete.

Was glaubst du denn, wer du bist, du bist doch keine Expertin?!?

Wenn die Idee auf deinem Mist gewachsen ist, kann sie nicht gut sein!?!

Werde bloß nicht zu bekannt, dann kommen die Neider und machen dich fertig!?!

 

Wenn ich heute merke, das sich alte Ängste und Zweifel melden, wende ich mich immer an den Ursprung, an das Innere Kind.

Ich nehme meine Meditationshaltung ein, schließe die Augen, atme tief, gehe nach Innen.

Und dann schaue ich, was für ein Bild von mir als Kind in welcher Situation auftaucht.

Dann versichere ich diesem Kind, dass es nicht Schuld ist, dass es nicht falsch ist.

Ich zeige diesem Kind, dass ich es sehe und verstehe. Und ich tröste es und vermittele ihm Sicherheit.

Wenn es sich gut fühlt, verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal.

Und diese Übung möchte ich dir heute ans Herz legen, es ist eine einfache und effektive Möglichkeit, deine Seele zu füttern.

Führe sie immer wieder durch und du wirst merken, dass du innerlich stärker und sicherer wirst.

Wenn du eine angeleitete Meditation dazu möchtest, dann schau‘ dir doch mal die SelfhelpSession Pure n‘ Secure an.

Falls Meditieren nicht so dein Ding ist, schreibe diesem deinem Inneren Kind einen Brief. Und dann noch einen…

Oder finde eine andere Möglichkeit, die verletzten Anteile in dir zu heilen.

Denn dadurch entziehst du der Essstörung die Nahrung!

Entscheidend ist:

SELBSTERKENNTNIS: Wer bin ich und wie bin ich?

SELBSTVERSTÄNDNIS: Warum bin ich so geworden und was kann ich tun, um gesünder und glücklicher zu werden?

SELBSTANNAHME: Ich bin gut, wie ich heute bin! Ich bin heute da, wo ich sein soll um dorthin zu kommen, wo ich hin will!

lebenshungrige Grüße

Simone

Es gibt diese dunklen Augenblicke in unserem Leben, in denen uns alles als sinnlos erscheint. Momente, in denen wir glauben, dass wir es nicht schaffen, dass wir zu denjenigen gehören, die ihren Weg „Raus aus der Essstörung, rein ins Leben“ nicht zu Ende gehen können. Phasen, in denen wir gefühlt die hundertsiebenundfünfzigste Runde um die gleiche Herausforderung drehen, ohne endlich anders damit umgehen zu können.

Wir machen und tun und doch passiert scheinbar nichts.

Dadurch kommen wir uns vor, wie der Hamster in seinem Rad.

Halte das Rad an

In diesen Momenten fühlen wir uns überfordert und hilflos. Und vielleicht sind wir das tatsächlich gerade. Doch weißt du was? Das ist okay. Es ist nicht toll, doch es ist aktuell so. Und häufig nimmt uns die Annahme der Realität schon einiges an Negativität. Halte das Hamsterrad an, mache eine Pause, gönne dir einen ruhigen Moment mit dir selbst, anstatt dich permanent in blindem Aktionismus oder Hirn zermatern zu verlieren.

Mache dir bewusst, dass du auch mal hilflos und überfordert sein darfst. Das ist menschlich!

Und nur, weil du heute etwas nicht schaffst, egal wie viel Mühe du dir auch gibst, egal wie sehr du darüber grübelst, bedeutet das nicht, dass du es nächste Woche auch nicht schaffst.

Wie oft habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass ich ein Problem unbedingt lösen wollte – doch egal wie sehr ich mich anstrengte – es passierte nichts. Und dann, einige Tage, Wochen oder auch Monate später löste sich das Problem wie von selbst oder ich konnte es plötzlich ganz einfach lösen.

Nähre deine Seele

Wende dich bewusst von der Herausforderung ab und hin zu dir. Mache etwas, was dir gut tut und/oder dir Freude bereitet. Schaue dir einen lustigen oder einen inspirierenden Film an, gönne dir eine Massage, mache einen spontanen Ausflug. Melde dich zu einem Seminar oder Retreat an.

Beende den Satz: „Ich wollte doch schon immer mal…“ Und dann: Just do it!

Um glücklich und gesund zu werden ist es notwendig zu wissen, womit du deine Seele satt machen kannst. Doch das Wissen alleine hilft natürlich nicht, du musst diese Dinge auch tun. Das ist so entscheidend! Immer wieder stellen wir uns selbst ein Bein indem wir diesen „Luxus“ hinten an stellen. Wir glauben, dass wir so etwas dann machen können, wenn wir gesund sind, wenn wir die Zeit dazu haben, wenn wir…?!?

An dieser Stelle ist es wichtig zu verstehen: Dieses Seelenfutter ist kein Luxus sondern „Grundnahrungsmittel“, es ist die Basis!

Schreibe. Meditiere. Rede. Tanze. Lache.

Verbringe alleine Zeit in der Natur.

So simpel. Zu einfach?

Nein. Denn es funktioniert nur, wenn du es auch tust. Wieder und wieder und wieder…

All diese Basics haben mittlerweile oberste Priorität in meinem Leben. Ich kann es mir nicht leisten, sie als Luxus zu betrachten.

Denn sie machen mich gesünder, glücklicher, kreativer und effektiver.

Wenn ich heute beispielsweise über eine Weiterbildung, einen Reatreat, ein Seminar, etc. lese und ich fühle mich angesprochen, kommt auch die alte Stimme die sagt: „Ach das muss doch jetzt nicht sein, das ist zu teuer, da wirst du auch nichts Neues mehr erfahren,… etc.“ Ich nehme diese Stimme wahr, doch ich höre auf meine erste Reaktion und melde mich an. Bisher hat es sich immer gelohnt. Denn jede Minute und jeden Euro den ich in das investiere, was mir selbst wirklich wichtig ist, kommt in anderer Form zigfach zu mir zurück.

Teile was du hast

Sitzen wir im gedanklichen Hamsterrad, drehen wir uns auf ungesunde Weise um uns und unsere Themen. Dann kann ein bewusster Blick über den eigenen Tellerrand hinaus hilfreich sein. Hier geht es nicht darum, uns selbst die innere Bratpfanne überzuziehen und uns beispielsweise zu sagen:

In Afrika verhungern die Menschen und ich verschwende Lebensmittel weil ich sie in mich hineinstopfe und wieder auskotze!

Mit diesem selbstzerstörerischen Gedanken rettest du weder dich, noch ein einziges Menschenleben in Afrika. Der weitaus hilfreichere Gedanke ist:

Was kann ich mit Leichtigkeit für andere Menschen tun, was sie selbst nicht tun können?

Vielleicht kannst du spontan Geld für eine wohltätige Organisation spenden. Möglicherweise gibt es aber auch Menschen in deiner direkten Umgebung, denen du leicht und schnell etwas Gutes tun kannst. Ich rede hier nicht von totaler Aufopferung für andere oder davon, die Bedürfnisse anderer über deine eigenen zu stellen.

Ich rede von den Dingen, die für dich eine Kleinigkeit sind, für andere aber etwas Großes sein können.

Damit hilfst du nicht nur deinem Gegenüber, sondern auch dir selbst. Denn du kannst die Erfahrung machen, dass du mit Leichtigkeit handeln und etwas erreichen kannst. Es nimmt dir das Gefühl von Hilflosigkeit und kann dazu führen, dass du dadurch in Bezug auf dein eigene Herausforderung leichter eine Lösung finden und ins Handeln kommen kannst.

Wenn ich so einen Hamsterrad-Moment habe, dann veröffentliche ich beispielsweise auf der Facebook-Seite von lebenshungrig einen Beitrag anderer Personen, die einen tollen Artikel geschrieben oder ein hilfreiches Buch herausgebracht haben, und die nicht die Möglichkeit haben, so leicht so viele andere Menschen zu erreichen. Und wenn mir dann bewusst wird, dass ich mit Leichtigkeit mehrere Tausend Menschen erreichen kann, werde ich dankbar und komme leichter zurück in meine Kraft.

Blicke zurück

Häufig glauben wir, weiter/besser/schneller sein zu müssen, als wir sind. Vielleicht kennst du das berühmte Zitat aus Der Kleine Prinz: „Wir sind nie zufrieden, dort wo wir sind!“ Die Teilnehmerinnen von LEICHTER führen ein sogenanntes Logbuch. Das ist eine Art Tagebuch, welches unter anderem als „Beweismittel“ für die eigenen Fortschritte dient. Denn in regelmäßigen Abständen wird das Logbuch gelesen und Erkenntnisse und verändertes Handeln werden markiert. Dadurch ist der eigene Weg schwarz auf weiß festgehalten und durch das Lesen werden sich die Teilnehmerinnen dieser Tatsache bewusst.

Doch auch ohne ein Logbuch ist der Blick zurück hilfreich. Schaue dir bewusst an, wo du her kommst. Finde deine Fortschritte. Vielleicht befindest du dich gar nicht in einem Hamsterrad, sondern glaubst nur in einem zu sein, weil du nicht an der Stelle bist, wo du glaubst, sein zu müssen?

Gerade in der letzten Phase meiner Essstörung hatte ich viele gefühlte Hamsterrad-Momente und dachte, dass ich – egal was ich tue – einfach nicht von der Stelle komme. Immer wieder gab es Rückfälle. Rückblickend kann ich sagen, dass all diese Momente wichtig und notwendig waren. Ich weiß heute auch, dass ich gar nicht auf der Stelle trat, es kam mir nur so vor.

Du bist kein Hamster, der endlose Runden in seinem Rad dreht und dabei nicht von der Stelle kommt.

Du bist eine Langstreckenläuferin, die sich ihre Kräfte einteilen muss und die mal langsam und mal schneller läuft.

Und auch wenn du gerade nur gehst, kommst du voran!

lebenshungrige Grüße

Simone

Je verzweifelter du versuchst Etwas zu beherrschen, umso mehr beherrscht es dich.

Das trifft nicht nur auf das Essen bzw. auf den Hunger oder unseren Körper zu.

Es ist beispielsweise auch auf Geld, Beziehungen und Erfolg übertragbar.

Doch warum fangen wir überhaupt mit diesem Kampf an?

Ich denke es liegt daran, dass uns zwei entscheidende Eigenschaften fehlen: Akzeptanz und (Selbst)Vertrauen.

In Bezug auf das Essen bzw. unseren Körper ist es doch so, dass wir ihn zunächst nicht akzeptieren können, wie er ist. Wir möchten ihn dünner und definierter haben. Denn wir glauben, dass mit einem Körper, der unserer Vorstellung von Perfektion bzw. dem gängigen Schönheitsideal entspricht, automatisch das perfekte Leben einhergeht. Und es ist in der heutigen Zeit leicht, diesem Irrglauben zu verfallen. Denn wir leben in einer Welt in der die Kardashians und Katzenbergers uns demonstrieren, dass man mit körperlicher „Optimierung“ – selbst wenn sie vom Schönheitschirurgen modeliert wurde – sehr (erfolg)reich werden kann.

Doch was wir bekommen, ist ein Leben, das plötzlich von dem beherrscht wird, was wir anfangs versuchten, zu beherrschen: ESSEN.

Und das liegt an zwei Tatsachen, die wir nicht akzeptieren. Anfangs vor allem deshalb, weil sie uns nicht bewusst sind:

Ein „perfekter“ Körper alleine macht niemanden dauerhaft glücklich.

Unser Körper ist auf Überleben ausgerichtet und hat deshalb langfristig mehr Macht als unser Wille.

Wir können unseren Körper nicht dauerhaft kontrollieren bzw. wenn wir es versuchen, zahlen wir einen sehr hohen Preis dafür. Doch dahinter steht der (unbewusste) Wunsch, unser Leben zu kontrollieren. Denn es fehlt uns an (Selbst)Vertrauen. Wir begreifen nicht, dass unser Körper unser Diener sein will und machen ihn zu unserem Herrscher. Wir machen ihn zu unserem Feind, der angeblich zwischen uns und unserem Glück steht und geben ihm dadurch mehr Macht, als uns und ihm gut tut.

Wir gehen in den Kampf mit ihm und versuchen ihn zu unterwerfen. Manchmal gewinnen wir eine Schlacht, doch er gewinnt immer den Krieg. Nicht weil er uns schaden will, sondern weil er überleben muss. Damit wir überleben können. Mit anderen Worten: Wenn wir ihn zu unregelmäßig und mit zu wenig Nahrung versorgen, lernt er, mit immer weniger auszukommen und das Wenige das er bekommt, bis ins Letzte zu verwerten. Und darin sehen wir einen Verrat und vertrauen ihm immer seltener und missbrauchen ihn noch mehr.

Die Krux ist: Erst wenn dein Körper dir wieder vertrauen kann, kannst du deinem Körper vertrauen.

Wahre Sieger kapitulieren

Was ich gemacht habe, um gesund zu werden?

Ich habe aufgegeben!

Damit aufgehört, gegen das Essen, gegen meinen Körper, gegen das Leben – gegen die Realität – zu kämpfen.

Und ich habe angefangen, zu vertrauen. Meinem Körper, dem Essen, dem Leben. Und vor allem mir selbst.

Ich habe all die alten Überzeugungen, Programmierungen und Glaubenssätze aufgegeben.

Und dadurch hat Neues Platz in meinem Denken, Fühlen und Handeln gefunden.

Als Folge dessen habe ich andere „Ergebnisse“ bekommen, die wiederum mein neues Denken, Fühlen und Handeln gefüttert haben.

Kapitulation bedeutet nicht Resignation!

Zwar fand meine endgültige Kapitulation tatsächlich auf dem Boden neben der Toilette sitzend statt.

Doch von da an habe ich nicht mehr passiv und erledigt in der Ecke gesessen.

Im Gegenteil, ich fühlte mich leichter und freier. Und ich konnte endlich anders handeln.

Ich akzeptierte, dass ich weder meine Kindheit noch meine Krankheit rückgängig machen kann.

Doch ich muss mich heute von beidem nicht mehr beherrschen lassen. Denn ich habe meinen Frieden damit gemacht.

Das konnte ich, nachdem ich mir meine Geschichte genau angeschaut und verstanden habe, dass ich nicht anders werden konnte, als ich geworden bin. Und dieser Prozess hat Jahre gedauert und war gepflastert von unzähligen Rückschlägen und Rückfällen.

Niemand ist Schuld. Alle haben versucht, ihr Bestes zu geben.

Doch auch die anderen haben ihre Altlasten zu tragen und geben sie unbewusst weiter.

Ich habe die Last abgeworfen. Für mich und für die vor mir. Vor allem für die, die nach mir kommen.

Jetzt kann ich Leichtigkeit und Freiheit weiter geben.

Habe ich mein Leben heute im Griff?

Nein! Ich lasse das Leben auf mich zukommen: Ich übe mich weiter in Akzeptanz und (Selbst)Vertrauen.

Konkret bedeutet das, dass ich nur das Nötigste plane und keine konkreten Vorstellungen in Bezug auf meine Zukunft habe.

Erfahrungsgemäß sind die Pläne des Lebens besser als meine…

Die Idee und Umsetzung von lebenshungrig.de ist der beste Beweis dafür.

Sind Druck und Angst deshalb ganz verschwunden? Nein!

Doch sie sind deutlich seltener und schwächer.

Deshalb muss ich sie nicht mehr durch Essen/Kotzen/Hungern kompensieren und sie beherrschen mich auch nicht mehr.

Ich akzeptiere Druck und Angst und vertraue darauf, dass es gerade Etwas zu lernen für mich gibt.

Und ja, manchmal kann ich das auch erst, nachdem ich es mit ein klein wenig Kampf versucht habe…

Progress not Perfection!

Hör‘ auf zu kämpfen und fange an zu verstehen

Ein erster Schritt kann ein ehrlicher Gedankensalat (schriftliches „Auskotzen“ auf Papier, das kein anderer zu lesen bekommt) darüber sein, wohin dich dein Kampf bisher geführt hat und wie Kapitulation heute für dich aussehen kann. Ein zweiter Schritt kann der Entschluss zu einer (neuen/anderen) Therapie/Selbsthilfegruppe etc. sein, denn du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Ein dritter Schritt kann die bewusste (schriftliche) Ausrichtung auf deine Ressourcen sein, auf die Dinge/Fähigkeiten, die du hast, kannst, bist. Denn das Positive wiegt oft zu wenig in unserem Bewusstsein. Doch du bist eine Erfolgsgeschichte, denn du bist – trotz allem was du bisher erlebt hast – noch da!

Finde deine Schritte und gehe sie. Tag für Tag. Egal wie winzig sie dir vorkommen. Die Richtung ist entscheidend.

Und wenn du das Gefühl hast, nicht schnell genug zu gehen und nicht weit genug zu sein, dann erinnere dich an zwei Wörter:

AKZEPTANZ: Ich bin da, wo ich bin!

(SELBST)VERTRAUEN: Und genau da soll ich gerade auch sein um dort hin zukommen, wo ich hin will!

lebenshungrige Grüße

Simone

Es soll Ärzte und Therapeuten geben, die ihren Patientinnen/Klientinnen vermitteln, dass man von einer Essstörung nicht komplett genesen kann. Mit anderen Worten: In schwierigen Situationen wirst du wie gewohnt mit essen/hungern/kotzen kompensieren oder zumindest den Druck haben, es tun zu wollen.

Ich persönlich teile diese Meinung nicht, denn ich habe eine andere Erfahrung gemacht: Seit über 20 Jahren habe ich nicht mehr kompensiert bzw. das Verlangen danach gehabt. Und ja, selbstverständlich gab es diverse Herausforderungen in meinem Leben während dieser Zeit. Ich habe auch keine Angst mehr vor Buffets, All Inclusive oder All You Can Eat. Es gibt für mich keine Einteilung mehr in „gesund“ oder „ungesund“, „gut“ oder „schlecht“, „kalorienarm“ oder „kalorienreich“ oder was auch immer. Und ich bin die überzeugte Nicht-Besitzerin einer Waage, die kontinuierlich Größe 34/36 trägt.

Doch das Entscheidene ist für mich nach wie vor:

Diese permanent um das Essen und um mein Gewicht kreisenden Gedanken sind nicht mehr da. Ich habe die Verantwortung für das Essen und für mein Gewicht zu 100% an meinen Körper abgegeben und mache seit dem jeden Tag auf’s Neue die Erfahrung, dass er das perfekt kann. So viel besser und gesünder als meine perfektionistischen, kranken Gedanken.

Ich behaupte heute sogar, dass ich ein gesünderes Verhältnis zu Essen und zu meinem Gewicht habe, als die meisten Frauen, die nie eine Essstörung hatten.

Die wichtigeste Erkenntnis die ich hatte war, dass weder das Essen noch mein Gewicht mein ursprüngliches Problem waren. Mein Mangel an Selbstwertgefühl und der daraus enstandene Hunger nach meinem eigenen Leben war mein eigentliches Problem. Deshalb ist einer Essstörung meiner Erfahrung nach nie über Ernährungspläne, Essprotokolle o. ä. beizukommen. Es kann für eine kurze Zeit hilfreich sein, Essprotokolle zu führen um besser zu verstehen, in welchen Situationen Druck entstanden ist und wie/was/wann deshalb kompensiert wurde. Doch als Dauerlösung und zu Kontrollzwecken empfinde ich das als kontraproduktiv.

Das Wichtigste war für mich, meiner Genesung oberste Priorität einzuräumen und die Unterstützung zu finden, die tatsächlich funktioniert hat. Zum einen waren das Profis, zum anderen Betroffene. Mit deren Hilfe habe ich gelernt, mich besser kennen, verstehen und mögen zu lernen. Ich begriff, dass ich auf Grund meiner Geschichte nicht anders werden konnte, als ich geworden bin. Ich verstand, dass ich nicht Schuld war, dass niemand Schuld war.

Und wie sollte ich mich dann noch hassen und verurteilen?

Ich lernte, dass meine Gedanken über mich und das Leben – dieser Film der in meinem Kopf unbewusst immer wieder ablief – sehr negativ und voll von überhöhten Ansprüchen an mich war. Und ich begriff, dass ich diese Ansprüche nie würde erfüllen können. Weil sie unrealistisch waren und ausschließlich dazu dienten, meinen Ur-Glaubenssatz „Ich bin nicht gut (genug)“ zu füttern. Ich lernte, gesunde Grenzen zu setzen, meine Bedürfnisse zu erkennen und zu artikulieren und ich hörte damit auf, „everybodys Darling“ sein zu wollen.

Es war nicht mehr so wichtig, ob andere mich gut fanden, denn plötzlich fand ich mich gut.

Und dann war sie verhungert, meine Essstörung, denn sie bekam keine Nahrung mehr.

Weder ich, noch Ärzte oder Therapeuten, können wissen, ob du wieder ganz gesund wirst. Doch das ist nicht entscheidend.

Wichtig ist, dass du den Wunsch danach und den Glauben daran nicht verlierst!

Auch ich hatte dunkle Stunden und Tage, in denen ich es nicht mehr für möglich hielt.

Doch dann war sie plötzlich wieder da:

Diese kleine, leise, innere Stimme die sagte: Der Tag wird kommen, an dem du wieder so unbeschwert essen wirst, wie ein Kind!

Und dieser Tag ist gekommen. Er kommt jeden Tag wieder. Seit über 20 Jahren.

Gib dir heute (schriftlich) Zeit und Raum, deine innere Stimme zu finden!

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Der „Ur-Glaubenssatz“ von essgestörten Frauen lautet meiner Erfahrung nach: Ich bin nicht gut (genug)!

Er zeigt sich in seinen Spielarten:

Ich bin nicht dünn genug!

Ich bin nicht schlau genug!

Ich bin nicht hübsch genug!

Ich bin nicht sexy genug!

Ich bin nicht (erfolg)reich genug!

Ich bin nicht beliebt genug!

Die „Ur-Gefühle“ dazu sind Scham und Angst.

Die Scham, weil wir glauben, nicht gut genug zu sein und die Angst davor, dass andere Menschen genau das herausfinden könnten.

Beide Gefühle sind dafür verantwortlich, dass Frauen mit Essstörungen sich so schwer damit tun, Hilfe in Anspruch nehmen.

Denn alle glauben, dass nur sie alleine so willensschwach sind, so komische Gedanken und intensive Gefühle haben.

Und sie glauben, dass sie irgendwie selbst daran Schuld seien und deshalb auch alleine mit der Essstörung klar kommen sollten.

 

Sowohl beim Retreat „SELBST? SICHER!“ als auch während des MindDetox Days „Verzeihen & Befreien“ haben die Teilnehmerinnen ihr Inneres nach Außen gekehrt, in dem sie ihre Gedanken und Gefühle zu verschiedenen Themen/Situationen zunächst aufgeschrieben und dann den anderen vorgelesen haben.

Weder ich noch die anderen Frauen haben das kommentiert, wir haben einfach nur zugehört.

Wir haben uns selbst wieder erkannt in den Worten der anderen und die Vorlesende hat sich dadurch in uns wieder gefunden.

Sie hat verständnisvolle und mitfühlende Blicke erhalten und so manche heilende Träne ist geflossen.

Das scheinbar Unansprechliche wurde gesagt und die erwartete Verurteilung erfolgte nicht. Im Gegenteil.

Es gab Annahme auf der einen und Erleichterung auf der anderen Seite.

 

All das Negative ist „nur“ in deinem Kopf.

Und es ist wichtig, es dort einmal raus zu holen.

Schreibe doch heute mal auf, wofür und warum du dich schämst und welche Ängste damit verbunden sind.

Und dann setze dich vor einen Spiegel und lies dir all das langsam vor und gib dir Zeit, es zu verdauen.

Frage dich jedes Mal: Wie würde ich reagieren, wenn das eine gute Freundin betreffen würde?

Hätte ich Mitgefühl und Verständnis für sie, oder würde ich sie verurteilen und verdammen?

Wenn du magst, verbrenne dein Geschriebenes danach.

Und belohne dich danach – mit einem Schaumbad, einem Spaziergang oder einem guten Buch etc. – für deinen Mut und deine Ehrlichkeit dir selbst gegenüber!

 

Lebenhungrige Grüße

Simone

 

Perfektionismus ist der Zwilling der Essstörung.

 

Am Samstag fand der erste MindDetoxDay mit dem Thema „Verzeihen und Befreien“ in Marburg statt.

Und die wunderbaren, mutigen Teilnehmerinnen haben großartige Arbeit geleistet und entscheidende Erkenntnisse gehabt.

Gegen Ende haben alle noch mal aufgeschrieben, wie ihre „innere Perfektionistin“ mit dieser Erfahrung umgeht.

Ich habe sie bewusst aufgefordert, diese Stimme nicht zu verdrängen, sondern ihr Raum zu geben.

Alle Sätze sollten mit „Ich muss…“ anfangen.

Und unter anderen sind diese Sätze dabei herausgekommen:

Ich muss alles sofort umsetzen!

Weil ich mir heute Zeit für mich genommen habe, muss ich mich heute Abend intensiv um Kind, Haushalt, Mann, etc kümmern!

Ich muss mich zurücknehmen, denn es geht anderen noch schlechter als mir!

Diese Aussagen unserer „inneren Perfektionistin“ erzeugen Druck und füttern die Essstörung.

Denn solche extremen Ansprüche sind nicht zu erfüllen und damit bestätigen wir uns den Ur-Glaubenssatz: Ich bin nicht gut genug!

 

Was also tun?

Wir haben uns alle Sätze noch mal angeschaut und so lange damit „gespielt“, bis sie sich leichter angefühlt haben.

Dabei ist es wichtig, auf Wörter wie „müssen“, „immer“, „sofort“ und „alles“ zu achten.

Aus „Ich muss sofort alles umsetzen!“ können beispielsweise folgende Varianten entstehen:

Mit der Zeit kann ich Einiges umsetzen!

Ich muss nicht alles sofort umsetzen!

XY will ich gerne umsetzen!

Ich darf entscheiden, was ich wann und wie umsetzen möchte!

etc.

 

Wenn du dich das nächste mal von deiner „inneren Perfektionistin“ unter Druck gesetzt fühlst, bekämpfe sie nicht, sondern gib ihr eine Stimme.

Schreibe auf, welche Ansprüche sie hat und lies dir die Sätze laut vor.

Vielleicht wird dir dadurch schon leichter ums Herz und du wirst lächeln, weil einige Ansprüche so absurd unmöglich sind.

Und dann „spiele“ mit den Sätzen, ersetze vor allem die genannten Wörter, bis es sich leichter für dich anfühlt.

Lebenshungrige Grüße

Simone

 

Schuld und damit verbundene Scham gehören zum Lieblingsfutter von Essstörungen.

Alte Schuld- und Schamgefühle sind – unter anderem – verantwortlich dafür, dass du eine Essstörung als Überlebensstrategie „gewählt“ hast.

Und gleichzeitig füttert die Machtlosigkeit gegenüber der Essstörung neue Schuld- und Schamgefühle.

Es ist ein Teufelskreis.

Doch der Ausstieg ist möglich.

 

Schreibe dir auf, warum du dich wofür schuldig fühlst.

Und dann schließe die Augen und stell dir vor, du sitzt in einem Kino und siehst deinen „Schuldfilm“.

Bleibe dabei in der Rolle der Zuschauerin und werde nicht zur Schauspielerin auf der Leinwand.

Du wirst erkennen, dass die Schauspielerin – gefangen in ihrem Film – nicht anders handeln konnte, als sie gehandelt hat.

Doch du als Zuschauerin kannst heute anders handeln.

Und dadurch kannst du die Bereitschaft entwickeln, der Schauspielerin zu vergeben.

Weil du gesehen hast, dass sie damals nicht anders konnte.

In einem nächsten Schritt kannst du aufschreiben, was du aus dieser alten Situation gelernt hast.

Ist vielleicht sogar etwas Gutes daraus entstanden?

 

Während der Auseinandersetzung mit der Essstörung habe ich an einem gewissen Punkt verstanden, dass ich früher einfach nicht anders handeln konnte, als ich gehandelt habe.

Und in dem Moment begriff ich, dass ich nicht Schuld war. Und ich schämte mich auch nicht mehr.

Denn ich verstand, dass ich in jedem Moment versucht hatte, mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln, mein Bestes zu geben.

Es war mir dann auch nicht mehr wichtig, ob andere das genau so sahen.

Ich musste niemanden mehr überzeugen oder brauchte Absolution von anderen Menschen.

Mit der Zeit entwickelte ich Verständnis und Mitgefühl für mich und ich schaute mir weitere „alte Filme“ bewusst an.

Ich begriff auch, dass all diese „Fehler“ der Vergangenheit angehörten und durch meine Selbstverurteilung „nur“ meine Essstörung gefüttert wurde, ich die Vergangenheit aber trotzdem nicht ungeschehen machen konnte.

Als ich dadurch mit der Zeit die Bereitschaft entwickelte, mir zu verzeihen, entstand auch ein Gefühl der Dankbarkeit in mir und ich begann, mir und dem Leben mehr zu vertrauen.

Nur durch das Ende von Schuld und Scham und durch das Nähren von Dankbarkeit und Vertrauen konnte lebenshungrig entstehen.

Gibt dir heute die Chance, aus deinem Schuld-Scham-Rückfall-Teufelskreis auszusteigen.

Alles beginnt mit einem ersten kleinen Schritt, mit dem bewussten Anschauen deines „Schuldfilms“.

Du kannst das!

 

Lebenshungrige Grüße

Simone

Wie oft stellst du die Wünsche und Bedürfnisse anderer über deine eigenen?

Und hast du dich schon mal gefragt, warum du das tust?

Ist dir bewusst, dass du das nicht umsonst machst, sondern im Gegenzug etwas von den anderen erwartest?

Die anderen sollen dich deshalb mögen, schätzen, bewundern, lieben.

Sie sollen etwas für dich tun, was du nicht für dich selbst tun kannst.

Sie sollen dir etwas geben, was du dir selbst nicht geben kannst.

Einen Wert, eine Daseinsberechtigung.

Doch was passiert, wenn du es von den anderen nicht bekommst…?

Und was wäre, wenn du es dir selbst geben würdest?

Wenn du wüsstest, dass du wertvoll bist und dass du eine Daseinsberechtigung hast, einfach nur, weil du da bist und nicht, weil du etwas (für andere) machst?

Was wäre, wenn du die Nummer eins in deinem Leben wärst?

Das wäre Egoismus? Wirklich?

Nur wenn du weißt, wer du bist und dass du gut bist, so wie du bist, kannst du anderen etwas geben, ohne etwas von ihnen zu erwarten.

Wie willst du anderen etwas geben, was du selbst nicht hast?

Wie sollen deine Kinder selbstbewusst werden, wenn du es selbst nicht bist?

Wie sollen deine Kollegen dich schätzen, wenn du dich selbst nicht schätzt?

Wie soll dein Partner dir treu bleiben, wenn du dir selbst nicht treu bist?

Du bist der entscheidende und der einzige Mensch, den du verändern kannst.

Und dadurch gibst du oft den anderen die Chance, es auch zu tun.

Kürzlich schrieb mir eine Teilnehmerin des Selbsthilfeprogramms begeistert, dass ihre Mutter durch sie wieder angefangen hätte, regelmäßig zu schreiben und wie gut ihr das täte.

Und das alles „nur“ weil die Tochter ihre eigene Schreibzeit ernst genommen hat und der Mutter davon erzählte.

Vor allem aber, weil die Mutter die positive Veränderung der Tochter erlebte.

Was du dir Gutes tust, tust du – früher oder später – auch anderen Gutes!

Deshalb sei heute gut zu dir!

Achte auf deine Wünsche und Bedürfnisse!

Nimm dich ernst!

Beobachte dich und verurteile dich nicht!

Und schreibe oder male, bastele oder stricke,…

Räume dir bewusst Zeit für die Dinge ein, die dir wichtig sind und die Spaß machen.

Denn damit fütterst du deine Seele!

 

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Es gibt nur einen Menschen, der dafür verantwortlich ist, ob du gesund und glücklich sein wirst, oder nicht.

Dieser Mensch bist du selbst.

Andere können dich unterstützen und dir beistehen, doch „machen“ kann es niemand für dich.

Du kannst es nicht tun, in dem du deinen Fokus weiterhin auf das Essen und auf dein Gewicht richtest.

Und du kannst es nicht tun, in dem du weiter machst wie bisher und hoffst, dass es irgendwie durch irgendwen irgendwann von alleine passiert.

Doch du kannst dir Zeit nehmen und Raum schaffen, damit du dich kennen, verstehen und mögen lernst.

Wenn du dem Selbsthass und den Selbstzweifeln Stück für Stück die Nahrung entziehst, kann die Essstörung verhungern.

Du kannst dir Menschen suchen, die dich auf diesem Weg begleiten und „Werkzeuge“ finden, die dir helfen.

Vor allem kannst du diesem Selbsterfahrungs-Prozess oberste Priorität einräumen in deinem Leben.

Es passt gerade nicht, weil das Studium so stressig ist, die Kinder noch klein sind, du gerade einen neuen Job hast, oder weil…?

Wie lautet deine aktuelle Lieblings-Ausrede?

Jeder Mensch hat jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung.

Und wir bestimmen alle selbst, wie wir diese 24 Stunden verbringen.

Du musst arbeiten? Dich um Familienangehörige kümmern? Lernen? …?

Nein. Das musst du nicht. Sondern du entscheidest dich dafür, es zu tun.

Weil es Konsequenzen haben wird, wenn du es nicht tust.

Und es hat auch Konsequenzen, wenn du vorrangig Zeit in andere Dinge und Menschen investierst und nicht in dich.

Du „bezahlst“ mit noch mehr Krankheit und unglücklich sein.

Du bekommst was du willst, wenn du dir gibst, was du brauchst!

Der Knackpunkt ist, dass es andersherum funktioniert, als wir zunächst glauben:

Wenn du dich gut um dich selbst kümmerst, bist du besser und effektiver in deinem Job oder beim Lernen!

Wenn du dich gut um dich selbst kümmerst, bist du eine bessere und liebevollere Mutter, Partnerin, Tochter,…!

Weil du gesünder und glücklicher sein wirst, wenn du dich gut um dich selbst kümmerst!

Mit anderen Worten:

Gerade dann, wenn du besonders viel um die Ohren hast, ist es besonders wichtig, die Nummer 1 auf deiner Prioritätenliste zu sein!

 

Mach dir doch heute mal (schriftlich) bewusst, welche Ausreden du immer wieder findest und wie du deine Genesung dadurch boykottierst.

Und verurteile dich nicht dafür, erkenne es, verstehe es.

 

lebenshungrige Grüße

Simone

Vor einigen Tagen las ich einen kurzen Dialog zwischen einem „Meister“ und seinem „Schüler“.

Der Schüler fragte seinen „erleuchteten/erwachten“ Meister Folgendes:

„Meister, wie ist es, wenn man erleuchtet/erwacht ist?“

Und der Meister antwortete:

„Wenn ich Hunger habe, esse ich. Und wenn ich müde bin, schlafe ich.“

 

„Wow“, dachte ich, „genau so ist es!“

Ich bin zwar keine erleuchtete/erwachte Meisterin.

Doch in Bezug auf das Essen, bzw. meine Essstörung, ist mir damals durchaus die Leuchte angegangen und ich bin wach geworden.

Signalisierte mir mein Körper früher, dass er Hunger hat, kommentierte mein sogenannter Verstand das beispielsweise so:

 

„Du musst etwas Gesundes essen!“

„Vielleicht kannst du es noch ein wenig herauszögern, es ist noch zu früh!“

„Lass uns auf diese Mahlzeit verzichten, dann wiegst du morgen weniger!“

„Iss dich nur nicht satt, dann nimmst du zu!“

„Du musst erst losziehen, um etwas Fettarmes zu kaufen!“

„Es gibt aber keine Schokolade zum Nachtisch!“

„Vergiss nicht, dass du gerade nach Ernährungsplan XY lebst!“

 

In dem Moment, in dem ich – damals unbewusst –  meinem Kopf immer mehr Kontrolle über meinen Körper gegeben habe, in der Hoffnung, dass mit dem perfekten Körper das perfekte Leben einhergeht, begann meine Essstörung.

 

Heute signalisiert mir mein Körper, dass er Hunger hat. Ich esse etwas. Mein Körper signalisiert mir, dass er satt ist.

Ich höre auf zu essen und denke nicht mehr darüber nach, bis ich wieder Hunger habe.

Wie oft kämpfst du tagtäglich gegen die Signale deines Körpers?

Wie oft schaltet sich dein sogenannter Verstand ein und will es besser wissen?

 

„Wenn ich Hunger habe, esse ich. Wenn ich müde bin, schlafe ich.“

Es ist so schwer, weil es so einfach ist.

Weil es darum geht, die Realität zu akzeptieren und in deinen Alltag zu integrieren.

Achte heute ganz bewusst darauf, wann und wie dein Verstand die Signale deines Körpers boykottiert!

Schreibe über deine Erkenntnisse und verurteile dich nicht dafür.

Es ist, wie es ist. Und nur wenn du das akzeptierst, kann es beginnen, sich zu ändern.

 

lebenshungrige Grüße

Simone