Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Wie ich mich fühle? Ganz ehrlich?

Einsam.

Es ist seltsam, aber auch wenn ich unter Menschen bin fühle ich mich allein. Ich habe das Gefühl, dass mich niemand wirklich kennt, dass mich niemand wirklich versteht. Die Bulimie und ich haben unser Geheimnis. Sie ist da, wenn ER es nicht ist. Sie ist da, wenn scheinbar niemand da ist.

Ich bin die Zuhörerin meiner Freundinnen, bei jedem kleinsten ihrer Probleme. Aber wer ist meine Zuhörerin? Wer hört mir zu? Wer hört meine Hilfeschreie, auch wenn sie noch so leise sind?

Essen und Kotzen. Die Probleme wegessen und den Frust wegkotzen. Danach geht es mir besser. Warum sieht niemand wie es mir geht? Warum sieht niemand dass dieses perfekte Leben alles andere als perfekt ist?

Ich hasse diese Gesellschaft. Ich hasse dieses Schönheitsideal. Wann sieht die Gesellschaft, wie sie selbst daran zu Grunde geht? Was muss passieren, damit mich endlich jemand sieht? Mich endlich jemand hört, versteht und sich meiner annimmt?

Mit jedem Schritt den ich mache, denke ich an die Makel meines Körpers. Meine makelhafte Figur, sonst mache ich doch alles so perfekt. Wieso das mit meiner Figur nicht? In vier Tagen geht’s in den Urlaub. Aber ich kann mich nicht freuen.

Ich habe Angst. Angst vor dem Strand. Angst vor dem Bikini. Angst vor den Männern. Angst vor den Mädels. Ich fühle mich wie eine Seekuh. In jedem Spiegel betrachte ich meinen Bauch und meine Beine. Mein Schultern, meine Backen. Selbst die Fenster reflektieren meine moppelige Figur spöttisch neben den perfekten Figuren meiner Freundinnen.

Ich schäme mich vor IHM. Ich schäme mich, mich auszuziehen. Würde am liebsten einfach immer das Licht auslassen, damit er mich nicht sieht. Ich habe Angst vor dem Sommer. Ich habe Angst vor dem Frühling. Ich habe Angst vor kurzen Hosen, allgemein vor Hosen. Das Freibad und der See werden auch dieses Jahr wieder von mir boykottiert werden. Ich habe solche Angst vor dem Urlaub. Ich habe Angst mich zu zeigen. Im Bikini, fast nackt. Keine retuschierenden Kleidchen oder Tops.

Bald haben wir unser einjähriges, die Bulimie und ich. Wie wir es feiern wird sie mir schon noch zeigen. Die Katerkopfschmerzen schenkt sie mir jeden Morgen aufs Neue. Meine Zähne werden gelb und dünn. Die Tage schlechter, doch keiner scheint es zu bemerken. Jeder sieht nur, was er sehen möchte. Das perfekte Leben. Mein perfektes Leben.

Ich würde so gerne schreien, alles rauslassen. Meinen ständigen Perfektionismus von einer Klippe schubsen. Am besten die Bulimie gleich hinterher. Doch wer bleibt mir dann noch? Ich werde sie nicht los, ich brauche sie. Sie gehört zu meinem Leben, meinem Alltag, zu mir. Ich hasse sie, aber ich kann nicht mehr ohne sie. Ich habe Angst.

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?

Das Aufschreiben und Veröffentlichen deiner eigenen Geschichte hilft dir und anderen!

Schicke mir die Geschichte deiner Essstörung an info@lebenshungrig.de, ich veröffentliche sie anonym.

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Damit unter deiner Geschichte HAPPY END stehen wird: Der Online-Workshop GEWICHTIG

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Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Vielleicht ganz von vorne.

Ich bin als einziges Mädchen mit drei Brüdern aufgewachsen. In einer Familie, in der alle groß, schlank, gutaussehend und aktiv sind. Ich war schon immer dicker als der Rest. Wenn ich mir Kinderbilder ansehe, stelle ich fest, dass ich bis ich 5 war, zwar nicht dick, aber irgendwie kräftiger als meine Brüder war. Mit ca. 6 Jahren fing es an, dass meine Großeltern, Tanten und Onkel mich auf mein Gewicht und mein Essverhalten ansprachen: “wie viele Scheiben Brot hast du schon gegessen?”; “muss das sein, dass du jetzt noch etwas isst?”; “das nächste Mal, wenn wir uns sehen, hast du abgenommen, versprichst du mir das?”

Zu meinen Brüdern immer nur: “Na Jungs, dann lasst es euch mal schmecken”. Hinzu kam, dass meine Brüder bald herausfanden, dass sie mich mit meinem Gewicht wunderbar ärgern konnten. Es fielen üble Schimpfwörter. “Fette Sau” war noch nett.

Meine Eltern haben nichts gesagt oder zumindest nicht genug, um es zu unterbinden. Um meinen Kummer zu vergessen, fing ich an, heimlich zu essen. Jeden Tag habe ich mir Süßigkeiten gekauft. Das Geld dafür habe ich von meinen Eltern geklaut. Sie haben es nicht gemerkt.

Ich wurde immer dicker und mit 14 Jahren wog ich 95 Kilo. Dann änderte sich mein Leben, denn ich begann, Leistungssport zu machen. Ich nahm in drei Monaten über 20 kg ab, denn mit meinem Gewicht hätte ich nicht vorne mitmischen können. Es folgte die übliche Bewunderung. Auf einmal nannte meine Oma mich nicht mehr beim Namen, sondern “mein schlankes Mädchen”. Es war wunderschön, jedenfalls am Anfang. Ich wurde sehr erfolgreich und schaffte es sogar in die Junioren-Nationalmannschaft. Doch selbst mit meinem Gewicht von 75 kg bei 1,78m Körpergröße und jeder Menge Muskeln, war ich immer noch eine der schwersten Sportlerinnen.

Ständig machten andere Trainer Bemerkungen, ich müsse aufpassen. In Trainingslagern mussten wir uns jeden Tag wiegen und so oft es ging, habe ich danach ein falsches Gewicht angegeben. Damals fing es an, dass ich zwischen Hungern und Fressattacken hin und her gerissen war. Ich konnte mir niemals vorstellen, mit dem Leistungssport aufzuhören, denn die 20 Stunden Training in der Woche halfen mir, mein Gewicht zu halten. Ich hatte unheimliche Angst zuzunehmen. Irgendwann war dann aber doch Schluss mit der Karriere. Noch lange habe ich intensiv Sport gemacht, um mein Essverhalten zu kompensieren, aber mittlerweile mache ich nur noch selten Sport. Ich fühle mich zu fett. Es ist mir peinlich, dabei gesehen zu werden.

Heute dreht sich in meinem Leben immer noch alles ums Essen. Ich mache seit zweieinhalb Jahren eine Therapie, aber dort spielt das Essen eigentlich keine große Rolle. Es soll nur um die Dinge gehen, die dahinter liegen. Die Depressionen und die Gründe dafür. Wenn es mir gut geht, merke ich tatsächlich, dass ich weniger ans Essen denke, aber das ist selten und ich fühle mich mit dem Problem allein gelassen.

Ich wünsche mir immer, dass mich jemand an die Hand nimmt und mich da heraus führt, aber bisher kam noch niemand. Zahlreiche Versuche, es allein zu schaffen, sind gescheitert und mein Selbstvertrauen ist, was mein Essverhalten angeht, auf Null geschrumpft. Wenn es ganz schlimm ist mit den Essanfällen, kotze ich hinterher alles wieder aus, aber meistens behalte ich es drin, so als wollte ich mich selbst bestrafen. Denn für mich ist es das Allerschlimmste, dick zu sein.

Ich will nicht schlank sein, ich will dünn sein, richtig dünn. Jede Mahlzeit ist für mich eine Niederlage, die ich jeden Tag und immer wieder aufs Neue durchleben muss. Ich erwische mich manchmal dabei, dass ich mir wünsche, magersüchtig zu sein. Ich weiß, dass es eine schreckliche und lebensbedrohliche Krankheit ist und trotzdem ist der Wunsch, dünn zu sein, in mir so groß, dass mir alles andere egal ist.

Wenn ich richtig dünne Frauen auf der Straße sehe, wünsche ich mir, auch so auszusehen. Obwohl ich insgeheim weiß, dass es mir auch nicht besser gehen würde, wenn ich von heute auf morgen einfach dünn wäre. Die Heilung findet von Innen heraus statt; so viel habe ich schon gelernt. Fehlt “nur noch” die Umsetzung. Ich hoffe, dass ich es irgendwann schaffen werde, meine Essstörung zu besiegen. Vielleicht wird mir der Online-Workshop dabei helfen…

Ich wünsche allen, die das lesen und die vielleicht gerade an einem ähnlichen Punkt stehen, viel Kraft. Lasst es uns anpacken!

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?

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Nach einer über 25-jährigen intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Essstörungen kann man mich getrost als Expertin auf diesem Gebiet bezeichnen. Und doch gerate auch ich immer mal wieder in die Hochstaplerinnen-Falle und befürchte, dass ich vielleicht doch nicht genügend Ahnung habe und ALLE das demnächst merken werden. Das Phänomen, insgeheim davon überzeugt zu sein, dass sein Erfolg nur auf Glück, Charme und/oder guten Beziehungen basiert und nicht auf eigenen Leistungen und Erfahrungen, hat einen Namen: Man nennt es das Hochstapler- oder auch Impostor Syndrom. Impostor ist das englische Wort für Hochstapler und Betrüger.

Natürlich kennt jeder Mensch Momente des Zweifelns. Menschen mit Impostor Syndrom allerdings sind selbst nach unzähligen Erfolgserlebnissen nicht in der Lage, an ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben. Sie leben in ständiger Angst davor, enttarnt und bloßgestellt zu werden. Wer unter dem Impostor Syndrom leidet, hat eine überzogene Vorstellung von Kompetenz, eine komplexe Meinung zu den Thema Erfolg und große Furcht vor negativer Kritik.

Warum gerade (essgestörte) Frauen relativ häufig unter dem Impostor Syndrom leiden, welche prominente und erfolg-reiche „Leidensschwester“ wir haben und wie ich mit dem Impostor Syndrom umgehe, wenn ich mir mal wieder wie eine Hochstaplerin vorkomme, erfahrt ihr in der heutigen Episode von SHeTV:

Das „First Aid Impostor Syndrom Kit“

Hier noch mal meine drei Ideen für den bewussten Umgang mit dem Impostor Syndrom:

1: Mache den Realitätscheck in dem du ein Erfolgstagebuch führst.

 

2: Stelle dir Sandbergs „Billion-Dollar-Frage“: Was würde ich jetzt tun, wenn ich keine Angst hätte?

Zu dieser Frage gibt es eine kostenlose Kurz-Meditation, den MindDetox-Quickie:

Was würde mein angstfreies Ich jetzt tun?“ von mir.

Hier findest du Sheryl Sandbergs Buch Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg

 

3: Tanze deinen eigenen Power Posing Dance oder mache zwei Minuten Power Posen.

Und hier ist der Link zu einem Vortrag von Amy Cuddy über das Power Posing.

 

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Wenn Frauen sich auf den Weg raus aus der Essstörung machen, ist dieser Weg von Rückfällen gepflastert. Das Fatale daran sind nicht die Rückfälle selbst, sondern dass, was wir daraus machen.

Als ich noch essgestört war, war das meistens so:

Der Rückfall kam scheinbar aus dem Nichts angeflogen. Der Druck war groß, ich zog los um mir meinen Suchtfraß zu besorgen, verzog mich in meine Studentenbude und es ging los. Ich aß bis ich nicht mehr konnte, ging kotzen und manchmal wiederholte sich das Ganze mehrmals.

Rückfall und dann?

Hinterher war ich physisch und psychisch platt. Ich fühlte mich ausgelaugt, dreckig, schuldig, unfähig und schlecht. Ich versuchte, den Rückfall so schnell wie möglich zu verdrängen und nahm mir ganz fest vor, es ab morgen endlich richtig zu machen. Das ging dann meist ein paar Tage gut, bevor der nächste Rückfall kam.

In dem Video „Einmal Bulimie, immer Bulimie“ habe ich diesen Vorgang beschrieben:

Kennst du das auch? Und falls ja, weißt du, warum nach einem Rückfall häufig gleich der nächste Rückfall kommt?

Der zweite Rückfall folgt häufig, weil wir uns den ersten nicht verzeihen können und nicht wissen, wie wir anders damit umgehen könnten. Daher versuchen wir meist, den Rückfall zu verdrängen und nehmen uns ganz fest vor, es beim nächsten Mal besser zu machen. Wir laufen vor der Bulimie davon, wir laufen vor uns selbst davon, wir wollen vergessen – dabei müssen wir stehenbleiben und uns selbst aushalten.

Was tun beim nächsten Mal?

Wenn du das nächste Mal einen Rückfall hast, dann versuche doch mal Folgendes:

Sei ein Wissenschaftler und gleichzeitig dein „Forschungsobjekt“. Anstatt dich selbst gedanklich fertig zu machen, mit der Folge, dass du dich schlecht fühlen wirst, stelle dir die folgende Frage: „Hm. Interessant. Warum hatte ich jetzt diesen Rückfall?“ Schreibe diese Frage auf und dann beantworte sie schriftlich, ohne dich dabei negativ zu bewerten. Das ist am Leichtesten, wenn du von dir als „Forschungsobjekt“ in der dritten Person schreibst. Dann könnte das zum Beispiel so aussehen:

Heute hat es ihr die Uni mal wieder nicht gefallen und sie hatte gar keine Lust, an ihrer Hausarbeit weiter zu schreiben. Aber sie glaubt, dass sie das tun muss, und dass sie es perfekt machen muss, sonst ist es nicht gut genug. Und sie glaubt, dass sie den ganzen Nachmittag daran arbeiten muss. Also ist sie frustriert und dann kommt ihr auf einmal Essen in den Sinn. Sie verschiebt diesen Gedanken und versucht, sich auf die Hausarbeit zu konzentrieren. Aber die Gedanken an die leckeren Süßigkeiten und dass Wissen, dass diese vor dem Fernseher verschlungen werden könnten, lassen sie nicht los. Sie versucht noch zu kämpfen, aber irgendwann gibt sie auf. Wenn sie isst, kann sie schließlich nicht arbeiten. Also zieht sie los, kauft ein und setzt sich mit ihren Süßigkeiten vor den Fernseher. Sie isst und sie vergisst usw. …

So wird der Rückfall  zum Vorfall

Dieses wissenschaftliche Beobachten hilft dir, dich selbst besser zu verstehen und zu erkennen, dass der Rückfall durch dein Denken, Fühlen und Verhalten bereits „vorprogrammiert“ war. Dieses Verständnis für dich selbst führt auf Dauer dazu, dass du nach einem Rückfall nicht automatisch den nächsten haben musst.

lebenshungrige Grüße

Simone

Vor ziemlich genau 15 Jahren habe ich nach einem dreimonatigen Aufenthalt die Hochgratklinik verlassen. Ich kam dort sehr verzweifelt an, hatte gerade ein stressiges Semesterende und eine „Hoch-Zeit“ meiner Bulimie hinter mir. Als ich Ende September wieder nach Hause fuhr, hatte ich mir die Essstörung endgültig zu meinem Wegweiser gemacht, der mich von da an noch ungefähr 9 Monate lang begleitete. Danach war es vorbei. Seit Juni 1998 habe ich keine Bulimie mehr.

Seit jenem Herbst 1997 erinnere ich mich jedes Jahr im September gerne an meinen Klinikaufenthalt. Und ein Teil von mir fühlt sich seitdem im Allgäu zu Hause. Denn ich habe mir dort selbst die Möglichkeit gegeben, mich endgültig und rückhaltlos zu entdecken und anzuerkennen.

Wie effektiv ist ein Klinikaufenthalt?

Viele Essgestörte denken über einen Klinikaufenthalt nach. Und es gibt auch viele, die einen Klinikaufenthalt oder sogar mehrere hinter sich haben und doch ist die Essstörung immer noch Bestandteil ihres Lebens.

Woran liegt es, dass mancher Klinikaufenthalt erfolgreich ist, und andere scheinbar umsonst?

Meiner Erfahrung nach sind zwei Faktoren dafür entscheidend, ob ein Klinikaufenthalt etwas bringt, oder nicht:

Willst du selbst wirklich deine Essstörung loswerden und deshalb in eine Klinik?

Wer diese Frage nicht mit einem lauten deutlichen JA beantworten kann, dem fehlt die Motivation. Und Motivation kann nicht von Dritten erzeugt werden. Wenn also deine Eltern oder dein Arzt der Meinung sind, du solltest deine Essstörung in einer Klinik behandeln lassen – und du insgeheim anderer Meinung bis – ist ein Erfolg eher unwahrscheinlich. Ich glaube, um sich ernsthaft auf eine Klinik einlassen zu können, ist ein gewisser Grad der Kapitulation gegenüber der Essstörung unerlässlich. Du musst an einem Punkt sein, an dem du begriffen hast, dass du Hilfe von Außen brauchst, um dich mit dem Problem – bzw. dessen Ursachen – auseinandersetzen zu können.

Passt das Konzept der Klinik zu dir?

Es gibt diverse Therapieansätze, mit denen Kliniken Patienten mit Essstörungen behandeln. Hier ist es entscheidend, selbst aktiv zu werden. Du kannst dir Informationsmaterial zusenden lassen, in den Kliniken anrufen oder eine Informationsveranstaltung besuchen.

Mein Klinikaufenthalt

Ich habe mich im Winter 1996 ganz bewusst dazu entschlossen, in die Hochgratklinik zu gehen. Aus dem Buch Von mir aus nennt es Wahnsinn. Protokoll einer Heilung und auch durch Erzählungen einiger Teilnehmerinnen der OA erschien mir das „Herrenalber Modell“ das richtige Konzept für mich zu sein. Ich rief dort an, ließ mir Infomaterial schicken, reservierte mir einen Termin zu Semesterferienbeginn und füllte einen sogenannten „Motivationsbogen“ aus in dem ich erläutern sollte, warum ich bezüglich meiner Bulimie in diese Klinik wollte. Danach meldete ich mich bei meiner Krankenkasse und überzeugte einen Vertrauensarzt damit ich das Okay von der Kasse bekam.

Ich habe mir meine Chance geschaffen und habe sie genutzt – und zwar volle 12 Wochen lang. Ob das heute noch genau so möglich wäre, weiß ich nicht. Wie ich gehört habe, ist mittlerweile ein Aufenthalt von ca. vier bis sechs Wochen üblich, da die Kassen keine längeren Aufenthalte genehmigen.

Das Konzept der Hochgratklinik funktionierte mit viel Eigenverantwortung und Vertrauen und wenig Kontrolle. Ich konnte damals sehr gut damit leben, denn ich bekam quasi den Rahmen, den ich brauchte. In der „Essstuktur“ verpflichtete ich mich zu drei vollwertigen Mahlzeiten am Tag. Diese Mahlzeiten aß ich ohne wenn und aber drei Monate lang mit dem erstaunlichen Ergebnis, das ich mich viel besser fühlte und am Ende zwei Kilo leichter war. Natürlich hätte ich – wie ich es häufig als Kritikpunkt an Kliniken lese – heimlich essen und/oder brechen können. Aber diese Möglichkeit ist in meinen Augen kein Versagen einer Klinik, sondern eine Chance, die man sich selbst nimmt.

Während meines Klinikaufenthaltes machte mich das Programm und die anderen Menschen satt, sie gaben mir die Nahrung, nach der ich mich so lange gesehnt hatte. Dass ich selbst mit dem Essen nicht mehr umgehen konnte, gestand ich mir ein und gab diese Verantwortung erfolgreich an die Klinik ab: „Ihr sagt mir, was ich wann essen soll, ich esse es.“ Das Ergebnis war die bewusste Erfahrung, dass ich satt werden und regelmäßig essen kann, ohne dabei dicker zu werden.

Das Essen konnte ich abgeben, dadurch bekam ich den Raum, mich mit den Ursachen der Bulimie, meinen eigentlichen Problemen, auseinander zu setzen. Und ich bekam die Hilfestellung der Therapeuten die ich wollte und die Unterstützung der Mitpatienten die mir gut taten.

Mein persönliches Klinikfazit ist sehr positiv und ich möchte jede von euch dazu ermutigen, diesen Schritt zu tun. Und ja, wahrscheinlich war mein Klinikaufenthalt auch so effektiv, weil ich schon viel Vorarbeit geleistet hatte. Ich hatte mich schon durch diverse Selbsthilfebücher geackert, Selbsthilfegruppen besucht, mit Freunden und Familie etc. gesprochen. Ich kannte meine Denkens- und Verhaltensweisen, die die Essstörung auslösten. Aber auch zu einem früheren Zeitpunkt hätte mich ein Klinikaufenthalt weitergebracht. Vielleicht hätte ich dann auch zwei Aufenthalte gebraucht. Egal – wichtig ist, aktiv nach Hilfe zu suchen und sich dann auch auf die Unterstützung einlassen zu können.

Weitere Klinikbewertungen findest du auf klinikbewertungen.de.

lebenshungrige Grüße

Simone

Neues Jahr – neues Glück. Und neue Vorsätze. Und wahrscheinlich lautet einer dieser Vorsätze bei den meisten von Euch: In diesem Jahr verabschiede ich mich von meiner Essstörung.

Ein guter Vorsatz, der aber – wie so viele andere – leicht an der Realität scheitern kann. Meistens ist unser Vorgehen eine große Kampfansage. Wir versuchen mit unserem Verstand und unserem Willen das Unmögliche möglich zu machen. Wir versuchen es mit Disziplin und Diäten. Und wenn wir scheitern, hassen und verachten wir uns und bereiten der genau dem, was wir nicht wollen, dadurch freie Bahn.

Es geht aber auch anders:

Hast Du Dich schon mal ernsthaft gefragt, welche Vorteile die Essstörung für Dich hat? Denn genau die gibt es auch. Sie erfüllt immer einen Zweck für uns und wenn wir diesen Zweck herausfinden, verstehen wir uns besser. Ernsthaft über die Vorteile von Bulimie, Magersucht und Binge Eating nachzudenken zeigt uns, dass wir nicht völlig pervers und daneben sind, sondern dass wir uns eine Art Überlebensstrategie zugelegt haben. Wenn wir dann – Stück für Stück – Ersatzstrategien entwickeln können, verliert die Überlebensstrategie ihre Bedeutung.

Für die Skeptiker unter Euch erläutere ich mal meine Vorteile:

Erstens:

Ich glaubte früher (unbewusst), dass ich unbedingt jedem gefallen muss, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Die Essstörung hat mir geholfen, ein Everybodys Darling ohne Ecken und Kanten zu sein. Meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse standen zu dieser Zeit bestenfalls an zweiter Stelle. Ich konnte sie unterdrücken. Die Essstörung hat mir dabei geholfen, die sein zu können, die ich glaubte sein zu müssen. Und auch für meine Umgebung war ich dadurch so schrecklich pflegeleicht…

Zweitens:

Ich kenne zwar alle Spielarten der Störung, aber hauptsächlich war ich Bulimikerin. Eine durchaus ekelige Angelegenheit, diese Kotzerei. Aber es gab da diesen winzigen Moment, wenn der Magen zum Bersten voll war und ich dann endlich diesen selbst erzeugten Druck los werden konnte. Und Druck hatte ich sehr viel, bzw. habe mir selbst sehr viel gemacht. Das Brechen war ein Weg, psychischen Druckabbau – zu dem ich nicht fähig war – in physischen umzuwandeln. Außerdem ist es für viele Bulimikerinnen eine Art Reinigungsritual und auch da lohnt es sich, hinzuschauen…

Drittens:

Als Studentin war ich mit diversen Abläufen und Themen meines Studienganges sehr unglücklich. Aber anstatt den Fehler im Lernsystem zu suchen, bzw. Konsequenzen zu ziehen, suchte ich den Fehler bei mir. Zudem war ich der Meinung, ständig und immer lernen zu müssen. Die Störung war zu dieser Zeit meine „Lernbremse“. Denn ich war selten in der Lage, mir echte Freizeit und Vergnügen zu gönnen. Hatte ich aber einen Fressanfall, „brauchte“ ich dazu Ablenkung durch den Fernseher bzw. durch den PC. Während dieser Zeiten konnte ich natürlich nicht lernen…

Wenn Ihr Euch diese drei Gründe durchlest, fällt Euch vielleicht auf, dass mein Denken, Fühlen und das daraus resultierende Handeln dazu geführt hat, dass ich eine Überlebensstrategie „brauchte“.

Und so ist das heute:

Heute ist es mir nicht mehr wichtig, dass andere mich gut finden und mir damit eine Daseinsberechtigung geben. Ich habe eine Daseinsberechtigung. Ich versuche, so zu sein und zu leben, wie es mir entspricht. Ich habe gelernt, meine Meinung zu sagen und ich habe erfahren, dass ich es überlebe, wenn jemand eine andere hat. Ich kann auch Streit und schlechte Stimmung besser aushalten, weil ich nicht mehr alles auf mich beziehe bzw. meinem eigenen Standpunkt vertraue und dazu stehe. Ich kann Grenzen setzen und andere verstehen mein „bis hierhin und nicht weiter“.

Durch dieses geänderte Denken, Fühlen und Verhalten, habe ich keinen bzw. sehr wenig Druck. Und wenn ich mal welchen habe, kann ich ihn durch schreiben, reden, etwas anders machen – und manchmal auch einfach durch Bewegung – abbauen.

Auch über meinen Studiengang denke ich heute anders. Die Lernsysteme waren und sind veraltet. Ich musste sehr, sehr Vieles auswendig lernen, was ich nie wieder brauchte bzw. gleich wieder durch anderes Unnützes ersetzen musste. Ich hätte mir viel mehr projektbezogene Arbeiten gewünscht, die auch mal so richtig in die Tiefe gehen und wo man selbständig ein Problem bewältigen muss. Meine Reaktion auf das Studieren war also völlig in Ordnung. Hätte ich das damals schon erkannt und mir vertraut, hätte ich A) mich damit abgefunden und das Ganze schnellstmöglich durchgezogen oder ich hätte es B) abgebrochen und etwas anderes gemacht. Auch in meinen diversen Jobs die ich nach meinem Studium hatte, war ich nicht wirklich zufrieden. Ich habe gelernt, dass ich sehr freiheitsliebend bin und etwas machen will, in dem ich einen Sinn sehe. Also habe ich mich selbständig gemacht.

Meine Vorschlag für einen guten Vorsatz 2012 lautet:

In diesem Jahr lerne ich, meine Essstörung zu verstehen, damit ich sie nicht mehr brauche.

lebenshungrige Grüße

Simone

 

„Ich habe heute leider kein Foto für Dich.“ Ich wette, dass fast alle von Euch diesen Satz in Bezug zu einer Castingshow bringen können. Aber nicht nur bei Germanys next Topmodel sind „Competitions“ angesagt.

Da wird noch das Sommermädchen gesucht, die Katzenberger braucht dringend eine Nachfolgerin, oder man tauscht einfach das Leben via Frauentausch. Und dann gibt es da auch noch zahlreiche andere Shows, wo Mädchen und Jungs, Frauen und Männer gegeneinander antreten können, sogar in einen Container ziehen um sich Tag und Nacht bei einer Menge Schwachsinn filmen zu lassen….

People Pleasing

In all diesen Shows geht es darum, bewertet zu werden. Und zwar von anderen. Entweder von einer Jury, vom Studiopublikum und natürlich von den zahlreichen Menschen vor dem Fernseher.

Und ich stelle mir immer wieder die Frage, warum setzen sich gerade Mädchen und Frauen dieser Situation aus? Was bitte ist so unsagbar begehrenswert daran? Das Geld?

Vielleicht.

Aber ich glaube, was all diese Teilnehmerinnen viel mehr suchen, ist Aufmerksamkeit.

Sie wollen gesehen werden. Sie wollen anerkannt werden.

Sie wollen die Bestätigung von Außen, die sie sich selbst nicht geben können.

Sie wollen von anderen hören, dass sie die Schönste sind.
Sie wollen von anderen hören, dass sie die Begehrenswerteste sind.
Sie wollen von anderen hören, dass sie die Spontanste sind.
Sie wollen von anderen hören, dass ihr Haus am saubersten und die Kinder am besten erzogen sind.
Sie wollen von anderen hören, dass sie die beste Stimme haben.

Das Fatale daran ist, dass den meisten dieser Mädchen und Frauen ihre eigentlichen Motive nicht bewusst sind.

Und sie geben anderen Menschen eine Menge Macht über ihr eigenes Leben. Andere dürfen bestimmen, wie gut sie etwas können, wie schön sie sind, welchen Erfolg sie haben usw. Fremde Menschen haben die Möglichkeit, über ihr Schicksal zu bestimmen.

Denn damit andere mich „passend“ finden, muss ich mich so verhalten, wie es ihnen gefällt. Dabei kommt das, was mir gefällt, häufig jedoch zu kurz. Und wenn ich zu viel „People Pleasing“ betreibe, werde ich unglücklich, unzufrieden, wütend und krank. Der Ideale Nährboden für Selbstzerstörung. Eine psychosomatische Erkrankung ist immer auch eine Revolutionserklärung, nur leider ist der Gegner der Falsche…

Mich ständig bewusst den Bewertungen anderer Menschen auszusetzen, ist sehr gefährlich, wenn ich meine eigenen Motive nicht kenne. Oder habt ihr Euch noch nie gefragt, warum z. b. eine Kate Moss, die Schönheit, Erfolg und Geld hat, gleichzeitig ein Drogen- und/oder Alkoholproblem hat? Oder eine Lindsay Lohan, usw.

Wenn es Innen nicht passt, nützen alle Äußerlichkeiten der Welt nichts.

„Casting“ bedeutet wörtlich übersetzt „Einformen“. Ist es dass, was Du willst? In eine vorgegebene Form gepresst zu werden? Ich finde Unikate viel spannender!

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Eines Vorneweg: Ich habe absolut nichts gegen tolle Klamotten, eine hippe Frisur oder einen Tag im Wellnesstempel. Ganz im Gegenteil, ein neues Oberteil kann uns genauso glücklich machen, wie eine andere Haarfarbe oder eine Hot Stone Massage. Aber ich habe etwas gegen diesen Konformismus, der uns Tag für Tag eingetrichtert:

Wir brauchen die Maße 80-55-80, Size Ziro, wir müssen „schön“ sein, sonst ist unser Leben nicht lebenswert!

Ich habe etwas dagegen, dass Milliarden Frauen eingeredet wird, dass es das einzig erstrebenswerte Ziel ist, magermodelmaße zu erreichen und ewig jung zu bleiben. Ich habe etwas dagegen, dass neunundneunzig Prozent der Mädchen und Frauen weis gemacht werden soll, sie seien nur liebenswert, wenn sie so aussehen wie das eine fehlende Prozent.

Ich empfinde es als alarmierend – aber leider nicht verwunderlich -, wie die Zahl der Frauen mit Bulimie, Magersucht und Binge Eating ansteigt.

Warum ist das so? Und warum machen wir das mit?

Neben der Erziehung die wir genossen haben, spielen die Medien hierbei eine sehr große Rolle. Das wirklich lästige an dieser Medienmacht ist, dass wir uns ihr so gut wie gar nicht entziehen können. Denn wir sind ständig umgeben von plakatgepflasterten Litfasssäulen und Werbeflächen jeglicher Art, wir schauen häufig fern, surfen im Internet, lesen Zeitschriften und Zeitungen und manchmal gehen wir ins Kino.

Und was bekommen wir hier ständig serviert? Die perfekte Frau: Selbstverständlich ist sie schön und schön bedeutet in erster Linie Jungsein und Schlankheit an der Grenze zur Magersucht. Aber nicht nur dass. Denn unsere Mrs. Perfect ist selbstverständlich zu jederzeit tadellos gestylt („Rom: 35° C, das Haar sitzt…“) und immer gut gelaunt. Denn dazu hat sie natürlich jeden Grund: Sie hat problemlos Karriere gemacht oder „managt erfolgreich ein kleines Familienunternehmen“. Täglich trägt sie sexy Unterwäsche und sie hat noch nie das Problem gehabt, dass der String irgendwie den ganzen Tag lang an der falschen Stelle zu hängen scheint. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Männer ihr in Scharen hinterher schmachten. Also wirft uns Mrs. Perfect nur zu Recht ihren Lieblingssatz mit vollster Selbstzufriedenheit entgegen: „Ich will so bleiben wie ich bin!“

Das wirklich Perverse an der Sache ist, dass Mrs. Perfect nur in der Welt der Medien existiert!

Und die Macher tun alles, um sie wieder und wieder neu zu erschaffen. So werden z. B. die Models bis zur Unkenntlichkeit geschminkt, von einem Starfotografen ins rechte Licht gerückt und so lange digital nachbereitet, bis die eigene Mutter das Mädchen nicht mehr erkennen würde. Und so bekommen wir sie auf dem Cover diverser Hochglanzmagazine serviert.

Oder nehmen wir die Schaufensterpuppen, mit denen uns die modischsten „Musthaves“ präsentiert werden. Der „Fettanteil“ von Schaufensterpuppen lag in den 1950er Jahren noch im normalen Bereich. Von da an ist er kontinuierlich gesunken und heute ist er so niedrig, dass bei einer realen Frau keinerlei normale Körperfunktionen mehr möglich wären. Im Klartext:

Hätten alle Frauen Schaufensterpuppenmaße, würde die Menschheit in einigen Jahrzehnten aussterben…

Und warum das alles? Damit wir, die wir uns ständig mit Mrs. Peferct vergleichen (lassen) müssen, unzufrieden sind. Der perfekte Nährboden für ein gestörtes Verhältnis zu unserem Essverhalten und Gewicht. Um unsere Unzufriedenheit zu bekämpfen tun wir genau das, was die Medienmacher wollen:

Wir geben Geld aus, um uns Perfektion zu kaufen!

Wir rasen ständig zum Maniküren, Epilieren, Bräunen und den Rest unseres Geldes brauchen wir für Kleidung, Taschen, Schuhe, Handys usw. … Und wenn das Geldausgeben nicht ausreicht, greifen wir beherzt zu drastischeren Mitteln. Wir machen eine Diät nach der anderen, gerne mit diversen Erfolg versprechenden Diätmittelchen und ehe wir es gemerkt haben, hängen wir in der Essstörung drin. Aber keine Angst, auch damit machen wir die Hintermänner der Medien reich. Wir kaufen Unmengen von Lebensmitteln, nur um sie hinterher beschämt ins Klo zu befördern. Aber was soll’s, schließlich steigern wir damit den Umsatz der Lebensmittelindustrie.

Weil dass aber noch nicht reicht, greifen wir auch bei den Abführmitteln zu und werden ganz nebenbei auch der Pharmaindustrie gerecht. Falls auch dass uns nicht zu dem gewünschten Erfolg verhilft, machen wir einfach noch ein paar Fitnessclubbesitzer reicher. Fruchtet das alles nicht im gewünschten Maße, lassen wir die Schönheitschirurgen ran. Treten irgendwann physische und psychische „Folgefehler“ unseres Verhaltens auf, benötigen wir Ärzte und Therapeuten.

Fazit: Wir machen unsere Psyche und unseren Körper kaputt und wir bezahlen auch noch viel Geld  dafür!

Schön blöd, oder?

Hast du auch die Nase voll davon, aber du glaubst, du kannst eh nichts ändern?

Falsch, denn es gibt eine Sprache, die zum Umdenken und anders Handeln zwingen kann:

Es ist die Sprache des Geldes!

Kleines Beispiel gefällig? Aus Protest kaufe ich schon seit vielen Jahren keine „klassischen“ Frauenzeitschriften mehr.

Aber was passiert, wenn sich plötzlich gaaaaanz viele Frauen genau so verhalten….?

Wir haben die Zukunft kommender Mädchen-Generationen in der Hand!

lebenshungrige Grüße

Simone

Essgestörten Frauen mangelt es an Selbstbewusstsein und sie wissen das und leiden darunter.
Deshalb versuchen sie (unbewusst) durch die Perfektionierung ihres Äußeren selbstbewusster zu werden.
Doch genau durch dieses Verhalten verhungert das Selbstbewusstsein noch weiter, während die Essstörung gefüttert wird.

Denn was ist es eigentlich, dieses Selbstbewusstsein?

Wenn ich meiner selbst bewusst bin, weiß ich, wer ich bin warum ich so bin und ich übernehme Verantwortung für mein Handeln. Selbstbewusste Frauen mögen und achten sich, sie kümmern sich um ihre Bedürfnisse und können zu anderen auch mal „nein“ sagen.

Frauen mit einem Essproblem neigen dazu, die Bedürfnisse ihrer Umgebung vor ihre eigenen zu stellen.

Wir versuchen, es unserer Mutter, unserem Partner, unserem Chef und unserem Zahnarzt recht zu machen, denn wir möchten um jeden Preis gemocht werden. Sie, die anderen, sollen uns charmant, intelligent, spontan und natürlich hübsch finden.

Damit richten wir den Fokus in die falsche Richtung, weg von uns selbst.

Anstatt nach Innen zu gehen, versuchen wir, im Außen unser Glück zu finden und zu erahnen, was die anderen von uns erwarten. Diese Erwartungen zu erfüllen ist nicht nur äußerst anstrengend, sondern nahezu unmöglich. Denn wir geraten natürlich ständig in Konfliktsituationen, denn was Person A gut findet, macht Person B gar nicht an. Und so steigt der Druck in uns, wir strengen uns noch mehr an entfernen uns immer mehr von uns selbst und bieten der Essstörung noch mehr Nährboden.

Denn durch unser Denken und Verhalten machen wir uns extrem vom anderen abhängig.

Sie sollen uns die Liebe und Anerkennung geben, die wir uns selbst nicht geben können. Sie sollen sich um uns kümmern und uns bewundern. Häufig wird dieser Teufelskreis dadurch begünstigt, dass wir uns mit Personen umgeben, die zur Co-Abhängigkeit (Bezugspersonen, die die Essstörung durch ihr Verhalten triggern und deren eigenes Befinden abhängig von der Essgestörten ist) neigen und dieses „Spiel“ mit uns spielen. So gelingt kein Ausstieg aus der Essstörung.

Gesund und selbstbewusst werden können wir jedoch nur, wenn wir lernen, uns selbst als die Nummer 1 in unserem Leben zu sehen.

Nein, dass hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Verantwortung. Nur, wenn wir unsere Geschichte kennen und verstehen, können wir sie akzeptieren und erkennen, dass wir gar nicht anders hätten werden können. Dann sind wir selbstbewusst und können Verantwortung übernehmen, dann halten wir es auch aus, einmal NEIN zu jemandem zu sagen.

Wenn wir freiwillig und voller Überzeugung tun was wir tun, können wir auch mit Ablehnung umgehen. Unser Leben wird deutlich leichter und entspannter und die Essstörung wird überflüssig. Unsere Beziehungen werden besser, denn nur, wer sich selbst ein guter Freund ist, kann auch eine gute Freundin, Mutter, Schwester, Tochter, Angestellte etc. sein.

lebenshungrige Grüße

Simone