Hier findest du alle Geschichten „(d)einer Essstörung“,
die mir – mit der Erlaubnis zur anonymen Veröffentlichung – zugeschickt werden.

Das Aufschreiben deiner eigenen Geschichte hilft dir selbst und das Lesen hilft anderen.

Schicke mir deine Geschichte bitte per Mail an info@lebenshungrig.de DANKE!


Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Eines der Mysterien meiner Essstörung, und vermutlich auch das, was ich niemals wirklich entschlüsseln kann, ist der Zeitpunkt an dem sie begann.

Denn zunächst existierte die nur in meinem Kopf und meine Familie und Außenstehende interpretierten in mein Verhalten vielleicht einfach einen Dickkopf, Dummheit oder sonstiges.

Was ich weiß ist, dass das Essen und ich noch nie Freunde waren. Seit ich denken kann habe ich den Zwang, die einzelnen Komponenten meines Essens hintereinander zu essen (z.B. erst Fleisch, dann Kartoffeln, dann Gemüse). Der Gedanke daran diese Komponenten zu vermischen oder zwei von ihnen gleichzeitig in den Mund zu nehmen versetzte mich in Angst und Schrecken.

Ich wuchs aber in einer Zeit, und in einem Umfeld, auf, in der Kindern noch kein eigener Wille zugestanden wurde. Daher wurde ich seitens meiner Familie und auch des Kindergartens immer wieder dazu gezwungen gesellschaftskonform zu essen. Irgendwann resignierte ich, aß mit dem Gefühl innerlich zu zerreisen, wurde aber von meiner Umgebung in Ruhe gelassen.

Der Zwang von außen „das aufzuessen was ich auf dem Teller habe“, führte dazu, dass ich irgendwann kaum noch ein Sättigungsgefühl verspüren konnte. Also aß ich … und aß … und aß … wenn mir etwas schmeckte konnte ich einfach nicht aufhören. Noch heute löst der Gedanke, noch etwas vom essen übrig zu haben, Schweißausbrüche bei mir aus.

Bis in meine Jugendzeit hatte ich das Glück, essen zu können ohne zuzunehmen, auch die verhältnismäßig großen Mengen. Ich musste mir aber immer und immer wieder sagen lassen, dass ich als erwachsene Frau richtig, richtig dick werden würde, wenn ich dann auch noch so essen würde. Diese „Gewissheit“, ein angeknackstes Selbstwertgefühl, Mobbing und ein stark verzerrtes Körperbild führten dazu, dass ich im Alter von 15 Jahren meine erste Diät begann.

Wenn ich heute Bilder aus dieser Zeit sehe, kann ich mir nicht vorstellen, wie ich mich damals auch nur ansatzweise hässlich oder zu dick finden konnte. Ich war unscheinbar, aber ein wirklich schlanker und hübscher Teenager. Meine erste Diät kippte nach wenigen Tagen in eine Art Null-Diät, begleitet von exzessivem Sport. Als meine Mutter diese Veränderung bemerkte zeigte sie wenig Verständnis. Sie tat meinen Wunsch mich zu verändern als Dummheit ab und statt zu fragen wie sie mir helfen könne, bekam ich Drohungen und Vorwürfe.

Auch für meine, damals schon bestehende Depression und extreme Verlustängste, zeigte sie kein Verständnis. Auf selbstverletzende Verhaltensweisen reagierte sie ebenso wie auf meinen Wunsch abzunehmen. Auch meine Schwester sorgte in dieser Zeit für viel Ärger und mich beschleicht bis heute das Gefühl, dass sie mit mir beweisen wollte, dass die Probleme meiner Schwester nicht auf ihre Erziehung zurück zu führen waren.

Mit 16 zog ich von zu Hause aus. Nachdem ich in meinem kurzen Leben bereits so viel Schmerz erfahren hatte, wollte ich ein neues, angstfreies und glückliches Leben beginnen. Doch über Jahre erlerntes Verhalten kann man nicht einfach abstreifen. Mein zwanghaftes Essverhalten brach wieder hervor, genauso wie Selbstverletzung, Depressionen und Verlustängste.

Anstatt durch gute Noten und mein freundliches Wesen fiel ich durch meine seltsamen Verhaltensweisen auf: in meiner WG, in der Schule und bei der Arbeit. Zumindest hat mir dies jedoch nach Jahren zu einem ambulanten Therapieplatz verholfen. Da es zunächst jedoch um andere Dinge ging, wurde mein zügelloses Essverhalten erst einmal nicht thematisiert. In wenigen Monaten nahm ich etwas über 10 kg zu.

Als ich, nach einem Besuch bei meiner Familie, nicht mehr in meine Lieblingshose passte und dafür einen verletzenden Kommentar einer Mitbewohnerin erntete, beschloss ich mein Essverhalten sofort zu ändern. Bereits am Tag danach hatte ich sämtliche fett- und kohlehydrathaltigen Lebensmittel aus meinem Kopf und meinem Kühlschrank verbannt. Ich ernährte mich von Obst, Gemüse, Tee und Cola Zero … und sehr bald auch von Abführmitteln.

Bis zu sechs Stunden Sport trieb ich am Tag, auch wenn ich arbeiten oder in die Schule gehen musste. Der Bewegungsdrang nahm immer mehr von mir ein. Bald bewegte ich mich nur noch zu Fuß oder auf Inlinern durch die Großstadt in der ich lebe. Von meiner WG genervt und enttarnt zog ich zwei Monate nach meinem Wandel in eine eigene Wohnung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits 14kg verloren.

Doch mein Körper rächte sich langsam. Sport im eigentlichen Sinne war kaum noch möglich. In der Schule fehlte mir die Konzentration, für die körperlich schwere Arbeit die Energie. Immer öfter kippte ich um. Zu dem Zeitpunkt begann meine Therapeutin nach einem stationären Therapieplatz zu suchen. Einen Monat später und weitere 4 kg weniger und mit schwer geschädigten Nieren kam ich auf eine Station für psychisch kranke Jugendliche. Nach vier Tagen verschlechterte sich mein Zustand derart, dass ich mit ungewisser Prognose auf die Intensivstation verlegt werden musste. In diesem Moment begriff ich, dass ich dabei war zu sterben. Ich verstand, dass diese Krankheit mich nicht irgendwann vielleicht mal umbringen könnte, sondern dass sie es genau in diesem Moment tat. Und einen Moment später beschloss ich zu kämpfen.

Ich konnte mein Gewicht auf der Station zwar stabilisieren, aber aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Therapeutin keine Therapie beginnen. Ich wurde also nach sieben Wochen entlassen und setzte meine Therapie ambulant fort. Es dauerte drei Monate bis zum nächsten Rückfall, der mich fast wieder in die Klinik gebracht hätte. Zu meinem Glück war ich in der Zwischenzeit volljährig geworden und durfte selbst entscheiden.

Der Rückfall wurde nach einigen Monaten von einer Phase abgelöst, die durch einen Wechsel von anorektischen und bulimischen Phasen, sowie großer emotionaler Instabilität, dem Verlust meines Ausbildungsplatzes und intensiver Selbstverletzung geprägt war.

Ein knappes Jahr war ich ein wandelndes Pulverfass, bis drei Worte alles in sekundenschnelle veränderten:

„Sie sind schwanger!“

Nach einer kurzen Phase des Schocks freute ich mich darauf Mutter zu werden. Auch die extreme Übelkeit konnte diese Freude nicht trüben. Sie triggerte aber meine Angst vor dem Essen und führte dazu, dass ich zurück in anorektische Muster verfiel.

Ich war zerrissen zwischen der Liebe zu dem Kind in meinem Bauch und der Angst vor dem Essen. Mir war bewusst, dass mein Verhalten meinem Kind Schaden würde. Ich entschied mich also zu einer stationären Krisenintervention. Viel hilfreicher als die Überwindung der Angst vor dem Essen war jedoch die Erkenntnis, dass ich trotz allem eine gute Mutter sein könnte.

Doch zunächst wuchs mein Leiden mit jedem Gramm das ich zunahm. Ich liebte meinen Bauch, aber ich konnte die Zahl auf der Waage nicht ertragen. Am Ende hatte ich 5 kg in der Schwangerschaft zugenommen und schon wenige Stunden nach der Geburt sah man nicht mehr, dass ich jemals schwanger war. Das und dieses kleine Geschöpf, welches mein Körper geschaffen hatte, halfen mir, meinen Körper zum ersten mal in meinem Leben zu lieben. Zweieinhalb Jahre war ich, trotz Gewichtsschwankungen, absolut zufrieden mit meinem Körper.

Danach folgte eine sehr schwere, depressive Zeit. Mein Leben überforderte mich in dieser Zeit und rückblickend war die Anorexie wohl der Ast an den in mich klammerte um all das zu überleben.

Innerhalb von sechs Monaten hatte ich 16kg verloren, konnte mein Kind kaum noch hoch heben, geschweige denn lange Strecken laufen. Ich musste zur wöchentlichen Gewichtskontrolle und jedes Mal wurde mir nahe gelegt mich stationär aufnehmen zu lassen.

Einerseits wollte ich mein Kind nicht alleine lassen. Andererseits war ich gedanklich in meiner Essstörung gefangen, dass ich keinen anderen Ausweg sah als der Empfehlung nachzugehen. Mein Körper war an seinem Endpunkt angelangt und ich hatte keine Kraft mehr aus diesem Kreislauf auszubrechen. Doch an einem Montag Mitte September schenkte mir das Leben zwei rosa Striche auf einem Teststreifen und damit die Gewissheit, dass in mir doch noch genug Kraft und vor allem Liebe ist um gegen meine Essstörung zu kämpfen.

Ende offen ….

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

„Simone, dein Blog hat mir nicht nur geholfen, er hat mir den „Aha-Moment“ verschafft. Ich werde jetzt gesund, ich weiß es. Ich fange ehrlich und aufrichtig an, mich selbst zu lieben, mir zu verzeihen und mich einer Heilung zu öffnen. Ich möchte meine Geschichte auch mit den anderen teilen:“

Wenn du beginnst, dich zu lieben…

Ich möchte eine andere Geschichte erzählen, nicht die meiner Vergangenheit; nicht darüber reden, was alles schief lief in meiner Kindheit. Ich brenne darauf, euch zu erzählen, wie ich gesund werde.

Mit meinen 19 zarten Jahren habe ich bereits zwei Semester Biologie studiert und warte jetzt sehnlichst auf meine Zusage zum Medizinstudium. Warum ich Ärztin werden will? Bis vor Kurzem, um mir als Psychiaterin selbst aus der Krise zu helfen, nun vor allem, um anderen den Leidensdruck zu nehmen.

Bis vor Kurzem war auch  die Angst, keinen Studienplatz zu ergattern so groß, dass ich nächtelang weinend in meinem Bett lag. Jetzt habe ich die Initiative ergriffen, und mir einen wunderbaren Plan B überlegt. Außerdem scheine ich verinnerlicht zu haben, dass mich ein Beruf, den vor allem meine Eltern gern sehen wollen, sowieso nie vollends erfüllen könnte. Die Erwartungen der anderen, vor allem diese meines Vaters zu erfüllen, schien mir immer das Mantra im Leben. Jedoch haben meine Eltern nie Forderungen gestellt, ich habe meine eigenen nur auf sie projiziert und mir somit selbst eine nie zu erreichende Messlatte gelegt.

All das hängt sehr stark mit meiner Essstörung zusammen.

Ich hatte nie starke Gewichtsschwankungen, blieb die Zahl auf der Waage doch stets im Bereich zwischen 46 und 50kg, ich war nie stark untergewichtig, doch gehungert und gekotzt habe ich was das Zeug hielt. Ich war jedoch stets so diszpliniert, dass ich mich nie gehen ließ. Auf der anderen Seite wusste ich um die medizinischen Konsequenzen und diese ließen sich nicht mit der von mir abgeforderten Leistung vereinbaren, so dass ich auch nie ein kritisch zu geringes Gewicht errreichte.

Ich wollte schließlich funktionieren, also wanderte ich Tag für Tag diesen schmalen Grad. Das ist nicht lang her, kaum eine Woche und doch weiß ich, dass ich jetzt gesund werde. Warum ich mir dessen so sicher sein kann? Weil ich endlich etwas verinnerlicht habe, was ich doch schon so lang weiß: „Niemand (auch ich selbst) liebt mich für die Zahl auf der Waage.“

Das ist mein größtes Problem; ich habe mich sehr ausführlich mit der Thematik Essstörung und psychischen Erkrankungen befasst. Ich habe während Klinikaufenthalten und Therapien viel Wissen vermittelt bekommen, aber stets fehlte das letzte Quäntchen: Das Verinnerlichen.

Genau dieser essentielle Schritt ging durch lebenshungrig.de von statten.

Ich habe mir selbst eine Art Mindmap erstellt; aufgelistet sind Dinge, die ich gern an mir mag, auch solche, die ich weniger gern mag. Dinge, vor denen ich Angst habe, Dinge, die ich wieder tun will und Dinge, die ich jetzt hinter mir lassen will. Nach der Vollendung des A3 großen Spiegels sprang mir meine Motiviation, die mich fortan begleiten wird, förmlich ins Gesicht.

Da ist diese eine Person, dieser eine Mensch, der mich so bedingslos liebt, dass ich daraus die Kraft schöpfe, alles ändern zu können. Versteht das nicht falsch, nicht dass ich das für ihn tue. Ich tue das, um den Rest meines Lebens mit ihm glücklich sein zu können. Ihn heiraten zu können, mit ihm eine Familie zu gründen und alt zu werden. Wie sollte ich jemand anders lieben können, wenn ich mich selbst nicht liebe?

Ich will mir dieses Ziel erfüllen, denn die Zeit mit ihm ist es, die mich wirklich erfüllt. Mir ist unabwendbar klar geworden, dass mir weder ein angesehener Beruf, noch Geld, noch mein Aussehen zu einem zufriedenen Selbst verhelfen kann. Ich bin dabei,  zuvor falsch vermittelte Selbstbilder und Wertigkeiten zu überwinden und mich meinen Prioritäten zuzuwenden. So beschreibt es auch Hermann Hesse in seinem Werk Demian. Es ist wie die Schale eines Eis, die man als junges Küken durchbrechen muss, um sein wahres Bild zu erfahren.

Das ist leichter gesagt als getan, wenn man jahrelang aktiv gegen seinen Willen angekämpft, sich selbst verleugnet und die Wünsche anderer als die eigenen anerkannt hat. Ich glaube, es ist das Wichtigste, wieder zu sich selbst zu finden, wieder zu spüren, wer man selbst ist und welche Bedürfnisse man hat. Die Essstörung hat mir eine Identität gegeben, ich habe getan, was sie von mir erwartet hat. Ich habe getan, was andere von mir erwartet haben und das war leicht, denn so musste ich keine eigenen Entscheidungen fällen.

Ein älterer Beitrag vergleicht die Essstörung mit einem Zug, in dem es einen Schaffner gibt, der dir vorschreibt, wie viel du isst. Möge das Bild zunächst befremdlich wirken, habe ich doch bemerkt, dass eben genau diese Beschreibung äußerst zutreffend ist. Jedoch habe ich entschieden, jetzt mein eigener Zugführer zu sein. Es hat viele Anläufe gebraucht, doch jetzt übernehme ich das Steuer und lenke meinen Zug dorthin, wo ich es will.

Ihr solltet das auch versuchen, ich bin sicher, ihr schafft es!

PS: An dieser Stelle möchte ich noch einen herzlichen, ehrlichen Dank aussprechen. Dieser gilt Simone und all den Frauen, die sich auf lebenshungrig.de zu Wort gemeldet haben. Ihr habt etwas ausgelöst, das noch kein Therapeut in mir auslösen konnte. Vermutlich hat Simone genau dieses Phänomen gemeint, als sie davon sprach, wie ihr die anderen Patienten in der Klinik vielleicht sogar mehr halfen, als die Ärzte. Ich brenne schon darauf, das auch bald tun zu können. Ich melde mich wieder, wenn es so weit ist.

Bis dahin,

liebste Grüße und wieder Freude am Leben!

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Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich werde in sechs Monaten 40 Jahre alt. Meine Probleme mit dem Essen begannen als ich ca. 12 Jahre alt war. Mein Kampf dauert nun also bald 28 Jahre. 28 Jahre sind eine verdammt lange Zeit und ich könnte heulen, wenn ich daran denke, wieviel Kraft mich dieser Kampf gekostet hat, wieviel Lebsqualität ich eingebüßt habe.

Ich möchte nicht mehr kämpfen. Ich möchte einfach leben und mich selbst akzeptieren, so wie ich bin. Mit meinen vermeintlichen Fehlern, mit den Fettpölsterchen, den Besenreißern, den Spuren, die jahrelange Gewichtszu- und -abnahme und zwei Schwangerschaften hinterlassen haben, mit meiner Wut, mit meiner Trauer, mit allem, was ich bin.

Das Leben ist so schön und bietet so viel mehr als es die vermeintliche Top-Figur verspricht.

Es ist eine Illusion zu glauben, alles wäre toll und einfach und rosarot, wenn wir nur schlank wären. Woher ich das weiß? Ich hatte ein paar Mal in meinem Leben mein Idealgewicht. Ich war schlank, aber fühlte mich fett und hatte weiterhin Zwangsgedanken rund um Essen und Gewicht und konnte mich selbst nicht leiden.

Falls jemand eine Einordnung meiner Esstörung braucht: Orthorexie, gepaart mit Binge Eating und ein paar bulimischen Aspekten (Sport als Kompensation für Essanfälle).

Wie alles begann…

Als ich ca. 12 Jahre alt war, begann ich mich mit anderen Mädchen, meinen Freundinnen, zu vergleichen und fühlte mich zu dick. Dick war ich keineswegs, aber es gab halt ein paar Rundungen, die die Pubertät und die Entwicklung zur Frau mit sich bringen. Ich fing an zu joggen, ließ das Frühstück aus, aß weniger, wurde dazu zur Vegetarierin und nahm ein paar Kilos ab. Der Einstieg in meine Essstörung. Zunächst gab es Komplimente von Lehrerinnen, meinen Eltern. Ich fühlte mich weiterhin zu dick, wurde zwanghafter.

Stationen…

Mit ca. 15 Jahren war ich zutiefst unglücklich in meiner Familie. Meine Mutter hatte ein Alkoholproblem, das sie negierte, mein Bruder zog sich sehr zurück, mein Vater ging permanent fremd, Konflikte wurden unter den Tisch gekehrt, offen gesprochen wurde nicht. Und ich fing an zu essen. Heimlich. Fressattacken. Vor allem Süßigkeiten.

Ich stahl die Dinge aus der Küche, kaufte sie von meinem Taschengeld, versteckte den Abfall und ich schämte mich sehr. Um die Essattacken auszugleichen, machte ich weiter Sport, dann gab ich auf und nahm schnell sehr viel zu. Meine Freundin erzählte, dass eine Lehrerin eine Gruppe für Essgestörte gründen wollte und ob wir (sie hatte Bulimie) nicht auch daran teilnehmen sollten.

Ich? Essgestört? Ich hatte doch keine Essstörung! Ich war nicht magersüchtig und nicht bulimisch. Dass es noch andere Formen von Essstörungen gibt, wusste ich damals nicht.

Ich hasste meinen fetten Körper so sehr, dass ich versuchte, die Essanfälle durch kotzen zu kompensieren. Doch das funktionierte nicht bei mir. Zum Glück, kann man da nur sagen. Denn sonst wäre ich in eine Bulimie gerutscht.

Ich nahm weiter zu.

Meine Mutter machte eine Diät und sagte, dass ich mitmachen müsse, da es so nicht weiterginge. Beim Abendessen wurde ich daraufhingewiesen, dass es ja nun wirklich genug sei. Und die heimlichen Essattacken wurden noch schlimmer. Ich kämmte meine Haare nicht mehr, zog mich nicht mehr schön an. Mein Selbsthass wurde sichtbar nach außen. Und ich baute Mauern aus Fett um mich herum. Mit ca. 18 Jahren traute ich mich seit Jahren auf die Waage und war geschockt. Ich setzte mir ein Zielgewicht, dem ich bis heute hinterherrenne.

Ich fing wieder an, abzunehmen und machte verbissen und zwanghaft Sport, nahm ab, bekam wieder Komplimente, aber fühlte mich weiter zu dick. Dann ging ich weg zum Studium und hatte die Illusion, dass alles gut würde, da ich ja meine Ursprungsfamilie und die Probleme hinter mir ließ. Ein Trugschluss, denn ich nahm mich ja selbst mit. Alleine in meiner Wohnung gab es auch wieder Fressattacken. Teilweise war mein Kühlschrank komplett leer, damit ich nichts essen konnte. Ich versuchte, mich von Kaffee und Zigaretten zu „ernähren“.

Doch wenn der Fressdruck zu groß wurde, dann kochte ich mir mitunter eine Packung Nudeln und aß sie mit Butter und Salz, das einzige, was im Haus war, schlang ich in mich hinein, aber die Leere in mir wurde nie gestillt. Oder ich ging vorsätzlich einkaufen. Plante den Essanfall schon, Berge an Süßigkeiten, die ich mir sonst strikt verbot. Es war ein auf und ab. Fressen und zunehmen, Diät halten, hungern, abnehmen, dann wieder Essattacken, starke Gewichtsschwankungen. Und immer präsent war der Selbsthass.

Es gab Phasen mit Alkoholexzessen, unzählige One-Night-Stands auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit, die ich nicht fand, Versuche mit Drogen, Zigaretten, durchgemachte Nächte, Probleme im Studium. Ich gin zu einer psychologischen Beratungsstelle, sprach erstmals über meine Schwierigkeiten. Das war erleichternd, hat mich voran gebracht, doch die Esstörung blieb. Dann ging ich ins Ausland, aber auch da kam die Essstörung mit. Zurück aus dem Ausland wechselte ich die Uni und brach schließlich mein Studium ab. Da saß ich nun, dick und ohne Plan. Die Eltern machten Druck, obwohl sie gleichzeitig Verständnis zeigten.

Ich war ganz weit unten.

Dann schließlich wusste ich, was ich wollte. Im sozialen Bereich arbeiten. Wollte Sozialpädagogik studieren und machte mein Praktikum ausgerechnet in einer Beratungsstelle für Essstörungen. Anschließend hatte ich noch Zeit bis zum Beginn des Studiums in einer neuen Stadt. Ich jobbte, genoss den Sommer, machte Diät und Sport und wurde so schlank wie noch nie. Ich dachte, ich hätte es geschafft, doch weit gefehlt. Denn schlank sein löste auch nicht mein Problem. Mein Selbstwertgefühl war immer noch ganz klein.

Ich begann mein Studium der Sozialpädagogik und zog es verbissen durch, denn ich hatte das Gefühl, schon so viel Zeit verschwendet zu haben (ich war 24 zu Studienbeginn). Die Essstörung kehrte wieder, ich machte immer wieder Diäten, exzessiv Sport (bis zu 6 Mal Krafttraining plus joggen in der Woche), dann wieder Essanfälle. Schließlich kam ich an einen Punkt, an dem ich nicht mehr konnte.

Ich musste mich krank melden bei meinem Nebenjob und suchte mir therapeutische Hilfe. Eine neue Diagnose, Depressionen, ich nahm zusätzlich Antidepressiva. Die tiefenpsychologisch orientierte Therapie brach ich schließlich ab. Mein Studium brachte ich zu Ende mit 29 Jahren, fand einen Job in der Erwachsenenpsychiatrie, machte Karriere, Führungsposition, Stress mit dem ich nicht umgehen konnte. Migräne mit neurologischen Ausfallerscheinungen, weiterhin Antidepressiva, die ich mal nahm, dann wieder absetzte.

Dann gab es schließlich eine Phase 2010, in der ich mit mir und der Welt im Reinen war. Ich machte Sport, trainierte für einen Halbmarathon, fühlte mich in meinem Körper wohl und ich wollte keine Affären mehr. Ich wollte eine stabile Beziehung, hatte endlich keine Angst mehr davor, verletzt zu werden. Ich lernte meinen jetzigen Mann kennen und alles schien gut. Doch es gab auch immer wieder depressive Schübe, heimliches essen von Süßigkeiten, wenn auch nicht mehr so extrem wie früher.

Ich war schon lange nicht mehr übergewichtig, aber ein bisschen zu dick fühlte ich mich immer noch. Wegen der Depressionen war ich zum Teil im Job krank geschrieben, ein weiteres Psychopharmakum wurde mir verschrieben, das mich völlig umhaute. Ich setze es sofort wieder ab.

Dann der Wendepunkt. Ich wurde schwanger.

Ich setzte das Antidepressivum ab und es ging mir gut in der Schwangerschaft. Doch ich sah die Schwangerschaft auch als Ausrede, viel essen zu können und nahm recht viel zu. Nach der Geburt meines ersten Sohnes machte ich wieder Diät, schlank im Schlaf, verbissen, und ich nahm ab bis zu meinem „magischen“ Zielgewicht. Und war so stolz. Dann fing ich nach 12 Monaten Elternzeit wieder an zu arbeiten, zurück in meine Führungsposition, aber in Teilzeit und nichts war am Arbeitsplatz wie vorher.

Zusätzlich hatten wir ein Haus gekauft und lebten auf der Baustelle mit Kleinkind. Ich dachte, ich könnte alles schaffen. Miss Perfect. Chefin in Teilzeit, die Ansprüche meiner Mitarbeiter erfüllen, die meiner Vorgesetzen, dann zu Hause das Kind übernehmen, damit mein Mann das Haus renovieren konnte, Haushalt schmeißen und abends und am Wochenende mit anpacken beim Umbau. Achso? Das kann man doch nicht schaffen? Ich dachte, ich könnte es. Fazit: Nach drei Monaten konnte ich nicht mehr.

Meine Psychiaterin schrieb mich krank, wieder Antidepressiva, aber ich muss doch gesund werden und arbeiten. Was ist mit den Mitarbeitern? Den Klienten? Nach 5 Wochen wieder zurück auf die Arbeit. Nach 3 Tagen saß ich zitternd am Frühstückstisch, habe geheult, ich kann nicht. Wieder eine Krankschreibung. Ich suchte mir erneut therapeutische Hilfe, einen Verhaltenstherapeuten, der knallhart war. Bei dem musste ich richtig an mir ackern. Aber es half. Ich entschloss mich, meine Elternzeit zu verlängern und konnte mich darauf konzentrieren, wieder gesund zu werden.

Ca. ein Jahr später ging es mir wieder gut.

Ich brauchte eine neue Aufgabe, hatte aber Angst, an meinen alten Arbeitsplatz zurückzugehen. Es fühlte sich nach Scheitern an, ich hatte es nicht geschafft, ich schämte mich, hatte das Gefühl, ich hätte meine Mitarbeiter im Regen stehen gelassen. So schrieb ich Bewerbungen und hatte zwei Vorstellungsgespräche, gleichzeitig ließen wir der Natur ihren Lauf. Ich wurde schnell schwanger, also erstmal kein neuer Job, aber ein zweites Kind. Mein zweiter Sohn wurde geboren. Und nur 5 Wochen nach der Geburt beschloss ich, die Schwangerschaftskilos müssen weg. Ich war sehr konsequent. Keine Diät mehr, sondern gesund essen, wenn ich hungrig bin, aufhören, wenn ich satt bin. Klang gut und vernünftig.

Ich las Bücher zu den Themen „Natürlich schlank“ und „emotionales Essen“, meldete mich in einem Abnehm-Forum an, fand Gleichgesinnte und nahm ab. Unterschritt mein magisches Zielgewicht sogar knapp. Und wieder dachte ich, ich hätte es geschafft. Jetzt „nur“ noch halten. Doch es gab im Forum Frauen, die waren „besser“ als ich. Disziplinierter. Noch konsequenter. Und dann setzte mir mein Bruder einen Floh ins Ohr. Dass ich doch jetzt auch noch die nächste Gewichtsgrenze knacken könne. Und der Zwang war wieder vollkommen da. Die Waage bestimmte, ob ich mich gut oder schlecht fühlte, jeder noch so kleine Bissen ohne Hungergefühl löste Schuldgefühle aus, ich zwang mich zum Sport, selbst wenn ich müde und erschöpft vom Alltag mit zwei Kleinkindern war.

Meine Gedanken kreisten zu 75 Prozent des Tages um Essen, Essensplanung, kochen, Gewicht, Sport. Ich probierte mich durch vegane und zuckerfreie Phasen, alles musste ganz gesund sein. Ich kochte zum Teil drei unterschiedliche Mahlzeiten. Eine für mich, eine für das Breikind und eine für meinen Mann und den älteren Sohn. Noch dazu musste ich achtsam essen, d.h. das Essen genießen, in Ruhe essen und es sollte auch noch gemeinsam gegessen werden. Was für ein Stress.

Und nichts anderes als eine Diät unter dem Deckmantel des gesunden Essens.

Dann kamen die Essanfälle wieder. Und ich stopfte mich heimlich mit allem voll, was ich mir zuvor versagt hatte. Und ich nahm wieder zu. Zusätzlich hatte ich jetzt noch eine Komponente: Ich verurteilte mich dafür, dass ich mich überaß, wo ich doch eigentlich wusste, woran es lag (Emotionen) und wie es anders ging (mich entspannen, nein sagen). Und ich schämte mich dafür, es wieder einmal nicht geschafft zu haben, mein Gewicht zu halten.

Wie geht es mir heute?

Ich bin müde. Ich möchte nicht mehr. Ich möchte mich nicht mehr anstrengen. Ich möchte am liebsten aufgeben. Ich möchte frei sein vom zwanghaften Essen. Ich versuche es immer wieder. Dann esse ich ein paar Tage gesund und entsprechend meinem Hunger, kann mitunter auch ein Stück Kuchen ohne schlechtes Gewissen genießen und dann habe ich doch wieder einen Essanfall. Und dann kommt da wieder diese Stimme: Du musst nur noch ein einziges Mal abnehmen, das schaffst du, hast du schon so oft geschafft und diesmal gelingt es dir auch, dein Gewicht zu halten und dann schaffst du es, dich selbst zu lieben.

Aber das ist alles Quatsch. Ich muss jetzt anfangen, mich zu lieben. So wie ich bin. Wieso ist das so schwer? Mein Mann liebt mich doch auch so, wie ich bin. Egal ob mit 10 Kilo mehr oder weniger. Und meinen Söhne wissen noch nichtmal, was Gewicht überhaupt ist. Doch wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich (meistens) nur das Fett, zum Teil beschimpfe ich mich als „fette Kuh“, „ekelhaft“, „widerlich“.

Ich empfinde mein Leben mit zwei kleinen Kindern und Berufstätigkeit als sehr anstrengend im Moment. Hinzu kommen der Perfektionismus und die starken Antreiber in mir. Du musst, noch mehr, noch höher, noch schneller, noch besser. Ich treibe mich an, ich beschimpfe mich, obwohl ich längst nicht mehr kann. Und dann werde ich wütend. Explodiere wegen Kleinigkeiten, schreie meine Kinder an, wünsche manchmal, ich hätte sie nie bekommen und verurteile mich selbst für diese Gedanken.

Und dann breche ich wieder heulend zusammen, verkrieche mich und mein Mann muss sich dann kümmern, weil ich nicht mehr kann. Eigentlich müsste ich sagen, ich brauche eine Auszeit, bevor ich zusammenbreche. Ich brauche Ruhe und Entspannung. Aber ich weiß gar nicht wie das gehen soll mit der Entspannung. Entweder ich mache Sport (und denke dann gleich wieder ans abnehmen) oder ich surfe im Netz zum Thema Essstörungen, lese Ratgeber und Selbsthilfebücher. Und habe doch das Gefühl, ich drehe mich nur im Kreis.

Jetzt habe ich den „zweiten Gang“ des Online-Workshops GEWICHTIG begonnen und bemerke bereits positive Veränderungen. Vieles davon kannte ich schon aus Therapien, Büchern, eigenen Erfahrungen, aber die Kombination aus Theorie und praktischen Übungen und v.a. die Aufteilung in mehrere „Gänge“ helfen mir sehr. Ich habe das Gefühl, es ist Arbeit und anstrengend, aber es ist kein Kampf mehr gegen mich selbst, den ich nur verlieren kann.

Dafür schon einmal an dieser Stelle, danke, Simone.

Ich bin sehr gespannt, wie es mir nach den 9 Wochen geht. Ich werde berichten…

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Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich bin mein lebenlang schon ein emotionaler Esser, wenig Selbstbewusstsein von Kindheit an,
meine Mutter hat sich für mich geschämt und mich wegen meines Gewichtes immer unter Druck gesetzt.

Andererseits, wenn vom Mittagessen noch Sachen übrig waren, hat sie sie auf meinen Teller geschoben.

So grob umrissen ist das meine Kindheit, geprägt von Unsicherheit und Zweifeln, viel Streit und eher wenig Zuneigung. Schlecht hatte ich es nicht, aber es fehlte viel Liebe und dafür gab es viel Zurechtweisung. Das ist zu komplex, um es aufzuschreiben.

Ich habe immer wieder Diäten gemacht, die erste mit 13 Jahren, aber ich habe lange Jahre nicht gewusst, warum ich nicht aufhören kann zu essen. Ihr kennt das sicher, man ist motiviert abzunehmen, das ist dann aber ratzfatz wieder weg, sobald sich der kleinste Misserfolg aufzeigt. Dieses Gefühl, sein Essverhalten nicht unter Kontrolle zu haben, nicht aufhören können zu essen ist unbeschreiblich. Dieser Selbsthass danach oder auch schon während des Essens.

Ich habe teilweise richtig viel abgenommen, bis zu XX kg, aber es nie halten können, dann kam dieser Automatismus wieder.

Ich habe gegessen wenn es mir gut ging, wenn es mir schlecht ging, wenn ich gestresst war.. immer. Ich mochte zeitweise gar keine Schokolade essen und habe mir trotzdem welche gekauft und sie verschlungen. Für das Wochenende habe ich soviel Essen gekauft damit ich auf jeden Fall für Sonntag genug hatte, bloß genug Vorrat haben, wie bei einem Raucher der nervös wird, wenn er nur noch eine angebrochene Packung Zigaretten hat.

Durch verschiedene Problemsituationen, Mutter krank und gestorben, Vater krank und gestorben, keine Chance auf Kinder, verunfallt, schlimme Beziehung gehabt etc., war ich vor ca. 2 Jahren so am Ende das ich gedacht habe, ich muss mir jetzt Hilfe holen. Ansonsten fresse ich mich zu Tode oder erledige das auch schon vorher. Ich hatte schon lange erkannt das, wenn ich meinen Problemen nicht auf den Grund gehe, ich niemals eine Gewichtsreduktion dauerhaft schaffe.

Also habe ich mich aufgerafft und eine Therapie begonnen, um Sachen aufzuarbeiten.

Vorher habe ich mich 2 Monate aus meinem Leben ausgeklinkt, um eine Weltreise zu machen, das hat mir sicherlich das Leben gerettet. Ist bestimmt nicht für jeden was bzw. konnte ich mir
das nur leisten, da meine Eltern mir etwas vererbt haben, aber es hat mir geholfen, mich von der ungesunden Partnerschaft zu befreien. Dies war der erste Schritt.

In der Therapie habe ich irgendwann nach einem Jahr erkannt, dass ich tatsächlich eine Essstörung habe. Ich habe einiges erklärt bekommen bzw. sehr an mir gearbeitet und dann war der Moment da, wo ich mein Leben verändern wollte. Ich habe 2 Wochen lang gefressen wie ein Schwein, leider passt die Umschreibung ganz gut, dann habe ich 8 Tage nichts gegessen, dann meine Ernährung umgestellt.

Es ging ca. 9 Monate sehr gut, sehr diszipliniert, aber dann hat die Therapie aufgehört und es fing wieder an, mir zu entgleiten. Ich habe ca. XX kg abgenommen, leider wieder ein paar Kilo drauf, diese versuche ich zu reduzieren bzw. mein Gewicht zu halten. Das habe ich vorher noch nie getan und es ist ein furchtbarer Kampf. Ich bin im Kopf immer noch eine sehr dicke Frau im Körper einer nicht mehr ganz so dicken Frau, aber ich bemühe mich, denn ich fühle mich gut gerade.

Immer noch zuviel Gewicht, Therapie setze ich fort denn ich schaffe das noch nicht alleine, aber ich habe das Gefühl, es wird besser. Ich werde immer viel über Essen nachdenken, ich werde mich immer disziplinieren müssen, aber ich habe es immerhin erkannt und ich hoffe, es wird irgendwann leichter, denn ich möchte das, was ich jetzt habe nicht verlieren, wieder agiler und
lebensfroher zu sein, reiten zu können, eine gewisse Fitness aufgebaut zu haben, denn ich bewege mich so viel wie möglich, um diesen schlimmen Fressattacken wenigstens etwas entgegenzusetzen. Denn wenn ich diese habe, gerade letzte Woche wieder 3 Tage lang, dann esse ich, bis mir schlecht wird.

Ich hoffe, ich resigniere nicht irgendwann, drückt mir die Daumen!

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Warum Ich diese Geschichte preisgebe?

Ich habe seit 3 Jahren meine Magersucht überstanden, erfolgreich. Ich hungere nicht mehr, Ich liebe gutes Essen und guten Wein. Ich brauche nicht ständig zum Sport eilen um mich gut zu fühlen.

Aber ich schreibe diese Geschichte, weil meine Schwester mir vor einer Woche mitteilte, dass sie mit 20 Jahren an Bulimie erkrankt ist und es mir 4 Monate verschwiegen hat um mich zu schützen. Es fühlt sich an als würde eine Welt über mir zusammen brechen…

Ich hab seit vielen Jahren durch viel Lebensqualität den Sinn der eigentlichen Magersucht verloren.

Aber nun zu meiner Geschichte. Ich war damals 14 Jahre alt, sehr sportlich und ehrgeizig, so wie viele Essgestörte. Mein Leben war eigentlich traumhaft. Ich hatte viele Freunde, war Turnerin und hatte ein Pflegepferd. Meine Eltern unterstützten mich, wo es nur ging.

Doch dann wurde ich 15 und nahm urplötzlich an Gewicht zu, als ich mit der Anti-Babypille anfing. Innerhalb von 3 Wochen nahm ich drei Kilo zu. Ich hatte immer viel und ausgewogen gegessen und hatte nieeee Probleme mit dem Essen. Ich wurde immer schon für mein Aussehen bewundert.

Doch jetzt die paar Kilo mehr? Damit kam ich nicht klar, ich musste abnehmen! Ich ernährte mich dauerhaft weiterhin gesund und macht viel Sport und ging ins Fitnessstudio. Doch anstatt abzunehmen wurde ich zwar muskulöser aber nicht schlanker. Also beschloss ich, eine Radikal-Diät zu machen und verlor innerhalb weniger Wochen an Gewicht aber auch Kraft. Langsam merkte ich wie sehr ich an Kraft verlor, meine Konzentration und meine Lebenskraft ließen nach. Aber mir gefiel – oder viel mehr meiner Perfektion gefiel – wie diszipliniert ich in kurzer Zeit so viel Gewicht abgenommen hatte. Ich beschloss, dass es genug war.

Doch was esse ich nun? Mein Hungergefühl? Was ist das überhaupt? Ich war mir nicht mehr bewusst was Hunger eigentlich ist, da ich dieses Gefühl dauerhaft unterdrückt hatte. Ich beschloss,  mich im Internet schlau zu machen und fand heraus, dass man mit XX kcal nicht wirklich zu oder abnehmen sollte. Nun gut, also fing das Kalorienzählen an.

Mir täglich Gedanken darum zu machen, was denn genug sei und immer mehr Kraft und Lebenslust zu verlieren, wurde mir irgendwann zu viel. Meine Eltern fingen an, sich Sorgen zu machen und als ich eines abends betrunken nach Hause kam und meinen Eltern mit Tränen in den Augen erzählte was los war, wussten sie schon lange Bescheid.

Ich musste mit meinem geliebten Sport aufhören, der der eigentliche Bestandteil meines Lebens war. Doch die Kraft war nicht mehr da, um es weiter durchzustehen. Doch ich wusste nicht mehr, was ich mit meinem Leben noch anfangen sollte. Ich verirrte mich immer und immer wieder in den Alkohol um in meinem Leben immer mal wieder etwas Freude zu haben, doch dies hielt nur für Stunden. Meine Eltern fingen an sich zu streiten, was sie wirklich nur selten taten, da meine Eltern ein Herz und eine Seele sind und meine Schwester litt dauerhaft und bekam nie die nötige Aufmerksamkeit, die sie sich eigentlich erhofft hatte. Und so ging ein quälendes Jahr vorbei bis ich mit XX Kilo in die erste Klinik kam.

Meiner Meinung nach der schlimmste Aufenthalt, den ich je hatte in einer Klinik. Wir mussten essen was auf den Tisch kam und durften erst gehen, wenn alles aufgegessen war. Mit einigen Kilo mehr sagten mir die Therapeuten, ich dürfe gehen. Also aß ich heimlich auf meinem Zimmer bis ich endlich mit XX Kilo den „Laden“ verlassen durfte.

Mir war nur klar, dass ich danach wieder abnehmen würde und einfach viel Sport machen würde, also back to basic hey? Ich fing an, jeden Tag stundenlang zu joggen und Kalorien zu zählen. Ich fand einen ersten netten Mann mit 17 Jahren, der mir eigentlich hätte Kraft geben sollen. Aber das tat er nicht, ganz im Gegenteil, er meinte nur ich sei doch gar nicht dick. Alsoooo .. genau XX Kilo später und mit zerstrittenen Eltern wurde ich nach Bad Oeynhausen geschickt und dieses mal hatte ich den Willen, etwas zu verändern. Warum sollte diese Krankheit und diese Stimmen im Kopf mein Leben beherrschen? Meinen Sport und meine Lebensenergie wollte ich wieder haben. Ich wollte dafür kämpfen.

Und das tat Ich. Bad Oeynhausen ist bis heute glaube ich eine von den Kliniken, die mir Kraft gaben. Während der Therapie wurde mir klar, dass ich durch die Veränderung der Hormone im Körper auch noch Angstzustände und Depression bekam. Ich habe nach 9 Wochen mit XX Kilo die Klinik verlassen. Ich war auf dem Weg der Besserung. Da ich mich damals viel mit meinen Eltern gestritten hatte war klar, dass ich mit 18 sofort ausziehen würde und das tat ich auch.

Ich werde nicht weiter auf die Einzelheiten der Magersucht eingehen in meinem Text da wir alle wissen, wie es ist mit der Krankheit zu leben und ich habe gelernt, der Krankheit so wenig Aufmerksamkeit wie es geht zu schenken. Ich lernte wieder einen Mann oder sagen wir Jungen kennen, der mir Kraft gab. Ich zählte mit 18 Jahren immer noch Kalorien und fühlte mich oft noch schwach. Doch ich hatte Sex, konnte essen ohne mich schlecht zu fühlen und ich ging zu Schule. Als alles wieder relative gut klappte, fing ich an mir einen Job zu suchen um mich abzulenken da ich immer noch Stimmen im Kopf hatte, die mir sagten, was ich tun sollte.

Ich fing an, als Kellnerin zu arbeiten. Ich bekam Geld und konnte mir meine eigenen Dinge kaufen. Ich arbeitete und ging zur Uni. Ich konnte unbeschwert mit meinen Arbeitskollegen abends eine Pizza essen. Ich arbeitete viel und feierte viel und hatte um die XX Kilo. Es war okay so wie es war. Depression und Angstzustände waren leider immer noch da doch durch den Job erhielt ich Selbstbewusstsein welches mich stärkte.

Mit 20 Jahren beschloss ich mein BWL Studium abzubrechen und mich von meinem Freund zu trennen, da es einfach nicht klappte. Innerhalb von 2 Monaten beschloss ich, mich aus Deutschland zu verabschieden und reisen zu gehen. Ich hatte panische Angst wie es sein würde mit Depressionen zu reisen, doch ich wollte mir den Schritt beweisen. Ich hatte gelernt, dass Dinge außerhalb meiner Comfort Zone meine Krankheit in den Hintergrund rückten lassen.

Ich flog also nach Australien für ein Jahr und reiste dann durch Asien. Ich wog nach einem halben Jahr XX Kilo, da wir viel Alkohol tranken und nur Müll aßen, aber hey es war okaaay. Ja genau, es war okay. Das Reisen und Leben ausserhalb der Welt die ich kannte, gab mir das unglaublich glückliche Gefühl, im Leben wieder einen Sinn zu sehen. Ich fing an zu surfen und ich hatte DEN Sinn in meinem Leben wiedergefunden, etwas was mir Spass machte.

Diese Verbundenheit zur Natur gibt mir ein Gefühl, dass diese ganze Geschichte des Schlankseins uns durch die Medien in die Köpfe gesetzt wurde. Was hat Schlanksein für einen Sinn im Leben??? Anerkennung? Genau, und diese brauchen wir in der heutigen Welt, so wird es uns jedenfalls eingetrichtert, damit wir wenige Jahre später an einer Essstörung oder Burn out erkranken nur weil wir Ansehen brauchen. Super Deal oder? Wer an einer Essstörung erkrankt weiß genau, wie die Lebensqualität schwindet und die Krankheit das Leben bestimmt.

Versteht mich nicht falsch, ich schaue immer noch ab und an skeptisch in den Spiegel und denke mir „Was wäre wenn?“ Mein momentanes Leben aufgeben? Das Surfen, das Reisen, die Menschen, die Kulturen, mir meine Lebensenergie nehmen lassen nur um schlank zu sein? Neeeein danke. Ich studiere mittlerweile in einer kleinen Stadt in Holland, habe tolle Freunde kennen gelernt und fliege ab und an mal um die Welt. Ich wiege um die XX Kilo und mach 3-4 mal die Woche Sport und den brauche ich einfach um mich wohl zu fühlen und meinen Kopf freizubekommen vom alltäglichem Leben. Es gibt manchmal Tage wo ich in die Gedanken zurückfalle, weil man jeden Tag aufs Neue daran erinnert wird, dass man ja schlank und gut aussehen muss um im Leben was zu schaffen (Danke Social Media).

So das war nun die Kurzfassung meines Abenteuers. Ich hatte es verdrängt jemals darüber zu schreiben, doch ich will meiner Schwester mit diesem Beitrag helfen und ihr zeigen, dass es nicht so sein muss und ich hoffe, sie damit zu unterstützen. Ich weiß, dass jeder Tag eine Qual ist, aber es muss nicht so sein!!!

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich bin jetzt 19 Jahre alt und habe vor fast 6 Jahren eine ernste Diät angefangen. Auch vorher hab ich mich schon unwohl in meiner Haut gefühlt und hatte abwechselnd Binge Eating Anfälle, aber manchmal auch lange Hungerphasen. Die Fressanfälle sind aus Frust immer häufiger geworden, sodass ich mich zunehmend unwohl gefühlt habe. Also habe ich mir selbst einen Schlussstrich gesetzt, besonders nachdem ich gesehen habe, wie viel meine ehemalige langjährige beste Freundin abgenommen hat. Wir haben sozusagen beschlossen zusammen abzunehmen, woraus damals unbewusst ein Konkurrenzkampf wurde.

Ich wollte immer dünner und somit scheinbar besser sein als sie. Ich dachte immer ich wäre die einzige von uns beiden die so denkt, aber das war ich scheinbar nicht. Wir sind in einen echten Teufelskreislauf geraten bis ich bei einer Größe von 170 cm irgendwann nur noch XX kg gewogen habe. Im Gegensatz zu den Eltern meiner Freundin haben meine Eltern die Notbremse gezogen und mich in eine Klinik gesteckt, weil ich sonst an den Folgen von Unterernährung gestorben wäre. Gefühlt war das der schlimmste Tag meines Lebens, da ich aus der Schule und meinem normalen Alltag gerissen worden bin. Ich war damals erst 14, Schülerin eines Gymnasiums und schon immer extrem perfektionistisch, was auch der eigentliche Grund für meine Anorexie und mein Streben danach besser, schöner, schlanker als meine beste Freundin zu sein war.

Zunächst landete ich für eine Woche in einer geschlossenen Klinik. Da ich nicht bereit war Trinknahrung zu mir zu nehmen, da ich generell nicht gesund werden wollte, wurde mir quasi beim Verhungern zugesehen. Ich nahm weiterhin ab und schließlich wurde ich nach einer Woche in eine offene Klinik verlegt, wo mir zwar strikte Regel vorgesetzt wurden, jedoch handelte es sich um eine DBT-A Klinik für Jugendliche. Wichtig zu wissen ist, dass DBT insbesondere bei Borderlinepatienten hilfreich ist. Deshalb habe ich dort 10 unnötige Monate verbracht ohne viel Veränderung. Ich habe lediglich 3-4 kg zugenommen und war hinterher insgesamt in einer schlechteren Verfassung als vorher. Ich wurde schließlich auf eigenen Wunsch entlassen.

Aufgrund der langen Fehlzeit war es mir unmöglich in der Klinik alles schulische aufzunehmen, da wir dort nur täglich ca. 1 Stunde Schule hatte. Also musste ich die 9. Klasse sozusagen mehr oder weniger freiwillig wiederholen. In meiner Klasse fühlte ich mich überhaupt nicht wohl und integriert und deshalb habe ich schließlich darauf bestanden in die Parallelklasse zu wechseln. In dieser Klasse war dann auch meine beste Freundin mit der ich während der Zeit in der Klinik gar keinen Kontakt mehr hatte, weil sie sich überhaupt nicht gemeldet hat. Ich hab gesehen, dass sie angefangen hat an Gewicht zuzunehmen und damit ging es mir richtig gut.

Es hört sich jetzt vielleicht gemein an, aber das hat mein Ego gestärkt. Sie hat mich sozusagen dazu angestachelt auch zuzunehmen. Da ich mich sowieso schon immer danach gerichtet habe, was sie tut, fiel mir das auch leicht. Ich hab also zugenommen, wog dann irgendwann XX kg. Mir ging es das erste mal seit langen mal wieder richtig gut! Leider hielt diese Phase nur für wenige Monate, ca. ein halbes Jahr, an. Der Grund dafür war, dass ich im Mexikourlaub weitere 2 kg zugenommen hatte und somit mit Wunsch/-Zielgewicht überschritt. Es war einfach zu viel auf einmal. 2 kg innerhalb von 2 Wochen war happig.

Zeitgleich hatte meine Freundin sich wieder runtergehungert, was mir natürlich auch zu schaffen gemacht hat. Also hab ich ab diesen Zeitpunkt angefangen weniger zu essen, um die 2 kg wieder los zu werden. Zwar hab ich es vermieden mich ab diesem Zeitpunkt zu wiegen, weil der Schock über die zusätzlichen 2 kg zu groß war. Alle Versuche mich wieder runterzuhungern scheiterten. Ich aß nur noch zweimal am Tag irgendwann nur noch einmal und etwas Obst, blieb dennoch im Normalgewicht, da mein Stoffwechsel extrem geschädigt war. Das frustrierte mich natürlich extrem, insbesondere weil meine Freundin immer weiter abnahm bis sie wieder im Untergewicht war, was sie bis heute ist.

Ich hingegen hab mein Gewicht bis vor etwas 8 Monaten gehalten (laut Augenmaß da ich mich ja nicht gewogen hab, aber wer weiß, ob das stimmt wegen der falschen Selbstwahrnehmung und so weiter). Ich aß also genauso viel wie sie und war dennoch das Doppelte. Ich fühlte mich schlichtweg ungerecht behandelt. Generell war sie immer „die Bessere“, „die Schönere“, „die Zerbrechlichere“, „die Stillere“… alles was ich anstrebte. Sie wurde quasi ein Idealbild für mich und das Vergleichen wurde eine Sucht. Der Kontakt zu ihr wurde immer schwieriger, da sie seit dem Mexikourlaub mittlerweile einen Freund hatte, der seit 2 Jahren auch bei ihr wohnt. Sie hatte also von da an keine Zeit mehr für mich, grenzte sich immer mehr an und redete nicht mehr viel, auch nicht mit mir als ihre beste Freundin!

Ich hatte das Gefühl nur noch gut zu sein, wenn sie was brauchte. Davon hatte ich die Nase voll und hab es seit ca. 8 Monaten geschafft mich von ihr abzugrenzen. Ich bin stolz auf mich, dass ich das geschafft habe! Zwar vergleiche ich mich immer noch häufig, aber ich gehe ihr aus dem Weg. Das ist ein Ziel, das ich versucht habe jahrelang zu erreichen. Leider bin ich immer gescheitert. Zu dieser Zeit fing es an uns schlechter zu gehen, weil wir nun in der 12. Klasse waren und beide zunehmend gestresst waren. Deshalb fing ich auch an nichts mehr zu essen. Radikaler denn je!

Ich nahm also innerhalb weniger Monate wieder fast alles ab. XX kg wog ich im Endeffekt nur noch, bis meine Eltern, mein Freund und auch meine Lehrer ernst wurden. Meine Rektorin und ein paar Lehrer machten mir Angst, dass ich so mein Abitur nicht schreiben könnte. Also bemühte ich mich, mein Gewicht zu halten. Mittlerweile hab ich mich in einer Spezialklinik beworben, wo ich auch bald hingehen werde, um vor allem meine Gedanken und die Depression in den Griff zu kriegen, die ich in letzter Zeit erlitten habe. Mein Freund war es letztendlich, der mir so viel Druck gemacht hat, die ganze Sache jetzt in den Griff zu kriegen und selbst was zu ändern! Hier und jetzt! Denn je früher, desto besser. Und das Wertvollste was ich habe zu verlieren, will ich nicht riskieren. Vorher war ich wirklich unentschieden, ob ich das mit der Klinik wirklich durchziehen soll, aber jetzt bin ich entschlossen dazu! Klar wird es schwer, aber ich gehe die Sache mit viel Optimismus an und kämpfe!

Das kann jede Essgestörte schaffen! Glaub an dich!

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


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Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

So here we are, meine Geschichte. Ich bin 18 Jahre alt. Meine erste Diät machte ich mit erst 8 Jahren. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass mich Zahlen definieren. Unsere Waage war aus irgendeinem Grund auf Pounds umgestellt, und so hatte ich – pi mal Daumen – das Doppelte meines eigentlichen Gewichts auf der Waage stehen.

Ich fühlte mich furchtbar, und obwohl ich zu dem Zeitpunkt leicht untergewichtig war (schnelles Wachstum usw.), hatte ich damals das Gefühl, dass die Waage nicht lügen kann. Ich war, meiner Meinung nach, offiziell dick und musste was dagegen unternehmen.

So ging es in den nächsten Jahren immer weiter und weiter. Aber in den meisten Phasen war ich vollkommen okay, habe mir wenig Gedanken darüber gemacht was ich essen soll, und was lieber nicht.
Mit 13 Jahren eskalierte es jedoch. Meine Mutter litt unter Magersucht und hat immer mehr und mehr abgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war ich leicht übergewichtig. Meine Mutter war unheimlich stolz auf ihren Gewichtsverlust und posierte förmlich vor mir und meinem Vater mit ihren Knochen. Mein Vater gefiel wie meine Mutter aussah, und fing eines Tages damit an, mir zu sagen ich sei fett. Ich solle meine Mutter anschauen, die so unglaublich schön dünn (unglaublich krank) aussah, und so soll doch eine Frau aussehen. (Welch Lüge…)

Meine Eltern und ich hatten nie ein gutes Verhältnis, ich wurde über Jahre hinweg misshandelt und unterdrückt, aber dies ist eine andere Geschichte.

Auf jeden Fall fiel mir auf, wie viel Anerkennung, wie viel Liebe, meine Mutter durch ihren Gewichtsverlust von meinem Vater erhielt. Und dies wollte ich auch. Ich wollte nicht mehr eingesperrt werden, erniedrigt, beleidigt und geschlagen werden, ich wollte von meinem Vater hören:“Wow, schau wie du abgenommen hast, ich bin so stolz auf dich!“ Fataler Fehler meinerseits, dass ich dachte, dies würde jemals eintreffen.

An diesem Abend saß ich in meinem Zimmer und aß meine Lieblingssüßigkeiten, plötzlich schoss eine Stimme in meinem Kopf, die förmlich schrie. Sie schrie, wie dumm und fett ich doch sei, dass ich – obwohl ich doch die Liebe und Anerkennung meines Vaters möchte – so etwas meinem Körper zuführe. Also ging ich das erste Mal in meinem Leben aufs WC, und ließ das Essen verschwinden. Der Anfang von meinem Teufelskreis.

So gingen die Monate vorbei, in denen ich kaum aß, und wenn, erbrach. Ich verlor unglaublich viel Gewicht, und eh ich überhaupt schauen konnte, war ich untergewichtig. Es fiel jedem auf, jedem, außer meinen Eltern. Ich war gezwungen heimlich ins Krankenhaus zu gehen, um mir Kaliuminfusionen geben zu lassen, war heimlich in Essstörungsambulanzen um mich wiegen zu lassen. Denn eigentlich wollte ich das alles nicht. Ich hab gemerkt wie krank ich wurde und wie jeder Bissen zur Qual wurde. Die schlaflosen Nächte und das Zittern vor Kälte im Sommer. Das wollte ich nicht. Ich machte das doch alles nur aus Liebe zu meinem Vater, um zu hören: „So gefällst du uns!“ Doch sie trugen ihre Brille weiter und sahen nicht, wie krank ich geworden war.

Bis heute habe ich diesen Satz nie gehört…

Eines Tages bin ich bei einem Schulfest kollabiert und wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort bin ich für sieben Monate geblieben. Aber zurück zu meinen Eltern kam ich nie wieder. Das Jugendamt wurde vom Krankenhaus alarmiert und fand heraus was alles falsch lief. Ich kam in eine wunderbare Betreuung, die mir – um es ganz arg auszudrücken-  den Arsch gerettet haben. Ja, ich hatte meine Rückfälle. Ja, die ein oder andere Kaliuminfusion war in den letzten Jahren noch dabei. ABER, ich bin ich. Ich bin seit fast drei Jahren gewichtsstabil, verletze mich nicht mehr, geh mit Freunden essen und trinken, ohne danach zu weinen.

Ich schaffe es eine Beziehung zu führen. Und ich bin stolz. Vier Wörter, für die ich hart kämpfen musste, aber es zahlte sich unglaublich aus. Was ich mit meiner Geschichte sagen will: Egal wie aussichtlos eine Situation scheint, es gibt einen Ausweg. Damals mit 14, dachte ich nie, dass ich aus diesem Teufelskreis entkomme. Ich hatte mich damit abgefunden, dass die Essstörung nunmal ein Teil von mir ist. Aber das ist nicht wahr.

Ich habe die Essstörung, die Essstörung hat mich nicht.

Natürlich hat sie mich geprägt, die Zahlen, die Ängste, sie werden immer wieder kommen, aber sie sind mir bekannt. Und genau dazu habe ich einmal ein Gedicht geschrieben. Glaube an dich, glaube an deine Stärken, an deinen Mut, an deine Kraft. Du bist stärker, du hast das Recht zu leben, schlichtweg weil wir es alle wert sind, uns selbst zu lieben, weil wir es uns wert sind:

In den tiefen unserer Seelen befindet sich ein schweres Gewicht,
welches uns runterzieht, und wir verstehen es nicht.
In den tiefen unserer Seelen, versteckt sich ein loderndes Licht,
wird es verdrängt vom erdrückenden Gewicht?
Ganz unten in meinem Bewusstsein, sind Stimmen, so schrill, so laut.
Ihr kennt sie doch alle, doch habt ihr sie durchschaut?
Ganz unten in meinem Bewusstsein, sind Stimmen, so verachtend, so laut.
Ihr könnt es nicht verleugnen, diese Stimmen sind euch doch auch vertraut.
Manchmal möchte ich schreien, mich befreien,
alleine und doch geborgen sein.
Ich bin zerissen, und doch bin ich eins.
Hab ein schlechtes Gewissen, und gleichzeitig keins.
Ich möchte mich fliegen, und ich möchte mich fallen sehen,
möchte ich mich, oder doch die Welt verstehen?
Ich verliere die Kontrolle, doch sie hat mich im Griff,
sehe mich stabil, doch dann kentert das Schiff.
Stimmen, so beengend, und doch so befreiend.
„Hör auf zu strampeln, du bist doch dein eigener Feind.
Lass dich doch fallen, mit deinem schweren Gewicht,
ist nur deine Welt, die hier zusammenbricht.“
Plötzlich setzt eine Stimme ein,
sie klingt so stark, aber in der Farbe sehr fein.
„Vielleicht beginnst du aus dem Gewicht etwas Schönes zu bauen?
Akzeptieren zu leben und vor allem dir selbst zu vertrauen?“
Ich entscheide mich zu schwimmen und zu strampeln, bis ich das Ufer sehen kann.
Der Weg scheint erdrückend und ewig lang.
Doch dem Ziel werde ich jeden Tag näher sein.
Manchmal fordert mich ein Gewitter, um belohnt zu werden mit Sonnenschein.
In den tiefen unserer Seelen befindet sich ein schweres Gewicht,
es kann erdrückend sein, aber auch die Brücke zum Licht.
Tief in meinem Bewusstsein, sind Stimmen so stark, so laut.
Doch sie können mich nicht besiegen, sie sind mir ja vertraut.

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Ich bin 21 Jahre alt. Studentin. Ich komme aus einer intakten Familie und habe eine zwei Jahre ältere Schwester. Wenn ich am Wochenende ausgehe, sprechen mich viele Männer an. Ich bekomme Komplimente für mein Aussehen. Mir geht es gut. Jedenfalls denken das Außenstehende, denn man sieht mir auf dem ersten Blick nicht an, dass ich ein Geheimnis habe. Doch ich leide bereits seit vier Jahren an meiner Essstörung.

Im Sommer 2013 fing es an. Ich trug Hotpants, so wie alle anderen Mädchen an meiner Schule. Eigentlich fand ich mich schlank und ich dachte, mein Umfeld würde das auch denken. Doch an einem Tag hörte ich ein Mädchen in der Schule über mich lästern. Sie sagte, dass ich bei meiner Figur lieber keine so kurzen Hosen anziehen sollte. Ich schämte mich schrecklich. Diese Worte verletzten mich sehr. Die Meinung anderer ist mir schon immer sehr wichtig gewesen. Die Tatsache, dass das Mädchen das aus Neid gesagt haben könnte, da es eigentlich kräftiger war als ich, ignorierte ich. Die Unzufriedenheit mit meiner Figur wuchs wie eine Pflanze in mir, die durch solche Bemerkungen genährt wurde und so immer mehr gedeihen konnte.

In den Sommerferien lernte ich ein Mädchen kennen, das magersüchtig war. Wir freundeten uns an und verstanden uns sehr gut.

Sie war bereits in einer Klinik gewesen, doch ihre Magersucht konnte sie trotzdem nicht überwinden. Ich hätte Mitleid mit diesem Mädchen haben sollen, doch stattdessen beneidete ich sie. Ich wollte auch so sein. Auch die ganzen Komplimente, dass meine Figur so toll wäre, konnten daran nichts ändern. Ich wollte dünner sein.

Bevor ich dieses Mädchen kennengelernt hatte, war ich zufriedener mit meiner Figur gewesen. Doch im direkten Vergleich mit diesem dürren Mädchen fühlte ich mich viel zu dick und schwerfällig. Also beschloss ich, abzunehmen. Ich guckte mir ihre Tricks ab und wollte besser sein als sie. Zuerst begann ich, mir Pro-Ana-Foren durchzulesen. Sie sollten mich motivieren und meinen Willen abzunehmen verstärken. Zu dieser Zeit war meine beste Freundin in einem Austauschjahr in Japan. Im Nachhinein glaube ich, konnte die Essstörung mich so einfach übernehmen, da ich mich durch die Abwesenheit meiner besten Freundin so einsam fühlte. Außerdem hing ich noch sehr an meinem ersten Freund, der mit mir ein paar Monate zuvor Schluss gemacht hatte. Ich wollte ihn durch meine Gewichtsabnahme beeindrucken.

Die erste Woche meiner Diät klappte super. Ich war total motiviert und nahm 4 Kilo ab. Leider verließ mich meine Motivation gegen Ende der Woche und ich brach die Diät ab. „Du hast so ein Hungern doch gar nicht nötig, du bist schlank“, versuchte die gute Stimme in meinem Kopf mir einzureden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stimme der Vernunft in meinem Kopf noch genug Macht, um mein gestörtes Essverhalten erstmal auf Eis zu legen. Ich beschloss die Diät abzubrechen und wieder normal zu essen. Doch statt normal zu essen, aß ich noch mehr als vor der Diät. Drei Mal in der Woche Pizza waren keine Ausnahme. Ich konnte das schlechte Gewissen und die Schuldgefühle zu diesem Zeitpunkt noch ausschalten. Die abgenommenen 4 Kilo waren in wenigen Tagen wieder drauf.

Dann waren die Sommerferien um und ich wechselte die Schule. Ich dachte, alles würde gut werden. Ich war froh, ein Mädchen in der Stufe zu der ich wechselte bereits zu kennen. Leider ließ sie mich bereits an den ersten Tagen in der neuen Schule links liegen. Mit den anderen Mitschülern wurde ich auch nicht warm. Ich war die „Neue“ in der Stufe. Die Freundeskreise waren bereits komplett. Außer ein paar Bekanntschaften blieb ich alleine. In den Freistunden saß ich still an meinem Tisch während die anderen in ihren Cliquen zusammen saßen und lachten. Ich war nicht Teil der Gruppe. Irgendwie war es mir unangenehm, vor den anderen mein Pausenbrot auszupacken. Hatte ich es verdient zu essen, obwohl ich keine Freunde hatte? Es klingt absurd, aber mit meinen 17 Jahren hatte ich das Gefühl, es wäre falsch da alleine zu sitzen und dann noch Essen in mich rein zu stopfen. Stattdessen ging ich mit der Zeit in den Freistunden lieber nach Hause und ging joggen. Der Sport war eine gute Ablenkung von meiner Einsamkeit und ich setzte mir immer höhere Ziele. Im Sommer hatte ich nicht mal 3 Kilometer am Stück durchhalten können, nun schaffte ich locker fünf. Sieben Kilometer waren mein nächstes Ziel.

Anfang Herbst hatte ich ohne großes Hungern wieder ca 4 Kilo abgenommen und ich hielt das Gewicht. Durch den Schulwechsel hatte ich allgemein weniger Appetit und ich hielt an das regelmäßige Joggen fest. Einmal waren meine Eltern mit mir spazieren. Meine Mutter sagte zu meinem Vater, dass ich abgenommen hatte. Ich freute mich unheimlich darüber. Die Wochen vergingen und immer mehr Leuten in meinem Umfeld fiel auf, dass ich abgenommen hatte. Die Rückmeldungen waren positiv…

Anfang der Herbstferien ging ich auf eine Party meiner alten Stufe. Da war auch das Mädchen, dass mich ein paar Monate zuvor wegen meiner Hotpants und meiner zu stämmigen Oberschenkel kritisiert hatte. Ich erfuhr, dass sie einer meiner Freundinnen an diesem Abend sagte, dass ich abgenommen hätte. Mich überfiel ein unheimliches Glücksgefühl.

Als sogar meinem Großvater auffiel, dass ich abgenommen hatte, war ich voll motiviert noch mehr abzunehmen. Ich wollte eine strickte Diät anfangen. Diesmal würde ich es durchhalten, da war ich mir sicher. Es lief ja bereits so gut. Das musste ich nutzen.

Ich aß zwei Mahlzeiten am Tag. Im Idealfall ab 12 Uhr nichts mehr. Außerdem trieb ich viel Sport. Durch diese Methode purzelten die Kilos. Mir gefiel der Neid meiner Schwester auf mich. Sie war immer etwas übergewichtig gewesen, wollte schon immer abnehmen, aber es gelang ihr nicht. Doch ich hatte genug Disziplin, ich wurde immer dünner, während sie zunahm.

Trotz allem fand ich mich immer noch zu dick. Wenn ich im Nachhinein Bilder vergleiche, fällt mir erst auf, wie dünn ich wirklich war. Doch im Spiegel sah ich immer noch so viele Dinge die ich verbessern wollte. Die Lücke zwischen meinen Oberschenkeln sollte größer werden, die Taille schmaler, der Bauch flacher. Ich wollte genauso wie meine magersüchtige Freundin werden. Sie war mein Vorbild und gleichzeitig meine größte Konkurrentin. Ich distanzierte mich von ihr, da der Neid auf sie immer unerträglicher wurde.

Durch das ständige Hungern bekam ich oft Heißhungerattacken. Dann stopfte ich alles in mich hinein und anschließend erbrach ich es. Gleichzeitig trank ich literweise Diätgetränke und kaute ununterbrochen zuckerfreien Kaugummi. Davon hatte ich oft Magenkrämpfe. Meine Eltern machten sich starke Sorgen um mich, doch sie hatten keine Ahnung wie schlimm es wirklich war. In meinen Freistunden ging ich nicht mehr joggen, sondern ich ging nach Hause um in aller Heimlichkeit – während meine Eltern auf der Arbeit und meine Schwester an der Uni war – Essen in mich rein zu schlingen und es anschließend zu erbrechen. Des Öfteren kam ich nach solch einer Fressattacke in der Freistunde zu spät zur nächsten Stunde. Es geriet außer Kontrolle.

Ich war regelrecht besessen von dem Erbrechen. Es half mir, den Druck abzulassen. Es befreite mich. Es ließ mich nicht im Stich. Selbst Warnsignale wie Nasenbluten während des Erbrechens, oder rote Pünktchen unter den Augen (wegen der aufgeplatzten Äderchen) konnten mich nicht abschrecken. Meine rechte Hand war vom Finger in den Rachen stecken aufgeschürft. Selbst das konnte mich nicht vom Weitermachen abhalten. Dadurch, dass unser Haus mehrere Bäder hat, konnte ich auch heimlich kotzen, obwohl meine Eltern zu Hause waren. Das ging so lange gut, bis mein Brechreiz durch das ständige Kotzen weniger wurde. An einigen Tagen funktionierte das Erbrechen plötzlich nicht mehr. Panik brach in mir aus. Ich versuchte, durch literweise Wasser trinken das Essen irgendwie hervor zu bringen. Doch es kam einfach nicht. In so Momenten war mir zum Heulen zumute. Dann kam mir die Idee, ein Abführmittel zu trinken. Dadurch hatte ich das Gefühl, entleert zu werden. Die Konsequenzen waren starke Magenbeschwerden und Nächte auf dem Klo.

Das Erbrechen war so tief in meinem Alltag verankert, dass meiner Familie das nicht entging. Meine Mutter reagierte auf Grund ihrer Verzweiflung wütend darauf. Unzählige Male wurde ich damit konfrontiert, zur Rede gestellt, angeschrien. Doch wenn ich auf frischer Tat unmittelbar nach dem Übergeben ertappt wurde, nahm meine Mutter mich weinend in den Arm.

Manchmal war die Gefahr erwischt zu werden, zu groß. Da meine Eltern ja über meine bulimischen Phasen Bescheid wussten und vor allem meine Mutter jedes Mal nachdem ich im Bad war, das Bad regelrecht inspizierte. Ich fand eine neue Lösung: Ich erbrach mich heimlich in meinem, oder dem Zimmer meiner Schwester, wenn sie nicht da war. Ich benutze große Plastiktüten. Anschließend steckte ich sie in meinen Kleiderschrank und brachte sie Nachts heimlich raus in den Abfalleimer.

Wenn ich besonders hungrig zu Bett ging, träumte ich von Essen. Ich hatte einige Albträume, in denen ich bergeweise Essen verschlang, doch keine Gelegenheit fand, mich zu erbrechen. Doch am schlimmsten war die Angst, wieder zuzunehmen. Eigentlich hätte es mich nicht gestört, etwas zuzunehmen, ich wusste dass ich dann immer noch schlank gewesen wäre, doch ich konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass mein Umfeld sehen könnte, dass ich zugenommen hatte und wieder „normal“ war.

Täglich hielt ich mich vor Spiegeln auf, zog Hotpants von früher an und freute mich, dass sie nicht mehr eng waren, sondern wie Zelte an mir abstanden. Ich fotografierte mich im Bikini, begutachtete im Spiegel, ob meine Knochen genug heraussahen. Zufrieden war ich nie.

Auch mein Sportprogramm wurde immer exzessiver. Ich joggte mehrmals die Woche 8 bis 13 Kilometer oder verbrachte 90 Minuten im Fitnessstudio auf dem Stepper. Leute die mir geschockt sagten ich sei zu dünn, machten mich glücklich. Das gab mir Bestätigung. Auch heute noch sehe ich nicht, wie ich wirklich aussehe, da ich das einfach nicht einschätzen kann. Egal ob 57, oder 50 Kilo, ich nehme mich immer gleich wahr. Nur die Waage und die Rückmeldungen meines Umfeldes helfen mir etwas, das einzuschätzen. Mit dem Joggen übertrieb ich es so sehr, dass ich bis heute Knieprobleme habe.

Eine Therapie wollte ich nie machen, da ich mich körperlich immer noch gesund fühlte und mich dafür schämte, noch nicht „dünn genug“ zu sein. Extremes Untergewicht hatte ich ja auch nie wirklich. Auf Flehen meiner Mutter hin ging ich eine kurze Weile zu Sitzungen in der Karitas. Doch sie frustrierten mich mehr, als sie mich aufbauten. Ich weiß nicht wieso, aber ich fühlte mich fehl am Platz. Ich war noch nicht dünn genug für eine Therapie.

Über die Jahre schwankte mein Gewicht, genauso wie mein Leben. Mal ging es auf, dann wieder ab. Meistens nahm ich unter besonderen Umständen ab oder zu. Als ich vor zwei Jahren mit meinem damaligen Freund zusammenkam, nahm ich zu, da ich so glücklich war und es mir gut ging. Im Laufe der Beziehung verflog das Verliebtsein und damit kam die Unzufriedenheit mit mir selbst wieder zurück.

Bei schlechter Laune oder Einsamkeit greife ich zum Essen und erbreche es. Manchmal entscheide ich mich auch zu hungern. Ich weiß nie genau, welche Phase ich als nächstes durchmachen werde. Auch heute leide ich noch an einer Essstörung. Ich möchte mich zwar nicht zu Tode hungern, doch meine Idealvorstellung ist, dass ich ca XX Kilo wiege (bei meiner Körpergröße Untergewicht) und dünn bin. Ohne die Essstörung würde ich das nicht hinbekommen.

Vergangenen Herbst war ich mit meinem damaligen Freund im Urlaub. Eigentlich hatte ich mich so auf das All Inclusive Buffet gefreut, da ich davor mal wieder einige Kilos verloren hatte und daher auch bereit war, 2 Kilo zuzunehmen. Doch dann kam alles anders. Ich konnte das ganze Essen die 10 Tage über einfach nicht mit mir vereinbaren. Im Spiegel sah ich ein dickes Monster. Ich bildete mir ein, dass meine Klamotten mit jedem Tag enger wurden. Ich verbrachte viele Momente auf dem Klo, um das Essen vom Buffet wieder loszuwerden. Wenn ich mir heute die Bilder aus dem Urlaub ansehe, erkenne ich wie dünn ich da war.

Nun wiege ich immer noch deutlich weniger als mein Ausgangsgewicht. Ich habe mich in den letzten Wochen nur selten übergeben und mehr oder weniger normal und reichlich gegessen. Doch ich bin mit dem Gewicht alles andere als zufrieden. Jetzt habe ich mein Essen wieder eingeschränkt um 1 bis 3 Kilo abzunehmen. Ich glaube, diese Hoch und Tiefs, werden immer zu mir gehören. Dennoch stecke ich nicht mehr so heftig wie vor 3 bis 4 Jahren in derEssstörung und kann besser damit umgehen. Ich kann Essen auch genießen. Ich finde, ich bin ein Beispiel dafür, dass es noch immer viel zu viele Menschen mit Essstörungen gibt, bei denen man es eigentlich nicht erkennt. Klar, gab es Leute die über die Jahre sagten, ich sei magersüchtig, oder essgestört, doch alles im allen komme ich wie eine normale, sehr schlanke Frau rüber. Den innerlichen Kampf den ich führe, sieht man mir nicht an.

Und ich weiß, dass diesen Kampf viel zu viele Frauen führen.

Traurig ist, dass ich nicht eine Freundin kenne, die zufrieden mit ihrer Figur ist. Mir sind einige Mädchen bekannt, die sich schon mal nach dem Essen übergeben haben.

Ich liebe und hasse meine Essstörung. Auf der einen Seite gibt sie mir Unterstützung, durch sie weiß ich, dass egal wie alleine ich bin, ich immer etwas in mir trage, das mir irgendwie Schutz gibt. Auf der anderen Seite hat sie so viel kaputt gemacht. Sie hat meine Eltern zum weinen und zur Verzweiflung gebracht. Wir hatten so oft Streit deswegen. Auch heute noch sitze ich – wenn ich in den Semesterferien zu Hause bin – oft angespannt in meinem Zimmer, da ich weiß, dass meine Mutter kurz nach meinem Erbrechen ins Bad gegangen ist.

„Wird sie meine Kotzpuren entdecken? Habe ich alles gründlich genug weggemacht?“, denke ich in solchen Momenten voller Panik.

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

Heute ist es ein mutiger Mann, der seine Geschichte mit uns teilt:

Ich leide seit nunmehr gut zehn Jahren an einer Essstörung.

Ein begünstigender Umstand für meine Essstörung war meine Zugehörigkeit im System Leistungssport. Schon mit 8 Jahren bin ich zu einer Fußballbundesligamannschaft gewechselt. Ich habe mich dadurch immer sehr stark über den Sport, über meine Leistungsfähigkeit, definiert. Trotz des vielen Trainings war ich bis zum zwölften Lebensjahr eher moppelig. Ich habe einfach immer gerne gegessen.

Als ich 13 war, wurde ich von meinem Trainer dezent darauf hingewiesen, dass ich ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hätte. Fortan aß ich bewusster, was zunächst ja erstmal nichts Schlechtes ist. Je älter ich wurde, destor größer wurde der Druck beim Sport. Es wurde immer stärker selektiert und ausgesiebt. Auch wenn ich unumstrittener Stammspieler war und einen Rauswurf nicht fürchten musste, setzte ich mich auch selbst immer mehr unter Druck. Ich wollte es undbedingt an die Spitze schaffen und Profi werden.

Auch in der Schule wollte ich zu den Besten gehören, was mir bis zur Oberstufe auch gelang. In dieser Zeit fehlte mir ein Korrektiv im alltäglichen Leben. Meine Gedanken kreisten nur noch um den Fußball. Der Sport wurde mehr und mehr zu einer Art Werkzeug, mit der ich meine Verletztlichkeit und Minderwertigkeitskomplexe, die ich trotz der sportlichen und schulischen Erfolge hatte, zu überspielen versuchte.

Als ich dann 17 war, wurde ich von einem auf den anderen Tag auf die Bank gesetzt. Ich spielte in den Überlegungen des Trainers eigentlich keine Rolle mehr. Ich entwickelte einen krankhaften Ehrgeiz und wollte um jeden Preis zurück in die Stammformation. Dabei verlor ich mich selbst. Einer meiner Trainer merkte an, dass ich super Anlagen hätte, aber zu schmächtig sei und mir die nötige Ausstrahlung fehle.

Also meldete ich mich im Fitnessstudio an. Meine Tagen sahen zu der Zeit meist so aus: Schule, Essen, mit dem Rad zum Fitnessstudio, zurück nach Hause, Tasche packen, ab zum Fußballtraining, am Abend dann noch irgendwie Hausaufgaben. Anfangs machte ich sehr schnelle Fortschritte. Die damit verbundene Anerkennung meiner Teamkameraden tat mir gut. Ich glaubte fest daran, bald wieder in die Startelf zu rücken, wenn ich nur weiter hart trainieren würde.

Ein Trugschluss. Auf einem Turnier, bei dem ich Spielpraxis erhielt, wurde ich zum besten Spieler ausgezeichnet. Mein Trainer begegnete mir mit Sarkasmus: Wir können uns den Luxus leisten, unseren „besten Spieler“ auf der Bank zu lassen. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie mit mir damals umgegangen wurde. Aber ich muss mir auch an die eigene Nase fassen. Ich war einfach zu sensibel für diese Spielchen und ließ mich auch immer mal wieder hängen, weil ich nicht damit umgehen konnte, meine eigenen hohen Ansprüche zu erfüllen.

In der Schule ließ ich nach der Degradierung beim Fußball ebenfalls nach. Mit den Mädchen lief es ebenfalls nicht. So trainierte ich weiter verbissen. „Euch werde ich es allen noch zeigen“, dachte ich damals oft. Letztendlich wurde ich immer verbitterter. Ich begann, mich mit sportlergerechter Ernährung auseinanderzuseiten. Wieder wollte ich meine empfundenen Unzulänglichkeiten mit sportlicher Leistungsfähigkeit kompensieren. Muskelberge sollten Schutzschild für mein innerliches Zerbrechen sein. Ich steigerte mich immer mehr in das Thema Fitness und Ernährung rein.

Irgendwann entwickelte ich eine Russisch-Roulette-Mentalität. Wie beim Roulette gab es nur noch zwei Farben in meinem Leben. Alles oder nichts. Ich durchschritt Phasen, in denen ich mich knallhart an auferlegte Ernährungspläne hielt und wie ein Besessener trainierte. Diese disziplinierten Phasen wechselten sich – vor allem nachdem ich den Sprung aus der A-Jugend zu den Amateuren nicht gepackt hatte und das Fußballspielen erst einmal aufgegeben hatte – mit Phasen ab, in denen ich mich selbst aufgab.

Ich stopfte mich aus Frust voll, empfand Selbstekel und schämte mich. Ich entwickelte eine Essstörung, die ich nicht genau definieren kann. Ich denke, es ist eine Mischform aus einer Binge-Eating-Disorder und Orthorexie. Irgendwann riss ich mich dann erneut zusammen und ging wieder trainieren. Ich wurde immer perfektionistischer. Die Ausführung der Übungen musste perfekt sein, die Ernährung sowieso. Lief es einmal nicht wie gewünscht oder leistete ich mir Fehltritte bei der Ernährung mündete das Ganze oft in Fressanfällen.

Damit verbunden war das Auslöschenwollen alles bisher Gewesenen. Ich brach in dieser Zeit auch mein Studium ab, ich las Bücher nicht an der letzten Stelle weiter, sondern fing sie immer wieder neu an usw. Kurzum: ich ließ keine Entwicklung mehr zu. Mein Gewicht schwankte zunächst sehr stark. Bei einem Comebackversuch beim Fußball zog ich mir eine Knieverletzung zu und ließ mich in der Folge komplett hängen. ich nahm 10 Kilo zu. Mittlerweile wiege ich 20 Kilo weniger.

Ich habe die Quittung für meinen Lebensstil bekommen und leide am Reizdarmsyndrom. Selbst wenn ich viel esse, nehme ich nur sehr schwer zu, weil ich alles wieder ausscheide. Durch die Diagnose vor 3 Jahren hat sich mein Ernährungswahn noch einmal verschlimmert. Ich ernährte mich Paleo, Low-Fodmap usw. Nichts hielt ich länger als vier Wochen durch. Natürlich verurteile ich mich für meine Disziplinlosigkeit. Meine inneren Dialoge sehen dann in etwa so aus: „Meine besten Jahre sind fast vorbei und ich war zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd die Person, die ich hätte sein können. In meinem Alter sollte man voll im Saft stehen, stattdessen fühle ich mich schwach und krank.“

Wen wundert’s? Die ganzen Fressanfälle und der Dauerstress gehen eben nicht spurlos an einem vorbei. Wenn ich doch nur einmal in meinem Leben drangeblieben wäre und nicht gleich bei jedem (kleinsten) Rückschlag die weiße Fahne gehisst hätte. Vermutlich sähe mein Leben dann anders aus. Ich hasse mich für diese „Russisch-Roulette-Mentalität“ (das Denken in Schwarz und Weiß). Aber wenn ich vorankommen will, muss da einfach mehr kommen. Ich habe die ganzen Ausreden und Halbherzigkeiten satt. Ich habe mich selbst in diese missliche Lage gebracht und werde nur aus ihr herauskommen, wenn ich die Dinge zu 100 % durchziehe.

Es geht und ging mir gar nicht immer um perfekte Resultate (von der Ernährungsumstellung verspreche ich mir natürlich die Wiederherstellung meiner Gesundheit), viel wichtiger ist mir, dass ich mich wirklich bemühe. Dass ich den Spiegel schauen und sagen kann: „Ja, ich habe alles gegeben!“ Wenn es dann nicht reicht, dann ist das eben so. Aber ich gebe im Moment nicht alles und habe die Motivation bisher kein einziges Mal über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können. Ich war bisher einfach immer willensschwach und faul.

Wenn ich mich selbst nicht ertragen kann, esse ich. Wenn ich mich vor unangenehmen Aufgaben drücken will, esse ich. Wenn ich mit meinen Gefühlen nicht umgehen kann, esse ich. Und bei Stress und emotionaler Schieflage sind es meist die Dinge, die ich nicht vertrage. Ich verstehe mich einfach nicht. Ich brauche einen radikalen Wandel. Ich muss lernen, mit Stress besser umzugehen, ich muss mir die Zeit besser einteilen, darf nicht immer so viel träumen und grübeln. Ich brauche dringend eine Lebensstilmodifikation, sonst mache ich nicht mehr lange. Ich muss mich anders ernähren, bis ich meine Beschwerden los bin.

Aber auch darüber hinaus. Ich will nicht mehr so viel Scheiße fressen, ich will meinem Körper Gutes zuführen. Ich esse einfach auch viel zu viel. Ich muss lernen, auf die Signale meines Körpers zu hören. Habe ich wirklich Hunger? Oder will ich wieder vor mir selbst und meinen Gefühlen flüchten? Mir wird richtiggehend schlecht, wenn ich an all die Fressattacken aus der Vergangenheit denke, an die Überforderung, die Fehlplanung. Ich muss mir einen festen Ernährungsplan erstellen und Einkaufslisten erstellen. Ich habe schon so viel weggeschmissen oder mich überfressen, weil ich nichts wegwerfen wollte. Dann gab es auch Tage, an denen ich schlichtweg zu faul war, obwohl ich mir vorgenommen hatte zu kochen. So kann es nicht weitergehen.

Den letzten Essanfall hatte ich vor drei Wochen. Seitdem ernähre ich mich mal „gut“, mal „schlecht“. Ich habe eine Therapie begonnen und hoffe, dass ich keinen wirklichen Rückfall mehr erleide. In den letzten drei Wochen gab es Minirückfälle: Mir fällt es manchmal schwer, nicht über mein Sättigungsgefühl hinaus und wirklich achtsam (mit Genuss) zu essen. Ich führe auch nach wie vor ein Trainings- und Ernährungstagebuch.

Leider habe ich neben den Verdauungsbeschwerden auch orthopädische Baustellen. Mir fällt es sehr schwer, diese Einschränkungen hinzunehmen, weil ich mich nach wie vor sehr stark über den Sport definiere. Ich hoffe, dass ich es schaffe, gesunde Verhaltensweisen langfristig zu etablieren und dabei fünfe auch mal gerade sein lassen kann. Es ist ein sehr langer Weg …

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG

Eine weitere mutige Frau, die ihre Geschichte mit uns teilt:

Stell dir vor du sitzt in einem Zug in dem Essen und Trinken strengstens verboten ist. Du hast aber unheimlichen Hunger und Durst und die Fahrt wird noch sehr lange dauern. Sicher könntest du dich in der Toilette verstecken und heimlich etwas essen und trinken, doch du weißt nie, ob nicht der Schaffner vorbeikommt.

Wenn der Schaffner dich erwischt, wird er dich rauswerfen und du musst zu Fuß weitergehen. Doch das kannst du nicht, denn du weißt nicht wie du alleine den Weg bewältigen sollst.

Irgendwann wird dein Hunger aber immer größer und größer und du willst nur noch essen. Der Schaffner kommt und gibt dir eine Scheibe Brot und ein Glas Wasser. Natürlich könntest du jetzt alles so schnell es geht aufessen. Doch du weißt nicht, wann du wieder etwas bekommst. Also isst du ganz langsam und teilst dir das Wenige was du hast, gut ein.

Danach geht es dir besser, doch du bist noch hungrig und weißt nicht was du tun sollst. Du beginnst den Zug zu putzen um dich abzulenken. Mit steigendem Hunger wirst du immer aktiver und putzt und putzt bis alles glänzt. Erschöpft setzt du dich wieder in deinen Sitz und spürst, wie müde du geworden bist.

Der Schaffner bringt dir nun jeden Tag weniger zu essen und du musst dir das wenige einteilen, denn du weißt schließlich nicht, wann es wieder etwas gibt. Du hast dich daran gewöhnt nur Wasser und Brot zu bekommen und es geht dir „gut“.

Nach vielen Wochen, Monaten, oder doch Jahren(?), hält der Zug an einem Bahnhof und du darfst aussteigen, wenn du willst. Doch du KANNST nicht! Woher sollst du etwas zu essen bekommen? Wie sollst du mit den vielen Menschen klar kommen die da draußen auf dich warten? Du hast Angst und klammerst dich an den Schaffner, denn ohne ihn kannst du nicht leben! Doch die Menschen am Bahnhof ziehen dich aus dem Zug. Sie schauen besorgt und du hast Angst. Zum ersten Mal seit langem hast du Angst. Du fühlst etwas.

Die Menschen wollen dir helfen und geben dir einen Teller voller Nudeln. Nudeln? Das sollst du essen? Aber dein Magen ist doch so an Brot gewöhnt! Und außerdem darfst du das doch gar nicht! Der Schaffner wusste was gut für dich ist und das war Brot! Alles andere ist gefährlich! Also sitzt du da und weinst und weißt nicht, wieso. Du willst zurück in deinen Zug! Du willst zurück zu deinem Schaffner, der dich so lange begleitet hat!

Doch du weißt nicht, dass der Schaffner deine Magersucht war. Sie hat dir gesagt was du tun sollst, sie hat dir erlaubt ein wenig zu essen. Sie hat dir verboten zu essen wenn sie es nicht wollte. Und doch kannst du ohne sie nun nicht leben. Wer begleitet dich nun auf deinem Weg und gibt dir Sicherheit? An wen kannst du dich jetzt klammern?

Jetzt nach so langer Zeit sollst du selber entscheiden was gut für dich ist, doch du kannst es nicht, weil du zu viel Angst hast!

Wärst du direkt am aller ersten Bahnhof ausgestiegen oder hättest die Notbremse gezogen, wo wärst du dann heute?

Du weißt es nicht, weil du es dir nicht vorstellen kannst.

So ist es, magersüchtig zu sein.

Man fährt alleine in einem Zug und nur der Schaffner ist dein „Freund“.

Er entscheidet für dich und das gibt dir Sicherheit.

Und irgendwann musst du aus deinem sicheren Zug aussteigen und den weiten Weg alleine gehen…

Wo findest du dich in dieser Geschichte wieder und was nimmst du daraus mit?


Damit unter deiner Geschichte ein HAPPY END stehen kann:

Der Online-Workshop GEWICHTIG