Der Weg raus aus der Essstörung ist ein Marathon –
das Schreiben eines Buchs auch!

Ich schreibe ein Buch.

 

Und während ich diesen Satz schreibe, wird er mir in all seiner Ungeheuerlichkeit bewusst.

„Bist du verrückt, du kannst das doch nicht öffentlich sagen!“ tönt es in mir.

„Pah, blamier dich nur, das schaffst du doch eh nicht“ geht es höhnisch weiter.

„Mach das nicht bekannt, damit machst du dir viel zu viel Druck“ jammert es.

Die andere Stimme

Doch es gibt da auch eine andere Stimme in mir.

Eine ruhige, wohlwollende und vertrauenserweckende. Und die sagt:

„Du darfst das tun. Du darfst laut sagen, was du gerne machen möchtest und warum. Du darfst es versuchen. Du darfst zweifeln. Und du darfst scheitern, auch öffentlich. Und es darf auch funktionieren und dir selbst und anderen gut tun.“

Diese zweite Stimme ist die lautere. Sie ist diejenige, der ich vertraue. Warum? Weil sie mich noch nie enttäuscht hat. Sie ist meine innere Stimme, meine Intuition, mein Wesenskern, mein Selbst, whatever.

Sie ist ich und ich bin sie.

Jahrelang waren die anderen Stimmen lauter und haben das kleine Stimmchen übertönt. Das waren die Jahre meiner Essstörung. Doch egal wie laut die anderen waren – und auch heute in einigen Bereichen noch manchmal sind – das kleine Stimmchen ist eine große, allesübertönende innere Gewissheit geworden. Denn die anderen Stimmen werden nicht mehr so sehr von Außen gefüttert wie früher und das hungert sie aus…

Und das, ihr Lieben, hat meine ganze Welt verändert.

Denn der Weg „Raus aus der Essstörung und rein ins Leben“ ist vor allem ein innerer Weg. Wer diesen Weg geht, wird immer wieder feststellen, dass er sich auf einen Marathon eingelassen hat. Es ist kein Sprint, keine kurze, schnelle Anstrengung, die zum Erfolg führt. Sondern eine Langstrecke, auf der sich die Kräfte eingeteilt werden müssen und auf der es mal besser und mal schlechter läuft.

Doch am Ende wartet das lang herbeigesehnte und absolut lohnenswerte Ziel.

Und während ich seit Tagen darüber nachdenke, ob ich meine Buch-Idee tatsächlich hier veröffentlichen werde, habe ich mich genau deshalb dafür entschieden. Denn auch das Schreiben eines Buchs ist ein Marathon und kein Sprint. Und gemeinsam laufen sich solche Strecken leichter, lassen sich Durststrecken besser überwinden.

Das Buch

Eigentlich habe ich ja schon mal so eine Art Buch geschrieben, den Online-Workshop.

Aber der ist ja eher so eine Art Selbshilfe-Sachbuch-Autobiografie und beginnt – auch wenn alles zusammenhängt – in jedem Gang mit einem neuen Haup-Thema.

Und ja, ich bin schon häufig darauf angesprochen worden, ob ich nicht meine eigene Geschichte ausführlicher als hier aufschreiben und zu einem Buch verarbeiten möchte. Ehrlich gesagt habe ich schon zwei bis drei Anläufe hinter mir, genau das zu tun. Doch ich habe immer wieder aufgehört damit.

Warum? Weil ich – um meine Geschichte authentisch und detailliert aufzuschreiben – über zu viele andere Menschen zu intensiv schreiben müsste. Und das möchte ich nicht. Denn ich finde, dass ich nicht das Recht dazu habe. Würde ich aber gewisse Details weglassen, wäre meine Geschichte nicht mehr ehrlich und schlüssig.

Außerdem finde ich, dass es schon viele autobiografische Bücher von Essgestörten gibt und das ist auch gut so.

Doch meine Idee ist eine andere.

Ich möchte eine Geschichte schreiben, einen Roman. Und in dieser Geschichte werden selbstverständlich Erfahrungen von mir auftauchen, doch es wird nicht erkennbar sein, welche. Das ermöglicht es mir, so ehrlich wie nötig und so kreativ wie möglich zu sein.

In meiner Geschichte möchte ich die äußere und die innere Welt meiner Protagonistin darstellen, in dem ich auch – wie oben – ihre inneren Dialoge aufs Papier bringe. Ich möchte zeigen, wie sich ihre innere Welt auf die äußere auswirkt und umgekehrt. Und ich möchte darstellen, wie wirkungsvoll Hilfe zur Selbsthilfe sein kann. Deshalb beginnt die Geschichte auch in einer Selbsthilfegruppe. Denn der erste Gang dorthin war auch eine wichtige Station auf meinem eigenen Weg.

Ein weiteres Anliegen ist mir das gegenseitige Unterstützen von Frauen untereinander. Denn darin liegt ein großes Potenzial verborgen. Stellt euch doch nur mal kurz vor, all Frauen würden ab sofort keine Frauenzeitschriften mehr kaufen.

Wir haben gemeinsam große Macht und doch fühlen wir so oft nur unsere einsame Ohnmacht…

Mein Setting

Um mir den Buch-Marathon in einzelne Etappen einzuteilen habe ich mir Folgendes überlegt:

Mein Ziel ist es, erst mal 200 Seiten zu schreiben.

Ich möchte circa zwei Seiten pro Tag schreiben.

Das macht insgesamt ungefähr 100 Schreib-Tage.

Dafür habe ich Zeit bis Ende Oktober.

Es geht erst mal nicht darum, ob das Buch gut ist oder ob ich es dann tatsächlich veröffentlichen werde, es geht nur darum, es zu schreiben. Für mich.

Ich möchte den Weg des Buches bloggend begleiten.

Ich wünsche mir, euch dadurch zu inspirieren und möchte mich von euch inspirieren lassen.

Die Fakten

Bisher habe ich die ersten zwei Seiten geschrieben.

Das ist – gemessen an meinem Setting – genau das erste Prozent.

Ich bin losgelaufen!

lebenshungrige Grüße

Simone