Was genau ist gesunde Ernährung eigentlich?

Auf diese Frage gibt es so viele Antworten wie es Frauen mit einem gestörten Essverhalten gibt.

Und generell nimmt dieses Thema für sehr viele Menschen geradezu religiöse bis fanatische Züge an…

Du bist, was du isst?

In einer Zeit, in der wir den Luxus genießen könn(t)en, sämtliche Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung zu haben, ist der Satz: „Du bist, was du isst!“ für mich überholt. Denn er stammt aus einer Zeit, in der Mangel- und Unterernährung an der Tagesordnung waren. Mein Satz lautet:

Du bist, was du (über dein Essen) denkst!

Denn der Stress – die ängstlichen, unsicheren Gedanken und Gefühle, die du mit deinem Essverhalten und mit Lebensmitteln verbindest – kann mindestens genau so schädlich für dich sein, wie der ständige Konsum von Fast Food. Es geht also nicht darum, die perfekte Definition von „gesunder Ernährung“ zu finden und sich dann daran zu halten.

Es geht darum zu verstehen, dass du den perfekten Ernährungsexperten bereits hast: Deinen Körper! Denn er weiß nicht nur, wann er hungrig und wann er satt ist, er zeigt durch seine Gelüste auch, was er braucht.

Und nein, er will nicht permanent Süßigkeiten oder Fettiges. Wenn dein Mind völlig klar ist, du glücklich bist und guten Kontakt zu deinem Körper hast, dann wirst du verwundert feststellen, dass du beispielsweise häufig Lust auf Spinat oder Bananen hast.

Es ist nicht dein Körper, dem du nicht vertrauen kannst. Dein Kopf, der nicht vertrauen will, ist die eigentliche Herausforderung.

Wie viele Diäten hast du schon ausprobiert? Wie viele Ernährungstrends hast du schon mitgemacht? Wie viele Super Foods hast du schon getestet?

Und was hat es dir wirklich gebracht?

Fokussiere dich immer wieder auf die Ursache

Das Essen ist nicht dein wirkliches Problem und deshalb liegt in der Fokussierung auf das Essen bzw. dein Essverhalten auch nicht die Lösung.

Im Gegenteil. Fokussierst du dich auf das Problem, verstärkst du es:

Du versuchst immer wieder kontrolliert und diszipliniert zu essen, schaffst es immer seltener und es geht dir deshalb immer schlechter.

Dadurch befindest du dich in einer ungesunden Abwärts-Spirale. Innerlich wirst du immer kleiner, die Selbstzweifel werden immer größer.

Doch es liegt nicht an dir, nicht an deiner mangelnden Willenskraft, es liegt an deinen Gedanken, an deinen Glaubenssätzen:

Warum glaubst du, deinen Körper mit deinem Kopf beherrschen zu müssen?

Warum glaubst du, dass ein von anderen Menschen aufgestellter Ernährungsplan für dich richtig ist?

Warum glaubst du, dass ein bestimmtes Gewicht dich glücklicher und selbstbewusster machen würde?

Hinterfrage deine Gedanken, tut es dir wirklich gut zu glauben, was du glaubst?

Und wie realistisch ist das, was du glaubst?

Wie oft hast du dir selbst schon bewiesen, dass deine Glaubenssätze nicht den gewünschten Erfolg erzielen (können)?

Und jetzt lasse ich dich wissen, wie ich gesunde Ernährung heute definiere:

Gesunde Ernährung ist…

… so frische und unbehandelte Nahrungsmittel wie möglich, wenn es unter den gegebenen Umständen machbar ist!

Konkret bedeutet das für mich:

  1. Mein Körper bestimmt immer, wie viel ich esse. Und nach Möglichkeit auch, wann ich esse und was.

  2. Ist das nicht möglich, weil ich beispielsweise zum Essen eingeladen oder unterwegs bin, dann esse ich das was da ist, bis ich satt bin.

So unglaublich einfach kann das sein.

Wenn du (angst)frei bist, weil du deine ungesunden Glaubenssätze ausgehungert hast!

lebenshungrige Grüße

Simone

Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment in dem ich realisierte, dass ich mein Essverhalten nicht mehr im Griff hatte. Es war der Moment, in dem ich von der Magersucht in die Bulimie kippte. Der Schmerz und die Scham waren überwältigend. Natürlich war der Moment des tatsächlichen Kontrollverlusts schon viel früher eingetreten. Und zwar als ich über stetiges Diäthalten und permanentes gedankliches Beschäftigen mit Lebensmitteln in die Magersucht gerutscht war. Doch das Tückische an der Magersucht ist ja zu Beginn, dass du glaubst, die Kontrolle zu haben: Du willst kaum etwas essen und du isst kaum etwas. Und durch die mit Essstörungen einhergehende Wahrnehmungsstörung in Bezug auf dein Körperbild empfindest du dich nie so dünn, wie du tatsächlich bist. Auch war es bei mir so, dass ich nach „nur“ einem Jahr Magersucht in die Bulimie kippte und dadurch körperlich noch nicht extrem auffällig war.

Dünn um jeden Preis

Zunächst war ich entsetzt über den ersten „Kontrollverlust“, dem ersten Fressanfall, doch dann kam mir die Idee, mich des ganzen Essens einfach wieder zu entledigen. Das beruhigte mich erst Mal ein wenig. Denn ich wollte um jeden Preis schlank sein. Mit dem Ergebnis, das ich einen sehr hohen Preis zahlte und in den kommenden Jahren Phasen hatte, in denen ich nicht mehr schlank dafür aber sehr essgestört war. Auch musste ich nach dem ersten Kotzen feststellen, dass ich schon bald danach keine Wahl mehr hatte. Denn anfangs dachte ich mir: „Okay, wenn du mal wieder über die Stränge schlägst, dann entledigst du dich des Essens eben wieder.“ Doch erschreckend schnell wurde meine Notlösung zum Dauerzustand.

Nicht ich hatte das Essen im Griff, das Essen hatte mich im Griff!

Die Kraft des Willens

Ich glaubte damals, nun auch noch undiszipliniert und willensschwach zu sein. Dieser Gedanke löste den grausamen Schmerz und die Scham aus. Und doch entsprach er letztlich nur dem Selbstbild, das ich hatte: „Ich bin nicht gut genug!“  Mein winziges Bisschen an Selbstwertgefühl, zog ich überwiegend aus meinem Aussehen, bzw. meinem Gewicht. Doch anstatt all das zu hinterfragen, hielt ich weiter am Dünnsein fest. Bis ich dadurch so sehr in die Bulimie rutschte, dass ich irgendwann nicht mehr gegen das Zunehmen, sondern gegen die Essstörung kämpfte.

Und genau durch diesen Kampf hielt ich mich in meinem Teufelskreis gefangen. Denn egal ob ich gegen das Zunehmen oder gegen die Essstörung antrat: Ich verbrauchte all meine Energie in einem aussichtslosen Kampf. Ich war so unglaublich hart und gemein zu mir selbst. Wenn ich innerlich auf dem Boden lag, trat ich nach mir und brüllte mich an. Ich rannte wie ein Hamster in seinem Rad, wurde immer kraftloser und wünschte mir so sehr, dass das Rad langsamer würde und stehen blieb. Bis ich erkannte, dass ich es war, die das Rad antrieb.

Bis ich begann, meinen Willen zu hinterfragen und zu verstehen, dass ich meine Kraft die ganze Zeit gegen mich eingesetzt hatte. Denn alles begann mit dem Glauben, dass ein gewisses Aussehen all meine Probleme lösen und mir eine ordentliche Portion Selbstwertgefühl servieren würde.

Doch war diese Annahme tatsächlich richtig?

Das war sie nicht!

Denn zu Magersuchts-Zeiten hatte ich mein Wunschgewicht von unter 50 kg erreicht und nach einem kurzen Glücksmoment war alles wie zuvor. Ich hatte mir also selbst schon bewiesen, dass es nicht funktionierte, nur konnte ich es damals noch nicht sehen. Anstatt zu erkennen, dass mein Wunschgewicht unrealistisch und ungesund war und mir nicht brachte was ich mir erhoffte, hatte ich das Rad weiter angetrieben.

Ist es dieser Wille wirklich wert, deine Kraft dafür einzusetzen?

Die Willenskraft funktioniert im Grunde wie ein Muskel, wenn du sie permanent überstrapazierst, ermüdet sie. Typisches Beispiel: Du hast dir mal wieder vorgenommen, ab Morgen diszipliniert zu essen und nach der Arbeit in das Fitnessstudio zu gehen. Der Morgen wird zum Heute, du gehst zur Arbeit, das Frühstück läuft ganz gut, mittags tauchen schon zu viele Gedanken an das Essen auf, du beherrschst dich irgendwie, überstehst den Nachmittag und gehst nach Hause. Du erinnerst dich an das Fitness-Studio und der Gedanke an Essen wird stärker. Fitness-Studio oder Essen? Das Essen gewinnt. Frustriert verbringst du den Abend vor der Klotze und beschließt vor dem schlafen gehen, es morgen anders zu machen…

Und dann wird das Morgen zum Heute…

Das Dilemma ist nicht, dass du keine Willenskraft hast, sondern dass du sie permanent gegen dich einsetzt und sie dadurch ermüdet!

Warum?

Weil deine Ansprüche an dich ungesund hoch sind!

Weil deine Ernährungs- und Diätpläne unrealistisch sind!

Weil das Fitnessstudio für dich der Kalorienverbrennung und nicht der Bewegungsfreude dient!

Deine Motive sind das Problem und deshalb bist du auch nicht motiviert!

Beispielsweise bewege ich mich heute mindestens genauso so viel wie zu Zeiten meiner Essstörungen. Doch heute ist mein Körper der Boss und nicht mein Kopf. Ich spüre, wenn Bewegung nötig ist und ich achte die Grenzen meines Körpers. Deshalb brauchte ich keine Willensraft, denn ich bin motiviert. Weil mein Motive sich geändert haben. Ich genieße die Bewegung und verschwende keinerlei Gedanken mehr an Kalorienverbrennung oder ähnliches. Weder nutze ich eine Waage zur Gewichtskontrolle, noch einen Fitnesstracker zur Bewegungskontrolle. Mein Körper ist das einzige und beste „Kontrollinstrument“. Mein Job ist es „nur“, auf ihn zu hören und ihm zu vertrauen. Denn in diesem Bereich ist die Körperintelligenz unschlagbar.

Mein früheres Problem war das ich glaubte, den unrealistischen Willen meines Kopfes mit aller Kraft durchsetzen zu müssen.

Frustration statt Motivation

Es ist nicht so, dass es in meinem Leben keine Herausforderungen mehr gibt. Doch gehe ich völlig anders mit mir und mit den Herausforderungen um.

Schreibe ich beispielsweise einen Blogartikel und hänge ein einem gewissen Punkt fest, hätte ich früher meine Willenskraft eingesetzt, um den Artikel um jeden Preis zu beenden. Weil mein Kopf gesagt hätte: „So macht man das! Du hast dir das vorgenommen! Du musst diszipliniert sein! Dieser Artikel muss jetzt fertig werden!“ Ich hätte mich irgendwie durchgekämpft und wäre mit dem Ergebnis nicht zufrieden gewesen. Hätte ich dieses Verhalten mehrmals wiederholt, wäre ich irgendwann in die Verweigerung gegangen, hätte gar nicht mehr geschrieben und mich noch mehr verurteilt.

Motivation statt Frustration

Komme ich heute an diesen Punkt, höre ich einfach auf. Ich verlasse den Computer und mache etwas anderes. Irgendwann kommt die Lösung zu mir, und ich weiß, wie es weiter geht. Währenddessen bin ich mit einem anderen Projekt weiter gekommen, habe einen Spaziergang genossen oder in der Badewanne liegend einen lustigen Film geschaut. Zufrieden beende ich dann den Artikel. Und weil ich es mir so leicht mache, bin ich inspiriert und fange bald darauf den nächsten Blogartikel an.

So setzt du deine Willenskraft gegen dich ein

Wenn du beispielsweise auf deinem Weg „Raus aus den (Ess)Problemen, rein ins Leben bist“, passiert es, dass nach einigen rückfallfreien Wochen scheinbar aus dem Nichts ein Rückfall kommt. Doch anstatt von diesem Rückfall zu lernen in dem du seine Auslöser erkennst, verurteilst du dich für deine mangelnde Willenskraft. Warum hast du nicht weiter durchgehalten? Warum stehst du jetzt wieder am Anfang? Warum bist du frustriert und hängst hier rum?

Doch genau durch diesem Umgang mit dir selbst fütterst du den nächsten Rückfall an.

Du bist hart zu dir, verurteilst dich und baust Frust und Druck auf.

Nicht der Rückfall ist das Problem, sondern deine Ansprüche an dich und dein Umgang mit dir!

Schreibe über deinen Rückfall aus einer beobachtenden Position, versuche einen Blick von Außen auf dich und dein Verhalten zu bekommen um tatsächlich aus dieser Situation lernen zu können.

Mache dir bewusst, dass es „nur“ ein Rückfall ist, er nimmt dir nicht all das weg, was du bis jetzt erreicht und verstanden hast.

Sei ganz bewusst besonders nett zu dir und tue dir etwas Gutes. Mache eine Pause, verlasse den Raum, die Situation.

Wenn eine gute Freundin auf dem Boden liegt, reichst du ihr auch eine helfende Hand und trittst nicht nach ihr.

Und wenn du selbst deine beste Freundin bist, brauchst du deine Willenskraft kaum noch und wenn du sie tatsächlich mal benötigst, wirst du sie auch in deinem Sinne nutzen können!

lebenshungrige Grüße

Simone

Dein Weg „Raus aus der Essstörung, rein ins Leben“ ist in seinen einzelnen Schritten so individuell wie dein Fingerabdruck.

Und doch gibt es die eine Gemeinsamkeit: das Ziel!

Du gehst los, um bei dir selbst anzukommen.

Auch wenn das anfangs ganz anders aussieht.

Denn es braucht ein gewisses Maß an Leid, um die ersten Schritte zu gehen. Manchmal muss es wirklich ungemütlich werden, damit du das vertraute Elend verlässt und dich ins scheinbar Ungewisse aufmachst. Und es ist zunächst auch eher ein Weglaufen – vor der Scham, den Schuldgefühlen, der Wut und Einsamkeit, dem Druck und dem Schmerz – als ein Hinlaufen zu dir selbst.

Auf diesem Weg geht es sowohl bergauf als auch bergab. Mal läufst du mutig voran, ein anderes Mal bleibst du entmutigt stehen. Manchmal fällst du in ein Loch und musst dich mühsam herausarbeiten. Ein anderes Mal verrennst du dich, läufst im Kreis und kommst mehrmals an der gleichen Stelle vorbei.

Das einzige Erfolgsgeheimnis ist das Weitergehen.

Egal, wie weit entfernt das Ziel scheint: Die nächsten Schritte liegen direkt vor dir und sie sind machbar.

Denn auch wenn du das Ziel nicht sehen kannst, hast du doch einen inneren Kompass dabei. Und je häufiger du bereit bist ihm zu folgen, desto leichter und schneller kommst du an. Denn du wirst weniger hinfallen und dich seltener verlaufen. Und du wirst streckenweise in guter Gesellschaft laufen.

Dieser Kompass ist ein unfehlbarer Wegweiser.

Denn wer soll dich besser zu dir führen können, als deine Seele, deine Intuition, als du selbst?

Es gibt sie, diese innere Stimme, die schon immer da war und die immer da sein wird. Diese Botschaften, die so lange kein Gehör gefunden haben, die du unterdrückt hast. Diese ruhigen Worte, die durch all den Lärm von Außen übertönt wurden.

Es ist die Unterdrückung deiner Seele, die so viel Druck, Angst und Schmerz in dir erzeugt. Und weil sie sich nicht anders zu verständigen weiß, hat sich deine Seele deinen Körper zur Hilfe genommen um ihren Lebenshunger durch die Essstörung sichtbar zu machen.

Du hungerst danach, ganz du selbst zu sein!

Deine Essstörung ist deine Sehn-Sucht nach dir!

Und damit dir auf deinem Weg nicht die Puste ausgeht ist es entscheidend, immer wieder Kontakt zu deinem Kompass herzustellen. Er zeigt dir die Richtung. Er lässt dich wissen, welche Wegbegleiter und Werkzeuge dich leichter und schneller gehen lassen.

Diesen Kontakt kannst du nur herstellen, in dem du den Raum dafür schaffst und Zeit mit dir ganz alleine verbringst.

Denn wenn du dir selbst näher kommen willst, musst du dich kennen lernen können!

Und am Ende deines Weges wirst du dir selbst jubelnd in die Arme laufen, dich festhalten und verwundert erkennen:

Du bist ganz bei dir angekommen und die Essstörung ist unterwegs verhungert!

Und dann, wenn du in bester Gesellschaft bist, kannst du dir das Leben erschaffen, dass du Leben willst.

lebenshungrige Grüße

Simone

Es gibt drei bestimmte Glaubenssätze, die ich von mir selbst kenne und die mir auch als MindDetox Mentorin immer wieder begegnen. Und da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass auch du dir deinen Genesungsweg mit diesen Überzeugungen erschwerst, teile ich diese Glaubenssätze und deren Auswirkungen heute mit dir. Außerdem gebe ich dir jeweils einen neuen Satz mit, den du vielleicht irgendwann ebenso wie ich glaubst – in dem du dir seine Wahrheit beweist.

Nr. 1: Ich muss das ganz alleine schaffen!

Vor allem zu Beginn meiner Essstörung wäre ich lieber gestorben, als Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich habe mich so sehr für meine scheinbare Schwäche geschämt und hatte unendliche Schuldgefühle. Und ich wollte den Schein wahren. Denn äußerlich funktionierte ich. Doch innerlich kämpfte ich einen grausamen Kampf gegen mich selbst. Und leider war ich extrem hart zu mir und sehr leidensfähig. Doch irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und war bereit, mich ein wenig zu öffnen und Hilfe anzunehmen. Und dann machte ich die wichtige Erfahrung, dass Hilfe annehmen hilft. Doch es dauerte noch lange, bis es für mich selbstverständlich wurde, mir durch die Hilfe anderer selbst zu helfen. Meistens wartete ich, bis ich einfach nicht mehr konnte.

Und dann kam der Moment in dem ich erkannte, dass ich es mir genau dadurch unnötig schwer machte.

Meine Bereitschaft zu leiden wurde immer geringer. Von da  an konnte ich meinen Weg tatsächlich leichter und schneller gehen. Meine Genesung hatte oberste Priorität und ich ging regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe und zu einer Therapeutin, die ich sogar – obwohl ich noch Studentin war – selbst bezahlte. Ich investierte Zeit und Geld in Hilfe von Außen und es half.

Das Mitteilen und Besprechen mit anderen entlastet uns und hilft, den Blickwinkel auf uns und unsere Situation zu ändern. Und wir erkennen dadurch, dass wir mit unserem Denken, Fühlen und Handel nicht alleine sind. Das hungert Scham, Schuld, und Isolation regelrecht aus.

Ich glaube, dass es nahezu unmöglich ist, den Genesungsweg ganz alleine zu gehen. Und ich weiß, dass er sich mit anderen definitiv leichter und schneller geht.

Daher lautet mein neuer Glaubenssatz heute:

Ich nutze alles und jeden das/der/die mir hilft, und zwar so lange ich es/ihn/sie brauche!

Beispielsweise war ich war so lange regelmäßig in der Selbsthilfegruppe und bei der Therapeutin, bis ich ganz gesund war und beides nicht mehr benötigte.

Nr. 2: Habe ich etwas verstanden, muss ich es auch sofort erfolgreich umsetzen können!

Wie die meisten Essgestörten dachte auch ich zu Beginn, dass in meinem Gewicht, bzw. in meinem Aussehen, das Problem und somit auch die Lösung lag. Doch ich musste schmerzhaft lernen, dass ich durch diese Annahme nur noch ein weiteres Problem hinzugewann: Die Essstörung. Und als ich dann versuchte, die Ursachen für all das zu finden, fiel es mir häufig wie Schuppen von den Augen. Ich erkannte, dass mein ursprüngliches Problem in meinem Mangel an Selbstwert und dem daraus entstandenen Ur-Glaubenssatz „Ich bin nicht gut (genug)!“ begründet lag und ich fand heraus, woran das lag. Dann wurde ich euphorisch und glaubte, dass ich diese Erkenntnis doch einfach „nur“ praktisch anzuwenden brauchte. Mit anderen Worten: Problem erkannt, Problem gebannt.

Doch so funktionierte es leider nicht. Denn obwohl ich beispielsweise erkannt hatte, dass es mir schwer fiel NEIN zu sagen, wenn ich NEIN meinte, konnte ich nicht allein auf Grund dieser Erkenntnis und das Wissen um die Ursache plötzlich Grenzen setzen. Und weil ich das nicht konnte, begann ich erneut, mich zu verurteilen und an mir zu zweifeln. Ich wurde frustrierter, schämte mich, baute Druck auf – und fütterte die Essstörung. Unzählige Male habe ich diesen Teufelskreis durchlaufen.

Bis ich erkannte, dass für diesen Prozess mehrmaliges Erkennen und Verstehen notwendig ist, um in die Umsetzung zu gelangen. So beobachtete ich beispielsweise, dass ich anfangs erst Stunden oder Tage später feststellte, dass ich NEIN gemeint und JA gesagt hatte und welche negativen Auswirkungen das auf meine Essstörung hatte. Einige Zeit später konnte ich direkt nach einer Situation erkennen, dass ich mal wieder meine Grenzen nicht geachtet hatte. Und dann kam der Moment, in dem ich vorher realisierte: „Achtung, das wird eine Situation werden, in der du auf deine Grenzen achten musst!“. Eines Tages war es dann so weit: Ich konnte direkt in der Situation NEIN sagen, weil ich NEIN meinte.

Daher lautet mein Glaubenssatz heute:

Das Verstehen in ein erster, wichtiger Schritt, doch zur erfolgreichen Umsetzung sind Zeit und Wiederholung notwendig!

Heute weiß ich, dass es darum geht, unser Unterbewusstes „umzuprogrammieren“ und wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, fällt uns das, was früher unmöglich schien – plötzlich leicht.

Nr. 3: Alle anderen sind schneller/weiter/besser als ich!

Essgestörte haben eine geringe Meinung von und gleichzeitig überhöhte Ansprüche an sich selbst.  Durch dieses innere Ungleichgewicht können sie nie mit sich zufrieden sein. Als ich selbst noch Essgestört war, habe ich mein Aussehen mit der Schönsten, mein Gewicht mit der Dünnsten, meine Leistungen mit der Besten etc. verglichen. Und so habe ich dafür gesorgt, dass ich in meinen Augen immer die Verliererin war. Ich war nie damit zufrieden, wie ich war und ich war auch nicht damit zufrieden, wo ich war.

Als ich mich dann mit der Essstörung auseinander setzte, wurde mir das immer bewusster. Doch auch meine Genesung ging ich zunächst ähnlich an. Ich verglich mich mit Frauen, die schon weiter waren, weil sie schon länger an sich arbeiteten. Ich bewunderte andere für ihre Fortschritte und Erkenntnisse, doch meine eigenen machte ich klein und sah sie kaum.

Bis ich erkannte, dass nicht ich das Problem war, sondern mein Selbstbild. Ich verstand, dass es nicht darum ging, eine andere zu werden, sondern die zu akzeptieren, die ich gerade war. Und ich erkannte, dass Vergleiche weder fair noch sinnvoll sind. Mir wurde bewusst, wie wichtig es ist, jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung zu sehen und zu würdigen. Denn immer, wenn ich das nicht tat, ging mir eine ganze Weile die Puste aus.

Es ist Entscheidend, den Wunsch und das Ziel zu haben, wieder ganz gesund zu werden. Doch wenn du dort ankommen willst, solltest du akzeptieren wo du heute bist und würdigen wo du herkommst.

Daher lautet mein neuer Glaubenssatz heute:

Ich darf meinen Weg in meinem Tempo gehen!

Erlaube dir sinnvolle Unterstützung, sei geduldig mit dir und fair zu dir!

lebenshungrige Grüße

Simone

Während eines meiner ersten Meetings der Selbsthilfegruppe OA begegnete ich dem sogenannten Gelassenheitsspruch:

Gott gebe mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.

Den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!

Vielleicht hast auch du – wie ich damals – gewisse Probleme mit dem Wort Gott. Doch auch wenn wir diese höhere Instanz für den Moment außen vor lassen, sagt der Spruch etwas Entscheidendes aus:

Wenn ich erkenne, was ich tatsächlich ändern kann und was nicht, kann ich all meine Energie in das stecken, was ich ändern kann!

Eigentlich wissen wir das alle, doch es ist uns im Alltag so selten bewusst und dementsprechend verschwenden wir häufig eine Menge Energie.

Hierzu ein kleines Beispiel:

Akzeptiere den Regen

Nehmen wir einmal an, Emma und Elsa wohnen in der gleichen Stadt und beschließen an einem sonnigen Sonntagmorgen um 9.00 h, in den Park zu gehen. Emma betritt Park im Osten und möchte ihn im Westen verlassen. Elsa geht genau den umgekehrten Weg. Gegen 9.15 h kreuzen sich ihre Wege in der Mitte des Parks. Einige Minuten danach beginnt es zu regnen. Während Emma wütend wird und zu fluchen und zu rennen beginnt, genießt Elsa das warme Nass. Sie tanzt regelrecht durch den Regen und springt in Pfützen, wie sie es früher als Kind getan hat.

Beide kommen triefend nass zu Hause an. Doch während Emma noch auf das unzuverlässige Wetter schimpft und sich fragt, warum immer ihr so etwas Blödes passiert, ist Elsa glücklich und dankbar für dieses außergewöhnliche Erlebnis.

Emma fürchtet sich regelrecht, diese Erfahrung noch einmal zu machen. Sie beschließt, von nun an immer mit Regenjacke und Schirm unterwegs zu sein, falls sie überhaupt noch mal in den Park geht…

Elsa macht sich gar keine Gedanken darüber.

Der Regen ist die Essstörung

Mir ist bewusst, dass eine Essstörung eine viel größere Herausforderung darstellt, als ein Regenschauer. Und doch können wir beides nicht ändern. Was wir aber ändern können, ist unsere Sicht darauf und unseren Umgang damit. Für mich war es der größte Gamechanger zu erkennen, dass ich nichts gegen die Essstörung, aber sehr viel für mich tun kann.

Egal wie oft ich mir vorgenommen hatte, am nächsten Tag endlich ein neues Leben zu beginnen und diszipliniert und kontrolliert zu essen: Es ging immer wieder schief und endete häufig mit Rückfällen. Durch dieses Verhalten fütterte ich die Essstörung in dem ich mich immer mehr verachtete. Ich kämpfte einen Kampf, den ich nicht gewinnen konnte. Bis ich den Kriegsschauplatz verließ in dem ich die Perspektive wechselte.

 

Ich begann, die Essstörung nicht mehr als meinen Feind zu sehen, sondern als eine Art Botschaft, bzw. Wegweiser. Jeder Rückfall sagte mir im Grunde, dass ich gerade nicht mein eigenes Leben lebte, dass ich nicht ich selbst war. Also versuchte ich herauszufinden, wer ich eigentlich war und wie ich mein Leben leben wollte. Denn an diesen Punkten konnte ich etwas tun. Es war zwar ein langwieriger und teilweise schmerzhafter Prozess, doch ich begann dadurch, mich immer besser kennen, verstehen und mögen zu lernen.

Dadurch bekam die Essstörung immer weniger Nahrung und ich hungerte sie regelrecht aus.

Ohne den Kriegsschauplatz erneut zu betreten hatte ich gewonnen.

Ich fürchte mich heute nicht mehr vor Gewichtszunahmen, Buffets oder vor der Waage. Ich denke gar nicht mehr über diese Dinge nach. Heute ist Essen für mich etwas Genussvolles aber nichts, was in meinem Denken Raum einnimmt. Wenn ich Hunger habe esse ich mit Freude, wenn ich satt bin, höre ich auf. Es ist so leicht.

Und weil ich durchaus noch weiß, wie schwer es früher war, wie besessen meine Gedanken, mein Fühlen und meine Handlungen, von Essen und von meinem Gewicht waren, bin ich sehr dankbar für diese natürliche Leichtigkeit.

Generell bin ich sehr dankbar dafür, eine Essstörung gehabt zu haben.

Sie hat mich gelehrt, dass es nicht darum geht, im Außen etwas zu verändern, sondern meinen Blick auf das Außen zu hinterfragen.

Die wahre Veränderung fand in mir statt und dadurch wurde aus einem schweren Leben ein leichtes.

In Bezug auf welche Herausforderung kann dir ein Wechsel der Perspektive heute helfen?

Was kannst du tatsächlich tun, um dich besser kennen, verstehen und mögen zu lernen?

lebenshungrige Grüße

Simone

Was konsumierst du tagtäglich?

Und ich rede jetzt nicht von Lebensmitteln.

Ich meine das, womit du deine Gedanken fütterst.

Only bad news are good news

Ist dir bewusst, dass Nachrichten überwiegend negativ sind?

Und dass du mit dieser Art von Konsum Variante zwei des Ur-Glaubenssatz fütterst:

Die Welt ist nicht gut (genug)!

Mir ist durchaus bewusst, dass schreckliche Dinge auf diesem Planeten passieren.

Aber es passieren eben auch sehr viel gute.

Doch die wenigsten davon bekommen ausreichend Beachtung.

Und egal wie intensiv wir uns mit irgendeiner geschehenen Katastrophe auseinander setzen, wir können sie nicht rückgängig machen.

Das macht uns ohnmächtig und nährt unseren Schmerz.

Dann fangen wir beispielsweise an, auf alle und alles zu schimpfen:

Warum ich, warum passiert immer mir so etwas?

Anstatt uns zu fragen was wir tatsächlich tun können – für uns selbst, für andere, für den Planeten –  gehen wir (unbewusst) in die Opferhaltung.

Und die ist Nahrung für die Essstörung.

Der schöne Schein

Welchen Social Media Kanälen folgst du?

Sind es diese erfolgreichen Influencer, diese Fitnessgurus mit dem perfekten Körper?

Oder ist es das hübsche Model, dass sich immer an den schönsten Plätzen dieser Welt aufzuhalten scheint?

Und ist dir bewusst, dass du mit dieser Art des Konsums Variante 1 des Ur-Glaubenssatzes fütterst:

Ich bin nicht gut (genug)!

Du erinnerst dich dadurch selbst immer wieder daran, dass so viele andere scheinbar mit Leichtigkeit dünner, schöner, glücklicher und erfolgreicher sein können als du.

Warum bin ich nicht so perfekt wie sie?

Doch was verbirgt sich wirklich hinter dem schönen Schein?

Welchen Preis bezahlt sie für ihr Aussehen?

„Funktioniert“ es langfristig tatsächlich, auf Äußerlichkeiten zu setzen?

An dieser Stelle lege ich dir mal dieses Video der Fitness-Bloggerin und YouTuberin  Sophia Thiel ans Herz.

Und falls du es dir anschaust, achte mal darauf, was sie wie zum Thema Essen sagt…

Aufschlussreich ist auch dieser Insta-Post des „veganen Fitness-Gurus“ Attila Hiltmann.

Der Preis für den verzweifelten Versuch, den physischen Schein dauerhaft zu wahren, ist viel zu häufig die psychische Gesundheit.

Welches Feedback gibt dein Körper dir?

Manchmal ist es uns gar nicht bewusst, dass uns der Konsum gewisser Medien nicht gut tut.

Doch du kannst es an der Reaktion deines Körpers merken, denn in ihm „sitzen“ deine Emotionen.

Und Gefühle sind im Grunde im Körper ausgedrückte Gedanken.

Spürst du Druck, Enge, eine gewisse Hoffnungslosigkeit, hast du Schuldgefühle, ist da Angst oder Wut?

Dann versuche es mal mit einer Diät von diesem Medium und:

Gönne dir heute ganz bewusst eine ordentliche Portion Positivität und Realität!

lebenshungrige Grüße

Simone

Vor einigen Tagen habe ich die Kommode meines Büros entrümpelt und dabei bin ich auf einen interessanten „Schatz“ gestoßen. Es handelt sich um einen Tagebucheintrag aus dem Februar 1998. Einige Monate danach hatte ich mein „kleines, inneres Erwachen“ und seit dem bin ich komplett frei von meiner Essstörung.

Doch an diesem 26. Februar 1998 war ich sehr verzweifelt und wollte mich verbal auskotzen in dem ich ein neues Tagebuch begann.

In meiner Kommode habe ich jedoch nicht das komplette Tagebuch entdeckt, sondern nur diesen einen ersten Eintrag den ich – warum und wann auch immer – aus dem Buch herausgerissen habe. Was diese Blätter heute für mich so wertvoll macht, ist folgender Satz:

Ich bin noch so süchtig danach, es mir schlecht gehen zu lassen!

Als ich diese Aussage nach über 20 Jahren wieder las, hat er mich regelrecht umgehauen. Denn er bringt meine wahre Sucht so sehr auf den Punkt…

In diesem Tagebucheintrag erkläre ich auch diesen Schlüsselsatz, der während der damaligen Semesterferien entstand. Davor hatte ich Klausurenzeit und es ging mir richtig dreckig, denn ich hatte mir neben der Essstörung auch noch eine ordentliche Portion Prüfungsangst zugelegt. Alles drehte sich um das Lernen und innerlich hing mein Leben vom Ergebnis meiner Klausuren ab. Selbstverständlich ertrug ich diesen Druck nur mit Druckabbau durch die Bulimie. Und die ganze Zeit dachte ich: „Wenn doch endlich die Klausurenzeit vorbei wäre, dann…“

Doch als das Semester dann hinter mir lag, wurde es nicht besser und ich fand andere Möglichkeiten, mich zu quälen und zu verurteilen. Ich fixierte mich zum x-ten Mal auf meinen Körper und bezeichnete mich als blas, fett und hässlich. Jetzt hing mein Leben innerlich mal wieder von der Waage und vom Spiegel ab. Mein neues, altes Mantra lautete: „Wenn ich doch nur endlich dünner (schöner/gebräunter) wäre, dann…“

Ich fühle mit mir

Wenn ich diese Zeilen heute lese habe ich großes Mitgefühl mit meinem damaligen Ich.

Warum bist du so gemein zu dir?

würde ich mein früheres Ich gerne fragen und sie darauf hinweisen, was sie mit sich macht, wie sie mit sich selbst redet, wie sie sich behandelt.

Kannst du denn nicht erkennen, dass dein Denken (über dich) die einzige Problemzone ist, die du tatsächlich hast?

Doch ich kenne auch die Antworten:

Sie konnte es damals noch nicht komplett sehen.

Sie hatte schon viele einzelne Puzzle-Teile zusammengetragen, doch noch ergaben diese kein schlüssiges Gesamtbild.

Bis sie es einige Monate später erkannte, das Bild zusammenfügte und sich alles veränderte.

Negativitäts-Nahrung

Doch bis das passierte, habe ich meine „Sucht nach Negativität“ so gefüttert:

  1. Mein Fokus lag auf dem Negativen.

  2. Das Negative wog immer schwerer als das Positive.

  3. Mein Selbstwertgefühl war extrem gering.

  4. Meine Ansprüche an mich waren enorm hoch.

  5. Ich kannte nur schwarz oder weiß, ganz oder gar nicht.

Zu Demonstrationszwecken kehre ich noch mal zu meiner Studienzeit zurück:

  1.  Mein Fokus lag auf dem, was ich glaubte noch lernen zu müssen und ich schaute nie auf das, was ich schon gelernt hatte.
  2.  Schrieb ich beispielsweise in vier Klausuren eine eins und in einer Klausur eine drei, konnte ich mich kaum über die Einsen freuen, mich jedoch sehr über die eine Drei ärgern.
  3. Ich hielt – auch intellektuell – nicht allzu viel von mir und fürchtete, irgendwann als „Hochstaplerin“ entlarvt zu werden.
  4. In der unbewussten Hoffnung, mich dann endlich gut genug zu fühlen, erwartete ich Höchstleistungen.
  5. Ich glaubte, permanent lernen zu müssen und Schlaf, Vergnügen und Entspannung ausblenden, übergehen oder verschieben zu können.

Ohne es zu wollen tat ich im Grunde alles dafür, der Negativität zu viel Gewicht zu geben.

Wie hätte das gut gehen sollen?

Denn wer permanent Negativität säht, kann nur Negativität ernten!

Auch wenn ich schon sehr lange keine Essstörung habe, so habe ich doch in einigen Bereichen noch immer die Tendenz, das Glas eher halbleer als halbvoll zu sehen.

Immer wenn ich eine innere Unruhe, ein Unwohlsein und Druck verspüre, finde ich heute zunächst den Auslöser heraus und hinterfrage seinen Wahrheitsgehalt:

Entspricht das was ich glaube tatsächlich der Realität?

Und dann schaue ich, ob ich die Situation ändern kann, oder meine Einstellung zu dieser Situation.

Außerdem richtige ich meinen Fokus bewusst auf all die Dinge, die da sind, die „funktionieren“, die ich schon habe, etc. Dankbarkeit macht innerlich wirklich satt und sorgt dafür, vom Mangel in die Fülle zu gelangen.  Dann schaue ich, wie mich mein Körper durch Bewegung oder bewusste Atmung beim Prozess des Druckabbaus unterstützen kann. Wenn ich das Bedürfnis habe zu reden und ich den Austausch zu gehen, ermögliche ich mir genau das. Und ich frage mich, was ich mir jetzt Gutes tun kann, was ich tatsächlich gerade brauche und das tue ich dann auch.

Erst dann widme ich mich dem sogenannten Problem. Wenn es zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch eins ist…

Gib dem Positiven in deinem Leben bewusst mehr Gewicht,
so bringst du deine innere Waage leichter in die Ausgeglichenheit!

lebenshungrige Grüße

Simone

… wenn du die „Spielarten“ des Ur-Glaubenssatzes nicht erkennst und hinterfragst!

Wirklich tricky an dem Ur-Glaubenssatz „Ich bin nicht gut (genug)!“ ist, dass wir uns (unbewusst) immer wieder beweisen, dass er wahr ist. Deshalb ist es so wichtig, diese „Beweiskette“ zu erkennen, damit wir sie step by step ändern können. Denn sie funktioniert positiv wie negativ.

Ich habe während der letzten Jahre mit unzähligen essgestörten Frauen gesprochen. Und auch wenn ihre Geschichten zunächst ganz unterschiedlich daherkommen, sind sie im Grunde alle gleich: Da ist eine Frau, die tief in ihrem inneren glaubt, dass sie nicht gut genug ist. Und diese Frau hat (unbewusst) versucht, ihre scheinbare innere Imperfektion durch äußere Perfektion zu heilen. Was sie allerdings bekommen hat, ist eine Essstörung. Und diese Essstörung wiederum führt dazu, dass sie sich schämt, schuldig fühlt und verurteilt und sich damit (unbewusst) bestätigt, dass ihr Glaubenssatz stimmt: Ich bin nicht gut genug! (… denn sonst hätte ich – wie alle anderen auch – mein Essverhalten im Griff…)

Am Anfang ist der Gedanke…

Und dieses Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung, dieses „nie gut genug sein“, funktioniert natürlich auch in anderen Lebensbereichen. Du glaubst, dass du in deinem Job nie gut genug sein wirst, weil du deiner Meinung nach zu viele Fehler machst? Dadurch bist du nervös und angespannt und machst natürlich noch mehr Fehler. Du wirst immer unsicherer und verzweifelter, die Fehler häufen sich. Vielleicht bekommst du tatsächlich Probleme mit deinem Chef. Und somit hast du dir bewiesen, dass dein Glaubenssatz stimmt: Du bist nicht gut in deinem Job!

Oder du glaubst, dass du Bestätigung und Anerkennung von einem Mann brauchst, um dich selbst wertvoll zu fühlen. Weil du dich aber nicht für gut genug erachtest, wirst du immer wieder an Männer geraten, die dir genau das spiegeln. Ist der erste Rausch der Verliebtheit vorbei, behandeln sie dich nicht gut. Vielleicht klammern und kontrollieren sie, vielleicht betrügen sie und/oder kritisieren an dir rum. Das führt dazu, dass du immer verzweifelter versuchst, den Mann zu halten – in dem du ihn beispielsweise kontrollierst –  was ihn immer mehr abstößt. Bis es irgendwann zur Trennung kommt. Und du hast dir mal wieder bewiesen, dass dein Glaubenssatz stimmt: Du bist nicht wertvoll genug, sonst würden Männer dich nicht so behandeln!

Der Kreislauf der Wiederholung

Wenn es ein bestimmtes „Problem“ in deinem Leben gibt, dass scheinbar immer wieder auftaucht, dann stelle dir doch mal die folgende Frage:

Was wäre, wenn ich anders darüber denken würde?

Natürlich kannst du dir nicht das Gegenteil von dem einreden, was du aktuell glaubst.

Doch es ist ein erster wichtiger Schritt zu erkennen, dass alles mit deinen Gedanken beginnt…

…und dir bewusst zu machen, dass deine scheinbare Wahrheit vielleicht gar nicht der Realität entspricht!

Was würdest du vielleicht fühlen, wenn du anders darüber denken würdest?

Wie würdest du vielleicht handeln, wenn du anders darüber denken würdest?

Welches „Ergebnis“ würdest du vielleicht erzielen, wenn du anders darüber denken würdest?

Gibt es Situationen oder Bereiche in deinem Leben, in denen du den Kreislauf positiv erlebst?

 

Es ist so entscheidend, was du über dich denkst!

Nicht du bist nicht gut genug, deine Gedanken (über dich) sind es!

lebenshungrige Grüße

Simone

Schon als kleines Kind lernte ich, meinem Körper und meiner Wahrnehmung zu misstrauen.

Mein Körper signalisierte mir: „satt!“

Doch der sorgenvolle Blick meiner Mutter gepaart mit den Worten: „Iß doch wenigstens noch ein kleines Bisschen!“ signalisierten mir, dass ich scheinbar nicht genug gegessen hatte.

Schließlich war sie meine Mutter, die Erwachsene von der ich abhängig war, deren Urteil ich traute. Sie wusste es sicher besser als ich, oder?

Selbstverständlich hielt auch sie sich auf Grund ihrer (Lebens)Erfahrung für die größere Expertin von uns beiden.

Sie glaubte zu wissen, was gut für mich sei. Auch jenseits des Essens.

Im Grunde wollte sie mich immer schützen und das führte dazu, dass ich Schutz vor ihr gebraucht hätte.

Es dauerte Jahre, bis ich meinem Körper und meiner Wahrnehmung wieder voll und ganz vertraute.

Und dabei machte ich eine faszinierende Erfahrung:

Auf beide ist zu 100% Verlass!

Kein anderer Mensch kann wissen, was das Beste für dich ist, denn nur du steckst in dir drin!

Während meiner Auseinandersetzung mit der Essstörung entwickelte ich eine eher unkonventionelle „Erfolgsstrategie“ für mich.

Mein Motto lautete:

Wenn es für mich funktioniert, ist es Therapie und ich nutze es, so lange ich es brauche!

Ich „nutzte“ inspirierende Romane und Spielfilme genau so, wie unkonventionelle Therapien, Yoga, einen Klinikaufenthalt, Tanzen gehen, Gespräche mit andere Betroffenen und mit Zufallsbegegnungen.

Es gibt keine allgemein gültige Regel, wie genau der Genesungsweg auszusehen hat.

So „funktioniert“ beispielsweise nicht jede Therapie von jeder Therapeutin für jede Betroffene.

Vor einiger Zeit telefonierte ich mit einer Essgestörten und am Ende des Gesprächs sagte sie:

„Dieses eine Telefonat hat mich jetzt weiter gebracht, als die letzten zwei Jahre Therapie!“

„Du machst seit zwei Jahren eine Therapie, die dir nichts bringt?“ fragte ich sie ungläubig „warum?“

„Naja, wahrscheinlich, weil mir geraten wurde, diese Therapie zu machen und weil die Kasse sie bezahlt.“

Genau so, wie ich als Kind in meiner Mutter die Expertin sah, sah sie in der Therapeutin die Expertin.

Und auch wenn diese Therapeutin sicher professionell war und ihr Bestes gegeben hat, passte sie und/oder ihre Methode nicht zu der Patientin. Das eigentliche Drama bestand darin, dass die Betroffene ihrer Wahrnehmung nicht traute. Denn hätte sie das getan, hätte sie die Therapie nach einigen Sitzungen abgebrochen und sich eine Alternative gesucht.

Es ist nicht der Job irgendeines anderen Menschen, dich gesund zu machen, es ist dein Job, du bist die Expertin.

Andere Menschen können dich dabei unterstützen und du kannst dafür verschiedene Werkzeuge nutzen.

Deine Wahrnehmung, „sagt“ dir, was und wer dir gut tut.

Entscheidend ist, dass du diesem „inneren Feedback-System“ traust, dir vertraust, und darauf hörst.

Für mein Leben bin ich die Expertin, für dein Leben bist du es!

Natürlich kann man sagen, dass ich in Bezug auf Essstörungen eine Expertin bin.

Schließlich hatte ich selbst eine und ich bin wieder ganz gesund geworden.

Und so viele finden sich in meinen Erfahrungen und Erkenntnissen wieder und schöpfen daraus Hoffnung.

Genau das war und ist für mich das Motiv  und die Motivation für lebenshungrig.

Und ich habe schon sehr viel Zuspruch, Dank und Bestätigung bekommen.

Doch ich bitte dich nicht darum, mir irgendetwas zu glauben.

Ich fordere dich auf, Verantwortung für dich zu übernehmen und (meine) Empfehlungen auszuprobieren, dich inspirieren zu lassen.

Und dann wirst du fühlen, ob es dir gut tut. Vertraue deiner Wahrnehmung!

Es ist entscheidend, zu handeln, in kleinen Schritten von der Theorie in die Praxis zu kommen.

Nur dann kannst du rausfinden, was für dich wie funktioniert.

Sei die Expertin deines Lebens!

lebenshungrige Grüße

Simone