Liebe Lebenshungrige,

wie geht es dir gerade?

 

Nein, bitte nicht einfach weiter lesen.

Gib dir diesen Moment, er ist wichtiger als all das, was ich hier schreibe:

Wie geht es dir?

Spüre in deinen Körper hinein, vertiefe deine Atmung, nimm wahr was da ist, ohne es zu bewerten.

Gut!

 

Mir ist heute danach, zu schreiben.

Ich habe schon längere Zeit nichts mehr im Blog veröffentlicht, das Bedürfnis war einfach nicht da.

Und auch wenn es diese mahnende Stimme in meinem Kopf noch manchmal gibt, die sagt: „Eigentlich musst du regelmäßig etwas posten!“, höre ich nicht auf sie, sonder auf mich selbst.

Diese kritisierende Stimme nenne ich mein inneres Fräulein Rottenmeier (aus „Heidi“) und ich habe dabei die Variante der japanischen Zeichentrickserie vor Augen, die ich als Kind geschaut habe.

„Disziplin!“ höre ich die bedauernswerte Hausdame immer mal wieder ausrufen, denn die Heidi in mir ist viel stärker.

Heute weiß ich, dieses Fräulein Rottenmeier ist nicht meine Stimme, es ist eine „alte Stimme“ die aus dem System stammt, in dem ich aufgewachsen bin.

All diese DO’s and DON’Ts, was man zu tun und was zu lassen hat, was die Leute darüber denken werden und überhaupt…

Das Entscheidende daran ist, dass wir alle uns selbst unsere eigene Rottenmeier-Variante erschaffen haben.

Das Problem ist jedoch nicht, dass sie da ist.

Sondern Probleme entstehen, wenn diese Stimme so mächtig ist, dass du ständig auf sie hörst.

Denn du glaubst, keine Wahl zu haben, oder dir ist gar nicht bewusst, wessen Anweisungen du gerade befolgst.

Unterdrückung erzeugt Druck

Während der letzten beiden Gruppen-Telefon-Mentorings ist mir mal wieder verstärkt aufgefallen, welche Auswirkungen diese innere Kontrolleurin hat und wie sie die (Ess)Probleme füttert.

Denn oftmals sind es die vielen Kleinigkeiten im Laufe des Tages, die das Fass füllen, sodass es abends einfach überlaufen muss.

Anders gesagt: Du tust im Laufe des Tages zu viele Dinge, die du gar nicht tun willst.

Permanent überschreitest du deine Grenzen und lässt sie überschreiten.

Du unterdrückst dich selbst und diese Unterdrückung erzeugt Druck.

Und dieser Druck wird durch Rückfälle in ungesunde Verhaltensweisen – beispielsweise Fressanfälle – kurzfristig kompensiert, verstärkt ihn jedoch langfristig.

Eigentlich muss ich…

Sehr häufig höre ich Sätze wie: „Eigentlich war der Tag ganz gut, trotzdem hatte ich abends einen Rückfall!“

Das entscheidende Wort in dieser Aussage ist „eigentlich“ denn es steht für die vielen kleinen Rottenmeier-Momente.

Und hier nenne ich dir einige, die mir aus den letzten beiden Telefonaten im Gedächtnis geblieben sind:

„Eigentlich hatte ich große Lust Fahrrad zu fahren, doch die Fenster mussten geputzt werden!“

„Eigentlich wollte ich gerne eine Doku anschauen, doch bei schönem Wetter muss man raus gehen!“

„Eigentlich brauchte ich eine Pause nach der Arbeit, doch der Rasen musste noch gemäht werden!“

Was in diesen Situationen häufig passiert ist Folgendes: Die Fenster werden geputzt und danach „passiert“ ein Rückfall.

Oder vielleicht auch: Anstelle der bewussten Pause nach der Arbeit „passiert“ der Rückfall und später wird schuldbewusst der Rasen gemäht.

Und Variante Nummer drei: Du gehst weder nach Draußen, noch schaust du die Doku, denn es „passiert“ ein Rückfall.

Doch ein Rückfall passiert nie einfach nur so…

In all den Aussagen taucht außerdem das Wort MUSS auf. Und dieses Wort lässt dir scheinbar keine Wahl.

Doch die Fenster müssen nicht geputzt werden.

Was befürchtest du passiert, wenn du es nicht tust?

Werden die Leute reden? Was wird/würde deine Mutter sagen?

Bist du es wirklich selbst, die jetzt unbedingt geputzte Fenster haben will?

Das sind die wichtigen Fragen!

Und ist dir eigentlich bewusst, dass es zwischen schwarz und weiß unendlich viele Grautöne gibt?

Du kannst die Fenster morgen oder nächste Woche putzen!

Du kannst nur ein Fenster putzen!

Dein Partner kann dir helfen (oder alle Fenster putzen)!

Du kannst einen Fensterputzer bestellen!

Wie hoch ist der Preis den du immer wieder zahlst, weil du glaubst, auf die Rottenmeier hören zu müssen?

Heidi muss nicht, Heidi will!

Da mein armes Fräulein Rottenmeier kaum noch Gehör findet, würde ich mich durchaus als disziplinlos beschreiben.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – (er)schaffe ich Vieles.

Denn ich habe etwas Entscheidendes verinnerlicht: Ich musst NICHTS!

Es hat Konsequenzen, wenn ich gewisse Dinge nicht mache, das ist klar. Doch müssen muss ich nicht.

Dadurch kann ich den Dingen, die ich will und die ich brauche Vorrang geben.

Das wiederum führt dazu, dass die – sagen wir mal – unangenehmeren Dinge – wie Haushaltstätigkeiten, weniger Gewicht bekommen und so leichter von der Hand gehen.

Konkret bedeutet das:

Wenn ich Lust habe, Fahrrad zu fahren, dann fahre ich Fahrrad. Danach kann es sein, dass ich mal eben noch ein Fenster putze.

Wenn ich gerne eine Doku schauen möchte, dann schaue ich sie. Danach ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich gerne raus gehen möchte und es auch tue.

Wenn ich eine Pause brauche, dann gebe ich sie mir. Danach kann es sein, dass ich Spaß daran habe, den Rasen zu mähen. (Also, theoretisch, wir haben einen Rasenroboter, auch einer dieser Grau-Töne ;)

 

Und um auf meine eigene, aktuelle Situation zurück zu kommen:

Wenn ich keinen Blogbeitrag schreiben mag, dann schreibe ich halt keinen.

Denn ich weiß, irgendwann werde ich es wieder tun.

Und ich weiß auch, dass erzwungene Blogbeiträge nicht wirklich hilfreich sein können.

Nicht für dich und auch nicht für mich.

Und doch war ich kreativ und produktiv: Denn weil ich mir erlaubt habe, nicht zu bloggen, konnten andere Projekte, wie beispielsweise die kostenlose MindDetox Meditation „Mein Fels in der Brandung“ und die 33 AppetitHäppchen entstehen. Außerdem sind weitere Ideen in der Umsetzung, doch dazu vielleicht später mehr…

Finde heraus, wem diese Rottenmeier-Stimme in dir eigentlich gehört und wodurch sie Druck in dir erzeugt.

Und dann entmachte sie und ermächtige dich selbst. 

Dadurch entziehst du deinen (Ess)Problemen die Nahrung!

Lass dir dein Leben schmecken!

Simone @lebenshungrig

 

 

Es ist ein sogenannter guter Vorsatz zu beschließen, dass ab morgen alles anders wird.

Viele Lebenshungrige – mein früheres Ich eingeschlossen – machen das immer wieder. Einer meiner Lieblingsvorsätze war:

Ab morgen esse ich diszipliniert!

Ob es funktioniert hat?

Meistens für ein paar Stunden, manchmal für einige Tage, doch dann…

Unrealistische Ziele mit falschen Erwartungen

Immer und immer wieder nahm ich mir genau diesen Vorsatz vor, schaffte es nicht, mich daran zu halten und bewegte mich dadurch in meinem Denken, Fühlen und Handeln in einer Abwärtsspirale nach unten.

Warum habe ich so etwas simples wie mein Essverhalten nicht im Griff?

fragte ich mich gebetsmühlenartig.

Alle anderen können das doch auch!

hielt ich mir stets vor. Und während ich nach Außen hin weiter funktionierte, verzweifelte ich innerlich.

Heute weiß ich, dass das so nicht funktionieren konnte.

Denn einerseits war mein Ziel unrealistisch und andererseits waren meine Erwartungen an dieses Ziel falsch.

Ich erwartete nämlich, dass mit diesem „perfekten Körper“ auch noch das „perfekte Leben“ gratis daher käme.

Realitäts-Check

Was ich lange Zeit ignorierte, war die Realität.

Denn an diesem Punkt meines Lebens war ich essgestört und nicht mal mehr ansatzweise in der Lage, mein Essverhalten zu kontrollieren. Abgesehen davon kommt mit dem „perfekten“ Körper“ eben nicht gratis das „perfekte Leben“ daher.

Im Grunde fütterte mein sogenannter guter Vorsatz meinen guten alten Ur-Glaubenssatz:

Ich bin nicht gut (genug)!

Schließlich hatte ich keine Chance, diesen Vorsatz real werden zu lassen und so benutzte ich ihn unbewusst, um meine Negativität weiter zu nähren. Denn da ich es nicht schaffte, „bewies“ ich mir ja immer wieder, dass ich nicht gut genug war!

Ein guter Vorgeschmack auf’s Neue Jahr

Heute baue ich mir in mein Leben immer wieder intensive Zeiten des Reflektieren ein. Das muss nicht unbedingt zwischen den Jahren sein, sondern ist jederzeit und immer wieder möglich und heilsam. Manchmal ist das ein Retreat (Rückzug, spirituelle Ruhepause), den jemand anderes veranstaltet und zu dem ich irgendwo hin fahre. So habe ich beispielsweise im Oktober vier Tage am Retreat „Jetzt oder Nie“ mit Eckhart Tolle und Kim Eng in Linstow teilgenommen.

Meistens ist es aber ein Tag, den ich nur mit mir selbst verbringe, ein Ich-Retreat sozusagen. An diesen Tagen meditierte ich zwei bis drei Mal, rede wenig und lese und schreibe viel. Zwischendurch höre ich Musik, schaue einen inspirierenden Film, gehe spazieren, tanze, lege mich in die Badewanne,…

Ich mache konsequent die Dinge, die meine Seele nähren.

An diesem Tag lese ich meine Gedankensalate der vergangenen Wochen oder Monate. Denn aus dieser Art des verbalen Auskotzens erfahre ich auch heute noch eine Menge Wertvolles und Interessantes über mich selbst und meine (Gedanken)Muster. Danach beantworte ich schriftlich folgende drei Fragen und ich lade dich herzlich dazu ein, das auch mal zu tun. Es funktioniert auch, wenn du keine Gedankensalate geschrieben hast:

Was ist Positives passiert in den vergangenen Wochen/Monaten?

Auf Grund unserer negativen Programmierungen haben wir Lebenshungrigen immer wieder die Tendenz, eher auf das Negative zu schauen, bzw. dem Negativen zu viel Gewicht zu geben. Wir vergleichen beispielsweise den Stand unserer Genesung mit denjenigen, die weiter scheinen als wir selbst, sodass wir „schlechter“ da stehen. Doch nicht der Stand deiner Genesung ist das Problem, sondern die Art des Vergleichens, bzw. das Vergleichen mit anderen generell.

Oder hast du beispielsweise nach einigen wirklich positiven Tagen einen Rückfall, dann wiegt der Rückfall für dich sofort viel schwerer als die guten Tage davor. Und genau durch diese Bewertung fütterst du quasi den nächsten Rückfall an. Denn durch die Art der Bewertung und den eventuell folgenden weiteren Rückfällen glaubst du dann, auf der Stelle zu treten und nicht weiter zu kommen. Deshalb ist es entscheidend, immer wieder ganz bewusst auf das Positive zu schauen um unsere innere Waage mehr und mehr in Balance zu bringen.

Was habe ich aus den Herausforderungen gelernt, was kann ich daraus lernen?

Anstatt uns für schwierige Erfahrungen, wie beispielsweise Rückfälle in essgestörtes Verhalten, die innere Bratpfanne über zu ziehen, können wir uns genau so gut fragen, was wir aus dieser Situation lernen können oder konnten. Denn wenn du beispielsweise deine Rückfälle immer wieder analysierst, verstehst du sie – und damit dich selbst – irgendwann und dadurch beginnst du, dem (Ess)Problem die Nahrung zu entziehen!

Denn es geht nicht darum, irgendwann stärker als der Druck des Rückfalls zu werden. Es geht darum, durch anderes Denken, Fühlen und Handeln Schritt für Schritt solche Erlebnisse zu erzeugen, die keinen Druck mehr aufbauen.

Wie kann ich realistische Wünsche/Ziele für die Zukunft formulieren?

Es ist richtig und wichtig, den Wunsch zu haben, gesund werden zu wollen!

Doch wir können nicht bestimmen, wann genau das passieren wird. Wenn du also auf die Liste deiner guten Vorsätze für’s Neue Jahr schreibst, dass du im Mai 2020 gesund sein willst, setzt du dich damit unter Druck. Und mit diesem Druck machst du dir deinen Genesungsweg schwerer und nicht leichter.

Spüre mal in deinen Körper hinein, wenn du deine Wünsche oder Vorsätze formulierst: Zieht sich in dir alles irgendwie zusammen und hältst du vielleicht sogar die Luft an, kannst du davon ausgehen, dass du es mit einem unrealistischen Ziel zu tun hast. Entsteht hingegen Weite in deinem Körper und du atmest auf, bist du auf dem besseren Weg. Deine Formulierung könnte dann beispielsweise so lauten:

Ich erlaube mir, meiner Genesung immer wieder oberste Priorität einräumen!

Denn das ist ein realistischer Wunsch, auf den du stets zurückkommen kannst und der kein Verfallsdatum hat. Und dann kannst du dich beispielsweise auf die Suche nach konkreter Unterstützung zur Umsetzung dieses Wunsches machen. Beispielsweise habe ich letztes Jahr im Dezember von dem Retreat mit Eckhart Tolle erfahren und sofort gebucht. Und das war gut so, denn bereits einige Wochen später war die Veranstaltung ausgebucht. Und ich konnte von Dezember bis Oktober die Vorfreude und dann den Retreat selbst genießen.

Sich selbst bewusst etwas so Wertvolles wie Zeit zu gönnen – ohne dafür ein direktes, konkretes Ergebnis zu erwarten  macht die Seele satt. Die Ergebnisse werden kommen, nur meist nicht so, wie und wann wir sie erwarten.

Du kannst den Raum dafür schaffen, in dem Genesung passieren kann:

Jetzt – und immer wieder!

lebenshungrige Grüße

Simone

Früher war es so, dass die Worte und Verhaltensweisen anderer Menschen große Macht über mich hatten. Vor allem wenn es sich dabei um Menschen handelte, die mir wichtig waren, denen ich gefallen wollte und von denen ich Bestätigung brauchte. Besonders Kommentare von Männern über meinen Körper beziehungsweise über mein Gewicht waren unglaublich mächtig. Sie brannten sich bei mir ein und wenn sie negativ waren, fühlte sich das so an, als hätte man mir ein Messer ins Herz gestoßen.

Zwar waren damals die meisten Kommentare in Bezug auf mein Aussehen sogenannte Komplimente, doch das Negative war es, was hängen blieb.

Mehrmals dachte ich:

Wie kann man(n) nur so etwas Verletzendes so achtlos daher sagen?

Wenn es dich trifft, betrifft es dich

Heute passiert mir das nicht mehr. Denn ich habe begriffen, dass es alleine an mir liegt, ob mich Kommentare von anderen treffen, oder nicht.

Ich brauche heute niemandem mehr gefallen und ich benötige auch keine Bestätigung mehr von anderen Menschen.

Heute mag ich mich selbst und ich mag den Weg, den ich gehe. An Beides habe ich keine perfektionistischen Ansprüche mehr.

Der äußere Schein ist nicht mehr entscheidend, weil mein inneres Sein genügend Raum einnehmen darf.

Dementsprechend definiere ich mich nicht mehr über eine Zahl auf der Waage. Ich mache meinen Wert nicht mehr abhängig von meinem Aussehen.

Und ich bin nicht mehr unzufrieden mit meinem Körper. Er i(s)st, wie er i(s)st!

Außerdem habe ich verstanden, dass die Worte anderer mich nur dann treffen können, wenn sie mir spiegeln, was ich im Grunde selbst über mich denke. Und wenn dadurch alte, unverarbeitete, negative Gefühle getriggert werden.

Denn die Worte über mein Aussehen, die mich früher trafen, trafen kindliche Anteile in mir. Alte Ungerechtigkeiten und Verletzungen, Scham, Hilflosigkeit, Wut und Trauer nährten diesen Herz-Schmerz.

Heilt die Zeit alle Wunden?

Es hat Jahre gedauert, all die alten Gefühle zu erkennen, ihnen Raum zu geben und sie zu verarbeiten.

Und es hat Jahre gedauert, bis ich diesen einen Satz tatsächlich so verinnerlicht hatte, dass ich ihn heute aus tiefster Überzeugung aussprechen kann:

Was du über mich denkst (und sagst), sagt viel mehr über dich aus, als über mich!

Ich glaube nicht, dass Zeit alleine emotionale Wunden heilt. Zeit hilft, aber nur wenn wir bereit sind, uns unsere Wunden anzuschauen. Um heilen zu können, müssen auch emotionale Wunden gründlich und regelmäßig versorgt werden. Sie müssen gesehen werden!

Ansonsten ist die Gefahr groß, dass sie sich entzünden, eitern und uns mit der Zeit regelrecht emotional vergiften.

Heute weiß ich, dass früher durch gewisse Worte anderer alte Verletzungen in mir aufgebrochen sind.

Doch alles was jetzt davon übrig ist, sind ganz feine, gut verheilte Narben auf meiner Seele.

Und das ist in Ordnung, die gehören zu jedem Leben dazu.

Es ist unverschämt, mit dem Leid anderer Geld zu verdienen!

Als ich in 2006 lebenshungrig gründete, war ich zwar schon einige Jahre nicht mehr essgestört. Doch eine gewisse (alte) Unsicherheit trat spätestens zu dem Zeitpunkt auf, als ich in 2009 langsam begann, Geld über bzw. mit der Website zu verdienen. Das Feedback in Bezug auf meine Arbeit war zu 99% positiv. Sehr viele Frauen waren sehr dankbar.

Doch dann kam dieser eine Kommentar:

Wie kannst du nur versuchen, mit dem Leid anderer Menschen Geld zu verdienen? Das ist doch total unverschämt!

Und da war er wieder, der gefühlte Versuch, mir ein Messer ins Herz zu rammen!

Doch nach der ersten, „alten“ Reaktion setzten sofort die „neuen“ gesunden Gedanken ein und „sagten“ mir:

  1. Nur du alleine weißt, wie viel Geld und Mut es dich gekostet hat, diese Website ins Leben zu rufen. Und dass du damit jemals Geld verdienen würdest, wusstest du anfangs gar nicht.

  2. Du versuchst nicht, mit dem Leid anderer Geld zu verdienen. Das Leid ist schon da. Du bietest einen Ausweg und die anderen können frei entscheiden, ob sie dieses Angebot annehmen. Außerdem gibt es unzählige kostenlose Informationen auf deiner Seite.

  3. Dieser Kommentar ist von einer Frau, die weder dich noch deine Arbeit kennt. Sie weiß weder wen noch was sie da gerade verurteilt. Und ihre Unverschämtheit trifft dich nur deshalb, weil ein alter Teil von dir auch noch glaubt, dass es unverschämt von dir ist, zu tun, was du tust.

Und im gleichen Moment wurde mir bewusst, dass ich mir kein Messer mehr ins Herz stechen lasse.

Ich trage einen gesunden Schutzpanzer. Und an dem prallen solche Bewertungen heute ab.

 

Es trifft dich? Dann gibt es etwas zu lernen!

Das nächste Mal, wenn dich die Worte (oder Taten) eines anderen Menschen ganz stark treffen, nutze deine Chance:

  1. Versuche (schriftlich) heraus zu finden, an welche alte (Kinheits)Situation dich das gerade emotional erinnert!

  2. Finde ebenfalls (schriftlich) heraus, welche Worte dieser Person deine alten, noch vorhandenen Glaubenssätze spiegeln!

  3. Und dann stelle dir (schriftlich) vor, wie du reagieren würdest, wenn du diese Glaubenssätze nicht mehr hättest!

Schenke deinen emotionalen Wunden Aufmerksamkeit, damit sie heilen können!

lebenshungrige Grüße

Simone

Das Leben ist sehr gerecht.

Jeder von uns stehen jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung und wir entscheiden, wie wir diese Zeit verbringen.

„Ja aber ich muss doch arbeiten/studieren, mich um die Kinder/Eltern kümmern, meinen ehrenamtlichen Verpflichtungen nachkommen und…“ höre ich dich protestieren.

Nein. Das musst du nicht.

Du entscheidest dich, es zu tun. Denn es kann Konsequenzen haben, wenn du gewisse Dinge nicht (mehr) tust. Die wichtige Frage lautet doch:

Bist du weiterhin bereit den Preis zu zahlen, den diese Entscheidungen dir abverlangen?

Kostet dich das womit du deine Zeit verbringst mehr, als es dir einbringt?

Und ich rede hier nicht (nur) von Geld…

Denn wenn das dauerhaft der Fall ist, bist du dabei, seelisch zu verhungern.

Deine innere Waage ist nicht mehr im Gleichgewicht. Und darauf weisen dich deine (Ess)Probleme hin. Solange irgendjemand oder -etwas in deinem Leben wichtiger ist als dein wahres Selbst, so lange bleibt diese Unausgeglichenheit.

Nur wenn du innerlich satt bist, kannst du effizient studieren oder arbeiten und gleichzeitig ein lebenswertes Leben haben. Und was noch viel Wichtiger ist: Nur dann wirst du tatsächlich auch diesen Tätigkeiten nachgehen, die dir wirklich entsprechen und nicht das tun, was beispielsweise deine Eltern von dir erwarten. Nur dann wirst du dieser Gesellschaft sinnvoll dienen können.

Nur wenn du innerlich satt bist, kannst du dich gut um andere Menschen kümmern. Denn nur dann hast du tatsächlich auch etwas zu geben. Wenn du es nicht mehr tust, um dein schlechtes Gewissen zu beruhigen oder damit andere dir Bestätigung geben, dann bist du wirklich frei. Nur dann bist du ein gesundes Vorbild.

Wenn meine Lebensumstände mal anders sind, dann…

„Ja aber Simone, ich kann  morgens nicht meditieren, ich muss zur Arbeit!“ oder „Ich stehe kurz vor der Prüfung und kann mir jetzt nicht die Zeit nehmen und auch noch Gedankensalate schreiben!“ oder auch: „Meine Kinder sind zu klein, ich kann mir keine Dates mit mir selbst erlauben!“

Und ich sage dir: Du kannst es dir nicht leisten, diese Dinge nicht zu tun.

Oder du wirst weiterhin den Preis zahlen, dass dir deine (Ess)Probleme erhalten bleiben.

Ich weiß das, weil es es selbst jahrelang ausprobiert habe…

Immer waren es angeblich die Umstände, die mich davon abhielten, mich mit mir auseinander zu setzten, mir den Raum für die Genesung zu ermöglichen. Ich quälte mich durch die Prüfungsphasen im Studium weil ich glaubte, permanent lernen zu müssen. Ich glaubte, dass ich mich nach den Prüfungen besser fühlen und mir Zeit für mich nehmen würde. Und ich zahlte mit unzähligen Rückfällen in die Bulimie, mit schlaflosen Nächten,  Prüfungsängsten, einem geschundenen Körper, Selbsthass, Verzweiflung und einem leeren Geldbeutel.

Bis ich nicht mehr bereit war, diesen Preis zu zahlen.

Mit anderen Worten: Ich konnte einfach nicht mehr!

Ich war das Leiden so leid.

Und ich begann zu ahnen, dass ich mich mit dem stets gleichbleibenden Denken und Verhalten immer Tiefer in meine Probleme frass.

Ich ermöglichte mir einen Klinikaufenhalt und nutzte ihn. Danach suchte ich mir einen Job neben dem Studium und zahlte mit dem Geld eine Therapie. Ich zahlte auch damit, dass ich dadurch ein halbes Jahr länger studierte. Und während ich mich anfangs noch bedauerte, dass die Krankenkasse diese Therapie nicht bezahlte und ich jetzt auch noch dafür aufkommen musste und länger studierte, wendete sich das Blatt mit der Zeit.

Ich realisierte, dass ich endlich einmal wirklich etwas IN MICH investierte!

Ich war es mir Wert!

Und durch den Klinkaufenthalt und mit Hilfe meiner Therapeutin und der Selbsthilfegruppe dich ich besuchte, begann ich, Abstand zu mir und meiner Situation zu bekommen. Und dadurch erkannte ich Schritt für Schritt, was ich selbst immer wieder (unbewusst) tat, um mich in meinem gemütlichen Elend zu halten.

Durch das langsamere Studieren ermöglichte ich es mir, ein Thema für meine Diplomarbeit zu finden, das mich wirklich interessierte. Und ich begann, wieder kreativ zu sein und Spaß zu haben.

Ich schaffte Raum und Zeit für mein wahres Selbst.

Das war der Anfang vom Ende meiner (Ess)Probleme.

Heute ist es mein „normal“ mich auf diese Art an die erste Stelle zu setzen.

Denn ich weiß, dass dann automatisch alles an seinen Platz fällt.

Ich kann nicht für andere da sein, wenn ich nicht bei mir bin!

Deine Lebensumstände sind vielleicht für 10% deines Glücks und deiner Gesundheit zuständig.

Die anderen 90% hängen davon ab, wie du mit deinen Lebensumständen umgehst!

Wenn du damit beginnst, Verantwortung für diese 90% zu übernehmen,
werden die richtigen Antworten kommen!

lebenshungrige Grüße

Simone

Was hast du schon zu verlieren, wenn du dein Glück und deine Gesundheit ganz oben auf deine Prioritätenliste setzt?

Du empfindest das als egoistisch?

Ist es nicht viel egoistischer, dass deine Gedanken ständig um dein Essen und dein Gewicht kreisen?

Dreht sich nicht dadurch alles auf negative Weise nur um deinen Körper?

Du willst Bestätigung und Komplimente von anderen, damit du dich gut fühlen kannst.

Ist das nicht Abhängigkeit und damit das Gegenteil von Selbstbewusstsein?

In deinem Gedankenkarussell bist du geradezu zwanghaft mit dir beschäftigt.

Du bist der Hamster im Rad, der sich verzweifelt wünscht, dass das Rad stehen bleibt.

Wann begreifst du, dass du das Rad antreibst?

Du willst weiter versuchen, deinen Körper zu kontrollieren?

Ist es nicht verrückt zu glauben, dass du gegen die Natur gewinnen kannst?

Ist es nicht oberflächlich, deinen Wert von deinem Aussehen und von deinen Leistungen abhängig zu machen?

Die Antworten, die du wirklich brauchst, wirst du nur in der Tiefe finden.

Dein Körper ist ein treuer Freund, den du zu deinem größten Feind gemacht hast.

Hat dich nicht das Kreisen um dein Essverhalten und dein Gewicht immer unglücklicher und kranker gemacht?

Bist du nicht der beste Beweis dafür, dass es so nicht funktioniert?

Erst wenn dir dein Glück und deine Gesundheit wichtiger sind als dein Aussehen, bist du bereit für Heilung.

Du kannst die „Nicht-gut-genug-Brille“ abnehmen!

Was hast du schon zu verlieren, wenn du die Geschichte, die du dir permanent über dich und dein Leben erzählst, hinterfragst?

Was hast du schon zu verlieren, wenn du erkennst, dass alles was du brauchst, bereits in dir vorhanden ist?

Was hast du schon zu verlieren, wenn du dir erlaubst, dich zu öffnen und dich unterstützen zu lassen?

Was hast du schon zu verlieren, wenn du verstehst, dass es nicht darum geht, eine andere zu werden, sondern die zu sein, die du wirklich bist?

Du kannst nur gewinnen: Glück, Gesundheit und die Freiheit, dein Leben zu leben!

lebenshungrige Grüße

Simone 

Was genau ist gesunde Ernährung eigentlich?

Auf diese Frage gibt es so viele Antworten wie es Frauen mit einem gestörten Essverhalten gibt.

Und generell nimmt dieses Thema für sehr viele Menschen geradezu religiöse bis fanatische Züge an…

Du bist, was du isst?

In einer Zeit, in der wir den Luxus genießen könn(t)en, sämtliche Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung zu haben, ist der Satz: „Du bist, was du isst!“ für mich überholt. Denn er stammt aus einer Zeit, in der Mangel- und Unterernährung an der Tagesordnung waren. Mein Satz lautet:

Du bist, was du (über dein Essen) denkst!

Denn der Stress – die ängstlichen, unsicheren Gedanken und Gefühle, die du mit deinem Essverhalten und mit Lebensmitteln verbindest – kann mindestens genau so schädlich für dich sein, wie der ständige Konsum von Fast Food. Es geht also nicht darum, die perfekte Definition von „gesunder Ernährung“ zu finden und sich dann daran zu halten.

Es geht darum zu verstehen, dass du den perfekten Ernährungsexperten bereits hast: Deinen Körper! Denn er weiß nicht nur, wann er hungrig und wann er satt ist, er zeigt durch seine Gelüste auch, was er braucht.

Und nein, er will nicht permanent Süßigkeiten oder Fettiges. Wenn dein Mind völlig klar ist, du glücklich bist und guten Kontakt zu deinem Körper hast, dann wirst du verwundert feststellen, dass du beispielsweise häufig Lust auf Spinat oder Bananen hast.

Es ist nicht dein Körper, dem du nicht vertrauen kannst. Dein Kopf, der nicht vertrauen will, ist die eigentliche Herausforderung.

Wie viele Diäten hast du schon ausprobiert? Wie viele Ernährungstrends hast du schon mitgemacht? Wie viele Super Foods hast du schon getestet?

Und was hat es dir wirklich gebracht?

Fokussiere dich immer wieder auf die Ursache

Das Essen ist nicht dein wirkliches Problem und deshalb liegt in der Fokussierung auf das Essen bzw. dein Essverhalten auch nicht die Lösung.

Im Gegenteil. Fokussierst du dich auf das Problem, verstärkst du es:

Du versuchst immer wieder kontrolliert und diszipliniert zu essen, schaffst es immer seltener und es geht dir deshalb immer schlechter.

Dadurch befindest du dich in einer ungesunden Abwärts-Spirale. Innerlich wirst du immer kleiner, die Selbstzweifel werden immer größer.

Doch es liegt nicht an dir, nicht an deiner mangelnden Willenskraft, es liegt an deinen Gedanken, an deinen Glaubenssätzen:

Warum glaubst du, deinen Körper mit deinem Kopf beherrschen zu müssen?

Warum glaubst du, dass ein von anderen Menschen aufgestellter Ernährungsplan für dich richtig ist?

Warum glaubst du, dass ein bestimmtes Gewicht dich glücklicher und selbstbewusster machen würde?

Hinterfrage deine Gedanken, tut es dir wirklich gut zu glauben, was du glaubst?

Und wie realistisch ist das, was du glaubst?

Wie oft hast du dir selbst schon bewiesen, dass deine Glaubenssätze nicht den gewünschten Erfolg erzielen (können)?

Und jetzt lasse ich dich wissen, wie ich gesunde Ernährung heute definiere:

Gesunde Ernährung ist…

… so frische und unbehandelte Nahrungsmittel wie möglich, wenn es unter den gegebenen Umständen machbar ist!

Konkret bedeutet das für mich:

  1. Mein Körper bestimmt immer, wie viel ich esse. Und nach Möglichkeit auch, wann ich esse und was.

Das bedeutet, dass ich beispielsweise auch Süßigkeiten etc. esse, wenn ich Lust darauf habe. Das Entscheidende ist hier, dass mein Kopf kein Drama mehr daraus macht und das Ganze somit keine große Sache ist. Und weil ich komplett angstfrei auf diese Lust hören kann, esse ich ein paar Süßigkeiten und dann vergeht mir die Lust und ich höre auf.

  1. Ist das nicht möglich, weil ich beispielsweise zum Essen eingeladen oder unterwegs bin, dann esse ich das was da ist, bis ich satt bin.

So unglaublich einfach kann das sein.

Wenn du (angst)frei bist, weil du deine ungesunden Glaubenssätze ausgehungert hast!

lebenshungrige Grüße

Simone

Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment in dem ich realisierte, dass ich mein Essverhalten nicht mehr im Griff hatte. Es war der Moment, in dem ich von der Magersucht in die Bulimie kippte. Der Schmerz und die Scham waren überwältigend. Natürlich war der Moment des tatsächlichen Kontrollverlusts schon viel früher eingetreten. Und zwar als ich über stetiges Diäthalten und permanentes gedankliches Beschäftigen mit Lebensmitteln in die Magersucht gerutscht war. Doch das Tückische an der Magersucht ist ja zu Beginn, dass du glaubst, die Kontrolle zu haben: Du willst kaum etwas essen und du isst kaum etwas. Und durch die mit Essstörungen einhergehende Wahrnehmungsstörung in Bezug auf dein Körperbild empfindest du dich nie so dünn, wie du tatsächlich bist. Auch war es bei mir so, dass ich nach „nur“ einem Jahr Magersucht in die Bulimie kippte und dadurch körperlich noch nicht extrem auffällig war.

Dünn um jeden Preis

Zunächst war ich entsetzt über den ersten „Kontrollverlust“, dem ersten Fressanfall, doch dann kam mir die Idee, mich des ganzen Essens einfach wieder zu entledigen. Das beruhigte mich erst Mal ein wenig. Denn ich wollte um jeden Preis schlank sein. Mit dem Ergebnis, das ich einen sehr hohen Preis zahlte und in den kommenden Jahren Phasen hatte, in denen ich nicht mehr schlank dafür aber sehr essgestört war. Auch musste ich nach dem ersten Kotzen feststellen, dass ich schon bald danach keine Wahl mehr hatte. Denn anfangs dachte ich mir: „Okay, wenn du mal wieder über die Stränge schlägst, dann entledigst du dich des Essens eben wieder.“ Doch erschreckend schnell wurde meine Notlösung zum Dauerzustand.

Nicht ich hatte das Essen im Griff, das Essen hatte mich im Griff!

Die Kraft des Willens

Ich glaubte damals, nun auch noch undiszipliniert und willensschwach zu sein. Dieser Gedanke löste den grausamen Schmerz und die Scham aus. Und doch entsprach er letztlich nur dem Selbstbild, das ich hatte: „Ich bin nicht gut genug!“  Mein winziges Bisschen an Selbstwertgefühl, zog ich überwiegend aus meinem Aussehen, bzw. meinem Gewicht. Doch anstatt all das zu hinterfragen, hielt ich weiter am Dünnsein fest. Bis ich dadurch so sehr in die Bulimie rutschte, dass ich irgendwann nicht mehr gegen das Zunehmen, sondern gegen die Essstörung kämpfte.

Und genau durch diesen Kampf hielt ich mich in meinem Teufelskreis gefangen. Denn egal ob ich gegen das Zunehmen oder gegen die Essstörung antrat: Ich verbrauchte all meine Energie in einem aussichtslosen Kampf. Ich war so unglaublich hart und gemein zu mir selbst. Wenn ich innerlich auf dem Boden lag, trat ich nach mir und brüllte mich an. Ich rannte wie ein Hamster in seinem Rad, wurde immer kraftloser und wünschte mir so sehr, dass das Rad langsamer würde und stehen blieb. Bis ich erkannte, dass ich es war, die das Rad antrieb.

Bis ich begann, meinen Willen zu hinterfragen und zu verstehen, dass ich meine Kraft die ganze Zeit gegen mich eingesetzt hatte. Denn alles begann mit dem Glauben, dass ein gewisses Aussehen all meine Probleme lösen und mir eine ordentliche Portion Selbstwertgefühl servieren würde.

Doch war diese Annahme tatsächlich richtig?

Das war sie nicht!

Denn zu Magersuchts-Zeiten hatte ich mein Wunschgewicht von unter 50 kg erreicht und nach einem kurzen Glücksmoment war alles wie zuvor. Ich hatte mir also selbst schon bewiesen, dass es nicht funktionierte, nur konnte ich es damals noch nicht sehen. Anstatt zu erkennen, dass mein Wunschgewicht unrealistisch und ungesund war und mir nicht brachte was ich mir erhoffte, hatte ich das Rad weiter angetrieben.

Ist es dieser Wille wirklich wert, deine Kraft dafür einzusetzen?

Die Willenskraft funktioniert im Grunde wie ein Muskel, wenn du sie permanent überstrapazierst, ermüdet sie. Typisches Beispiel: Du hast dir mal wieder vorgenommen, ab Morgen diszipliniert zu essen und nach der Arbeit in das Fitnessstudio zu gehen. Der Morgen wird zum Heute, du gehst zur Arbeit, das Frühstück läuft ganz gut, mittags tauchen schon zu viele Gedanken an das Essen auf, du beherrschst dich irgendwie, überstehst den Nachmittag und gehst nach Hause. Du erinnerst dich an das Fitness-Studio und der Gedanke an Essen wird stärker. Fitness-Studio oder Essen? Das Essen gewinnt. Frustriert verbringst du den Abend vor der Klotze und beschließt vor dem schlafen gehen, es morgen anders zu machen…

Und dann wird das Morgen zum Heute…

Das Dilemma ist nicht, dass du keine Willenskraft hast, sondern dass du sie permanent gegen dich einsetzt und sie dadurch ermüdet!

Warum?

Weil deine Ansprüche an dich ungesund hoch sind!

Weil deine Ernährungs- und Diätpläne unrealistisch sind!

Weil das Fitnessstudio für dich der Kalorienverbrennung und nicht der Bewegungsfreude dient!

Deine Motive sind das Problem und deshalb bist du auch nicht motiviert!

Beispielsweise bewege ich mich heute mindestens genauso so viel wie zu Zeiten meiner Essstörungen. Doch heute ist mein Körper der Boss und nicht mein Kopf. Ich spüre, wenn Bewegung nötig ist und ich achte die Grenzen meines Körpers. Deshalb brauchte ich keine Willensraft, denn ich bin motiviert. Weil mein Motive sich geändert haben. Ich genieße die Bewegung und verschwende keinerlei Gedanken mehr an Kalorienverbrennung oder ähnliches. Weder nutze ich eine Waage zur Gewichtskontrolle, noch einen Fitnesstracker zur Bewegungskontrolle. Mein Körper ist das einzige und beste „Kontrollinstrument“. Mein Job ist es „nur“, auf ihn zu hören und ihm zu vertrauen. Denn in diesem Bereich ist die Körperintelligenz unschlagbar.

Mein früheres Problem war das ich glaubte, den unrealistischen Willen meines Kopfes mit aller Kraft durchsetzen zu müssen.

Frustration statt Motivation

Es ist nicht so, dass es in meinem Leben keine Herausforderungen mehr gibt. Doch gehe ich völlig anders mit mir und mit den Herausforderungen um.

Schreibe ich beispielsweise einen Blogartikel und hänge ein einem gewissen Punkt fest, hätte ich früher meine Willenskraft eingesetzt, um den Artikel um jeden Preis zu beenden. Weil mein Kopf gesagt hätte: „So macht man das! Du hast dir das vorgenommen! Du musst diszipliniert sein! Dieser Artikel muss jetzt fertig werden!“ Ich hätte mich irgendwie durchgekämpft und wäre mit dem Ergebnis nicht zufrieden gewesen. Hätte ich dieses Verhalten mehrmals wiederholt, wäre ich irgendwann in die Verweigerung gegangen, hätte gar nicht mehr geschrieben und mich noch mehr verurteilt.

Motivation statt Frustration

Komme ich heute an diesen Punkt, höre ich einfach auf. Ich verlasse den Computer und mache etwas anderes. Irgendwann kommt die Lösung zu mir, und ich weiß, wie es weiter geht. Währenddessen bin ich mit einem anderen Projekt weiter gekommen, habe einen Spaziergang genossen oder in der Badewanne liegend einen lustigen Film geschaut. Zufrieden beende ich dann den Artikel. Und weil ich es mir so leicht mache, bin ich inspiriert und fange bald darauf den nächsten Blogartikel an.

So setzt du deine Willenskraft gegen dich ein

Wenn du beispielsweise auf deinem Weg „Raus aus den (Ess)Problemen, rein ins Leben bist“, passiert es, dass nach einigen rückfallfreien Wochen scheinbar aus dem Nichts ein Rückfall kommt. Doch anstatt von diesem Rückfall zu lernen in dem du seine Auslöser erkennst, verurteilst du dich für deine mangelnde Willenskraft. Warum hast du nicht weiter durchgehalten? Warum stehst du jetzt wieder am Anfang? Warum bist du frustriert und hängst hier rum?

Doch genau durch diesem Umgang mit dir selbst fütterst du den nächsten Rückfall an.

Du bist hart zu dir, verurteilst dich und baust Frust und Druck auf.

Nicht der Rückfall ist das Problem, sondern deine Ansprüche an dich und dein Umgang mit dir!

Schreibe über deinen Rückfall aus einer beobachtenden Position, versuche einen Blick von Außen auf dich und dein Verhalten zu bekommen um tatsächlich aus dieser Situation lernen zu können.

Mache dir bewusst, dass es „nur“ ein Rückfall ist, er nimmt dir nicht all das weg, was du bis jetzt erreicht und verstanden hast.

Sei ganz bewusst besonders nett zu dir und tue dir etwas Gutes. Mache eine Pause, verlasse den Raum, die Situation.

Wenn eine gute Freundin auf dem Boden liegt, reichst du ihr auch eine helfende Hand und trittst nicht nach ihr.

Und wenn du selbst deine beste Freundin bist, brauchst du deine Willenskraft kaum noch und wenn du sie tatsächlich mal benötigst, wirst du sie auch in deinem Sinne nutzen können!

lebenshungrige Grüße

Simone

Dein Weg „Raus aus den (Ess)Problemen, rein ins Leben“ ist in seinen einzelnen Schritten so individuell wie dein Fingerabdruck.

Und doch gibt es die eine Gemeinsamkeit: das Ziel!

Du gehst los, um bei dir selbst anzukommen.

Auch wenn das anfangs ganz anders aussieht.

Denn es braucht ein gewisses Maß an Leid, um die ersten Schritte zu gehen. Manchmal muss es wirklich ungemütlich werden, damit du das vertraute Elend verlässt und dich ins scheinbar Ungewisse aufmachst. Und es ist zunächst auch eher ein Weglaufen – vor der Scham, den Schuldgefühlen, der Wut und Einsamkeit, dem Druck und dem Schmerz – als ein Hinlaufen zu dir selbst.

Auf diesem Weg geht es sowohl bergauf als auch bergab. Mal läufst du mutig voran, ein anderes Mal bleibst du entmutigt stehen. Manchmal fällst du in ein Loch und musst dich mühsam herausarbeiten. Ein anderes Mal verrennst du dich, läufst im Kreis und kommst mehrmals an der gleichen Stelle vorbei.

Das einzige Erfolgsgeheimnis ist das Weitergehen.

Egal, wie weit entfernt das Ziel scheint: Die nächsten Schritte liegen direkt vor dir und sie sind machbar.

Denn auch wenn du das Ziel nicht sehen kannst, hast du doch einen inneren Kompass dabei. Und je häufiger du bereit bist ihm zu folgen, desto leichter und schneller kommst du an. Denn du wirst weniger hinfallen und dich seltener verlaufen. Und du wirst streckenweise in guter Gesellschaft laufen.

Dieser Kompass ist ein unfehlbarer Wegweiser.

Denn wer soll dich besser zu dir führen können, als deine Seele, deine Intuition, als du selbst?

Es gibt sie, diese innere Stimme, die schon immer da war und die immer da sein wird. Diese Botschaften, die so lange kein Gehör gefunden haben, die du unterdrückt hast. Diese ruhigen Worte, die durch all den Lärm von Außen übertönt wurden.

Es ist die Unterdrückung deiner Seele, die so viel Druck, Angst und Schmerz in dir erzeugt. Und weil sie sich nicht anders zu verständigen weiß, hat sich deine Seele deinen Körper zur Hilfe genommen um ihren Lebenshunger durch die Essstörung sichtbar zu machen.

Du hungerst danach, ganz du selbst zu sein!

Deine Essstörung ist deine Sehn-Sucht nach dir!

Und damit dir auf deinem Weg nicht die Puste ausgeht ist es entscheidend, immer wieder Kontakt zu deinem Kompass herzustellen. Er zeigt dir die Richtung. Er lässt dich wissen, welche Wegbegleiter und Werkzeuge dich leichter und schneller gehen lassen.

Diesen Kontakt kannst du nur herstellen, in dem du den Raum dafür schaffst und Zeit mit dir ganz alleine verbringst.

Denn wenn du dir selbst näher kommen willst, musst du dich kennen lernen können!

Und am Ende deines Weges wirst du dir selbst jubelnd in die Arme laufen, dich festhalten und verwundert erkennen:

Du bist ganz bei dir angekommen und die Essstörung ist unterwegs verhungert!

Und dann, wenn du in bester Gesellschaft bist, kannst du dir das Leben erschaffen, dass du Leben willst.

lebenshungrige Grüße

Simone

Es gibt drei bestimmte Glaubenssätze, die ich von mir selbst kenne und die mir auch als MindDetox Mentorin immer wieder begegnen. Und da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass auch du dir deinen Genesungsweg mit diesen Überzeugungen erschwerst, teile ich diese Glaubenssätze und deren Auswirkungen heute mit dir. Außerdem gebe ich dir jeweils einen neuen Satz mit, den du vielleicht irgendwann ebenso wie ich glaubst – in dem du dir seine Wahrheit beweist.

Nr. 1: Ich muss das ganz alleine schaffen!

Vor allem zu Beginn meiner Essstörung wäre ich lieber gestorben, als Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich habe mich so sehr für meine scheinbare Schwäche geschämt und hatte unendliche Schuldgefühle. Und ich wollte den Schein wahren. Denn äußerlich funktionierte ich. Doch innerlich kämpfte ich einen grausamen Kampf gegen mich selbst. Und leider war ich extrem hart zu mir und sehr leidensfähig. Doch irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und war bereit, mich ein wenig zu öffnen und Hilfe anzunehmen. Und dann machte ich die wichtige Erfahrung, dass Hilfe annehmen hilft. Doch es dauerte noch lange, bis es für mich selbstverständlich wurde, mir durch die Hilfe anderer selbst zu helfen. Meistens wartete ich, bis ich einfach nicht mehr konnte.

Und dann kam der Moment in dem ich erkannte, dass ich es mir genau dadurch unnötig schwer machte.

Meine Bereitschaft zu leiden wurde immer geringer. Von da  an konnte ich meinen Weg tatsächlich leichter und schneller gehen. Meine Genesung hatte oberste Priorität und ich ging regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe und zu einer Therapeutin, die ich sogar – obwohl ich noch Studentin war – selbst bezahlte. Ich investierte Zeit und Geld in Hilfe von Außen und es half.

Das Mitteilen und Besprechen mit anderen entlastet uns und hilft, den Blickwinkel auf uns und unsere Situation zu ändern. Und wir erkennen dadurch, dass wir mit unserem Denken, Fühlen und Handel nicht alleine sind. Das hungert Scham, Schuld, und Isolation regelrecht aus.

Ich glaube, dass es nahezu unmöglich ist, den Genesungsweg ganz alleine zu gehen. Und ich weiß, dass er sich mit anderen definitiv leichter und schneller geht.

Daher lautet mein neuer Glaubenssatz heute:

Ich nutze alles und jeden das/der/die mir hilft, und zwar so lange ich es/ihn/sie brauche!

Beispielsweise war ich war so lange regelmäßig in der Selbsthilfegruppe und bei der Therapeutin, bis ich ganz gesund war und beides nicht mehr benötigte.

Nr. 2: Habe ich etwas verstanden, muss ich es auch sofort erfolgreich umsetzen können!

Wie die meisten Essgestörten dachte auch ich zu Beginn, dass in meinem Gewicht, bzw. in meinem Aussehen, das Problem und somit auch die Lösung lag. Doch ich musste schmerzhaft lernen, dass ich durch diese Annahme nur noch ein weiteres Problem hinzugewann: Die Essstörung. Und als ich dann versuchte, die Ursachen für all das zu finden, fiel es mir häufig wie Schuppen von den Augen. Ich erkannte, dass mein ursprüngliches Problem in meinem Mangel an Selbstwert und dem daraus entstandenen Ur-Glaubenssatz „Ich bin nicht gut (genug)!“ begründet lag und ich fand heraus, woran das lag. Dann wurde ich euphorisch und glaubte, dass ich diese Erkenntnis doch einfach „nur“ praktisch anzuwenden brauchte. Mit anderen Worten: Problem erkannt, Problem gebannt.

Doch so funktionierte es leider nicht. Denn obwohl ich beispielsweise erkannt hatte, dass es mir schwer fiel NEIN zu sagen, wenn ich NEIN meinte, konnte ich nicht allein auf Grund dieser Erkenntnis und das Wissen um die Ursache plötzlich Grenzen setzen. Und weil ich das nicht konnte, begann ich erneut, mich zu verurteilen und an mir zu zweifeln. Ich wurde frustrierter, schämte mich, baute Druck auf – und fütterte die Essstörung. Unzählige Male habe ich diesen Teufelskreis durchlaufen.

Bis ich erkannte, dass für diesen Prozess mehrmaliges Erkennen und Verstehen notwendig ist, um in die Umsetzung zu gelangen. So beobachtete ich beispielsweise, dass ich anfangs erst Stunden oder Tage später feststellte, dass ich NEIN gemeint und JA gesagt hatte und welche negativen Auswirkungen das auf meine Essstörung hatte. Einige Zeit später konnte ich direkt nach einer Situation erkennen, dass ich mal wieder meine Grenzen nicht geachtet hatte. Und dann kam der Moment, in dem ich vorher realisierte: „Achtung, das wird eine Situation werden, in der du auf deine Grenzen achten musst!“. Eines Tages war es dann so weit: Ich konnte direkt in der Situation NEIN sagen, weil ich NEIN meinte.

Daher lautet mein Glaubenssatz heute:

Das Verstehen in ein erster, wichtiger Schritt, doch zur erfolgreichen Umsetzung sind Zeit und Wiederholung notwendig!

Heute weiß ich, dass es darum geht, unser Unterbewusstes „umzuprogrammieren“ und wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, fällt uns das, was früher unmöglich schien – plötzlich leicht.

Nr. 3: Alle anderen sind schneller/weiter/besser als ich!

Essgestörte haben eine geringe Meinung von und gleichzeitig überhöhte Ansprüche an sich selbst.  Durch dieses innere Ungleichgewicht können sie nie mit sich zufrieden sein. Als ich selbst noch Essgestört war, habe ich mein Aussehen mit der Schönsten, mein Gewicht mit der Dünnsten, meine Leistungen mit der Besten etc. verglichen. Und so habe ich dafür gesorgt, dass ich in meinen Augen immer die Verliererin war. Ich war nie damit zufrieden, wie ich war und ich war auch nicht damit zufrieden, wo ich war.

Als ich mich dann mit der Essstörung auseinander setzte, wurde mir das immer bewusster. Doch auch meine Genesung ging ich zunächst ähnlich an. Ich verglich mich mit Frauen, die schon weiter waren, weil sie schon länger an sich arbeiteten. Ich bewunderte andere für ihre Fortschritte und Erkenntnisse, doch meine eigenen machte ich klein und sah sie kaum.

Bis ich erkannte, dass nicht ich das Problem war, sondern mein Selbstbild. Ich verstand, dass es nicht darum ging, eine andere zu werden, sondern die zu akzeptieren, die ich gerade war. Und ich erkannte, dass Vergleiche weder fair noch sinnvoll sind. Mir wurde bewusst, wie wichtig es ist, jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung zu sehen und zu würdigen. Denn immer, wenn ich das nicht tat, ging mir eine ganze Weile die Puste aus.

Es ist Entscheidend, den Wunsch und das Ziel zu haben, wieder ganz gesund zu werden. Doch wenn du dort ankommen willst, solltest du akzeptieren wo du heute bist und würdigen wo du herkommst.

Daher lautet mein neuer Glaubenssatz heute:

Ich darf meinen Weg in meinem Tempo gehen!

Erlaube dir sinnvolle Unterstützung, sei geduldig mit dir und fair zu dir!

lebenshungrige Grüße

Simone

Während eines meiner ersten Meetings der Selbsthilfegruppe OA begegnete ich dem sogenannten Gelassenheitsspruch:

Gott gebe mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.

Den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!

Vielleicht hast auch du – wie ich damals – gewisse Probleme mit dem Wort Gott. Doch auch wenn wir diese höhere Instanz für den Moment außen vor lassen, sagt der Spruch etwas Entscheidendes aus:

Wenn ich erkenne, was ich tatsächlich ändern kann und was nicht, kann ich all meine Energie in das stecken, was ich ändern kann!

Eigentlich wissen wir das alle, doch es ist uns im Alltag so selten bewusst und dementsprechend verschwenden wir häufig eine Menge Energie.

Hierzu ein kleines Beispiel:

Akzeptiere den Regen

Nehmen wir einmal an, Emma und Elsa wohnen in der gleichen Stadt und beschließen an einem sonnigen Sonntagmorgen um 9.00 h, in den Park zu gehen. Emma betritt Park im Osten und möchte ihn im Westen verlassen. Elsa geht genau den umgekehrten Weg. Gegen 9.15 h kreuzen sich ihre Wege in der Mitte des Parks. Einige Minuten danach beginnt es zu regnen. Während Emma wütend wird und zu fluchen und zu rennen beginnt, genießt Elsa das warme Nass. Sie tanzt regelrecht durch den Regen und springt in Pfützen, wie sie es früher als Kind getan hat.

Beide kommen triefend nass zu Hause an. Doch während Emma noch auf das unzuverlässige Wetter schimpft und sich fragt, warum immer ihr so etwas Blödes passiert, ist Elsa glücklich und dankbar für dieses außergewöhnliche Erlebnis.

Emma fürchtet sich regelrecht, diese Erfahrung noch einmal zu machen. Sie beschließt, von nun an immer mit Regenjacke und Schirm unterwegs zu sein, falls sie überhaupt noch mal in den Park geht…

Elsa macht sich gar keine Gedanken darüber.

Der Regen ist die Essstörung

Mir ist bewusst, dass eine Essstörung eine viel größere Herausforderung darstellt, als ein Regenschauer. Und doch können wir beides nicht ändern. Was wir aber ändern können, ist unsere Sicht darauf und unseren Umgang damit. Für mich war es der größte Gamechanger zu erkennen, dass ich nichts gegen die Essstörung, aber sehr viel für mich tun kann.

Egal wie oft ich mir vorgenommen hatte, am nächsten Tag endlich ein neues Leben zu beginnen und diszipliniert und kontrolliert zu essen: Es ging immer wieder schief und endete häufig mit Rückfällen. Durch dieses Verhalten fütterte ich die Essstörung in dem ich mich immer mehr verachtete. Ich kämpfte einen Kampf, den ich nicht gewinnen konnte. Bis ich den Kriegsschauplatz verließ in dem ich die Perspektive wechselte.

 

Ich begann, die Essstörung nicht mehr als meinen Feind zu sehen, sondern als eine Art Botschaft, bzw. Wegweiser. Jeder Rückfall sagte mir im Grunde, dass ich gerade nicht mein eigenes Leben lebte, dass ich nicht ich selbst war. Also versuchte ich herauszufinden, wer ich eigentlich war und wie ich mein Leben leben wollte. Denn an diesen Punkten konnte ich etwas tun. Es war zwar ein langwieriger und teilweise schmerzhafter Prozess, doch ich begann dadurch, mich immer besser kennen, verstehen und mögen zu lernen.

Dadurch bekam die Essstörung immer weniger Nahrung und ich hungerte sie regelrecht aus.

Ohne den Kriegsschauplatz erneut zu betreten hatte ich gewonnen.

Ich fürchte mich heute nicht mehr vor Gewichtszunahmen, Buffets oder vor der Waage. Ich denke gar nicht mehr über diese Dinge nach. Heute ist Essen für mich etwas Genussvolles aber nichts, was in meinem Denken Raum einnimmt. Wenn ich Hunger habe esse ich mit Freude, wenn ich satt bin, höre ich auf. Es ist so leicht.

Und weil ich durchaus noch weiß, wie schwer es früher war, wie besessen meine Gedanken, mein Fühlen und meine Handlungen, von Essen und von meinem Gewicht waren, bin ich sehr dankbar für diese natürliche Leichtigkeit.

Generell bin ich sehr dankbar dafür, eine Essstörung gehabt zu haben.

Sie hat mich gelehrt, dass es nicht darum geht, im Außen etwas zu verändern, sondern meinen Blick auf das Außen zu hinterfragen.

Die wahre Veränderung fand in mir statt und dadurch wurde aus einem schweren Leben ein leichtes.

In Bezug auf welche Herausforderung kann dir ein Wechsel der Perspektive heute helfen?

Was kannst du tatsächlich tun, um dich besser kennen, verstehen und mögen zu lernen?

lebenshungrige Grüße

Simone