Wir alle kennen unzählige Momente in unserem Leben, in denen der Ur-Glaubenssatz uns in die Quere kommt: Ich bin nicht gut (genug)!

Er äußert sich in diversen „Spielarten“ die da lauten: Ich bin nicht dünn genug, ich bin nicht schön genug, ich bin nicht jung genug, ich bin nicht schlau genug, ich bin nicht (erfolg)reich genug, usw. Dieser Ur-Glaubenssatz, in all seinen unterschiedlichen Ausprägungen, wurde uns quasi in unserer Kindheit durch unterschiedliche Erlebnisse einprogrammiert.

Wir haben Situationen erlebt, in denen wir beschämt wurden, in denen wir alleine waren und Angst hatten. Aus diesen unschönen Erfahrungen haben wir unbewusst geschlossen, dass es an uns liegen muss, dass mit uns etwas nicht stimmt, dass wir nicht gut genug sind.

Denn sonst wäre all das Negative nicht passiert, oder?

Doch viele von uns haben einen weiteren Glaubenssatz verankert, der da lautet: Ich darf nicht zu gut sein! Auch er hat sich durch Erfahrungen in unserer Vergangenheit verfestigt. Wir haben Situationen erlebt, in denen wir aus der Menge hervorgestochen sind, in irgendeiner Form besser waren als andere, aufgefallen sind. Und wieder wurden wir beschämt, waren ängstlich und alleine, fühlten uns irgendwie schuldig.

Wieder einmal lag es an uns, oder?

Innere Zerrissenheit als Folge

Im Grunde ist der Glaubenssatz „Ich darf nicht zu gut sein!“ auch eine Spielart des Ur-Glaubenssatzes.

Denn wenn ich „zu gut“ bin, bin ich auch falsch, also wieder nicht „gut genug“ im Sinne von „richtig“…

Doch wer einerseits Angst hat nicht gut genug zu sein und andererseits Angst hat, zu gut zu sein, fühlt sich innerlich zerrissen.

Einerseits glaubst du, dich stark anstrengen zu müssen, andererseits darf es bloß nicht zu viel sein. Beide Seiten zerren an dir.

Wenn ich nur wollte, wie ich könnte oder wenn ich nur könnte, wie ich will?

Rückblickend sehe ich meine eigene Schulzeit als Paradebeispiel für diesen (inneren) Konflikt.

Das Kind

Ich habe kaum Erinnerungen an meine Grundschulzeit und dafür gibt es sicherlich Gründe…

Denn das was ich noch weiß ist negativ, angst- und schambesetzt.

Das größte Unsicherheitsrisiko war eine bestimmte Lehrerin. Vor ihr mussten wir einzeln vorsingen und sie kritisierte öffentlich. Und machte jemand im Deutschunterricht einen Fehler, verunsicherte sie erst ordentlich, baute Druck auf und „wunderte“ sich dann, dass wir unsere Fehler nicht gleich selbst korrigieren konnten. Und dann ließ sie uns schwitzen und schmoren…

Gefüttert wurde meine eigene Unsicherheit auch noch durch mein Elternhaus. Denn auf Grund einer chronischen Erkrankung wollte mich meine Mutter stets zu sehr schonen und mir zu viel abnehmen. Unbewusst vermittelte sie mir jedoch auch dadurch häufig: Du kannst es nicht (alleine)!

Nach dem Schulwechsel passierte dann im fünften oder sechsten Schuljahr etwas, dass mich die folgenden Jahre ebenfalls stark beeinflussen sollte. Ich schrieb die beste Deutscharbeit und wurde von der Lehrerin öffentlich erwähnt und gelobt. Ungläubig begann ich mich zu freuen. Bis ich die Reaktion einer guten Freundin wahrnahm. Im Gegensatz zu den meisten anderen freute sie sich nicht mit mir. Und das änderte sich auch in den nächsten Tagen nicht. Im Gegenteil, sie zog sich zurück und strafte mich mit Missachtung für meine Leistung.

Ich machte die Erfahrung, dass „zu gut sein“ auch weh tut und gefährlich sein kann…

Der Teenager

Im Teenageralter wurde ich mir zum ersten Mal dieser inneren Zerrissenheit bewusst, ich konnte sie aber nicht so recht greifen, litt unter ihr. Und ich tat das, was viele in diesem Alter tun: Ich lenkte mich ab und konzentrierte mich auf mein Aussehen. In der unbewussten Hoffnung endlich Bestätigung (von Außen) zu bekommen und dadurch (innere) Sicherheit zu haben. Die Geburtsstunde meiner Essstörung…

Was meine schulischen Leistungen betrafen, so war ich einerseits mündlich kaum vorhanden, denn ich hätte ja etwas Falsches sagen können. Andererseits schrieb ich in einigen Fächern sehr gute Arbeiten ohne zu lernen. Hausaufgaben erledigte ich kaum oder vor dem Unterricht. Ich erinnere mich an eine konkrete Situation – wieder im Deutschunterricht. Unser Lehrer las den Aufsatz einer Mitschülerin vor und er war wirklich gut. Und in mir tauchte der Gedanke auf: „Wenn du das hier endlich mal ernst nehmen würdest, könntest du das noch besser!“

Doch im Grunde sorgte meine innere Zerrissenheit dafür, dass ich im Außen in der Masse unter ging und nicht auffiel.

Und war das nicht genau das, was sich mein verletztes und verunsichertes Inneres Kind wünsche?

Die Studentin

Je älter ich wurde, desto mehr erlaubte ich mir gut zu sein. Und umso größer wurden meine Versagensängste. Der höchste Abschluss den ich habe, ist vom Notendurchschnitt her auch der beste. Doch es ist auch der, der mich unglaublich viel gekostet hat.

Denn in dieser Zeit wuchsen auch meine inneren Widerstände. Und wieder fühlte ich mich zerrissen. Einerseits wollte ich endlich zeigen was ich konnte, andererseits hatte ich Angst zu versagen. Und dann gab es noch diesen Anteil, der gegen all das rebellierte, der keinen Sinn in den Inhalten und im Ablauf dieses Studiums sah.

In mir war ein Schlachtfeld und diese inneren Kämpfe wurde mit Hilfe der Essstörung ausgetragen…

Rückblickend kein Wunder, dass diese Zeit die Hochzeit meiner Essstörung war und ich damals auf Grund dieser Heftigkeit intensiv begann, mich mit mir und der Essstörung auseinander zu setzen.

Und es wurde dadurch auch die Zeit, in der meine Essstörung endlich verhungerte.

Die Lebenshungrige

Heute ist mir klar, wie und warum diese Glaubenssätze in mir entstanden sind und warum ich mich ab einem gewissen Zeitpunkt häufig so zerrissen gefühlt habe. Ich weiß, dass es nicht an mir lag.

Es lag an den Verletzungen und der Unsicherheit die ich durch meinen Sozialisationsprozess in mir hatte und die dazu führten, dass ich mich als „nicht richtig“ wahrgenommen habe.

Nur dadurch konnte das Verhalten der Grundschullehrerin und meiner Freundin bei mir auf „fruchtbaren Boden“ fallen.

Es geht hier nicht um Schuld.

Denn beide hatten offensichtlich ebenfalls ihre Themen:

Die Grundschullehrerin hinterließ nach ihrem Tod Schulden und Chaos, sie war kaufsüchtig…

Meine damalige Freundin wurde später magersüchtig…

Und ihr Verhalten hatte im Grunde nichts mit mir zu tun. Es ging um ihre eigenen Themen!

Doch das konnte ich als Kind nicht verstehen.

Und gerade in den Anfangszeiten von lebenshungrig gab es immer mal wieder Momente, in denen die „alte Programmierung“ sich meldete.

Was glaubst du denn, wer du bist, du bist doch keine Expertin?!?

Wenn die Idee auf deinem Mist gewachsen ist, kann sie nicht gut sein!?!

Werde bloß nicht zu bekannt, dann kommen die Neider und machen dich fertig!?!

 

Wenn ich heute merke, das sich alte Ängste und Zweifel melden, wende ich mich immer an den Ursprung, an das Innere Kind.

Ich nehme meine Meditationshaltung ein, schließe die Augen, atme tief, gehe nach Innen.

Und dann schaue ich, was für ein Bild von mir als Kind in welcher Situation auftaucht.

Dann versichere ich diesem Kind, dass es nicht Schuld ist, dass es nicht falsch ist.

Ich zeige diesem Kind, dass ich es sehe und verstehe. Und ich tröste es und vermittele ihm Sicherheit.

Wenn es sich gut fühlt, verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal.

Und diese Übung möchte ich dir heute ans Herz legen, es ist eine einfache und effektive Möglichkeit, deine Seele zu füttern.

Führe sie immer wieder durch und du wirst merken, dass du innerlich stärker und sicherer wirst.

Wenn du eine angeleitete Meditation dazu möchtest, dann schau‘ dir doch mal die SelfhelpSession Pure n‘ Secure an.

Falls Meditieren nicht so dein Ding ist, schreibe diesem deinem Inneren Kind einen Brief. Und dann noch einen…

Oder finde eine andere Möglichkeit, die verletzten Anteile in dir zu heilen.

Denn dadurch entziehst du der Essstörung die Nahrung!

Entscheidend ist:

SELBSTERKENNTNIS: Wer bin ich und wie bin ich?

SELBSTVERSTÄNDNIS: Warum bin ich so geworden und was kann ich tun, um gesünder und glücklicher zu werden?

SELBSTANNAHME: Ich bin gut, wie ich heute bin! Ich bin heute da, wo ich sein soll um dorthin zu kommen, wo ich hin will!

lebenshungrige Grüße

Simone

Es gibt diese dunklen Augenblicke in unserem Leben, in denen uns alles als sinnlos erscheint. Momente, in denen wir glauben, dass wir es nicht schaffen, dass wir zu denjenigen gehören, die ihren Weg „Raus aus der Essstörung, rein ins Leben“ nicht zu Ende gehen können. Phasen, in denen wir gefühlt die hundertsiebenundfünfzigste Runde um die gleiche Herausforderung drehen, ohne endlich anders damit umgehen zu können.

Wir machen und tun und doch passiert scheinbar nichts.

Dadurch kommen wir uns vor, wie der Hamster in seinem Rad.

Halte das Rad an

In diesen Momenten fühlen wir uns überfordert und hilflos. Und vielleicht sind wir das tatsächlich gerade. Doch weißt du was? Das ist okay. Es ist nicht toll, doch es ist aktuell so. Und häufig nimmt uns die Annahme der Realität schon einiges an Negativität. Halte das Hamsterrad an, mache eine Pause, gönne dir einen ruhigen Moment mit dir selbst, anstatt dich permanent in blindem Aktionismus oder Hirn zermatern zu verlieren.

Mache dir bewusst, dass du auch mal hilflos und überfordert sein darfst. Das ist menschlich!

Und nur, weil du heute etwas nicht schaffst, egal wie viel Mühe du dir auch gibst, egal wie sehr du darüber grübelst, bedeutet das nicht, dass du es nächste Woche auch nicht schaffst.

Wie oft habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass ich ein Problem unbedingt lösen wollte – doch egal wie sehr ich mich anstrengte – es passierte nichts. Und dann, einige Tage, Wochen oder auch Monate später löste sich das Problem wie von selbst oder ich konnte es plötzlich ganz einfach lösen.

Nähre deine Seele

Wende dich bewusst von der Herausforderung ab und hin zu dir. Mache etwas, was dir gut tut und/oder dir Freude bereitet. Schaue dir einen lustigen oder einen inspirierenden Film an, gönne dir eine Massage, mache einen spontanen Ausflug. Melde dich zu einem Seminar oder Retreat an.

Beende den Satz: „Ich wollte doch schon immer mal…“ Und dann: Just do it!

Um glücklich und gesund zu werden ist es notwendig zu wissen, womit du deine Seele satt machen kannst. Doch das Wissen alleine hilft natürlich nicht, du musst diese Dinge auch tun. Das ist so entscheidend! Immer wieder stellen wir uns selbst ein Bein indem wir diesen „Luxus“ hinten an stellen. Wir glauben, dass wir so etwas dann machen können, wenn wir gesund sind, wenn wir die Zeit dazu haben, wenn wir…?!?

An dieser Stelle ist es wichtig zu verstehen: Dieses Seelenfutter ist kein Luxus sondern „Grundnahrungsmittel“, es ist die Basis!

Schreibe. Meditiere. Rede. Tanze. Lache.

Verbringe alleine Zeit in der Natur.

So simpel. Zu einfach?

Nein. Denn es funktioniert nur, wenn du es auch tust. Wieder und wieder und wieder…

All diese Basics haben mittlerweile oberste Priorität in meinem Leben. Ich kann es mir nicht leisten, sie als Luxus zu betrachten.

Denn sie machen mich gesünder, glücklicher, kreativer und effektiver.

Wenn ich heute beispielsweise über eine Weiterbildung, einen Reatreat, ein Seminar, etc. lese und ich fühle mich angesprochen, kommt auch die alte Stimme die sagt: „Ach das muss doch jetzt nicht sein, das ist zu teuer, da wirst du auch nichts Neues mehr erfahren,… etc.“ Ich nehme diese Stimme wahr, doch ich höre auf meine erste Reaktion und melde mich an. Bisher hat es sich immer gelohnt. Denn jede Minute und jeden Euro den ich in das investiere, was mir selbst wirklich wichtig ist, kommt in anderer Form zigfach zu mir zurück.

Teile was du hast

Sitzen wir im gedanklichen Hamsterrad, drehen wir uns auf ungesunde Weise um uns und unsere Themen. Dann kann ein bewusster Blick über den eigenen Tellerrand hinaus hilfreich sein. Hier geht es nicht darum, uns selbst die innere Bratpfanne überzuziehen und uns beispielsweise zu sagen:

In Afrika verhungern die Menschen und ich verschwende Lebensmittel weil ich sie in mich hineinstopfe und wieder auskotze!

Mit diesem selbstzerstörerischen Gedanken rettest du weder dich, noch ein einziges Menschenleben in Afrika. Der weitaus hilfreichere Gedanke ist:

Was kann ich mit Leichtigkeit für andere Menschen tun, was sie selbst nicht tun können?

Vielleicht kannst du spontan Geld für eine wohltätige Organisation spenden. Möglicherweise gibt es aber auch Menschen in deiner direkten Umgebung, denen du leicht und schnell etwas Gutes tun kannst. Ich rede hier nicht von totaler Aufopferung für andere oder davon, die Bedürfnisse anderer über deine eigenen zu stellen.

Ich rede von den Dingen, die für dich eine Kleinigkeit sind, für andere aber etwas Großes sein können.

Damit hilfst du nicht nur deinem Gegenüber, sondern auch dir selbst. Denn du kannst die Erfahrung machen, dass du mit Leichtigkeit handeln und etwas erreichen kannst. Es nimmt dir das Gefühl von Hilflosigkeit und kann dazu führen, dass du dadurch in Bezug auf dein eigene Herausforderung leichter eine Lösung finden und ins Handeln kommen kannst.

Wenn ich so einen Hamsterrad-Moment habe, dann veröffentliche ich beispielsweise auf der Facebook-Seite von lebenshungrig einen Beitrag anderer Personen, die einen tollen Artikel geschrieben oder ein hilfreiches Buch herausgebracht haben, und die nicht die Möglichkeit haben, so leicht so viele andere Menschen zu erreichen. Und wenn mir dann bewusst wird, dass ich mit Leichtigkeit mehrere Tausend Menschen erreichen kann, werde ich dankbar und komme leichter zurück in meine Kraft.

Blicke zurück

Häufig glauben wir, weiter/besser/schneller sein zu müssen, als wir sind. Vielleicht kennst du das berühmte Zitat aus Der Kleine Prinz: „Wir sind nie zufrieden, dort wo wir sind!“ Die Teilnehmerinnen von LEICHTER führen ein sogenanntes Logbuch. Das ist eine Art Tagebuch, welches unter anderem als „Beweismittel“ für die eigenen Fortschritte dient. Denn in regelmäßigen Abständen wird das Logbuch gelesen und Erkenntnisse und verändertes Handeln werden markiert. Dadurch ist der eigene Weg schwarz auf weiß festgehalten und durch das Lesen werden sich die Teilnehmerinnen dieser Tatsache bewusst.

Doch auch ohne ein Logbuch ist der Blick zurück hilfreich. Schaue dir bewusst an, wo du her kommst. Finde deine Fortschritte. Vielleicht befindest du dich gar nicht in einem Hamsterrad, sondern glaubst nur in einem zu sein, weil du nicht an der Stelle bist, wo du glaubst, sein zu müssen?

Gerade in der letzten Phase meiner Essstörung hatte ich viele gefühlte Hamsterrad-Momente und dachte, dass ich – egal was ich tue – einfach nicht von der Stelle komme. Immer wieder gab es Rückfälle. Rückblickend kann ich sagen, dass all diese Momente wichtig und notwendig waren. Ich weiß heute auch, dass ich gar nicht auf der Stelle trat, es kam mir nur so vor.

Du bist kein Hamster, der endlose Runden in seinem Rad dreht und dabei nicht von der Stelle kommt.

Du bist eine Langstreckenläuferin, die sich ihre Kräfte einteilen muss und die mal langsam und mal schneller läuft.

Und auch wenn du gerade nur gehst, kommst du voran!

lebenshungrige Grüße

Simone

Je verzweifelter du versuchst Etwas zu beherrschen, umso mehr beherrscht es dich.

Das trifft nicht nur auf das Essen bzw. auf den Hunger oder unseren Körper zu.

Es ist beispielsweise auch auf Geld, Beziehungen und Erfolg übertragbar.

Doch warum fangen wir überhaupt mit diesem Kampf an?

Ich denke es liegt daran, dass uns zwei entscheidende Eigenschaften fehlen: Akzeptanz und (Selbst)Vertrauen.

In Bezug auf das Essen bzw. unseren Körper ist es doch so, dass wir ihn zunächst nicht akzeptieren können, wie er ist. Wir möchten ihn dünner und definierter haben. Denn wir glauben, dass mit einem Körper, der unserer Vorstellung von Perfektion bzw. dem gängigen Schönheitsideal entspricht, automatisch das perfekte Leben einhergeht. Und es ist in der heutigen Zeit leicht, diesem Irrglauben zu verfallen. Denn wir leben in einer Welt in der die Kardashians und Katzenbergers uns demonstrieren, dass man mit körperlicher „Optimierung“ – selbst wenn sie vom Schönheitschirurgen modeliert wurde – sehr (erfolg)reich werden kann.

Doch was wir bekommen, ist ein Leben, das plötzlich von dem beherrscht wird, was wir anfangs versuchten, zu beherrschen: ESSEN.

Und das liegt an zwei Tatsachen, die wir nicht akzeptieren. Anfangs vor allem deshalb, weil sie uns nicht bewusst sind:

Ein „perfekter“ Körper alleine macht niemanden dauerhaft glücklich.

Unser Körper ist auf Überleben ausgerichtet und hat deshalb langfristig mehr Macht als unser Wille.

Wir können unseren Körper nicht dauerhaft kontrollieren bzw. wenn wir es versuchen, zahlen wir einen sehr hohen Preis dafür. Doch dahinter steht der (unbewusste) Wunsch, unser Leben zu kontrollieren. Denn es fehlt uns an (Selbst)Vertrauen. Wir begreifen nicht, dass unser Körper unser Diener sein will und machen ihn zu unserem Herrscher. Wir machen ihn zu unserem Feind, der angeblich zwischen uns und unserem Glück steht und geben ihm dadurch mehr Macht, als uns und ihm gut tut.

Wir gehen in den Kampf mit ihm und versuchen ihn zu unterwerfen. Manchmal gewinnen wir eine Schlacht, doch er gewinnt immer den Krieg. Nicht weil er uns schaden will, sondern weil er überleben muss. Damit wir überleben können. Mit anderen Worten: Wenn wir ihn zu unregelmäßig und mit zu wenig Nahrung versorgen, lernt er, mit immer weniger auszukommen und das Wenige das er bekommt, bis ins Letzte zu verwerten. Und darin sehen wir einen Verrat und vertrauen ihm immer seltener und missbrauchen ihn noch mehr.

Die Krux ist: Erst wenn dein Körper dir wieder vertrauen kann, kannst du deinem Körper vertrauen.

Wahre Sieger kapitulieren

Was ich gemacht habe, um gesund zu werden?

Ich habe aufgegeben!

Damit aufgehört, gegen das Essen, gegen meinen Körper, gegen das Leben – gegen die Realität – zu kämpfen.

Und ich habe angefangen, zu vertrauen. Meinem Körper, dem Essen, dem Leben. Und vor allem mir selbst.

Ich habe all die alten Überzeugungen, Programmierungen und Glaubenssätze aufgegeben.

Und dadurch hat Neues Platz in meinem Denken, Fühlen und Handeln gefunden.

Als Folge dessen habe ich andere „Ergebnisse“ bekommen, die wiederum mein neues Denken, Fühlen und Handeln gefüttert haben.

Kapitulation bedeutet nicht Resignation!

Zwar fand meine endgültige Kapitulation tatsächlich auf dem Boden neben der Toilette sitzend statt.

Doch von da an habe ich nicht mehr passiv und erledigt in der Ecke gesessen.

Im Gegenteil, ich fühlte mich leichter und freier. Und ich konnte endlich anders handeln.

Ich akzeptierte, dass ich weder meine Kindheit noch meine Krankheit rückgängig machen kann.

Doch ich muss mich heute von beidem nicht mehr beherrschen lassen. Denn ich habe meinen Frieden damit gemacht.

Das konnte ich, nachdem ich mir meine Geschichte genau angeschaut und verstanden habe, dass ich nicht anders werden konnte, als ich geworden bin. Und dieser Prozess hat Jahre gedauert und war gepflastert von unzähligen Rückschlägen und Rückfällen.

Niemand ist Schuld. Alle haben versucht, ihr Bestes zu geben.

Doch auch die anderen haben ihre Altlasten zu tragen und geben sie unbewusst weiter.

Ich habe die Last abgeworfen. Für mich und für die vor mir. Vor allem für die, die nach mir kommen.

Jetzt kann ich Leichtigkeit und Freiheit weiter geben.

Habe ich mein Leben heute im Griff?

Nein! Ich lasse das Leben auf mich zukommen: Ich übe mich weiter in Akzeptanz und (Selbst)Vertrauen.

Konkret bedeutet das, dass ich nur das Nötigste plane und keine konkreten Vorstellungen in Bezug auf meine Zukunft habe.

Erfahrungsgemäß sind die Pläne des Lebens besser als meine…

Die Idee und Umsetzung von lebenshungrig.de ist der beste Beweis dafür.

Sind Druck und Angst deshalb ganz verschwunden? Nein!

Doch sie sind deutlich seltener und schwächer.

Deshalb muss ich sie nicht mehr durch Essen/Kotzen/Hungern kompensieren und sie beherrschen mich auch nicht mehr.

Ich akzeptiere Druck und Angst und vertraue darauf, dass es gerade Etwas zu lernen für mich gibt.

Und ja, manchmal kann ich das auch erst, nachdem ich es mit ein klein wenig Kampf versucht habe…

Progress not Perfection!

Hör‘ auf zu kämpfen und fange an zu verstehen

Ein erster Schritt kann ein ehrlicher Gedankensalat (schriftliches „Auskotzen“ auf Papier, das kein anderer zu lesen bekommt) darüber sein, wohin dich dein Kampf bisher geführt hat und wie Kapitulation heute für dich aussehen kann. Ein zweiter Schritt kann der Entschluss zu einer (neuen/anderen) Therapie/Selbsthilfegruppe etc. sein, denn du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Ein dritter Schritt kann die bewusste (schriftliche) Ausrichtung auf deine Ressourcen sein, auf die Dinge/Fähigkeiten, die du hast, kannst, bist. Denn das Positive wiegt oft zu wenig in unserem Bewusstsein. Doch du bist eine Erfolgsgeschichte, denn du bist – trotz allem was du bisher erlebt hast – noch da!

Finde deine Schritte und gehe sie. Tag für Tag. Egal wie winzig sie dir vorkommen. Die Richtung ist entscheidend.

Und wenn du das Gefühl hast, nicht schnell genug zu gehen und nicht weit genug zu sein, dann erinnere dich an zwei Wörter:

AKZEPTANZ: Ich bin da, wo ich bin!

(SELBST)VERTRAUEN: Und genau da soll ich gerade auch sein um dort hin zukommen, wo ich hin will!

lebenshungrige Grüße

Simone

Es soll Ärzte und Therapeuten geben, die ihren Patientinnen/Klientinnen vermitteln, dass man von einer Essstörung nicht komplett genesen kann. Mit anderen Worten: In schwierigen Situationen wirst du wie gewohnt mit essen/hungern/kotzen kompensieren oder zumindest den Druck haben, es tun zu wollen.

Ich persönlich teile diese Meinung nicht, denn ich habe eine andere Erfahrung gemacht: Seit über 20 Jahren habe ich nicht mehr kompensiert bzw. das Verlangen danach gehabt. Und ja, selbstverständlich gab es diverse Herausforderungen in meinem Leben während dieser Zeit. Ich habe auch keine Angst mehr vor Buffets, All Inclusive oder All You Can Eat. Es gibt für mich keine Einteilung mehr in „gesund“ oder „ungesund“, „gut“ oder „schlecht“, „kalorienarm“ oder „kalorienreich“ oder was auch immer. Und ich bin die überzeugte Nicht-Besitzerin einer Waage, die kontinuierlich Größe 34/36 trägt.

Doch das Entscheidene ist für mich nach wie vor:

Diese permanent um das Essen und um mein Gewicht kreisenden Gedanken sind nicht mehr da. Ich habe die Verantwortung für das Essen und für mein Gewicht zu 100% an meinen Körper abgegeben und mache seit dem jeden Tag auf’s Neue die Erfahrung, dass er das perfekt kann. So viel besser und gesünder als meine perfektionistischen, kranken Gedanken.

Ich behaupte heute sogar, dass ich ein gesünderes Verhältnis zu Essen und zu meinem Gewicht habe, als die meisten Frauen, die nie eine Essstörung hatten.

Die wichtigeste Erkenntnis die ich hatte war, dass weder das Essen noch mein Gewicht mein ursprüngliches Problem waren. Mein Mangel an Selbstwertgefühl und der daraus enstandene Hunger nach meinem eigenen Leben war mein eigentliches Problem. Deshalb ist einer Essstörung meiner Erfahrung nach nie über Ernährungspläne, Essprotokolle o. ä. beizukommen. Es kann für eine kurze Zeit hilfreich sein, Essprotokolle zu führen um besser zu verstehen, in welchen Situationen Druck entstanden ist und wie/was/wann deshalb kompensiert wurde. Doch als Dauerlösung und zu Kontrollzwecken empfinde ich das als kontraproduktiv.

Das Wichtigste war für mich, meiner Genesung oberste Priorität einzuräumen und die Unterstützung zu finden, die tatsächlich funktioniert hat. Zum einen waren das Profis, zum anderen Betroffene. Mit deren Hilfe habe ich gelernt, mich besser kennen, verstehen und mögen zu lernen. Ich begriff, dass ich auf Grund meiner Geschichte nicht anders werden konnte, als ich geworden bin. Ich verstand, dass ich nicht Schuld war, dass niemand Schuld war.

Und wie sollte ich mich dann noch hassen und verurteilen?

Ich lernte, dass meine Gedanken über mich und das Leben – dieser Film der in meinem Kopf unbewusst immer wieder ablief – sehr negativ und voll von überhöhten Ansprüchen an mich war. Und ich begriff, dass ich diese Ansprüche nie würde erfüllen können. Weil sie unrealistisch waren und ausschließlich dazu dienten, meinen Ur-Glaubenssatz „Ich bin nicht gut (genug)“ zu füttern. Ich lernte, gesunde Grenzen zu setzen, meine Bedürfnisse zu erkennen und zu artikulieren und ich hörte damit auf, „everybodys Darling“ sein zu wollen.

Es war nicht mehr so wichtig, ob andere mich gut fanden, denn plötzlich fand ich mich gut.

Und dann war sie verhungert, meine Essstörung, denn sie bekam keine Nahrung mehr.

Weder ich, noch Ärzte oder Therapeuten, können wissen, ob du wieder ganz gesund wirst. Doch das ist nicht entscheidend.

Wichtig ist, dass du den Wunsch danach und den Glauben daran nicht verlierst!

Auch ich hatte dunkle Stunden und Tage, in denen ich es nicht mehr für möglich hielt.

Doch dann war sie plötzlich wieder da:

Diese kleine, leise, innere Stimme die sagte: Der Tag wird kommen, an dem du wieder so unbeschwert essen wirst, wie ein Kind!

Und dieser Tag ist gekommen. Er kommt jeden Tag wieder. Seit über 20 Jahren.

Gib dir heute (schriftlich) Zeit und Raum, deine innere Stimme zu finden!

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Gibt es diese eine Wunderformel, durch die deine Essstörung schlagartig verschwindet?

Ich jedenfalls habe mir lange Zeit so eine Formel gewünscht und ich habe (unbewusst) danach gesucht. Und je mehr ich unter meiner Essstörung litt, desto mehr habe ich gesucht. Anfangs vor allem in Selbsthilfebüchern. Doch davon gab es – Gott sei dank – zu meiner essgestörten Zeit noch nicht so viele. Warum „Gott-sei-dank“? Weil ich all diese Bücher verschlungen habe – genau so, wie ich auch das Essen verschlang. Und hätte es noch mehr gegeben, hätte ich noch mehr Bücher veschlungen. Doch weder das eine noch das andere stopfte meine inneren Löcher. Denn ich las und verstand, fand mich wieder, kam aber nicht ins Handeln. Und deshalb veränderte sich auch kaum etwas.

Das Problem waren jedoch nicht immer die Bücher, das Problem war häufig ich! Denn Vieles was ich las, erschien mir entweder zu einfach, dauerte mir zu lange oder ich empfand es als unwichtig. Ich litt also weiter und suchte weiter bis ich etwas Entscheidendes Begriff:

Ich suchte nicht nur die schnelle Lösung, ich suchte sie auch außerhalb von mir!

Doch das Problem war mit der Zeit in mir entstanden, vielleicht fand ich mit der Zeit auch die Lösung in mir?

Selbstliebe als Schlüssel

Heute werde ich manchmal gefragt, ob ich im Selbsthilfeprogramm (m)eine Wunderformel verrate. Und ja, das tue ich. Ich fasse sie sogar hier in einem Satz zusammen:

Liebe dich ab sofort bedingungslos!

Ich kann die Wunderformel sogar mit nur einem Wort ausdrücken: Selbstliebe!

Ja, ich weiß, unglaublich, oder?

Selbstliebe? That’s it?

Jep!

Doch die Herausfoderung liegt nicht darin, Selbstliebe als Wunderformel zu entdecken, sie liegt darin, sich selbst zu lieben. Denn ich höre sie schon laut schreien, deine inneren Widerstände: „Selbstliebe? Wie soll ich mich denn lieben können? Ich bin viel zu dick/dünn/doof/…“ oder  „Wenn ich dicker/dünner/schlauer/… wäre, dann könnte das mit der Selbstliebe vielleicht funktionieren, aber jetzt?!?“

Die echte Herausforderung ist diese negative Geschichte, die wir uns permanent und meist unbewusst über uns, das Leben und die Welt erzählen und die wir für „die Wahrheit“ halten. Erschwerend kommt hinzu, dass diese „Wahrheit“ von Außen getriggert wird. Denn mit der Unsicherheit und Unzufriedenheit von Frauen kann eine Menge Geld verdient werden. Stell dir doch mal vor, es wären plötzlich alle Frauen selbstverliebt. Klingt nicht schon das Wort alleine irgendwie verboten?

Wir empfinden es doch als total normal, dass Frauen unzufrieden mit sich und ihrem Aussehen sind. Und alles andere würde manche Wirktschaftszweige an den Rande des Zusammenbruchs führen. Wer soll denn dann all die überteuerten Kosmetikartikel kaufen? Wer die Mitgliedsbeiträge für Abnehmgruppen zahlen? Und wovon sollen plastische Chirurgen denn dann noch leben?

Das Entscheidende ist, dass du die Lösung nie im Außen finden wirst. Weder im perfekten Aussehen und Gewicht, noch in der besten Ausbildung oder an der Seite des (erfolg)reichsten Mannes. Vielleicht hattest du es mal, dieses perfekte Gewicht, und nach einem kurzen Hoch war alles wieder beim Alten. Und dann? Noch mehr abnehmen? Vielleicht hast du eine sehr gute Ausbildung und einige Zeit nach deinem Abschluss fühltest du dich immer noch nicht intellektuell genug? Und dann? Noch eine höherwertige Ausbildung? Vielleicht warst du mal an der Seite eines (erfolg)reichen Mannes, doch nach einiger Zeit hast du ihn gelangweilt. Und dann? Noch mehr Anstrengung für einen Mann, der noch (erfolg)reicher ist?

Warum ist das passiert?

Weil sich deine Glaubenssätze nicht automatisch dadurch ändern, wenn sich im Außen etwas verändert.

Was ist Selbstliebe?

„Selbstliebe bezeichnet allumfassende Annahme seiner selbst…“ definiert Wikipedia. Selbstliebe bedeutet also Selbstannahme oder auch – wie ich es gerne formuliere – die Akzeptanz des Ist-Zustandes. Akzeptiere dich jetzt und hier genau so, wie du gerade bist, mit der Essstörung, mit deinem Gewicht, mit deinen Ängsten und (Selbst)Zweifeln. Das ist Selbstliebe. Doch das ist für die meisten von uns nicht in einem großen, aber in vielen kleinen Schritten machbar.

Und etwas zu akzeptieren bedeutet nicht, zu resignieren. Sondern es heißt, zu akzeptieren was ist, damit du bekommen kannst, was du willst. Akzeptanz bedeutet, dass du nicht länger gegen die Realität kämpfst. Denn es ist real, dass du eine Essstörung hast. Und diese Essstörung hat Ursachen.

Im Grunde geht es darum, die Geschichte, die du dir über dich, das Leben und die Welt erzählst, in deinem Tempo zu ändern.

Selbstliebe step by step

Um deine Geschichte ändern zu können, musst du sie zunächst erkennen und verstehen lernen. Und du musst begreifen, dass du (unbewusst) einiges dafür tust, dir immer wieder zu beweisen, dass deine „alte“Geschichte über dich wahr ist. Hierzu ist es wichtig, dir Zeit zu nehmen für dich. Meditation und Schreiben sind zwei gute Werkzeuge, um seine Glaubenssätze zu erkennen und die Geschichte step by step ändern zu können. Beides habe ich in LEICHTER vereint. Doch du kannst dich natürlich auch alleine hinsetzen und schreiben bzw. meditieren oder ein anderes Werkzeug nutzen, um deinen Gedanken zuhören.

Nehmen wir einmal an, du entdeckst den Glaubenssatz: „Wenn ich dünner wäre, hätte ich mehr Selbstbewusstsein!“ Dann geht es erst mal darum herauszufinden, woher dieser Glaubenssatz kommt. Vielleicht hattest du eine Mutter, die auch ständig mit ihrem Aussehen unzufrieden und deren Selbstbewusssein eher gering war? Dann hast du – wie alle Kinder – vorgelebtes Verhalten ungefragt übernommen. Je mehr Verständnis du für dich und deine Situation entwickelst, desto geringer wird dein Selbsthass werden. Und damit entziehst du der Essstörung die Nahrung. Denn mit Hilfe der Essstörung kompensierst du all die Emotionen, mit denen du anders nicht klarkommst. Und du kommst damit nicht klar, weil du eine Menge Altlasten mit dir rumträgst.

In einem weiteren Schritt kannst du überprüfen, ob dieser Glaubenssatz tatsächlich der Wahrheit entspricht. Hierzu nutze ich im Selbsthilfeprogramm den Mind Detox Mirror, den ich per Video an diversen Glaubenssätzen erkläre. Es geht im Grunde darum, folgenden Prozess zu verstehen:

Du glaubst, du musst dünner werden, um selbstbewusster sein zu können.

Du beginnst mit einer Diät und landest in einer Essstörung.

Dadurch wird dein Selbstbewusstsein noch geringer.

Du versuchst immer verzweifelter abzunehmen und scheiterst immer schneller und häufiger.

Dein Selbstbewusstsein schrumpft noch mehr.

Doch was wäre, wenn du nicht an deinem Körper, sondern bei deinem Selbstbewusstsein ansetzen würdest?

Und bei diesem Prozess kannst du dich zusätzlich von einer Therapeutin und/oder einer Selbsthilfegruppe unterstützen lassen.

Finde all die Werkzeuge, die für dich funktionieren und nutze sie, so lange du sie brauchst!

Mein Weg der Selbstliebe

Ich habe all diese Prozesse mehrfach durchlaufen. Und ja – auch ich bin zig mal hingefallen und wieder aufgestanden. Ich hatte Rückfälle, habe mit meinem Schicksal gehadert und hatte Phasen in denen ich dachte, dass es nie vorbei sein wird. Doch das war es irgendwann. Die Selbstliebe, irgendwann war sie da und die Essstörung war weg. Selbstliebe heißt nicht, dass ich permanent vor dem Spiegel stehe und mir erzähle, wie toll ich doch bin. Selbstliebe heißt für mich, dass ich mich und meine „alte Geschichte“ heute verstehe und akzeptiere, ich habe Frieden geschlossen mit meiner Vergangenheit. Ich bin dankbar für all die Erfahrungen, die ich mit Hilfe der Essstörung machen durfte. Denn sie hat mir geholfen, negative Glaubenssätze durch positive zu ersetzen.

Selbstliebe heißt für mich, mich so sein zu lassen, wie ich bin.

Selbstliebe heißt, dafür zu sorgen, dass ich bekomme, was ich brauche.

Denn nur dann kann ich auch geben, was ich habe.

Ich bin gut so, wie ich bin.

Und du bist es auch.

Doch es hilft dir nicht, wenn ich es dir sage, du musst es fühlen können.

Das ist Selbstliebe.

Damit entziehst du der Essstörung und vielen anderen Problemen den Nährboden.

Und du kannst jetzt damit anfangen!

lebenshungrige Grüße

Simone

 

 

Der Herbst ist da und gestern habe ich die Reste unserer Tomatenpflanzen entsorgt.

Wachstum braucht gute Bedingungen

Meine Schwester hatte mir im Frühjahr die Samen geschenkt und ich habe sie gesät. Als die Pflänzchen ungefähr 10 cm groß waren, habe ich sie umgetopft und die Hälfte meiner Schwester mitgegeben. Und jeden Freitag – wenn sie uns zu Hause besuchte – stellte meine Schwester fest, dass unsere Tomatenpflanzen schneller gewachsen waren, als ihre. Vermutlich deshalb, weil unsere ein sonnigeres Plätzchen hatten, die Bedingungen somit besser waren. Dementsprechend früher konnten wir auch Tomaten ernten. Aber auch ihre Pflanzen waren irgendwann so weit und trugen schöne Früchte.

Wachstum funktioniert nicht durch Gewalt

Wer seine Essstörung hinter sich lassen möchte, benötigt ebenfalls Wachstum.

Inneres Wachstum.

Wenn du gesund werden möchtest, musst du deinem Selbst, deinem Wesenskern, dass, was dich eigentlich ausmacht, Zeit und Raum geben, wachsen zu können.

Du musst dich kennen, verstehen und mögen lernen.

Wären die Tomatenpflanzen meiner Schwester schneller gewachsen, wenn sie an ihnen gezogen hätte?

Nein, natürlich nicht, das hätte sie eher zerstört.

Doch genau das tun viele Essgestörte auf ihrem Genesungsweg. Sie zerren an sich, sind unzufrieden, wollen mit aller Gewalt Wachstum erzwingen und erzeugen dadurch häufig erneute Zerstörung.

Das passiert meist dann, wenn der Verstand schon so einiges begriffen hat, Fühlen und Handeln aber noch nicht so weit sind.

„Schon wieder habe ich blöde Kuh meine Grenzen nicht geachtet und dann einen Rückfall gebaut!“ lautet das innere Gezerre dann beispielsweise.

Um wachsen und Früchte tragen zu können, brauchten die Tomatenpflanzen monatelang kontinierliche Pflege. Ein gesundes Maß an Wasser, Luft, Sonne und Erde. Und je besser die Bedingungen sind, desto schneller erfolgt das Wachstum.

Und wenn du wachsen willst, brauchst du ebenfalls kontinuierliche Pflege unter guten Bedingungen.

Sei nett zu dir und akzeptiere, was und wie du JETZT gerade bist.

Frage dich beispielsweise:

Warum habe ich meine Grenzen nicht geachtet und einen Rückfall in Kauf genommen?

Setze dich mit deiner Geschichte auseinander, um dich zu verstehen.

Lass dich darauf ein, auf deinen Körper zu hören.

Hole dir Unterstützung, wenn du sie brauchst.

Den Rest erledigt die Zeit.

Wachstum geschieht durch kontinuierliches Kümmern aber nach einem eigenen Zeitplan!

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Nachdem ich von der Magersucht in die Bulimie gekippt war, erwischte mich meine Mutter einige Monate später beim Kotzen auf der Gästetoilette. Anfang der 90er Jahre war das Thema Essstörungen noch ein eher unbekanntes und meine Mama reagierte sowohl mit Vorwürfen als auch mit Ratlosigkeit.

Mir machte das einerseits noch mehr Druck, denn dadurch war ich offensichtlich wieder in meine alte Sorgenkind-Rolle zurückgefallen. Andererseits war auch Erleichterung vorhanden, denn ich musste die Last der Geheimhaltung nicht mehr ganz alleine tragen.

Damals war es mir enorm wichtig, dass niemand sonst von meinem „dunklen Geheimnis“ erfuhr, denn ich schämte mich sehr. Ich hielt mich selbst für willensschwach und undiszipliniert und ich wollte um jeden Preis vermeiden, dass andere genau so über mich dachten.

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch der Meinung, mein Problem durch „kontrolliertes Essen“ regeln zu können. Und so schlug ich meiner Mutter beispielsweise vor, sie solle die Speisekammer einfach abschließen sodass ich zwischen den Mahlzeiten keinen Zugriff auf Lebensmittel hatte. Das lehnte sie auf Grund der schlecht möglichen Durchführbarkeit ab.

Und dann war ich erst mal sauer auf sie. Wollte sie mich etwa nicht unterstützen? „Würde sie doch nur tun was ich von ihr verlangte, dann würde ich das mit dem Essen auch wieder geregelt bekommen“, dachte ich. Heute weiß ich, dass das nicht funktioniert hätte, denn ich wäre irgendwie rein gekommen oder hätte mir etwas anderes zu Essen besorgt…

Als ich dann zu begreifen begann, dass das Essen gar nicht mein ursprüngliches Problem war, wollte ich, dass meine Mutter mich komplett verstand und alles genau so sehen konnte wie ich. Ich wollte, dass sie begriff und sich auf Grund des Verstehens änderte. Sie gab sich Mühe, doch es funktionierte nicht.

Einiges konnte sie verstehen und nachvollziehen, anderes wiederum nicht. Sie wurde vorsichtiger im Umgang mit mir, war manchmal unsicher, doch sie konnte nicht aus ihrer Haut raus. Heute weiß ich, dass das weder möglich noch nötig war.

Ich verlangte etwas von ihr, was ich selbst nicht konnte: Denn obwohl ich meine „Überlebensstrategie Essstörung“ immer besser verstand, hatte ich noch immer wenig Verständnis mit mir. Ich war sehr ungeduldig mit mir und sehr hart in meinen Urteilen über mich.

Komplett gesund wurde ich erst, als ich mich selbst mit meiner Essstörung und allem anderen komplett akzeptierte und verstand, als ich Mitgefühl mit mir selbst hatte und es mir Wert war, für mich selbst einzustehen.

Die anderen haben sich nicht geändert.

Doch ich habe mich verändert.

Und das hat mein ganzes Leben verändert.

Wenn Menschen oder Umstände dich stabilisieren, haben sie Macht

Immer wieder bekomme ich E-Mails in denen beispielsweise steht: „Wenn mein Mann sich soundso verhält, geht es mir gut, macht er es nicht, geht es mir schlecht. Wenn er sich doch nur dauernd soundso verhalten würde, ginge es mir immer gut und ich hätte keine Probleme mit dem Essen.“

Und wenn es nicht der Mann ist, dann ist es die Chefin, der Kollege, die Freundin oder der Vater.

Oder es sind die Umstände: „Wenn ich arbeite geht es mir schlecht und ich habe abends Rückfälle, am Wochenende habe ich die nicht. Wenn doch nur permanent Wochenende wäre, ginge es mir immer gut und ich hätte keine Probleme mit dem Essen.“

Es gibt viele Menschen, die von Partner zu Partner oder von Job zu Job hüpfen weil sie das Problem in ihrem Gegenüber oder der Situation sehen.

Doch wenn du aus der Essstörung raus willst, musst du eins begreifen: Du kannst andere Menschen nicht ändern und solltest auch nicht darauf hoffen, dass sie sich irgendwann von selbst ändern. What you see ist what you get!

Hast du beispielsweise immer wieder ähnliche Konflikte mit deinem Partner frage dich:

Was ist mein Anteil daran?

Erwarte ich etwas von ihm, was ich mir eigentlich selbst geben müsste?

Brauchst du vielleicht permanent Bestätigung von ihm?

Muss er dir andauert sagen, wie hübsch du bist und wie sehr er dich liebt?

Dann frage dich, warum du das dauert hören willst, vielleicht, weil du es selbst nicht glaubst?

Und warum machst du deinen ganzen Wert von deinem Aussehen und seiner Bestätigung abhängig?

Hinterfrage deine Motive ehrlich, ohne dich zu verurteilen!

Hast du aber beispielsweise immer wieder ähnliche Konflikte mit deinem Chef und stellst fest, dass du – egal wie sehr du an dir arbeitest – nicht mit ihm klar kommst, dann hast du immer noch die Möglichkeit zu gehen. Genauso, wie du einen Partner verlassen kannst, der dir tatsächlich nicht gut tut. Und in diesen Situationen solltest du es dir dann auch Wert sein, zu gehen.

Denn das Entscheidende ist:

Damit sich für dich etwas ändern kann, musst du dich ändern – in dem du deine Einstellung zu der Situation oder die Situation selbst änderst – und sonst niemand!

lebenshungrige Grüße

Simone 

 

Planlos oder durchgeplant?

Was erwartest du von dir und von dem Leben?

Vielleicht sieht die konkrete Vorstellung deiner Zukunft in etwa so aus:

Mit Mitte 20 das Studium erfolgreich und problemlos beendet, bis dahin viel an die exotischsten Orte gereist und Inspirierendes erlebt, dann die Traumhochzeit mit dem Traumprinzen, die unglaublich erfolgreiche Karriere, der reibungslose Bau des Traumhauses, mit Anfang 30 das erste Kind (Junge), mit Mitte 30 das zweite Kind (Mädchen), die Karriere läuft weiter steil nach oben und bei all dem bleibt das Aussehen und die Laune selbstverständlich makellos.

Und vielleicht steckst du genau da irgendwo mittendrin und merkst, dass du deine Erwartungen nicht erfüllen kannst. Und vielleicht bist du auch schon leicht panisch, weil du das Gefühl hast, dass dir für immer mehr die Zeit immer schneller davon rennt.

Doch vielleicht sieht der Plan für dein Leben auch ganz anders aus. Allerdings weiß ich eins genau:

Je konkreter deine Vorstellung von deinem (zukünftigen) Leben ist, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du ent-täuscht wirst.

Je konkreter der Plan, desto wahrscheinlicher das Scheitern

Wenn du einen relativ starren Plan für deine Zukunft hast, spielen dabei diverse Unbekannte eine beachtliche Rolle. Um mal beim Beispiel von oben zu bleiben:

Was ist, wenn du während des Studiums merkst, dass du etwas studierst, was du eigentlich gar nicht studieren willst?

Oder was passiert, wenn dich dein Studium so sehr beansprucht, dass kaum noch Zeit für Reisen bleibt?

Und stell dir vor, du hast mit Ende zwanzig deinen Traumprinzen noch nicht gefunden, heiratest du dann irgendeinen?

Vielleicht will dein Traumprinz keine Kinder oder du bekommst – warum auch immer – keine, ist dein Leben dann nicht mehr lebenswert?

Wie verhältst du dich, wenn du Kind und Karriere nicht so problemlos vereinbaren kannst, wie du es dir vorgestellt hast?

Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass du bei all dem immer perfekt aussiehst und bestens gelaunt bist?

Plan-Ziel erreicht, Erwartungen nicht erfüllt

Häufig passiert auch Folgendes: Du hast einen Teil deines Plans verwirklicht, doch du fühlst dich beschissen dabei. „Und jetzt?“ denkst du dann, „This is IT?!?“

Nehmen wir mal an, du planst einen Urlaub. Du kommst am Urlaubsort an und hast du dann dein Ziel erreicht? Nein, denn dein Anspruch ist, diese Zeit wirklich zu nutzen um großartige Dinge zu erleben und/oder um dich tatsächlich zu erholen. Also verplanst du den Großteil des Urlaubs und bist gestresst und frustriert, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant und dann wunderst du dich, dass das Genießen und Relaxen zu kurz kommt.

Von deinen Plänen in Bezug auf das Essen und deinen Körper ganz zu schweigen…

Sei planlos!

Doch wie kann es anders funktionieren?

Indem du dir erstens deiner Pläne und Erwartungen bewusst wirst, sie zweitens hinterfragst und schaust, ob es überhaupt deine eigenen sind und drittens dem Leben die Chance gibst, einen viel besseren Plan für dich zu haben!

Ich erläutere das mal an meinem eigenen Beispiel:

Mein (unbewusster) beruflicher Plan war früher, einmal in einem möglichst sicheren Angestelltenverhältnis zu enden. Die Möglichkeit, selbständig zu sein und nach meinen eigenen Regeln zu arbeiten, war für mich gar nicht vorhanden. Dieser Plan entstand natürlich ursprünglich in meiner Herkunftsfamilie in der es in der näheren Verwandtschaft gar keine und in der weiteren Verwandtschaft nur ein paar gescheiterte Selbständige gab. Abgesehen davon war das, was (internet)technisch heute möglich ist, vor einigen Jahren noch gar nicht vorstellbar.

Als ich mich mit den Ursachen meiner Essstörung auseinandersetze, stellte ich immer mehr Dinge/Personen/Sachverhalte in Frage:

Wer bin ich eigentlich wirklich und was brauche ich tatsächlich?

war dabei die wichtigste Frage.

Kurz und gut: Ich war irgendwann planlos! Und zwar in Bezug auf mich und auf das Leben.

Ich begann, mir bewusst Zeit für mich zu nehmen um mich besser kennen und verstehen zu lernen.

Und als meine Essstörung endlich verhungert war, kam – scheinbar aus dem Nichts – die Idee zu lebenshungrig.

Planlos zu sein bedeutet also nicht, nichts zu tun.

Sondern es bedeutet, hinderliche Pläne los zu werden um Platz für Besseres zu schaffen!

Planlos zu sein ist nicht der schlechteste Ausgangspunkt…

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Wir alle führen permanent Selbstgespräche und erzählen uns eine Geschichte über das Leben und uns.

Doch wie lautet diese Geschichte, was ist der Inhalt unserer Selbstgespräche?

Meistens sind es negative Gespräche, in denen wir unser Aussehen unser Handeln und unser Dasein kritisieren und in Frage stellen.

Wir gehen hart und vernichtend mit uns selbst ins Gericht und können unseren eigenen Ansprüchen einfach nie genügen.

Ist dir eigentlich bewusst, was du mit jedem einzelnen dieser Selbstgespräche anrichtest?

Und würdest du so mit anderen Menschen reden?

Vielleicht mit Menschen, die dir nicht wichtig sind…

Aber was ist mit denen, die dir nahe stehen?

Was ist mit denen, die du schon lange kennst?

Und was ist mit den Menschen, die du liebst?

Sagst du diesen Menschen permanent, dass sie zu dick, zu undiszipliniert, zu häßlich und zu willensschwach sind?

Warum wir liebe- und verständnisvolle Selbstgespräche brauchen

Stell dir doch mal vor, deine beste Freundin wäre essgestört und sie hätte sich auf ihren Weg „raus aus der Essstörung, rein ins Leben gemacht“ und dir zaghaft davon erzählt.

Wie würdest du reagieren?

Wie würdest du mit ihr reden?

Als gute Freundin würdest du ihr anbieten, für sie da zu sein. Du würdest bei jedem Rückfall Mitgefühl und Verständnis für sie aufbringen. Du würdest mit ihr traurig und wütend sein und sie in den Arm nehmen. Und dann würdest du sie aufmuntern in dem du sie daran erinnerst, was sie schon geschafft hat. Du würdest sie ermutigen genauer hinzuschauen und ihre Essstörung verstehen zu lernen. Du würdest ihr sagen, wie tapfer sie ist. Und du würdest ihr sagen, dass du sie bewunderst, weil sie immer wieder aufsteht und weiter geht. Du würdest daran glauben, dass sie irgendwann am Ziel ankommt.

Diese Reaktion wäre doch selbstverständlich, oder?

Doch warum verhältst du dich dir selbst gegenüber so anders?

Warum hast du so wenig Mitgefühl mit dir und kaum Verständnis für dich?

Und warum sieht du immer nur den Weg der noch vor dir liegt und und nicht den, den du schon geschafft hast?

Warum könntest du unendlich viele aufmunternde Gespräche mit ihr führen während deine Selbstgespräche meist abwertend sind und du voller Ungeduld mit dir bist?

Was wäre anders, wenn du selbst deine beste Freundin wärst?

Welche Selbstgespräche würdest du dann führen können?

Hier ein paar Ideen und Inspiration dazu:

lebenshungrige Grüße

Simone

Der Rückfall ist ein Schrei deiner Seele und deines Körpers.

Vielleicht hast du dich schon häufig gefragt, warum ein Rückfall oder Fressanfall meistens nachmittags oder abends stattfindet.

Meiner Erfahrung nach hat das vor allem zwei Gründe:

Im Laufe des Tages hast du deine persönlichen Grenzen mehrmals überschritten bzw. überschreiten lassen.

Die Willenskraft nimmt im Laufe des Tages ab und die Müdigkeit nimmt zu.

Und diese zwei Rückfall-Gründe schauen wir uns jetzt mal genauer an:

Wo liegt deine persönliche Grenze und wann wird sie überschritten?

Vielleicht weißt du gar nicht so recht, was ich mit „deiner persönlichen Grenze“ meine. Kürzlich habe ich über „Das Gesetz der Essstörung“ geschrieben und an einem Beispiel erläutert, wo meine Grenzen waren und wie und warum ich sie früher überschritten habe.

Vereinfacht gesagt geht es erstens darum zu wissen, wer du bist und was du brauchst. Und zweitens, dazu zu stehen wer du bist und dafür zu sorgen, dass du auch bekommst, was du brauchst.

Doch die meisten Essgestörten sind so weit von sich selbst – von ihrem Wesenskern – entfernt, dass sie kaum noch wissen wer sie sind und was sie brauchen. Und falls sie es doch (noch) wissen, trauen sie sich nicht – oder sind es sich nicht Wert – zu sich zu stehen und für sich zu sorgen.

Warum die Willenskraft ab- und die Müdigkeit zunimmt

Kennst du diesen „ab-morgen-wird-endlich-alles-anders-Gedanken“? Ich habe ihn in der Anfangszeit meiner Essstörung nach jedem Rückfall gehabt und in „Einmal Bulimie – immer Bulimie?“ beschrieben. Ganz fest habe ich mir vorgenommen, am nächsten Tag endlich diszipliniert und nach Plan zu essen, abzunehmen und glücklich zu werden. Wie oft es geklappt hat? Nie!

Unsere Willenskraft funktioniert – vereinfacht gesagt – ähnlich wie ein Muskel. Sie ermüdet durch Verwendung. Und gerade nach einem Rückfall glauben Essgestörte, am nächsten Tag durch das Weglassen von Mahlzeiten ausgleichen zu können. Es wird also auf das Frühstück und vielleicht auch auf das Mittagessen verzichtet. Oder beide Mahlzeiten fallen zu klein aus. Da die Willenskraft noch relativ frisch ist, funktioniert das. Doch je öfter sie beansprucht wird, umso schneller ermüdet sie…

Der Rückfall am Abend ist quasi vorprogrammiert

Nehmen wir einmal an, du kommst abends nach Hause.

Du hast körperlichen Hunger, weil du tagsüber zu wenig gegessen hast.

Dein Körper ist müde, deine Willenskraft ist ermüdet.

Du bist – auf Grund diverser Grenzüberschreitungen im Laufe des Tages – voller unangenehmer Emotionen wie Wut, Einsamkeit, Scham, oder Trauer, mit denen du nie umzugehen gelernt hast.

Dein Perfektionismus mit seinen überhöhten Ansprüchen „sagt“ dir nun, wie der Rest des Tages zu laufen hat.

Und spätestens jetzt ist dir alles zu viel und du willst nur noch eins:

essen und vergessen!

Wie es Stück für Stück ohne Rückfall gehen kann

Wahrscheinlich ist dir durch diese Erklärung klar geworden, warum du immer wieder einen Rückfall baust und dass es nicht von heute auf morgen funktionieren wird, keinen mehr zu haben. Doch du kannst einiges tun, um dorthin zu gelangen:

Ich habe bereits vor längerer Zeit darüber geschrieben, wie du aus einem Rückfall einen Vorfall machen kannst.

Versuche, morgens und mittags ausreichend zu essen.

Überdenke und ändere – falls nötig – deine Morgenroutine um (grenzen)bewusster in den Tag zu starten.

Wie und warum erläutere ich dir in diesem Video:


lebenshungrige Grüße

Simone