Wenn ich eine Berufsgruppe nennen müsste, mit denen ich während der letzten zehn Jahre beruflich am häufigsten zu tun hatte, wären es Ärztinnen. Und diese Kontakte haben sich nicht ergeben, weil diese Ärztinnen helfen wollten. Nein, sie selbst brauchten Hilfe. Sie waren essgestört, verzweifelt, überfordert und voller Scham:

Sollten gerade sie es nicht besser wissen und können?

Die Parallelgesellschaft Essstörungen

Diese Ärztinnen sind für mich das Sinnbild einer Parallelgesellschaft, die immer weiter wächst: die der Essgestörten. Die Frauen, die zu dieser Parallelgesellschaft gehören, führen nach Außen ein scheinbar gutes Leben. Sie sind beruflich einigermaßen erfolgreich und haben scheinbar ein erfülltes Privatleben.

Doch die innere Wahrheit sieht ganz anders aus. Diese Frauen scheitern wieder und wieder an ihren perfektionistischen Ansprüchen, die sie an ihren Körper und ihr Leben haben. Sie fressen, kotzen und/oder hungern, um ihren Alltag – von dem die anderen glauben dass sie ihn mühelos im Griff haben – irgendwie am Laufen zu halten. Und eigentlich haben ihre Zwänge und Ängste alles im Griff…

Müsste ich die zweithäufigste Berufsgruppe nennen, wären das übrigens (nebenberufliche) Fitnesstrainerinnen. Die schämen sich mindestens genau so sehr wie die Ärztinnen. Einige von ihnen so sehr, dass sie sich mit einer eigens dafür angelegten anonymen E-Mail-Adresse und unter einem anderen Namen bei mir melden…

Sollten sie nicht immer motiviert, aktiv und optisch perfektioniert sein?

Alle anderen schaffen es doch auch!?!

Wie größenwahnsinnig die Ansprüche sind, die Essgestörte an sich stellen, kann du aus jeder einzelnen „Geschichte (d)einer Essstörung“ herauslesen. Egal, wie (erfolg)reich, fleißig, dünn oder begehrt eine Essgestörte scheinen mag: Ihr selbst ist es einfach nie genug!

Und doch versucht sie mit aller Macht, ihr äußeres Bild aufrecht zu erhalten. Bis es irgendwann nicht mehr geht und sie physisch und/oder psychisch zusammenklappt. Dafür schämt sie sich dann häufig noch mehr, sie verurteilt sich für ihr Versagen und denkt, was viele paradoxer Weise über sie selbst denken:

Die anderen schaffen es doch auch alle…!?!

Wer sind eigentlich diese anderen?

Natürlich habe ich das früher auch gedacht. Ich bin davon ausgegangen, dass es bei allen anderen läuft und nur ich so unfähig bin. Und weil ich mich für dieses Unfähig-sein so geschämt und verurteilt habe, tat ich alles, um es zu vertuschen. Ich verstellte mich und spielte eine Rolle. Manchmal mehrere Rollen gleichzeitig, je nach Publikum.

Doch dieses permanente Schauspiel hatte seinen Preis: Es war anstrengend und unbefriedigend und am Ende des Tages empfand ich mich als noch unfähiger und versuchte noch verzweifelter, sämtliche Mängel durch körperliche Optimierung auszugleichen. Ja, ich spielte meine Rolle gut, sogar so gut, dass es einige meiner Freunde gar nicht fassen konnten, als ich mich nach und nach outete und zu meiner Nicht-Perfektion stand.

Adé Parallelgesellschaft Essstörung

Als ich zum Studieren in eine andere Stadt zog, wagte ich mit klopfendem Herzen den Schritt in eine Selbsthilfegruppe und das wiederum führte dazu, dass ich mich irgendwann entschied, in eine Klinik zu gehen. Und spätestens in der Klinik wurde mir klar, dass es diese Parallelgesellschaft gibt: Und nicht nur die der Essgestörten. Nein, es gibt auch eine Parallelgesellschaft der Depressiven, der Alkoholiker, der Spielsüchtigen – you name it. Sie alle können – mit Hilfe ihrer jeweiligen Störung – den Schein eine ganze Weile lang aufrecht erhalten…

Wenn es Zeit wird, die Hosen runter zu lassen:

Und spätestens dort im Allgäu begriff ich fünf wesentliche Dinge:

  1. Die Essstörung war für mich eine Überlebensstrategie, die mir half, durch den Alltag zu kommen.
  2. Nicht das Essen oder mein Gewicht waren mein eigentliches Problem, das waren meine völlig überzogenen Ansprüche an mich und mein Leben. Und die wurden von meinem Mangel an Selbstwertgefühl gefüttert.
  3. Ich war nicht nur die Essgestörte. Auch war ich die abenteuerlustige Studentin, die reiseverrückte Tänzerin, die humorvolle Naturliebhaberin. Ich war nicht nur die Versagerin!
  4. Ich achtete die anderen Klinikgäste für ihre schonungslose Offenheit und ich bewunderte sie für ihr mutiges Auseinandersetzen mit ihrem jeweiligen Problem. Und die anderen achteten und bewunderten mich. Warum aber achteten und bewunderten wir uns alle selbst so wenig?
  5. Alle fühlen sich andauernd anders als alle anderen.

Durch dieses Begreifen begann auch ich, mehr und mehr die sprichwörtlichen Hosen runter zu lassen. Und je ehrlicher ich – vor allem mir selbst gegenüber – wurde, um so besser ging es mir. Langfristig gesehen zumindest, denn gerade am Anfang kann Ehrlichkeit durchaus weh tun. Spätestens wenn wir uns eingestehen, wie lange wir uns selbst betrogen haben und wie hoch der Preis dafür war. Doch diese Wunden heilen.

Mir wurde bewusst, dass die Essstörung nicht mein Feind war und dass es viel effektiver war, ihr zuzuhören anstatt sie zu bekämpfen. Ich begann mehr und mehr, mich nach Rückfällen zu fragen, warum ich sie hatte anstatt mich für sie zu verurteilen.

Und ich begann, den Fokus auf andere Dinge als mein Aussehen zu legen: Was machte mir Spaß? Worin war ich gut? Mit welchen Menschen wollte ich meine Zeit verbringen? Womit könnte ich meine Seele endlich satt bekommen?

Ich verließ die Parallelgesellschaft, in dem ich – mit all meinen unterschiedlichen Anteilen – ich selbst wurde und begriff, dass alle Menschen große oder kleinere Probleme und Makel haben. Mir wurde bewusst,  dass nicht die Probleme oder Makel selbst, sondern unser Umgang damit darüber entscheidet, ob wir glücklich und zufrieden oder unglücklich und unzufrieden sind.

Lässt eine die Hosen runter, machen viele mit

Spätestens seit es lebenshungrig gibt, ist die Essstörung ein ganz offizieller Teil meines Lebens. Ob es Menschen gibt, die nicht gut mit der Offenheit umgehen können? Wahrscheinlich, doch mich hat diesbezüglich noch nie jemand angesprochen und ich habe aufgehört mir Gedanken darüber zu machen, was andere über mich denken (könnten). Warum? Weil es völlig sinnlos und unwichtig ist. Und weil ihre Meinung über mich sehr viel mehr über sie selbst aussagt, als über mich.

Wichtig ist lediglich, was ich über mich denke.

Du kannst dir kaum vorstellen, wie häufig ich heute auch offline auf Essstörungen angesprochen werde. Da gibt es Freundinnen mit Schwestern und Töchtern, Bekannte mit Müttern, usw. Ihnen tut es gut, mit jemandem reden zu können, von dem sie sich verstanden fühlen.

Da ich mehr sein kann, müssen auch sie den Schein nicht mehr wahren!

Was hindert dich (noch) daran, die Parallelgesellschaft zu verlassen?

lebenshungrige Grüße

Simone

„Ich habe es doch nur gut gemeint!“ ist ein Satz, den ich früher oft gehört habe.

Und zwar von meiner Mutter. Sie meinte es immer gut mit mir, doch das bedeutete nicht, dass sie mir mit ihrem Verhalten geholfen hat. Leider war das Gegenteil viel häufiger der Fall. Sie wollte mich schützen und schonen und glaubte tatsächlich zu wissen, was gut für mich sei. Sie hat mir leichte und schwierige Dinge abgenommen, sich schützend vor mich gestellt. Natürlich hat sie das gut gemeint. Sie wollte ihr Sorgenkind, dass durch eine chronische Krankheit belastet war, entlasten.

Doch was hat sie damit erreicht? Sie hat mir (ungewollt) vermittelt, dass ich es nicht alleine kann. Sie hat mich klein und abhängig gehalten.

Warum? Weil für sie das Problem viel größer schien, als es für mich tatsächlich war. Sie wollte meine scheinbare Benachteiligung ausgleichen, sie hat es gut gemeint…

Es ist gut gemeint, doch es richtet den Fokus auf das Problem

Heute wundert es mich nicht mehr, dass ich magersüchtig und bulimisch geworden bin. Denn da ich in meinem Leben nicht viel bestimmen konnte – und mir dass auch nicht mehr zutraute – beziehungsweise gar nicht (mehr) wusste, was ich selbst eigentlich wollte, wollte ich wenigstens die Kontrolle über meinen Körper haben. Natürlich habe ich das nicht bewusst beschlossen, der bewusste Gedanke lautete: „Wenn ich dünn bin, bin ich perfekt und dann wird alles andere auch perfekt“. Und so beschloss ich, unter 50 kg wiegen zu wollen und dann nie wieder diese Zahl zu überschreiten…

Doch Menschen, die es „doch nur gut mit uns meinen“, spielen nicht nur bei der Entstehung der Essstörung eine Rolle. Sie sind auch häufig die Stolpersteine, die uns auf dem Weg „Raus aus der Essstörung, rein ins Leben“ im Weg liegen.

Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Teilnehmerin des Selbsthilfeprogramms LEICHTER. Sie ist magersüchtig und noch immer untergewichtig, doch sie hat in ihrem Kopf während der letzten Monate riesengroße Fortschritte gemacht. Während sie zu Anfang ständig „Ich kann das wegen meines Gewichts nicht tun“ sagte, sagt sie heute: „Ich habe mittlerweile ein sehr gutes Körpergefühl, ich weiß, dass ich noch zu dünn bin, aber es gibt viele Dinge die ich tun kann und möchte und die mir gut tun. Und wenn ich sie mache, kann ich besser essen!“

Doch was machen die Menschen in ihrem Umfeld? Sie sagen: „Nein, das kannst du noch nicht machen, dazu bist du noch zu dünn, du musst erst essen und dann…“

Und was passiert? Sie fühlt sich unter Druck gesetzt, wird wütend und fühlt sich hilflos, sie beginnt zu zweifeln und ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Sie kann nicht gut essen…

Während sie begriffen hat, dass das Essen beziehungsweise das Nicht-Essen nie das eigentliche Problem war, ist ihr Umfeld noch immer auf das scheinbare Problem fokussiert. Das ist gut gemeint und für Menschen, die nicht essgestört sind wahrscheinlich auch logisch. Sie glauben, dass sie nur so gesund wird, und erschweren ihr genau das mit ihrem Verhalten.

Womit beschäftigen sich die „Gut-Meinenden“, wenn das Problem gelöst ist?

Essstörungen sind Beziehungsstörungen. Die Beziehung zu uns selbst ist gestört, weil die Beziehungen innerhalb unserer Ursprungsfamilie gestört sind/waren. Spätestens dann, wenn eine Magersüchtige offensichtlich magersüchtig ist, wird sie – beziehungsweise die Krankheit – zum Familienproblem gemacht. Dabei bleibt jedoch die entscheidende Frage oft unberücksichtigt: Warum ist diese Krankheit in dieser Familie entstanden? Denn genau in der vorwurfsfreien Beantwortung dieser Frage liegt die große Chance. Und zwar nicht nur für die Essgestörte, sondern für die ganze Familie.

Wenn Essgestörte beginnen gesund zu werden, „bedrohen“ sie häufig das Familiensystem in dem sie sich anders als bisher verhalten und unbequeme Fragen stellen. Und die anderen, die immer die Essstörung als Problem gesehen haben und es mit der Essgestörten doch nur gut gemeint haben, werden plötzlich mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert…

Gut gemeint… und jetzt?

Wie kannst du besser mit denen umgehen, die es doch „nur gut mit dir meinen“?

  1. Nur du allein weißt, was wirklich gut für dich ist! Und wenn du das häufig nicht weißt, dann verbringe mehr Zeit mit dir selbst und lerne dich kennen. Solltest du Redebedarf haben, sprich mit jemandem außerhalb deines (Familien)Systems.

  2. Manchmal ist gut gemeint tatsächlich gut! Mache nicht automatisch das Gegenteil von dem, was „gut gemeint“ ist von deinem Gegenüber. Hinterfrage dein Motiv genau so, wie das des anderen.

  3. Nur die anderen allein wissen, was wirklich gut für sie selbst ist! Kümmere dich nicht permanent um die Belange anderer, denn ja – als Außenstehende ist es auf Grund des Abstandes zur Situation oft leichter, es besser zu wissen und/oder zu können. Und auch wenn es „nur gut gemeint ist“: Manchmal sind Ratschläge eben auch Schläge…

     

lebenshungrige Grüße

Simone

Nach einer über 25-jährigen intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Essstörungen kann man mich getrost als Expertin auf diesem Gebiet bezeichnen. Und doch gerate auch ich immer mal wieder in die Hochstaplerinnen-Falle und befürchte, dass ich vielleicht doch nicht genügend Ahnung habe und ALLE das demnächst merken werden. Das Phänomen, insgeheim davon überzeugt zu sein, dass sein Erfolg nur auf Glück, Charme und/oder guten Beziehungen basiert und nicht auf eigenen Leistungen und Erfahrungen, hat einen Namen: Man nennt es das Hochstapler- oder auch Impostor Syndrom. Impostor ist das englische Wort für Hochstapler und Betrüger.

Natürlich kennt jeder Mensch Momente des Zweifelns. Menschen mit Impostor Syndrom allerdings sind selbst nach unzähligen Erfolgserlebnissen nicht in der Lage, an ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben. Sie leben in ständiger Angst davor, enttarnt und bloßgestellt zu werden. Wer unter dem Impostor Syndrom leidet, hat eine überzogene Vorstellung von Kompetenz, eine komplexe Meinung zu den Thema Erfolg und große Furcht vor negativer Kritik.

Warum gerade (essgestörte) Frauen relativ häufig unter dem Impostor Syndrom leiden, welche prominente und erfolg-reiche „Leidensschwester“ wir haben und wie ich mit dem Impostor Syndrom umgehe, wenn ich mir mal wieder wie eine Hochstaplerin vorkomme, erfahrt ihr in der heutigen Episode von SHeTV:

Das „First Aid Impostor Syndrom Kit“

Hier noch mal meine drei Ideen für den bewussten Umgang mit dem Impostor Syndrom:

1: Mache den Realitätscheck in dem du ein Erfolgstagebuch führst.

 

2: Stelle dir Sandbergs „Billion-Dollar-Frage“: Was würde ich jetzt tun, wenn ich keine Angst hätte?

Zu dieser Frage gibt es eine kostenlose Kurz-Meditation, den MindDetox-Quickie:

Was würde mein angstfreies Ich jetzt tun?“ von mir.

Hier findest du Sheryl Sandbergs Buch Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg

 

3: Tanze deinen eigenen Power Posing Dance oder mache zwei Minuten Power Posen.

Und hier ist der Link zu einem Vortrag von Amy Cuddy über das Power Posing.

 

lebenshungrige Grüße

Simone

Wenn Frauen sich auf den Weg raus aus der Essstörung machen, ist dieser Weg von Rückfällen gepflastert. Das Fatale daran sind nicht die Rückfälle selbst, sondern dass, was wir daraus machen.

Als ich noch essgestört war, war das meistens so:

Der Rückfall kam scheinbar aus dem Nichts angeflogen. Der Druck war groß, ich zog los um mir meinen Suchtfraß zu besorgen, verzog mich in meine Studentenbude und es ging los. Ich aß bis ich nicht mehr konnte, ging kotzen und manchmal wiederholte sich das Ganze mehrmals.

Rückfall und dann?

Hinterher war ich physisch und psychisch platt. Ich fühlte mich ausgelaugt, dreckig, schuldig, unfähig und schlecht. Ich versuchte, den Rückfall so schnell wie möglich zu verdrängen und nahm mir ganz fest vor, es ab morgen endlich richtig zu machen. Das ging dann meist ein paar Tage gut, bevor der nächste Rückfall kam.

In dem Video „Einmal Bulimie, immer Bulimie“ habe ich diesen Vorgang beschrieben:

Kennst du das auch? Und falls ja, weißt du, warum nach einem Rückfall häufig gleich der nächste Rückfall kommt?

Der zweite Rückfall folgt häufig, weil wir uns den ersten nicht verzeihen können und nicht wissen, wie wir anders damit umgehen könnten. Daher versuchen wir meist, den Rückfall zu verdrängen und nehmen uns ganz fest vor, es beim nächsten Mal besser zu machen. Wir laufen vor der Bulimie davon, wir laufen vor uns selbst davon, wir wollen vergessen – dabei müssen wir stehenbleiben und uns selbst aushalten.

Was tun beim nächsten Mal?

Wenn du das nächste Mal einen Rückfall hast, dann versuche doch mal Folgendes:

Sei ein Wissenschaftler und gleichzeitig dein „Forschungsobjekt“. Anstatt dich selbst gedanklich fertig zu machen, mit der Folge, dass du dich schlecht fühlen wirst, stelle dir die folgende Frage: „Hm. Interessant. Warum hatte ich jetzt diesen Rückfall?“ Schreibe diese Frage auf und dann beantworte sie schriftlich, ohne dich dabei negativ zu bewerten. Das ist am Leichtesten, wenn du von dir als „Forschungsobjekt“ in der dritten Person schreibst. Dann könnte das zum Beispiel so aussehen:

Heute hat es ihr die Uni mal wieder nicht gefallen und sie hatte gar keine Lust, an ihrer Hausarbeit weiter zu schreiben. Aber sie glaubt, dass sie das tun muss, und dass sie es perfekt machen muss, sonst ist es nicht gut genug. Und sie glaubt, dass sie den ganzen Nachmittag daran arbeiten muss. Also ist sie frustriert und dann kommt ihr auf einmal Essen in den Sinn. Sie verschiebt diesen Gedanken und versucht, sich auf die Hausarbeit zu konzentrieren. Aber die Gedanken an die leckeren Süßigkeiten und dass Wissen, dass diese vor dem Fernseher verschlungen werden könnten, lassen sie nicht los. Sie versucht noch zu kämpfen, aber irgendwann gibt sie auf. Wenn sie isst, kann sie schließlich nicht arbeiten. Also zieht sie los, kauft ein und setzt sich mit ihren Süßigkeiten vor den Fernseher. Sie isst und sie vergisst usw. …

So wird der Rückfall  zum Vorfall

Dieses wissenschaftliche Beobachten hilft dir, dich selbst besser zu verstehen und zu erkennen, dass der Rückfall durch dein Denken, Fühlen und Verhalten bereits „vorprogrammiert“ war. Dieses Verständnis für dich selbst führt auf Dauer dazu, dass du nach einem Rückfall nicht automatisch den nächsten haben musst.

lebenshungrige Grüße

Simone

Vor ziemlich genau 15 Jahren habe ich nach einem dreimonatigen Aufenthalt die Hochgratklinik verlassen. Ich kam dort sehr verzweifelt an, hatte gerade ein stressiges Semesterende und eine „Hoch-Zeit“ meiner Bulimie hinter mir. Als ich Ende September wieder nach Hause fuhr, hatte ich mir die Essstörung endgültig zu meinem Wegweiser gemacht, der mich von da an noch ungefähr 9 Monate lang begleitete. Danach war es vorbei. Seit Juni 1998 habe ich keine Bulimie mehr.

Seit jenem Herbst 1997 erinnere ich mich jedes Jahr im September gerne an meinen Klinikaufenthalt. Und ein Teil von mir fühlt sich seitdem im Allgäu zu Hause. Denn ich habe mir dort selbst die Möglichkeit gegeben, mich endgültig und rückhaltlos zu entdecken und anzuerkennen.

Wie effektiv ist ein Klinikaufenthalt?

Viele Essgestörte denken über einen Klinikaufenthalt nach. Und es gibt auch viele, die einen Klinikaufenthalt oder sogar mehrere hinter sich haben und doch ist die Essstörung immer noch Bestandteil ihres Lebens.

Woran liegt es, dass mancher Klinikaufenthalt erfolgreich ist, und andere scheinbar umsonst?

Meiner Erfahrung nach sind zwei Faktoren dafür entscheidend, ob ein Klinikaufenthalt etwas bringt, oder nicht:

Willst du selbst wirklich deine Essstörung loswerden und deshalb in eine Klinik?

Wer diese Frage nicht mit einem lauten deutlichen JA beantworten kann, dem fehlt die Motivation. Und Motivation kann nicht von Dritten erzeugt werden. Wenn also deine Eltern oder dein Arzt der Meinung sind, du solltest deine Essstörung in einer Klinik behandeln lassen – und du insgeheim anderer Meinung bis – ist ein Erfolg eher unwahrscheinlich. Ich glaube, um sich ernsthaft auf eine Klinik einlassen zu können, ist ein gewisser Grad der Kapitulation gegenüber der Essstörung unerlässlich. Du musst an einem Punkt sein, an dem du begriffen hast, dass du Hilfe von Außen brauchst, um dich mit dem Problem – bzw. dessen Ursachen – auseinandersetzen zu können.

Passt das Konzept der Klinik zu dir?

Es gibt diverse Therapieansätze, mit denen Kliniken Patienten mit Essstörungen behandeln. Hier ist es entscheidend, selbst aktiv zu werden. Du kannst dir Informationsmaterial zusenden lassen, in den Kliniken anrufen oder eine Informationsveranstaltung besuchen.

Mein Klinikaufenthalt

Ich habe mich im Winter 1996 ganz bewusst dazu entschlossen, in die Hochgratklinik zu gehen. Aus dem Buch Von mir aus nennt es Wahnsinn. Protokoll einer Heilung und auch durch Erzählungen einiger Teilnehmerinnen der OA erschien mir das „Herrenalber Modell“ das richtige Konzept für mich zu sein. Ich rief dort an, ließ mir Infomaterial schicken, reservierte mir einen Termin zu Semesterferienbeginn und füllte einen sogenannten „Motivationsbogen“ aus in dem ich erläutern sollte, warum ich bezüglich meiner Bulimie in diese Klinik wollte. Danach meldete ich mich bei meiner Krankenkasse und überzeugte einen Vertrauensarzt damit ich das Okay von der Kasse bekam.

Ich habe mir meine Chance geschaffen und habe sie genutzt – und zwar volle 12 Wochen lang. Ob das heute noch genau so möglich wäre, weiß ich nicht. Wie ich gehört habe, ist mittlerweile ein Aufenthalt von ca. vier bis sechs Wochen üblich, da die Kassen keine längeren Aufenthalte genehmigen.

Das Konzept der Hochgratklinik funktionierte mit viel Eigenverantwortung und Vertrauen und wenig Kontrolle. Ich konnte damals sehr gut damit leben, denn ich bekam quasi den Rahmen, den ich brauchte. In der „Essstuktur“ verpflichtete ich mich zu drei vollwertigen Mahlzeiten am Tag. Diese Mahlzeiten aß ich ohne wenn und aber drei Monate lang mit dem erstaunlichen Ergebnis, das ich mich viel besser fühlte und am Ende zwei Kilo leichter war. Natürlich hätte ich – wie ich es häufig als Kritikpunkt an Kliniken lese – heimlich essen und/oder brechen können. Aber diese Möglichkeit ist in meinen Augen kein Versagen einer Klinik, sondern eine Chance, die man sich selbst nimmt.

Während meines Klinikaufenthaltes machte mich das Programm und die anderen Menschen satt, sie gaben mir die Nahrung, nach der ich mich so lange gesehnt hatte. Dass ich selbst mit dem Essen nicht mehr umgehen konnte, gestand ich mir ein und gab diese Verantwortung erfolgreich an die Klinik ab: „Ihr sagt mir, was ich wann essen soll, ich esse es.“ Das Ergebnis war die bewusste Erfahrung, dass ich satt werden und regelmäßig essen kann, ohne dabei dicker zu werden.

Das Essen konnte ich abgeben, dadurch bekam ich den Raum, mich mit den Ursachen der Bulimie, meinen eigentlichen Problemen, auseinander zu setzen. Und ich bekam die Hilfestellung der Therapeuten die ich wollte und die Unterstützung der Mitpatienten die mir gut taten.

Mein persönliches Klinikfazit ist sehr positiv und ich möchte jede von euch dazu ermutigen, diesen Schritt zu tun. Und ja, wahrscheinlich war mein Klinikaufenthalt auch so effektiv, weil ich schon viel Vorarbeit geleistet hatte. Ich hatte mich schon durch diverse Selbsthilfebücher geackert, Selbsthilfegruppen besucht, mit Freunden und Familie etc. gesprochen. Ich kannte meine Denkens- und Verhaltensweisen, die die Essstörung auslösten. Aber auch zu einem früheren Zeitpunkt hätte mich ein Klinikaufenthalt weitergebracht. Vielleicht hätte ich dann auch zwei Aufenthalte gebraucht. Egal – wichtig ist, aktiv nach Hilfe zu suchen und sich dann auch auf die Unterstützung einlassen zu können.

Weitere Klinikbewertungen findest du auf klinikbewertungen.de.

lebenshungrige Grüße

Simone

Neues Jahr – neues Glück. Und neue Vorsätze. Und wahrscheinlich lautet einer dieser Vorsätze bei den meisten von Euch: In diesem Jahr verabschiede ich mich von meiner Essstörung.

Ein guter Vorsatz, der aber – wie so viele andere – leicht an der Realität scheitern kann. Meistens ist unser Vorgehen eine große Kampfansage. Wir versuchen mit unserem Verstand und unserem Willen das Unmögliche möglich zu machen. Wir versuchen es mit Disziplin und Diäten. Und wenn wir scheitern, hassen und verachten wir uns und bereiten der genau dem, was wir nicht wollen, dadurch freie Bahn.

Es geht aber auch anders:

Hast Du Dich schon mal ernsthaft gefragt, welche Vorteile die Essstörung für Dich hat? Denn genau die gibt es auch. Sie erfüllt immer einen Zweck für uns und wenn wir diesen Zweck herausfinden, verstehen wir uns besser. Ernsthaft über die Vorteile von Bulimie, Magersucht und Binge Eating nachzudenken zeigt uns, dass wir nicht völlig pervers und daneben sind, sondern dass wir uns eine Art Überlebensstrategie zugelegt haben. Wenn wir dann – Stück für Stück – Ersatzstrategien entwickeln können, verliert die Überlebensstrategie ihre Bedeutung.

Für die Skeptiker unter Euch erläutere ich mal meine Vorteile:

Erstens:

Ich glaubte früher (unbewusst), dass ich unbedingt jedem gefallen muss, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Die Essstörung hat mir geholfen, ein Everybodys Darling ohne Ecken und Kanten zu sein. Meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse standen zu dieser Zeit bestenfalls an zweiter Stelle. Ich konnte sie unterdrücken. Die Essstörung hat mir dabei geholfen, die sein zu können, die ich glaubte sein zu müssen. Und auch für meine Umgebung war ich dadurch so schrecklich pflegeleicht…

Zweitens:

Ich kenne zwar alle Spielarten der Störung, aber hauptsächlich war ich Bulimikerin. Eine durchaus ekelige Angelegenheit, diese Kotzerei. Aber es gab da diesen winzigen Moment, wenn der Magen zum Bersten voll war und ich dann endlich diesen selbst erzeugten Druck los werden konnte. Und Druck hatte ich sehr viel, bzw. habe mir selbst sehr viel gemacht. Das Brechen war ein Weg, psychischen Druckabbau – zu dem ich nicht fähig war – in physischen umzuwandeln. Außerdem ist es für viele Bulimikerinnen eine Art Reinigungsritual und auch da lohnt es sich, hinzuschauen…

Drittens:

Als Studentin war ich mit diversen Abläufen und Themen meines Studienganges sehr unglücklich. Aber anstatt den Fehler im Lernsystem zu suchen, bzw. Konsequenzen zu ziehen, suchte ich den Fehler bei mir. Zudem war ich der Meinung, ständig und immer lernen zu müssen. Die Störung war zu dieser Zeit meine „Lernbremse“. Denn ich war selten in der Lage, mir echte Freizeit und Vergnügen zu gönnen. Hatte ich aber einen Fressanfall, „brauchte“ ich dazu Ablenkung durch den Fernseher bzw. durch den PC. Während dieser Zeiten konnte ich natürlich nicht lernen…

Wenn Ihr Euch diese drei Gründe durchlest, fällt Euch vielleicht auf, dass mein Denken, Fühlen und das daraus resultierende Handeln dazu geführt hat, dass ich eine Überlebensstrategie „brauchte“.

Und so ist das heute:

Heute ist es mir nicht mehr wichtig, dass andere mich gut finden und mir damit eine Daseinsberechtigung geben. Ich habe eine Daseinsberechtigung. Ich versuche, so zu sein und zu leben, wie es mir entspricht. Ich habe gelernt, meine Meinung zu sagen und ich habe erfahren, dass ich es überlebe, wenn jemand eine andere hat. Ich kann auch Streit und schlechte Stimmung besser aushalten, weil ich nicht mehr alles auf mich beziehe bzw. meinem eigenen Standpunkt vertraue und dazu stehe. Ich kann Grenzen setzen und andere verstehen mein „bis hierhin und nicht weiter“.

Durch dieses geänderte Denken, Fühlen und Verhalten, habe ich keinen bzw. sehr wenig Druck. Und wenn ich mal welchen habe, kann ich ihn durch schreiben, reden, etwas anders machen – und manchmal auch einfach durch Bewegung – abbauen.

Auch über meinen Studiengang denke ich heute anders. Die Lernsysteme waren und sind veraltet. Ich musste sehr, sehr Vieles auswendig lernen, was ich nie wieder brauchte bzw. gleich wieder durch anderes Unnützes ersetzen musste. Ich hätte mir viel mehr projektbezogene Arbeiten gewünscht, die auch mal so richtig in die Tiefe gehen und wo man selbständig ein Problem bewältigen muss. Meine Reaktion auf das Studieren war also völlig in Ordnung. Hätte ich das damals schon erkannt und mir vertraut, hätte ich A) mich damit abgefunden und das Ganze schnellstmöglich durchgezogen oder ich hätte es B) abgebrochen und etwas anderes gemacht. Auch in meinen diversen Jobs die ich nach meinem Studium hatte, war ich nicht wirklich zufrieden. Ich habe gelernt, dass ich sehr freiheitsliebend bin und etwas machen will, in dem ich einen Sinn sehe. Also habe ich mich selbständig gemacht.

Meine Vorschlag für einen guten Vorsatz 2012 lautet:

In diesem Jahr lerne ich, meine Essstörung zu verstehen, damit ich sie nicht mehr brauche.

lebenshungrige Grüße

Simone

 

„Ich habe heute leider kein Foto für Dich.“ Ich wette, dass fast alle von Euch diesen Satz in Bezug zu einer Castingshow bringen können. Aber nicht nur bei Germanys next Topmodel sind „Competitions“ angesagt.

Da wird noch das Sommermädchen gesucht, die Katzenberger braucht dringend eine Nachfolgerin, oder man tauscht einfach das Leben via Frauentausch. Und dann gibt es da auch noch zahlreiche andere Shows, wo Mädchen und Jungs, Frauen und Männer gegeneinander antreten können, sogar in einen Container ziehen um sich Tag und Nacht bei einer Menge Schwachsinn filmen zu lassen….

People Pleasing

In all diesen Shows geht es darum, bewertet zu werden. Und zwar von anderen. Entweder von einer Jury, vom Studiopublikum und natürlich von den zahlreichen Menschen vor dem Fernseher.

Und ich stelle mir immer wieder die Frage, warum setzen sich gerade Mädchen und Frauen dieser Situation aus? Was bitte ist so unsagbar begehrenswert daran? Das Geld?

Vielleicht.

Aber ich glaube, was all diese Teilnehmerinnen viel mehr suchen, ist Aufmerksamkeit.

Sie wollen gesehen werden. Sie wollen anerkannt werden.

Sie wollen die Bestätigung von Außen, die sie sich selbst nicht geben können.

Sie wollen von anderen hören, dass sie die Schönste sind.
Sie wollen von anderen hören, dass sie die Begehrenswerteste sind.
Sie wollen von anderen hören, dass sie die Spontanste sind.
Sie wollen von anderen hören, dass ihr Haus am saubersten und die Kinder am besten erzogen sind.
Sie wollen von anderen hören, dass sie die beste Stimme haben.

Das Fatale daran ist, dass den meisten dieser Mädchen und Frauen ihre eigentlichen Motive nicht bewusst sind.

Und sie geben anderen Menschen eine Menge Macht über ihr eigenes Leben. Andere dürfen bestimmen, wie gut sie etwas können, wie schön sie sind, welchen Erfolg sie haben usw. Fremde Menschen haben die Möglichkeit, über ihr Schicksal zu bestimmen.

Denn damit andere mich „passend“ finden, muss ich mich so verhalten, wie es ihnen gefällt. Dabei kommt das, was mir gefällt, häufig jedoch zu kurz. Und wenn ich zu viel „People Pleasing“ betreibe, werde ich unglücklich, unzufrieden, wütend und krank. Der Ideale Nährboden für Selbstzerstörung. Eine psychosomatische Erkrankung ist immer auch eine Revolutionserklärung, nur leider ist der Gegner der Falsche…

Mich ständig bewusst den Bewertungen anderer Menschen auszusetzen, ist sehr gefährlich, wenn ich meine eigenen Motive nicht kenne. Oder habt ihr Euch noch nie gefragt, warum z. b. eine Kate Moss, die Schönheit, Erfolg und Geld hat, gleichzeitig ein Drogen- und/oder Alkoholproblem hat? Oder eine Lindsay Lohan, usw.

Wenn es Innen nicht passt, nützen alle Äußerlichkeiten der Welt nichts.

„Casting“ bedeutet wörtlich übersetzt „Einformen“. Ist es dass, was Du willst? In eine vorgegebene Form gepresst zu werden? Ich finde Unikate viel spannender!

lebenshungrige Grüße

Simone

 

Eines Vorneweg: Ich habe absolut nichts gegen tolle Klamotten, eine hippe Frisur oder einen Tag im Wellnesstempel. Ganz im Gegenteil, ein neues Oberteil kann uns genauso glücklich machen, wie eine andere Haarfarbe oder eine Hot Stone Massage. Aber ich habe etwas gegen diesen Konformismus, der uns Tag für Tag eingetrichtert:

Wir brauchen die Maße 80-55-80, Size Ziro, wir müssen „schön“ sein, sonst ist unser Leben nicht lebenswert!

Ich habe etwas dagegen, dass Milliarden Frauen eingeredet wird, dass es das einzig erstrebenswerte Ziel ist, magermodelmaße zu erreichen und ewig jung zu bleiben. Ich habe etwas dagegen, dass neunundneunzig Prozent der Mädchen und Frauen weis gemacht werden soll, sie seien nur liebenswert, wenn sie so aussehen wie das eine fehlende Prozent.

Ich empfinde es als alarmierend – aber leider nicht verwunderlich -, wie die Zahl der Frauen mit Bulimie, Magersucht und Binge Eating ansteigt.

Warum ist das so? Und warum machen wir das mit?

Neben der Erziehung die wir genossen haben, spielen die Medien hierbei eine sehr große Rolle. Das wirklich lästige an dieser Medienmacht ist, dass wir uns ihr so gut wie gar nicht entziehen können. Denn wir sind ständig umgeben von plakatgepflasterten Litfasssäulen und Werbeflächen jeglicher Art, wir schauen häufig fern, surfen im Internet, lesen Zeitschriften und Zeitungen und manchmal gehen wir ins Kino.

Und was bekommen wir hier ständig serviert? Die perfekte Frau: Selbstverständlich ist sie schön und schön bedeutet in erster Linie Jungsein und Schlankheit an der Grenze zur Magersucht. Aber nicht nur dass. Denn unsere Mrs. Perfect ist selbstverständlich zu jederzeit tadellos gestylt („Rom: 35° C, das Haar sitzt…“) und immer gut gelaunt. Denn dazu hat sie natürlich jeden Grund: Sie hat problemlos Karriere gemacht oder „managt erfolgreich ein kleines Familienunternehmen“. Täglich trägt sie sexy Unterwäsche und sie hat noch nie das Problem gehabt, dass der String irgendwie den ganzen Tag lang an der falschen Stelle zu hängen scheint. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Männer ihr in Scharen hinterher schmachten. Also wirft uns Mrs. Perfect nur zu Recht ihren Lieblingssatz mit vollster Selbstzufriedenheit entgegen: „Ich will so bleiben wie ich bin!“

Das wirklich Perverse an der Sache ist, dass Mrs. Perfect nur in der Welt der Medien existiert!

Und die Macher tun alles, um sie wieder und wieder neu zu erschaffen. So werden z. B. die Models bis zur Unkenntlichkeit geschminkt, von einem Starfotografen ins rechte Licht gerückt und so lange digital nachbereitet, bis die eigene Mutter das Mädchen nicht mehr erkennen würde. Und so bekommen wir sie auf dem Cover diverser Hochglanzmagazine serviert.

Oder nehmen wir die Schaufensterpuppen, mit denen uns die modischsten „Musthaves“ präsentiert werden. Der „Fettanteil“ von Schaufensterpuppen lag in den 1950er Jahren noch im normalen Bereich. Von da an ist er kontinuierlich gesunken und heute ist er so niedrig, dass bei einer realen Frau keinerlei normale Körperfunktionen mehr möglich wären. Im Klartext:

Hätten alle Frauen Schaufensterpuppenmaße, würde die Menschheit in einigen Jahrzehnten aussterben…

Und warum das alles? Damit wir, die wir uns ständig mit Mrs. Peferct vergleichen (lassen) müssen, unzufrieden sind. Der perfekte Nährboden für ein gestörtes Verhältnis zu unserem Essverhalten und Gewicht. Um unsere Unzufriedenheit zu bekämpfen tun wir genau das, was die Medienmacher wollen:

Wir geben Geld aus, um uns Perfektion zu kaufen!

Wir rasen ständig zum Maniküren, Epilieren, Bräunen und den Rest unseres Geldes brauchen wir für Kleidung, Taschen, Schuhe, Handys usw. … Und wenn das Geldausgeben nicht ausreicht, greifen wir beherzt zu drastischeren Mitteln. Wir machen eine Diät nach der anderen, gerne mit diversen Erfolg versprechenden Diätmittelchen und ehe wir es gemerkt haben, hängen wir in der Essstörung drin. Aber keine Angst, auch damit machen wir die Hintermänner der Medien reich. Wir kaufen Unmengen von Lebensmitteln, nur um sie hinterher beschämt ins Klo zu befördern. Aber was soll’s, schließlich steigern wir damit den Umsatz der Lebensmittelindustrie.

Weil dass aber noch nicht reicht, greifen wir auch bei den Abführmitteln zu und werden ganz nebenbei auch der Pharmaindustrie gerecht. Falls auch dass uns nicht zu dem gewünschten Erfolg verhilft, machen wir einfach noch ein paar Fitnessclubbesitzer reicher. Fruchtet das alles nicht im gewünschten Maße, lassen wir die Schönheitschirurgen ran. Treten irgendwann physische und psychische „Folgefehler“ unseres Verhaltens auf, benötigen wir Ärzte und Therapeuten.

Fazit: Wir machen unsere Psyche und unseren Körper kaputt und wir bezahlen auch noch viel Geld  dafür!

Schön blöd, oder?

Hast du auch die Nase voll davon, aber du glaubst, du kannst eh nichts ändern?

Falsch, denn es gibt eine Sprache, die zum Umdenken und anders Handeln zwingen kann:

Es ist die Sprache des Geldes!

Kleines Beispiel gefällig? Aus Protest kaufe ich schon seit vielen Jahren keine „klassischen“ Frauenzeitschriften mehr.

Aber was passiert, wenn sich plötzlich gaaaaanz viele Frauen genau so verhalten….?

Wir haben die Zukunft kommender Mädchen-Generationen in der Hand!

lebenshungrige Grüße

Simone

Essgestörten Frauen mangelt es an Selbstbewusstsein und sie wissen das und leiden darunter.
Deshalb versuchen sie (unbewusst) durch die Perfektionierung ihres Äußeren selbstbewusster zu werden.
Doch genau durch dieses Verhalten verhungert das Selbstbewusstsein noch weiter, während die Essstörung gefüttert wird.

Denn was ist es eigentlich, dieses Selbstbewusstsein?

Wenn ich meiner selbst bewusst bin, weiß ich, wer ich bin warum ich so bin und ich übernehme Verantwortung für mein Handeln. Selbstbewusste Frauen mögen und achten sich, sie kümmern sich um ihre Bedürfnisse und können zu anderen auch mal „nein“ sagen.

Frauen mit einem Essproblem neigen dazu, die Bedürfnisse ihrer Umgebung vor ihre eigenen zu stellen.

Wir versuchen, es unserer Mutter, unserem Partner, unserem Chef und unserem Zahnarzt recht zu machen, denn wir möchten um jeden Preis gemocht werden. Sie, die anderen, sollen uns charmant, intelligent, spontan und natürlich hübsch finden.

Damit richten wir den Fokus in die falsche Richtung, weg von uns selbst.

Anstatt nach Innen zu gehen, versuchen wir, im Außen unser Glück zu finden und zu erahnen, was die anderen von uns erwarten. Diese Erwartungen zu erfüllen ist nicht nur äußerst anstrengend, sondern nahezu unmöglich. Denn wir geraten natürlich ständig in Konfliktsituationen, denn was Person A gut findet, macht Person B gar nicht an. Und so steigt der Druck in uns, wir strengen uns noch mehr an entfernen uns immer mehr von uns selbst und bieten der Essstörung noch mehr Nährboden.

Denn durch unser Denken und Verhalten machen wir uns extrem vom anderen abhängig.

Sie sollen uns die Liebe und Anerkennung geben, die wir uns selbst nicht geben können. Sie sollen sich um uns kümmern und uns bewundern. Häufig wird dieser Teufelskreis dadurch begünstigt, dass wir uns mit Personen umgeben, die zur Co-Abhängigkeit (Bezugspersonen, die die Essstörung durch ihr Verhalten triggern und deren eigenes Befinden abhängig von der Essgestörten ist) neigen und dieses „Spiel“ mit uns spielen. So gelingt kein Ausstieg aus der Essstörung.

Gesund und selbstbewusst werden können wir jedoch nur, wenn wir lernen, uns selbst als die Nummer 1 in unserem Leben zu sehen.

Nein, dass hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Verantwortung. Nur, wenn wir unsere Geschichte kennen und verstehen, können wir sie akzeptieren und erkennen, dass wir gar nicht anders hätten werden können. Dann sind wir selbstbewusst und können Verantwortung übernehmen, dann halten wir es auch aus, einmal NEIN zu jemandem zu sagen.

Wenn wir freiwillig und voller Überzeugung tun was wir tun, können wir auch mit Ablehnung umgehen. Unser Leben wird deutlich leichter und entspannter und die Essstörung wird überflüssig. Unsere Beziehungen werden besser, denn nur, wer sich selbst ein guter Freund ist, kann auch eine gute Freundin, Mutter, Schwester, Tochter, Angestellte etc. sein.

lebenshungrige Grüße

Simone