Weihnachten, das Fest der Liebe, steht vor der Tür. Für Frauen mit (Ess)Problemen ist es allerdings oft ein Fest des Stresses und der permanenten Versuchungen.

Das hat vor allem zwei Gründe:

Zum einen verbringen die meisten von uns Weihnachten mit ihrer (Ursprungs)Familie. Und viele Ursachen unserer Probleme sind in dieser Ursprungsfamilie entstanden bzw. werden – sofern wir bereits eine eigene Familie haben – oftmals dort „weiterentwickelt“. Aber weil Weihnachten ist, wollen wir uns ja alle von unserer besten Seite zeigen und Konflikte vermeiden. Das heißt allerdings nicht, dass die nicht unterschwellig da sind. Und genau dieser Eiertanz verursacht uns oftmals Stress. Wir sind wegen irgendetwas wütend, verletzt oder traurig, wollen dies aber nicht zum Thema machen. Oder es reißen einfach alte Wunden auf, ungesunde Verhaltensmuster werden uns bewusst. Dann fühlen wir uns alleine damit und fragen uns, warum das außer uns niemandem auffällt und ob wir vielleicht einfach zu empfindlich sind.

Zum anderen gibt es ständig irgendwo irgendetwas Besonderes zu essen und wir können oder wollen – weil wir ja so höflich sind – nicht angemessen NEIN sagen.

Survival-Guide: Die folgenden fünf Tipps können Euch dabei helfen, dass Weihnachten ein gelungenes und entspanntes Fest für Euch wird

1: Sorge für ausreichend Zeit mit Dir alleine bzw. mit anderen

Frauen mit Essstörungen schwanken meist zwischen zwei Extremen. Entweder, sie isolieren sich dauerhaft und sind sehr häufig alleine oder sie sind immer und ständig in Action und unterwegs mit anderen, damit sie nur nicht zur Ruhe kommen. Gehörst Du zu einem dieser beiden Pole? Wir Menschen brauchen alle Zeit, die wir ganz mit uns alleine verbringen und wir Menschen brauchen alle andere Menschen. Wie oft wir was brauchen ist ganz individuell. Ganz generell mache ich die Erfahrung, dass je besser ich mit mir selbst klar komme, desto größer ist der Wunsch, mit mir alleine zu sein und die Dinge zu tun, die mir wichtig sind. Es gibt einen Unterschied, zwischen alleine sein und einsam sein. Frauen, die sich stark isolieren, sind meist einsam und versuchen ihre Leere mit Essen zu füllen. Frauen, die ständig mit anderen zusammen und unterwegs sind, lassen sich von ihrer Störung zum alleine sein „zwingen“. In beiden Fällen erfüllt die Essstörungen eine Funktion. Gehen wir mal davon aus, dass Du Weihnachten bis Neujahr frei hast und viel Zeit mit Deiner Familie verbringst. Dann sorge dafür, dass Du täglich eine Stunde Zeit für Dich alleine hast. Bist Du allerdings sehr isoliert und hast weder Familie noch Freunde, dann sorge dafür, dass du während dieser Zeit mindestens eine Stunde täglich Kontakt zu anderen Menschen hast.

2: Nutze mindestens eine halbe Stunde von Deiner Zeit, um zu schreiben

Ich halte schreiben für eine Wunderwaffe. Es ist eine leichte Sache, für die wir nicht viel brauchen und die jede kann. Aber wir müssen es eben machen. Besorge Dir ein nettes Helft oder Buch, einen schönen Stift, krame Dein altes Tagebuch heraus, oder arbeite an den schriftlichen Workshopaufgaben. Glaube mir – es gibt immer etwas zu schreiben und es funktioniert immer. Wenn Du nicht so gut einfach los schreiben kannst, dann mache Dir jetzt gleich eine Liste mit zehn Themen und wenn Du Deine Schreibzeit hast, suchst Du Dir eins dieser Themen aus und schreibst darüber. Es ist gar nicht so wichtig, was Du schreibst, sondern dass Du schreibst. Und vielleicht machst Du sogar nach den Feiertagen mit regelmäßigem Schreiben weiter. Eins noch: Lies Dein Geschriebenes nicht mehr. Schreibe, und packe es weg. Wenn dann die Woche vorbei ist, wartest Du noch zwei oder drei Tage und dann liest Du, was Du geschrieben hast. Ich bin mir sicher, dass Du ein gewisses Muster erkennen wirst, was und worüber Du schreibst. Das werden Dinge sein, die Dir bis dato nicht in dieser Form bewusst waren. Schreiben erfüllt also zwei Funktionen: Zum einen hilft das Schreiben an sich, zum anderen offenbart es Dir für die Ursache der Essstörungen relevante Themen.

3: Die andere halbe Stunde nutzt Du, um es Dir richtig gut gehen zu lassen:

Die verbleibende halbe Stunde machst Du etwas, was Du richtig gerne machst: Musik hören, lesen, basteln, … Sei kreativ, drücke Dich aus! Und wenn es Dir hilft, kannst Du auch hierfür jetzt eine Liste mit Dingen erstellen, aus denen Du dann auswählen kannst. Natürlich kannst Du auch länger als eine halbe Stunde schreiben und viiiiiiel länger als eine halbe Stunde etwas Schönes machen. Aber mache es alleine!

4: Vereinbare Telefontermine mit Vertrauenspersonen:

Hast Du eine gute Freundin, einen guten Freund, etc. die während der Feiertage nicht in Deiner Nähe sind, mit denen Du aber offen und ehrlich (auch über Deine Probleme) reden kannst? Dann vereinbare heute noch zwei Telefontermine mit dieser Person.

5: Frühstücke gesund, bewusst und gemütlich:

Um Rückfälle zu vermeiden, kannst Du auch auf der körperlichen Ebene etwas tun. Rückfälle bzw. „Fressdruck“ treten meist erst nachmittags auf. Wenn Du es also schaffst, in Ruhe und einigermaßen gesund zu frühstücken, – um Deinen Serotoninspiegel einigermaßen konstant zu halten – beugst Du auf körperlicher Ebene einem Rückfall vor. Zum anderen ist es – solltest Du nachmittags einen Rückfall haben – auch für Deine Psyche beruhigend zu wissen, dass Du morgens schon etwas Gutes für Dich getan hast. Und denke daran: Ein Rückfall in die Essstörungen ist „nur“ ein Rückfall. Versuche – am besten schriftlich – herauszufinden, warum Du ihn hattest und dann machst Du mit Deinem „Programm“ weiter.

Ich hoffe, dass Euch diese fünf Punkte helfen und Ihr Euch mit ein bisschen Vorbereitung entspannt und voller Vorfreude auf Weihnachten einlassen könnt!

lebenshungrige Grüße

Simone